08.09.2008 - 06:02
Historik Forum
Altertum Dieser Bereich ist für alle Themen im Altertum, die sich nicht in die anderen Foren dieser Kategorie einordnen lassen.
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  #1  
Alt 14.07.2005, 22:10
Benutzerbild von Wulfnoth
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Kampfweise der Kelten

Hallo,

Ich suche gerade Informationen zur Kampfweise der Kelten. Kennt sich hier jemand damit aus oder weiß gute Links?

Gruß
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  #2  
Alt 14.07.2005, 22:23
Benutzerbild von Draconarius
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Habe hier ein paar Links, allerdings sind die auf Englisch, ansonsten halt Quellen lesen, Caesar, Polybios, Tacitus (den man ja aber angeblich nicht glauben darf :rolleyes und teilweise vllt. hellenistische, hatten ja auch mit den Kelten das Vergnügen.
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μηδὲν ἄγαν
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  #3  
Alt 14.07.2005, 22:26
Benutzerbild von Wulfnoth
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Jo danke.
Dann werde ich wohl mal wieder lesen, obwohl ich Caesar bisher tapfer vermieden habe aber wenn es nicht mehr anders geht...

Ich mag schon garnicht mehr ins Regal gucken, da stapeln sich schon mindestens 10 Bpcher die ich noch unbedingt lesen will 8o
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  #4  
Alt 14.07.2005, 22:40
Benutzerbild von Draconarius
Historiddler
 
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http://www.gallica.co.uk/celts/warriors.htm
da sind ein paar Zitate, aber die meisten anderen Seiten sind weniger ertragreich.

Muss selber Caesar auch mal lesen (das was nicht in Latein gemacht wurde, und das ist viel), komme in letzter Zeit aber irgendwie kaum zum Lesen.
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μηδὲν ἄγαν
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  #5  
Alt 04.10.2007, 19:08
Benutzerbild von Kriegsknecht
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@Wulfnoth

Hast du noch Interesse an Infos zur Kampfweise der Kelten?
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  #6  
Alt 04.10.2007, 19:10
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Jap hab ich immer noch. Ich bin seitdem nicht wirklich weiter gekommen. Habe mich in letzter Zeit eher mit neuzeitlichen Themen beschäftigt.
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  #7  
Alt 04.10.2007, 19:16
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Alles klar. Ausführliche Darstellung folgt im Verlauf des Abends.
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  #8  
Alt 04.10.2007, 19:27
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Zitat von Kriegsknecht Beitrag anzeigen
Alles klar. Ausführliche Darstellung folgt im Verlauf des Abends.
Danke aber schreib dich nicht tot. Das Forum haftet nicht für die Tastatur.
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  #9  
Alt 04.10.2007, 22:00
Benutzerbild von Kriegsknecht
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Kampftaktik der Kelten

Über die Kriegsweise der Keltischen Völker des letzten Drittels des 1. Jahrtausends vor Christus ist verhältnismässig viel bekannt. Archäologische Funde, einheimische bildliche Darstellungen, Abbildungen keltischer Krieger in der griechischen, etruskischen und römischen Kunst sowie Nachrichten antiker Autoren ergeben ein einigermassen abgerundetes Bild. Das Kriegshandwerk der Kelten hat deren Nachbarvölker, die den keltischen Zorn nicht selten am eigenen Leib zu spüren bekamen, nachhaltig beeindruckt.

Die wichtigste Angriffswaffe war das Schwert. In diesem Punkt unterscheiden sich die Kelten in erheblichem Masse von den Germanen, bei denen Schwerter im Krieg eine eher untergeordnete Rolle spielten. Frühe Exemplare der berühmten keltischen Schwerter haben eine spitze, für Hieb und Stich gleichermassen geeignete Klinge von durchschnittlich 60 Zentimeter Länge. Später setzte sich bei den Kelten dann das reine Hiebschwert mit einer vorne abgerundeten Klinge von 80 Zentimeter und mehr durch. Es handelte sich also um sehr imposante Waffen, deren Verwendung viel Kraft und Können verlangte.

