05.09.2008 - 21:52
Historik Forum
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  #1  
Alt 09.07.2008, 22:47
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
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Beiträge: 682
WASSER MACHT GESCHICHTE

Als Ausgangspunkt kopiere ich hier einen Beitrag aus dem Thread "End of history" ein:
"Wasser ist ein immer noch unterschätztes Problem. In Spanien ist es knapp geworden, ebenso wie in Atlanta/USA, Israel betreibt deswegen mit der Türkei ein Geschäft "Wasser gegen Waffen". In der Millionenstadt Sana'a (Jemen) hat man vor 20 Jahren Brunnen 20 m tief gebohrt, inzwischen holt man es aus 800 Meter Tiefe und es gibt Überlegungen, die Hauptstadt komplett zu verlegen, was natürlich unmöglich ist. Kriege werden künftig nach Meinung von Zukunftsforschern mehr um Wasser als um Öl entstehen. Öl lässt sich ersetzen, Wasser nicht. Ich kenne keinen Vorschlag für einen Ausweg für Staaten in trockenen Regionen. In Deutschland haben wir genügend. Ein Trost, aber ein sehr egoistischer ..."

Doch dieses ist ein historisches Forum. Ich finde den Umgang mit Wasser in der Geschichte für ein spannendes Thema und würde auch gern mehr darüber wissen. Aquädukte und antike Bewässerungssysteme haben Lebensbedingungen geprägt, Reiche zum Blühen gebracht. Abwassersysteme (-kanäle) waren in der Geschichte der Urbanisierung eine riesige Herausforderung. Intelligente Lösungen wurden immer wieder gefunden. Heute machen Unternehmen mit Wasser-Filteranlagen und Meerwasser-Entsalzungsanlagen Milliardenumsätze.

"Menschen machen Geschichte" sagen viele. In meinem Bücherschrank steht ein Buch "Seuchen machen Geschichte". Ich stelle zur Diskussion: "Wasser macht Geschichte".
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  #2  
Alt 10.07.2008, 00:48
Benutzerbild von Belisarius
Tribun
 
Registriert seit: 09.06.2008
Beiträge: 53
da würde ich dir recht geben ,weil die basis jeder hochkultur immer eine hochentwickelte agrikultur war, denn nur sie erlaubte es genügend große bevölkerungsschichten von der arbeit an der grrundversorgung freizustellen, sodass sich handwerk, kunst und ander kulturgüter entwickeln konnten. deswegen waren die ersten und am weitesten entwickelten kulturen diejenigen , die entweder in geographisch begünstigten regionen wie etwa dem schwemmland ägyptens lagen oder jene die entsprechend hoch entwickelte bewässerungstechnikenentwickelten wie zb die frühen hochkulturen im süden der iranischen hochebene

ein wirklich interesantes bsp für eine solche hochentwickelte agrarkultur war das maurische spanien al andalus , dessen bewässerungssysteme nach der christlichen eroberung zerfielen ,woraufhin die einstmals hochproduktiven landwirtschaft durch eine weniger produktive viehhaltung ersetzt wurde, was mit zu einem bevölkerungsrückggang und zu einem schrumpfen der wirtschaftskraft des landes führte.
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  #3  
Alt 10.07.2008, 02:40
Benutzerbild von Magpie
Tribun
 
Registriert seit: 09.07.2007
Ort: nähe München
Beiträge: 63
Dazu fällt mir ein: Mein Lateinlehrer hat uns dieses Jahr immer wieder eingetrichtert: Der nächste große Krieg wird ums Wasser gehn. Und als Taucher war er davon überzeugt..
__________________

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  #4  
Alt 10.07.2008, 09:43
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 682
Zitat von Magpie Beitrag anzeigen
Dazu fällt mir ein: Mein Lateinlehrer hat uns dieses Jahr immer wieder eingetrichtert: Der nächste große Krieg wird ums Wasser gehn. Und als Taucher war er davon überzeugt..
Da hat der Lateinlehrer recht, davon sind viele Experten überzeugt. Aber gab es schon Kriege um Wasserzugang in der Geschichte? Hat jemand dazu konkrete Beispiele? Geografen sagen: Kulturen haben sich überhaupt erst an Flüssen oder Meeresufern entwickelt ...

