Login
|
|
|
Forenübersicht
|
|
|
|
 |

26.02.2008, 20:47
|
 |
Praetor
|
|
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 403
|
|
|
Gab es das Drittes Reich, weil Deutschland nie eine wirkliche Revolution hatte?
In Geschichte befassen wir uns zurzeit mit dem sogenannten Deutschen Sonderweg.
Eine These wieso Deutschland diesen Sonderweg einschlug ist die, dass es in Deutschland nie eine wirkliche Revolution, wie in Frankreich 1789, gab.
Die Französische Revolution ist nicht flächendeckend auf Deutschland übergesprungen, die Märzrevolution 1848 ist gescheitert, und auch die Novemberrevolution 1918 konnte durch das Bündnis Eberts mit den alten Eliten keine tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen bringen. Die Preußischen Reformen haben das Land zwar nach vorne gebracht, doch war an ihrer Ausarbeitung das Volk nicht beteiligt, eine Revolution, die den Staat und die Gesellschaft positiv hätten beeinflussen können, wurde somit bereits im Keim erstickt.
Dies alles habe dazu geführt, dass die Deutschen nie eine besonders hohe Eigeninitiative zeigen konnten bzw. mussten, wodurch sie sich immer auf den Staat verlassen und nie wesentlich gegen ihn aufbegehrt haben, auch dann nicht als der Nationalsozialismus am Ruder war.
Seid ihr auch dieser Meinung?
__________________
Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
Geändert von K. Ropp (26.02.2008 um 21:01 Uhr).
|

26.02.2008, 21:18
|
|
Ädil
|
|
Registriert seit: 19.02.2008
Beiträge: 282
|
|
|
Ich bin der Meinung, daß die Revolutionsthese korrekt ist.
Deine Schlußfolgerungen bezüglich der Eigeninitiative teile ich nicht.
Vielmehr bin ich der Meinung, daß durch die fehlende Revolution nie das Gesellschaftsgefüge aus den Fugen geriet und stets die alten Eliten die Macht behielten.
|

28.02.2008, 14:35
|
|
Quaestor
|
|
Registriert seit: 14.12.2007
Beiträge: 130
|
|
Gab es das Drittes Reich, weil Deutschland nie eine wirkliche Revolution hatte?
Nein, das glaube ich so nicht.
Die Ursachen, weshalb es ein Drittes Reich gab sind sehr vielfältiger Natur, aber meines Erachtens liegt es nicht an der ausgebliebenen Revolution.
Einige Ursachen für das Dritte Reich sind beispielsweise die Weltwirtschaftkrise von 1929, die Nachkriegspolitik Großbritanniens und vor allem Frankreichs, die nicht unerheblichen strukturellen Schwächen der Weimarer Republik, das Versagen der Parteien und das teilweise verbreitete antidemokratische Denken in einigen gesellschaftlichen Gruppierungen wie der Reichswehr oder der Verwaltung und Justiz.
__________________
"Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern mit den Augen die Tür zu finden." [Walter von Siemens]
|

28.02.2008, 14:47
|
 |
The Censor
|
|
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
|
|
|
Ja und Nein. Ich glaube die ausgebliebene Revolution ist nicht Ursache, sondern Symptom. Die Deutschen sind tendenziell eher bereit eine Obrigkeit zu akzeptieren, egal wie sie sich verhält. Das hat einerseits größere Revolutionen verhindert, andererseits aber den Nationalsozialismus ungemein gefördert.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
|

28.02.2008, 14:57
|
 |
Demokrat
|
|
Registriert seit: 08.06.2005
Ort: Zürich, Schweiz
Beiträge: 321
|
|
|
@Wulfnoth
Interessant wäre nun herauszufinden, weshalb bei den Deutschen die besagte Obrigkeitsgläubigkeit stärker ausgeprägt ist, als bei anderen Völkern. Gibt es bei den Deutschen sowas wie ein Autoritäts-Gen, welches anderen fehlt? Oder ist es einfach nur Zufall?
Wenn man sich die historische Entwicklung des deutschen Sprachgebietes in Mitteleuropa anschaut, dann müsste man aufgrund des über weite Strecken weitgehenden Mangels an starker Zentralgewalt eigentlich davon ausgehen, dass die Deutschen überzeugte Föderalisten und demnach unempfindlich für autoritäre Strömungen sind.
__________________
Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt. Mark Twain, 30.11.1835 bis 21.04.1910
|

28.02.2008, 15:04
|
 |
The Censor
|
|
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
|
|
|
Hm ich denke das bleiben nur Vermutungen. Ich persönlich glaube, dass es an der unterschiedlichen Obrigkeit und am Föderalismus lag/liegt.
Durch den Föderalismus war der Herrscher immer wesentlich näher am Menschen. Die Obrigkeit konzentrierte sich nicht nur auf die Hauptstadt, sondern war dezentral im ganzen Lsnd verstreut und damit greifbarer. Föderalismus hat doch nichts mit fehlenden Autoritäten zu tun, es kann auch einfach nur sehr viele Autoritäten bedeuten.
Zudem sind die deutschen Obrigkeiten niemals wie die Absolutisten in Frankreich zu weit gegangen. Die bereits oben angesprochene Entwicklung in Preußen mit der von oben gegebenen Verfassung aber auch, um ein anderes Beispiel zu nennen, die bismarckischen Sozialsysteme dokumentieren den Willen sich mit dem Volk zu arrangieren.
Das sind natürlich nur Erklärungsansätze aber es gibt schon so etwas wie Volksmentalitäten und in Deutschland galt sehr lange Ruhe als erste Bürgerpflicht und das wird selbst heute noch häufig geäußert. Allerdings würde ich die aktuelle Passivität eher der allgemeinen Politikverdrossenheit zuschreiben.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
|
 |
|
Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
|
|
|
Forumregeln
|
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.
HTML-Code ist aus.
|
|
|
|
Letzte Links
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|