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28.12.2007, 17:07
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Praetor
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Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 403
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Zeitzeuge der größte Feind des Historikers?
In einer Sendung von Planet Wissen bezeichnete ein Historiker Zeitzeugen als die größten Feinde des Historikers.
Ist dem zuzustimmen?
Verbreiten Zeitzeugen ein zu subjektives Bild ihrer Erlebnisse an ihre Kinder und Enkel, wodurch diese ein falsches Bild der Vergangenheit vermittelt bekommen?
Oder sind Zeitzeugen für die Geschichtsforschung unverzichtbar, da es für viele Ereignisse keine anderen Quellen gibt und Dokumente auch nicht immer objektiv sind?
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Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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28.12.2007, 17:41
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Würde letzterem zustimmen. ^^
Das heißt ja nicht, dass man sich ausschließlich auf Zeitzeugen verlassen muss, wenn man richtige Quellen hat, oder dass man das Zitierte als Fakt darstellen muss.
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28.12.2007, 17:52
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K.u.K. Hofzensor
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Registriert seit: 19.05.2005
Ort: Wien
Beiträge: 1.049
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Naja. Durch Vergleichen vieler Augenzeugenberichte schreibt sich ja auch die "objektive" Geschichte in einem nicht wenig beträchtlichen Teil.
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28.12.2007, 18:00
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 737
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Ohne die Berichte von Zeitzeugen wüssten wir viel weniger über die Vergangenheit. Aber die kritische Distanz ist gegenüber jeder Quelle zu bewahren (das gilt auch für Schulbücher im Fach Geschichte; es ist nicht lange her, da stand in den meisten, Kolumbus habe als erster Amerika erreicht).
Ich arbeite beruflich als Journalist. Für solche wie für Historiker gilt quasi als 11. Gebot: Du sollst nicht einfach alles glauben was man dir sagt oder schriftlich in die Hand drückt. Stets ist zu überlegen, wer die Quelle verfasst hat, und ob dieser vielleicht ein Motiv für eine bestimmte Art der Darstellung hat. Der Zeitzeuge mag sich selbst als Helden darstellen wollen oder als Lohnschreiber jemanden anderes. Zu berücksichtigen ist bei Zeitzeugen ausserdem, dass jedermann/frau eine subjektive Wahrnehmung hat.
Aber das alles ändert nichts am unverzichtbaren Wert von Zeitzeugenberichten. Man muss nur richtig (also: kritisch) damit umgehen können.
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28.12.2007, 18:19
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Thete
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Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 741
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Ein Zeitzeuge ist erst mal eine historische Quelle; und jede historische Quelle bedarf der Quellenkritik, sonst ist das Ergebnis eine mehr oder minder nette Geschichte, aber keine Geschichtswissenschaft.
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28.12.2007, 18:25
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Zeitzeugen können eine Quelle sein, sie DÜRFEN aber nicht DIE Quelle sein. Zeitzeugen sind ähnlich wie Tagebücher, etc Puzzlesteine die ein ganze ergeben. Daher sind Guido Knopps Sendungen der größte Schrott..
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28.12.2007, 23:51
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Tribun
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Registriert seit: 27.07.2007
Ort: NRW
Beiträge: 79
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Ich finde auch Zeitzeugen sind Quellen wie jeder andere auch und sind so zu behandeln.
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Kenntnisse kann jedermann haben,
aber die Kunst zu denken ist das seltenste Geschenk der Natur. Friedrich d. Grosse
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29.12.2007, 00:21
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Zitat von mozart
Zeitzeugen können eine Quelle sein, sie DÜRFEN aber nicht DIE Quelle sein. Zeitzeugen sind ähnlich wie Tagebücher, etc Puzzlesteine die ein ganze ergeben. Daher sind Guido Knopps Sendungen der größte Schrott..
Guidos Dokus sind aber nicht deswegen Schrott, weil sie Aussagen von Zeitzeugen enthalten, sondern weil diese gezielt eingestreut werden, um emotional zu beeinflussen.
Selbst wenn er die Fakten korrekt darstellt... hat man eine Sendung gesehen, ist wird man viel mehr durch die Zitate beeinflusst als durch die bloßen Fakten.
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29.12.2007, 00:30
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Hoplit
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Registriert seit: 29.10.2007
Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
Beiträge: 713
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Ich unterhalte mich gerne auch mal mit Zeitzeugen, sehe die Erzählungen aber in einem engeren Kontext: es werden meistens Einzelschicksale erzählt. Diese ergeben im großen historischen Geschehen wenig Sinn. Meistens sind es Erzählungen die den Alltag, z. Bsp. eines U-Boot-matrosen schildern, oder eines Panzerfahrers an der Ostfront. Wichtig sind meines Erachtens die "großen Fische", Zeitzeugen die an den Hebeln der Macht oder daneben gestanden sind. Deswegen würde ich nicht gleich polarisieren und diese Berichte (wenn es sich eben um Schlüsselfiguren handelt) generall als Schrott abstempeln. Bei Knopp wird ja eine Art Portrait einer historischen Persönlichkeit erstellt, augrund - vor allem- von Erfahrungsberichten von Adjutanten, Sekretärinnen, Kinder, Kellner undsow. Die Polizei geht ja auch nicht anders vor, um eine bestimmte Person zu durchleuchten.