Im Kopf habe ich, vage, auch: Im Mittelalter wurden Kriege entschieden, weil belagerten Städten das Wasser ausging und sie sich ergeben mussten. Aber hat jemand auch dazu konkrete Beispiele?

Klar ist: Fürsten legten ihre Burgen so an, dass dies möglichst nicht passieren sollte ...
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  #5  
Alt 10.07.2008, 09:45
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 682
Zitat von Belisarius Beitrag anzeigen
ein wirklich interesantes bsp für eine solche hochentwickelte agrarkultur war das maurische spanien al andalus , dessen bewässerungssysteme nach der christlichen eroberung zerfielen ,woraufhin die einstmals hochproduktiven landwirtschaft durch eine weniger produktive viehhaltung ersetzt wurde, was mit zu einem bevölkerungsrückggang und zu einem schrumpfen der wirtschaftskraft des landes führte.
Interessant - das wusste ich zum Beispiel nicht. Das heißt aber, dass die Mauren besser mit Wasser umzugehen verstanden als die Christen?
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  #6  
Alt 10.07.2008, 10:08
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.247
Die Bedeutung von Wasser wird schon deutlich wenn wir uns die Entstehung der ersten Hochkulturen ansehen. In Mesopotamien und am Nil, wo die größten Flüsse der Region fließen. Am Nil waren die Menschen sogar bereit für die Fruchtbarkeit alljährlich nasse Füße zu bekommen, etwas das man heute als Naturkatastrophe medial präsentieren würde.

Die Römer waren vielleicht die größten Wasserbaumeister der Antike. Jeder kennt die Aquädukte, die teilweise noch heute Wasser führen und z.B. den Trevi Brunnen versorgen. Und das nach 2000 Jahren mit höchstens mittelprächtiger Wartung.

Und da wir zum Thema Wasser sowieso gerade einen Rundumschlag in der Geschichte machen würde ich noch die mittelalterliche Anklage gegen die Juden einwerfen. Sie sollen die Brunnen vergiftet haben. Und das ist einem Gebiet (Mitteleuropa), das nicht gerade durch Wasserarmut auffällt. Ich denke solche Vorwürfe zeigen eine urmenschliche Angst vor dem Verschwinden einer existenziellen Lebensgrundlage.

Interessant - das wusste ich zum Beispiel nicht. Das heißt aber, dass die Mauren besser mit Wasser umzugehen verstanden als die Christen?
Wäre ja kein Wunder. Westeuropa ist nun wirklich nicht gerade durch Wasserarmut gezeichnet und wieso komplizierte Bauwerke errichten, wenn durch jede Stadt ein Fluss fließt.
Was mich wieder an eine alte Regel erinnert: An dem und dem Tag nicht in den Fluss urinieren, es wird Bier gebraut.
Ich glaube es gibt sogar eine Tafel mit dieser Regel in Bremen zu bewundern. Entweder im Schnoor oder im Becks-Museum, keine Ahnung.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #7  
Alt 10.07.2008, 11:17
Benutzerbild von Nichts
nobodys fault
 
Registriert seit: 10.12.2007
Ort: Braunschweig
Beiträge: 322
Ausser als Trinkwasser und Handelsweg machte Wasser ja auch noch anders Geschichte , wie bei den Holländern als Verteidigungsmittel.
Einmal die Deiche öffnen und kein Gegener kam mehr durch.
Nachteil war natürlich die Überflutung eigener Gebiete.
__________________
Auch Demokratie ist nur eine (Geld-)Aristokratie
alles Geschriebene zeigt meine "bescheidene und nicht gefragte" Meinung.