Die Kelten waren hervorragende Eisenschmiede. Zur Erhöhung der Elastizität wurden die Klingen aus aus mehreren Eisenstäben unterschiedlicher Härte hergestellt. Das härteste Material wurde für die Klinge verwendet. Die oftmals kunstvoll verzierten Waffen – Schwerter hatten bei den Kelten auch eine kultische Bedeutung – wurden mit markanten Griffen gefertigt. Diese Griffe hatten häufig die Form eines langgestreckten X. Die Scheiden der Schwerter waren in der Regel ebenso kunstvoll gefertigt, wie die Waffe selbst. Getragen wurde das Schwert an einer Kette aus Eisen oder Bronze an der Hüfte. Das keltische Langschwert beeindruckte die Völker der Griechischen und Römischen Welt gleichermassen. Das lateinische Wort Gladius ist nicht umsonst von einer keltischen Bezeichnung für Schwert abgeleitet (altirisch claideb, kymrisch cleddyf).

Eine weitere von den Kelten häufig verwendete Waffe war der mit einem Wurfriemen versehene Wurfspeer. Diese Speere waren bis 2,5 Meter lang und hatten ein 20 bis 60 Zentimeter langes, schmales Blatt aus Eisen. Vermutlich handelte es sich hierbei um die Wurflanzen der keltischen Streitwagenkämpfer. Als Schutzwaffen sind bei den Kelten Helme, Panzer und Schilde nachgewiesen. Die Schilde bestanden meist aus mit Leder bezogenem Holz. Das Gros der keltischen Soldaten dürfte Helme und Panzer aus Leder getragen haben. Metallene Panzerungen waren den vermögenden Edelleuten vorbehalten.

Die Kelten kannten eine eigene Kavallerietaktik. Die Kampfesweise der keltischen Reiter wurde von ihnen als Trimarkisia bezeichnet. Glaubt man den Berichten des Pausanias (2. Jahrhundert nach Christus) bildete sich die Trimarkisia aus je einem berittenen Kämpfer, der in der Schlacht von zwei Dienern unterstützt wurde, sowie mehreren Pferden. Die Diener hielten sich ausserhalb des Schlachtgetümmels. Sobald der Krieger seines Pferdes verlustig ging, brachten die Diener ihm ein neues. Wurde der Reiter selber verwundet, brachte ihn einer seiner Diener in Sicherheit, während der andere an seiner Stelle weiterkämpfte.

Die Kelten gebrauchten im Kampf zudem Streitwagen. Diese Wagen – von den Kelten als Essedon bezeichnet – waren von leichter Konstruktionsweise und nach vorne und hinten offen. Gezogen wurden sie von zwei kleinen Pferden, die unter einem hölzernen Joch liefen, das auf dem Rücken oder Widerrist der Tiere befestigt war. Cäsar verdanken wir eine ausführliche Beschreibung der keltischen Streitwagentaktik, die er in seinem Werk Der Gallische Krieg niederschrieb. So gab es auf jedem Wagen einen Lenker und einen Kämpfer. Zunächst nutzte der Kämpfer den Streitwagen als Kampfplattform, indem er während der Fahrt Wurfspeere schleuderte. Wenn die Wagen dann für genügend Verwirrung in den Reihen der Feinde gesorgt hatten, sprangen die Kämpfer ab und fochten zu Fuss weiter. Der Lenker fuhr den Streitwagen in der Zwischenzeit aus dem Getümmel, blieb allerdings stets dazu bereit, den Kämpfer zu unterstützen, sobald dieser in Bedrängnis kam.

Ein wesentliches Element der keltischen Kriegstaktik bestand auch in der Einschüchterung des Gegners. In der Schlacht zwischen Römern und Kelten bei Telamon (225 v. Chr.) sahen sich die römischen Truppen mit keltischen Kriegern konfrontiert, die ein ohrenbetäubendes Kriegsgeschrei anstimmten. Zusätzlich unterstützt wurde der Gesang durch Trompeten. Ausserdem waren die Krieger vielfach nackt und mit goldenen Hals- und Armringen geschmückt (nach Polybios). Die Kelten beherrschten diese Form der psychologischen Kriegsführung so gut, dass die Römer bei Telamon in Angst und Schrecken verfielen.

