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  #1  
Alt 18.10.2007, 15:06
Benutzerbild von Kriegsknecht
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Kelten in Turicum prägten Münzen

Archäologen haben sozusagen "bei mir um die Ecke" eine interessante Entdeckung gemacht.

Aufsehenerregender Keltenfund in Zürich

Die Archäologen der Stadt Zürich haben bei Grabungen am Rennweg einen aufsehenerregenden Fund gemacht. Sie fanden zwei Tüpfelplatten, die den Kelten zur Geldherstellung dienten. Dies lässt darauf schliessen, dass die keltische Siedlung über eine Münzprägestätte verfügte.

Klein und unscheinbar präsentieren sich die Funde, auf die die Zürcher Stadtarchäologen so stolz sind. Bei einer Grabung in einem Hinterhof am Rennweg sind die Forscher kürzlich auf Teile von zwei sogenannten Tüpfelplatten gestossen. Das besser erhaltene Fragment besteht aus einem kaum handtellergrossen Stück gebrannter Keramik, das mehrere runde Vertiefungen aufweist.

Tüpfelplatten dienten den Kelten zur Herstellung von Geld. Die Forscher gehen davon aus, dass in den Vertiefungen kleine Metallmengen geschmolzen und die dabei hergestellten Metallrohlinge, die Schrötlinge, später für die Münzprägung verwendet wurden.

Siedlung mit verschiedenen Vierteln
Der Umstand, dass die Kelten, die Zürich im 1. Jahrhundert vor Christus bewohnten, Geld herstellten, weist darauf hin, dass die Siedlung Turicum bedeutender war als angenommen. Untermauert wird diese Annahme auch von einer weiteren Entdeckung: Der v-förmige keltische Graben, der vor wenigen Jahren in der Oetenbachgasse entdeckt wurde, war wahrscheinlich kein Aussen-, sondern ein Innengraben. Wichtig ist diese Erkenntnis deshalb, weil die Kelten der späten La-Tène-Zeit ihre Siedlungen mit Gräben in verschiedene Zonen unterteilten. Wie in anderen keltischen Siedlungen könnte es sich dabei auch in Turicum um ein Handwerkerviertel, ein Quartier für die Nobilitas, Kultbezirke und öffentliche Plätze gehandelt haben.

Wie Andreas Motschi, Projektleiter Archäologie beim Zürcher Amt für Städtebau, ausführte, geht die Forschung heute von einer auf der Kuppe und am Westabhang des Lindenhofs gelegenen keltischen Siedlung aus. Wertvolle Funde aus keltischer Zeit wären wohl auch im Bereich der Uraniastrasse zu erwarten gewesen. Allerdings wurde beim Bau der Strasse so viel Erdreich abgetragen, dass nicht mehr mit Spuren einer keltischen Siedlung gerechnet wird.

Dass auf dem Lindenhof in Zürich keltische Spuren zu finden sein müssten, hatte bereits Ferdinand Keller, der Gründer der Antiquarischen Gesellschaft, angenommen. Keller, der das in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgebrochene Pfahlbaufieber entfacht hatte, konnte aber keine Beweise für seine Mutmassung finden. Auch die in den Jahren 1937 und 1938 mit Hilfe von Arbeitslosen vorgenommenen Grabungen brachten keinen Beleg für eine frühe keltische Siedlung. Grabungsleiter Emil Vogt stiess dafür auf Spuren einer frührömischen Militäranlage, die er in einen Zusammenhang mit den römischen Alpenfeldzügen im Jahr 15 v. Chr. stellte.

Auf die Spuren der Kelten stiessen die Forscher erst vor wenigen Jahren. Beim Umbau des Hotels Widder am Rennweg entdeckten Archäologen im Jahr 1989 zum ersten Mal Spuren einer keltischen Siedlung. Die Bedeutung der Funde erkannte man allerdings erst, als ein paar Jahre später bei Kanalisationssanierungen Reste von keltischen Gebäuden gefunden wurden. Seither haben die Archäologen bei Grabungen am Fuss des Lindenhofs weitere Funde gemacht, deren wissenschaftliche Auswertung die keltische Besiedlung Zürichs beweist.