und Ordograffi feler kan der fiender bealten
_________________________________________
BIG SCHÄUBLE IS WATCHING YOU
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  #8  
Alt 10.07.2008, 15:45
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 682
Eine Neben-Facette ist die Schmutzwasser-Entsorgung. Die Erfindung des Wasserklosetts wird dem englischen Dichter Sir John Harington (1561 bis 1612) zugeschrieben. Das war ein Auftrag von Königin Elizabeth I.
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  #9  
Alt 10.07.2008, 18:16
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.247
Ach wirklich? Wasser im Bad kannten meines Wissens nach schon die Römer, ob sich das allerdings auch auf das Örtchen bezieht kann ich leider nicht sagen. Die Kanalisation selbst kannten schon die Etrusker aber sind sie damit auch die Erfinder?
Im Übrigen ist es schon eine kleine Absurdität unserer Zivilisation, dass wir pro Gang auf die Toilette mehrere Liter Frischwasser in die Kanalisation jagen.
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  #10  
Alt 10.07.2008, 18:21
Benutzerbild von Belisarius
Tribun
 
Registriert seit: 09.06.2008
Beiträge: 53
die römer hatten auch schon eine fließende spühlung in öffentlichen bedürfnisanstalten gehabt .
die waren interesanterweise mit einer art münzautomat ausgestattet
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  #11  
Alt 10.07.2008, 22:56
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
Registriert seit: 29.10.2007
Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
Beiträge: 712
Wasserläufe dienten auch als Transportmittel für die Truppen. Die Römer dominierten nicht zuletzt auch durch die Flüsse die gesamte bekannte Welt.

Die Flüsse Afrikas hingegen wurden als Transportmittel für die Sklaven Anlieferung in den Stationen verwendet - so blutete Afrika regelrecht aus durch die Flüsse...

Die Araber hatten mehr Ahnung von Bewässerung und Brunnenbau wie die damaligen Europäer. Sie schätzten auch in ihrer Architektur einen schönen Springbrunnen inmitten von üppigen Zitruspflanzen und den typischen maurischen Säulengängen.

Aber was wirklich bedenklich stimmt, ist der heutige Umgang mit diesem kostbarsten aller Rohstoffe für den Menschen, vor allem in den boomenden Weltgegenden.
Wenn Länder wie China unter Wassermangel leiden, dann kann da schnell eine politische Krise entstehen.
__________________
"So lange nicht alle Menschen werden wie er, müßen wir unsere Schwerter scharf halten"

Ben Hur: "Und unseren Zielen treu bleiben."
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  #12  
Alt 11.07.2008, 13:54
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 682
Die ältesten Brunnen datieren Archäologen auf das 9./10. Jahrtausend v. Chr. auf Zypern. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Bau von Brunnen eine entscheidende Begleiterscheinung der Sesshaftwerdung von Jägern und Sammlern war. Diskutiert wird dabei die Frage: Wann wird aus einem im Boden gegrabenen Loch ein Brunnen?
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  #13  
Alt 11.07.2008, 14:02
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 682
Zusatz zur Frage: Künftig Kriege um Wasser?
Dass es im Nahen Osten darum geht, ist klar. Aber in Lateinamerika, das war mir neu. Siehe
TP: Argentinien bereitet sich auf Krieg ums Wasser vor
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  #14  
Alt 11.07.2008, 14:08
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.247
Das ist eine gute Frage, habe ich mir so noch nie gestellt.

Interessant am Thema Wasser ist auch, dass es in gewisser Weise Messwert und Begrenzung der Zivilisation zugleich ist. Der Mensch braucht naturgemäß ziemlich viel Wasser, jede Ansammlung menschlicher Behausungen ist somit begrenzt durch die Wasserversorgung. Damit Städte diesen Schwellwert überschreiten ist also eine ausgeklügelte Versorgung notwendig, das Ausmaß dieser künstlichen Versorgung kann man schon als Messwert der Zivilisation betrachten. Denn es geht ja nicht nur darum die nötige Infrastruktur zu schaffen und zu warten sondern dahinter steckt auch ein enormer öffentlicher Organisationsaufwand.
Wobei man hier schon wieder zur Frage abweicht woran sich Zivilisation misst...
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  #15  
Alt 11.07.2008, 18:53
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 682
Dazu passt, dass in verschiedenen alten Kulturen (zum Beispiel bei den Babyloniern) "Wasser-Gottheiten" verehrt wurden ...
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