Die Kriegshandlungen der Kelten waren eng an religiöse Riten gebunden. Zum Entsetzen ihrer Feinde bestanden diese Riten häufig in der Opferung von Kriegsgefangenen. Zudem finden sich bei antiken Autoren immer wieder Hinweise darauf, dass die Kelten den gefallenen Gegnern die Köpfe abschlugen und diese als Trophäen aufbewahrten. Inwieweit es sich bei diesen Berichten um Propaganda handelt, welche eine Barbarisierung der Kelten zum Ziel hat lässt sich allerdings schwer beurteilen. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die Köpfung des getöteten Feindes im Sinne einer religiös-rituellen Handlung eine wichtige Bedeutung innerhalb der keltischen Kriegerkultur besass. Wenn man bedenkt, dass die Zulu-Krieger im 19. Jahrhundert den gefallenen englischen Soldaten die Bäuche aufschlitzten, um deren gefangene Seelen zu befreien, sind derartige Riten gar nicht so abwegig.

...und ich hab noch versucht mich kurz zu fassen...
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Geändert von Kriegsknecht (05.10.2007 um 10:14 Uhr).
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  #10  
Alt 05.10.2007, 00:25
Benutzerbild von Draconarius
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Zitat von Kriegsknecht Beitrag anzeigen
Kampftaktik der Kelten
Die wichtigste Angriffswaffe war das Schwert.
Das ist extrem zeitabhängig. Hier mal ein Link um das zu verdeutlichen. Die Ausrüstung hat sich wie man sieht im Laufe der Zeit geändert. Das Schwert ist auch bei den Kelten ein Statussymbol, sein Einsatz hängt von den finanziellen Möglichkeiten des Trägers und den sozialen Gegebenheiten innerhalb der Gesellschaft ab. Also können sich z.B. Adelige Schwerter leisten, mit dem aufkommenden keltischer Söldner ebensolche, daneben eventuell noch wohlhabende Handwerker, Händler etc. Ähnlich wird es bei Kettenhemden gewesen sein, die ja noch einen zeitlich höheren Arbeitsaufwand erfordern. Ob es allerdings die Ausrüstung der einfachen Masse der Krieger war ist eine andere Frage. Soweit ich weiß deuten da einige Grabfunde darauf hin, dass den einfachen keltischen Kämpfern meist nur ein Kampfspeer, mehrere Wurfspeere (gaesa) und ein Schild zur Verfügung standen, daneben aber keine weiteren Schutzwaffen.

Es handelte sich also um sehr imposante Waffen, deren Verwendung viel Kraft und Können verlangte.
Das mit der Kraft und Gewicht ist bei Schwertern immer so eine Sache. Rekonstruktionen römischer Spatha beispielsweise, die ja Ähnlichkeiten zu diesen keltischen Hiebschwertern aufweisen, nach Ansicht einiger sogar eine Entwicklung aus diesen darstellen, sind ja z.B. auch geringfügig leichter als römische Kurzschwerter, und trotzdem auch zum Zustechen geeignet. Viel schwerer als 1,5 Kg werden die keltischen Schwerter daher vermutlich auch nicht gewesen sein, eher weniger.

Getragen wurde das Schwert an einer Kette aus Eisen oder Bronze an der Hüfte. Das keltische Langschwert beeindruckte die Völker der Griechischen und Römischen Welt gleichermassen.
Die Kette diente außerdem dazu, die Bewegung des Schwertes so einzuschränken, dass es in der Bewegung nicht hinderlich war. Allerdings war die Qualität der Schwerter vermutlich regional stark schwankend, so dass sie eben nicht durchweg positive Eindrücke in den Quellen hinterließen.

Die Kelten beherrschten diese Form der psychologischen Kriegsführung so gut, dass die Römer bei Telamon in Angst und Schrecken verfielen.
Naja, Polybios zeichnet da doch eindeutig ein ambivalentes Bild. Auf der einen Seite erwähnt er zwar, dass die Römer durch dieses Verhalten der Gallier eingeschüchtert werden etc. pp. Allerdings erwähnt er auch, dass die Römer dadurch, dass sie die keltische Armee mit ihren beiden Konsularsheeren eingeschlossen hatten ermutigt wurden und dass die Aussicht auf die reichen Besitztümer der Kelten (die goldenen Armringe und die Beute) ihre Kampfeslust verdoppelte. Letzteres hatte am Ende ja überwogen, wie man am Kampfausgang sieht.