Alte Funde in neuem Licht
Die jüngsten Entdeckungen lassen auch ältere Funde in neuem Licht erscheinen, deren Interpretation der Forschung bis heute nicht gelungen ist. Bereits 1890 waren bei der alten Börse zwei riesige Klumpen zusammengeschmolzener keltischer Münzen gefunden worden. Es handelt sich um rund 18 000 zusammengeschmolzene Münzen, die zwei verschiedenen Münztypen angehören. Sie gelangten wohl im Rahmen von Kulthandlungen in den See, der damals wesentlich weiter ins Stadtgebiet reichte als heute. Der Fund war allerdings nie mit einer keltischen Besiedlung Zürichs in Zusammenhang gebracht worden.

Ob zwischen den am Rennweg gefundenen Fragmenten von Tüpfelplatten und den Münzklumpen ein Zusammenhang besteht, ist fraglich. Wurden die sogenannten Potinmünzen aus Buntmetall gegossen, dürften die Tüpfelplatten eher zur Prägung von Silber- oder Goldmünzen gedient haben. Gemeinsam ist den beiden Funden aber zumindest deren Bedeutung für die Erforschung der Zürcher Siedlungsgeschichte in keltischer Zeit.

Quelle:
http://www.nzz.ch/nachrichten/zueric..._1.570899.html
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  #2  
Alt 22.10.2007, 14:08
Benutzerbild von Wulfnoth
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Letzendlich ist das ja nur ein weiterer Beleg für die schleichende Erkenntnis, dass es sich bei den Kelten um eine blühende Hochkultur handelte, die nur durch die tendenziell negative Geschichtsschreibung Roms in ein derart ungünstiges Licht gerückt wurde.
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  #3  
Alt 22.10.2007, 16:47
Benutzerbild von Kriegsknecht
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@Wulfnoth

Ich denke auch, dass die Kelten wesentlich weiter entwickelt waren, als es uns die Römer weismachen wollten. Ein Volk, dass Städte mit Handwerkervierteln, Luxus-Quartieren, Kultbezirken und öffentlichen Plätzen baut, Münzen prägt und sich derart auf Metallverarbeitung versteht kann ja nicht so primitiv gewesen sein. Auf der anderen Seite waren die Kelten bezüglich ihrer religiösen Opferrituale mit Sicherheit auch keine zivilisatorischen Lämmchen. Die Wahrheit lag wohl irgendwo in der Mitte. Die Formulierung "Kultur im Übergang zur Hochkultur" trifft die Sache bei den Kelten gemäss aktuellem Wissensstand wohl nach wie vor am besten.
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  #4  
Alt 22.10.2007, 16:51
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Ja möglichweise.
Andererseits haben die Römer nachweislich Menschen lebendig begraben.
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  #5  
Alt 22.10.2007, 16:58
Benutzerbild von Kriegsknecht
Demokrat
 
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Ort: Zürich, Schweiz
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Die Römer waren eigentlich schlimmer als die Germanen oder Kelten – zumindest dann, wenn man den qualitativen und quantitativen Umfang ihrer Gräueltaten im Krieg anschaut. Ich lese gerade ein Buch, in dem das Vorgehen der Römer bei ihrer Eroberung der Stadt Carthago Nova detailiert umschrieben wird. Mein erster Eindruck ist der, dass sich die Römer dort verhielten wie Tiere. Grauenhaft.

Der Militärhistoriker John Keegan schreibt in seinem Buch "Die Kultur des Krieges", dass sich die Römer trotz ihres hohen zivilisatorischen Entwicklungsgrades eine animalische Wildheit im Krieg bewahrt haben. Nicht zuletzt deshalb seien sie so erfolgreich gewesen. Auch wenn diese Sichtweise natürlich stark vereinfacht daher kommt, so steckt darin doch viel Wahrheit.
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  #6  
Alt 22.10.2007, 22:00
Benutzerbild von TigerMC
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In der Tat interessant, ich glaube auf lange Sicht wird ein jeder von uns sein Keltenbild langsam aber sicher revidieren müssen. Ich selber bin schon langsam dabei.
Mal sehen was wir noch so alles von scheinbar "primitiven" barbarenvölkern erfahren werden, dass zb die thraker, kelten oder goten durchaus anders/moderner waren als römische schreiber immer berichten dürfte inzwischen bewiesen sein
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