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 "So lange nicht alle Menschen werden wie er, müßen wir unsere Schwerter scharf halten"
Ben Hur: "Und unseren Zielen treu bleiben."
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29.12.2007, 00:35
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Vermutlich ist es schwierig ein Thema objektiv zu behandeln, und dennoch in ein unterhaltsames TV Format zu zwängen.
Aber die Knopp Dokus zeichnen sich wirklich durch offensivste Suggestion aus. Wie die Musik immer an zu dramatisierenden Momenten spielt, jedes Zitat einen "vielsagenden" Kommentar aus dem Off erhält. Die Möglichkeit einer Meinungsbildung aufgrund von Fakten oder deren Schilderung durch Zeitzeugen wird da sehr begrenzt.
Aber um Knopp soll es hier nicht gehen...
Ich will damit sagen, dass Zeitzeugenaussagen wichtig sind, aber auch sehr polarisieren können, was den Umgang damit um so schwerer macht. Knopp führt glänzend vor, wie man es nicht machen sollte...
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29.12.2007, 00:54
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Hoplit
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Registriert seit: 29.10.2007
Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
Beiträge: 713
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Es geht bei ihm schon um "Geschichts-Entertainment" im TV. Aber abgesehen davon, sind die Menschen die im Umfeld der historischen Persönlichkeit eine Rolle gespielt haben, wichtige Zeugen die auch ev. auf widersprüchliche Aussagen bewertet werden können. Das ganze hat schon eine konstruierte Dramaturgie, für eine bestimmte Zielgruppe.Ich finde aber -abgesehen davon- auch Erfahrungsberichte der "kleinen Beteiligten" für jeden geschichtsinteressierten wichtig. In keinem Buch kann man nachvollziehen wie Menschen in Grenzsituationen wirklich agieren, was sie denken, undsow. Ich sehe hier eher die Liebe zur Geschichte. Und es kann nie schaden zu erfahren wie sichs so lebt, mitten im Gemetzel.
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 "So lange nicht alle Menschen werden wie er, müßen wir unsere Schwerter scharf halten"
Ben Hur: "Und unseren Zielen treu bleiben."
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29.12.2007, 01:29
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Zitat von Jason
Ich finde aber -abgesehen davon- auch Erfahrungsberichte der "kleinen Beteiligten" für jeden geschichtsinteressierten wichtig.
Richtig, denn dadurch können wir erfahren, wie die einfachen Menschen damals dachten und wie sie die geschichte erlebten.
Wenn mir aber in einer "Doku" über die Politik des 3. Reiches eine Frau als Zeitzeugin präsentiert wird, die zur damaligen Zeit noch in den Windeln gelegen hat, zweifle ich schon ein wenig was für einen Sinn das haben soll nun diese frau zu hören.
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29.12.2007, 01:39
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Die wird wohl kaum eigene Erfahrung schildern, als viel mehr das, was ihre Eltern ihr gesagt haben. Das ist auch interessant, und wichtig, wie etwa die Schilderungen von Rommels Sohn.
Mich stört bei Knopps Dokus viel mehr die Unverhältnismäßigkeit, in der bestimmte Zeugen zitiert werden.
Wenn eine Aussage stellvertretend für viele Millionen ist, sollte sie nicht das gleiche Maß an Aufmerksamkeit eines Einzelfalles bekommen, der der anderen Aussage fast widerspricht. So wird erstere relativiert und letztere in den gleichen Rang der Bedeutsamkeit gehoben.
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29.12.2007, 11:11
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
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Zeitzeugen sind eine Quelle die man beachten sollte allerdings muss man eben daran denken, dass mit wachsender Distanz zu den Ereignissen die Zeitzeugen nur noch die Erinnerung der Erinnerung der Erinnerung wiedergeben.
Will sagen, dass sie (so arbeitet nunmal das Gehirn) eine bestimmte Geschichte im Kopf haben, die sie fast auswendig wiederholen und eventuelle Fehler in der erzählten Geschichte haben sich über die Jahrzehnte gefestigt.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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29.12.2007, 15:25
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Hab da mal einen Artikel über ein "kollektives Gedächtnis" gelesen. Der beschrieb, wie sich eigene Erinnerung mit Geschichten, die man gehört haben, verschmolzen haben.
Die Zeitzeugen waren felsenfest von ihrer Version überzeugt, auch wenn diese widerlegt wurde.
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