Inwieweit es sich bei diesen Berichten um Propaganda handelt, welche eine Barbarisierung der Kelten zum Ziel hat lässt sich allerdings schwer beurteilen.
Gab es da nicht mal die in Kultbauten eingemauerten Totenschädel und diverse Hinweise in keltischen Sagen? Das würde ja dann die Propaganda ausschließen.
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  #11  
Alt 05.10.2007, 09:46
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@Celeb

Zum Schwert als Waffe

Natürlich gab es innerhalb des keltischen Siedlungsraumes da erhebliche Unterschiede. Man vergisst ja oft, dass eigentlich nicht von DEN Kelten als homogenes Volk gesprochen werden darf. Vielmehr setzte sich die keltische Kultur aus vielen Stämmen zusammen, die je nach Siedlungsgebiet unterschiedlich entwickelt waren. So dürften reiche Königtümer innerhalb des keltischen Kulturraumes (z.B. Noricum) eher dazu in der Lage gewesen sein, grössere Kontingente an Schwertkämpfern aufzustellen, als ärmere, unbedeutendere Regionen.

Dass auch dann noch längst nicht jeder keltische Krieger ein Schwert trug, versteht sich irgendwie von selbst. Das Verhältnis Schwert zu Speer dürfte jedoch bei den Kelten etwas weniger extrem zugungsten der Speere ausgefallen sein, als bei den Germanen. Bei Ausgrabungen in Jütland fand man bekanntlich germanische Waffenarsenale, in denen auf 20 Schwerter rund 150 bis 200 Speere kamen. Wenn man diese Waffen als Ausrüstung für 200 Krieger interpretiert, dann wird eigentlich schnell klar, welches die Hauptwaffe der Germanen im Krieg war. Bei den Kelten hat das Schwert jedoch eine entscheidendere Bedeutung, nicht nur im Krieg, sondern auch im religiös-rituellen Bereich. Natürlich war es auch ein Statussymbol, so wie bei den Germanen. Aber eine adäquate Herstellung und Verwendung des Schwertes wie bei den Kelten findet sich meines Wissens bei den Germanen nicht. Zudem erwähnte ich das Schwert bewusst als wichtigste Angriffswaffe der Kelten.

Zu Polybios

Tja, der gute Polybios. Logischerweise war der nicht nur Historiker, sondern auch Propagandist, so wie fast alle Schreiber seiner Zeit. Dennoch glaube ich ihm, dass die Kelten mit ihrem Getöse bei den Römern für Angst und Schrecken sorgten. Auch wenn der Ausgang der Schlacht am Ende zu unngunsten der Kelten ausfiel. Das hat mit der psychologischen Wirkung der Keltischen Krieger auf die Römer aber im Prinzip nichts zu tun. Ich denke mal angesichts von tausenden, wild schreienden und Waffen schwingenden Barbaren darf man den Legionären ein bestimmtes Mass an Furcht durchaus zugestehen.
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Geändert von Kriegsknecht (05.10.2007 um 10:13 Uhr).
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  #12  
Alt 05.10.2007, 11:55
Benutzerbild von Draconarius
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Zitat von Kriegsknecht Beitrag anzeigen
So dürften reiche Königtümer innerhalb des keltischen Kulturraumes (z.B. Noricum) eher dazu in der Lage gewesen sein, grössere Kontingente an Schwertkämpfern aufzustellen, als ärmere, unbedeutendere Regionen.
Nunja, Noricum bildet hier insofern eine Ausnahme, dass das Gebiet für seine Schwerter bekannt war, ganz unabhängig vom Material, um das es ja wieder mit den ganzen Chiemgau-Impact-Irgendwas Spekulationen über Spekulationen gibt. Allerdings wird neben wirtschaftlicher Lage eben wie schon erwähnt der Grad des Söldnertums (Galater) eine Rolle spielen und wahrscheinlich auch wie kriegerisch ein solcher Volksstamm ist, das heißt wie oft er Raubzüge unternimmt und dabei nicht nur Gold sondern auch Waffen erbeutet. (Letzteres war meines Wissens nach im kleinasiatischen Raum bei den Galatern der Fall (aber dort kam es waffenttechnisch sowieso zu einem starken Ausstausch).


Dass auch dann noch längst nicht jeder keltische Krieger ein Schwert trug, versteht sich irgendwie von selbst. Das Verhältnis Schwert zu Speer dürfte jedoch bei den Kelten etwas weniger extrem zugungsten der Speere ausgefallen sein, als bei den Germanen.
Da stimme ich insofern zu, dass die Kelten zivilisatorisch weiter entwickelt waren (zumindest in den meisten Regionen) und somit auch die Schwertherstellung vermutlich einfacher gefallen ist.
Allerdings sehe ich im Hinblick darauf, dass es neben den Adeligen und deren Kriegern, die von diesen ausgerüstet wurden (darüber gibt es in Quellen Berichte), bzw. den Kriegerbanden wie den Gaesaten (ebenfalls typisch für die keltische bzw. keltisch beeinflusste Welt - in Irland gibt es mehrere Beispiele dafür) auch eine große Masse an zum Kriegsdienst einberufenen Männern gab, die dann mit dem Speeren ausgerüstet waren. Und gerade diese Masse bildete zeitweise das Groß der keltischen Heere. Bei Caesar beispielsweise sollen die Gallier vor allem durch solche Aufgebote ihre Heere ergänzt haben, weil die Kriegerklasse sich in den innergallischen Konflikten selbst ausbluten lies.
Ferner weiß man eben nicht, wie genau der keltische Kriegerstand aufgebaut war. Was ich bisher in dieser Hinsicht mitbekommen habe, waren Thesen, dass es da auch auf Alter, Taten etc. aufbauende Unterschiede gab, die sich dann wiederum in der Bewaffnung wiederspiegelten. Insofern würde ich da auch nicht von einem Schwert als Standard-Bewaffnung ausgehen, sondern auch von einem starken Gebrauch von Speeren. Und vermutlich eine zeitlich unterschiedliche Ausprägung des Waffengebrauches.

Zudem erwähnte ich das Schwert bewusst als wichtigste Angriffswaffe der Kelten.
Unter den Begriff Angriffswaffen fällt ja die Gesamtheit der Bewaffnung, die nicht zum Schutz des Kriegers dienen. Sieht man dann mal wie oben erwähnt auf die Masse der Krieger, darauf, dass Namen wie eben Gaesaten auf Wurfspeere hinweisen, dass in Grabfunden neben Schwertern auch die Speere auftreten und daher in Rekonstruktionen Schwert und Speer als Ausrüstung der Krieger auftauchen und schließlich bei der keltischen Kavallerie, die sich ja meist aus den Adeligen zusammensetzte, der Speer auch eine wichtige Rolle spielte, bei den Streitwagenkämpfern dagegen der Wurfspeer, würde ich da schon eher von einem Nebeneinander beider Waffengattungen ausgehen.

Zu Polybios: Naja, das mit den Auswirkungen des Kriegsgeschrei könnte man auch als propangadistisch anrechnen um den Sieg der Römer nur noch bedeutender darzustellen, findet sich ja bei ihm nicht nur an dieser Stelle und taucht auch bei anderen Autoren auf. Aber immerhin muss man Polybios zugute halten, dass er nicht von hunderttausenden Kelten spricht. Geht man davon aus, dass die Legionäre durch den Kriegsdienst schon an das Erscheinungsbild der Kelten gewohnt waren, wird sich das wohl weniger auf sie ausgewirkt haben. Außerdem erweckt die Schilderung der Ereignisse vor der Schlacht nicht unbedingt den Eindruck, dass die Soldaten große Furcht hätten - eher das Gegenteil wegen des keltischen Raubzuges.
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Geändert von Draconarius (05.10.2007 um 13:58 Uhr).
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  #13  
Alt 05.10.2007, 14:14
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Beiträge: 315
Interessant wäre es, die Zusammensetzung der Heere von einzelnen keltischen Stämmen genauer zu analysieren und dann zu vergleichen. Zwei Schlachten würden sich dafür meines Erachtens anbieten:

- Die Elefantenschlacht 275 v. Chr. zwischen den Galatern und dem Heer des Seleukidenherrschers Antiochos I.

- Die Schlacht bei Telamon 225 v. Chr. zwischen den Oberitalienischen Kelten und den Römern.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man bei der Bewaffnung und Ausrüstung zwischen dem Galatischen und dem Italo-Gallischen Heer Unterschiede erkennen könnte. Allerdings habe ich momentan keinen Zugriff auf entsprechende Quellen...
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  #14  
Alt 05.10.2007, 14:42
Benutzerbild von Draconarius
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Dazu gibt es auch nicht sonderlich viele Quellen. Zu Telamon als einzige ausführliche Quelle Polybios und daneben Cassius Dio, der deutlich weniger detailiert berichtet. Von Livius Werk ist das entsprechende Buch nicht erhalten, es gibt da nur Kurzzusammenfassungen aus späteren Zeiten.
Und viel kann man Plybios auch nicht entnehmen.
Aus dem heutigen Frankreich kamen die Gaesaten, die von den Boiern und Insubrern aus Norditalien gerufen wurden, um einen Raubzug nach Mittelitalien zu unternehmen. Es handelte sich also um zwei geographische Gruppen, wobei die Gaesaten Söldner waren. Insgesamt bestand die so gesammelte Armee der Gallier angeblich aus 50.000 Infanteristen und 20.000 Reitern/Streitwagenfahrern, der restliche Teil der Krieger blieb in der Heimat, weil ein paar andere Stämme auf Seiten der Römer verblieben. Eine weitere Differenzierung der Truppen findet kaum statt, es werden lediglich Leichtbewaffnete Kelten erwähnt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass diese Armee hauptsächlich aus Berufskriegern bestand, weil sie ja für den Zweck eines Raubzuges aufgestellt wurde und der Anteil an Reitern doch recht hoch war. In Sachen Kleidung erfahren wir, dass die Insubrer und Boier in Hosen und leichten Mänteln gekleidet waren (also kaum Schutzwaffen) während die Gaesaten nackt kämpften. Dann werden noch Vor- und Nachteile der Schilde und Schwerter beider Seiten generell aufgezählt, allerdings ist das dann doch recht verworren, klingt eher nach allgemeinen Binsenweisheiten und weniger nach konkreten Kampfgeschehen. Zudem scheint es zu Gunsten der Römer ausgelegt zu sein. Polybios schreibt dabei z.B. auch, dass die Insubrer und Boier durch ihre leichten Hosen und Mäntel gegen die römischen Wurfspeere deutlich besser geschützt wären als die Gaesaten, was mir doch weniger glaubhaft erscheint.
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μηδὲν ἄγαν

Geändert von Draconarius (05.10.2007 um 14:57 Uhr).
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  #15  
Alt 07.10.2007, 14:28
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Zitat von Celebthol Beitrag anzeigen
Gab es da nicht mal die in Kultbauten eingemauerten Totenschädel und diverse Hinweise in keltischen Sagen? Das würde ja dann die Propaganda ausschließen.
Das latènezeitliche Heiligtum von Ribemont-sur-Ancre gilt als Beleg für die keltische Sitte der Kopfjagt. Hier wurden bei archäologischen Ausgrabungen 1982 die Knochen von sechzig kopflosen Kriegern gefunden. Die Geköpften waren auf einem erhöhten Podest mitsamt ihren Waffen als menschliche Trophäen zur Schau gestellt worden. Ebenfalls Hinweise auf die "Austellung" menschlicher Schädel fand man im Heiligtum der Siedlung von Roquepertuse in Südfrankreich. Offenbar dienten die Schädel im Innern dieses Gebäudes, für die spezielle Nischen ausgehauen worden waren, als Wandschmuck.

Wer den Kelten als Kriegsgefangener in die Hände fiel, musste also Schlimmstes befürchten. Bei den Germanen war das allerdings ganz ähnlich. Glaubt man den Schilderungen von Tacitus, dann stiessen die römischen Erkundungstrupps, die einige Jahre nach der Varusschlacht zum Ort des Geschehens vorstiessen, auf ein gespenstisches Szenario. Unter anderem fanden die Soldaten des Germanicus an Bäumen angenagelte menschliche Schädel sowie Altäre inmitten von haufenweise menschlichen Gebeinen. So gesehen war die rituelle Abschlachtung des Feindes bei den barbarischen Völkern West- und Mitteleuropas also weit verbreitet.
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Geändert von Kriegsknecht (07.10.2007 um 14:31 Uhr).
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