12.10.2008 - 00:15
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  #1  
Alt 02.01.2008, 15:10
Benutzerbild von cyrtic
Tribun
 
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Beiträge: 71
Lebenserwartung und Population der Kelten

Hallo zusammen

Weiss Jemand etwas über die Lebenserwartung und die Population der Kelten? Auf den meisten Internetseiten ist garnichts, oder nur wage Schätzungen zu finden.

Vielen Dank

Cyrtic
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  #2  
Alt 02.01.2008, 16:18
Thete
 
Registriert seit: 02.05.2007
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Beiträge: 741
Mehr als wage Schätzungen gibts auch nicht, da die kelten es leider versäumten, genau Volkszählungen zu veranstalten.

Am ehesten wirds noch Daten über die Bevölkerung der keltischen Oppida geben, die teilweise ausgegraben wurden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Oppidum_%28Kelten%29

In dem Link stehen zwar auch keine Zahlen, aber vielleicht findest Du was in den Artikeln über die einzelnen oppida.

Das selbe Problem dürfte es mit der Lebenserwartung geben. Die Menschen der Antike konnten theoretisch genauso alt werden wie wir; Tod durch (heute heilbare) Krankheiten oder (heute stillbaren) Hunger senkten diese natürlich. Btw, die niedrige durchschnittliche Lebenserwartunge früherer Zeiten liegt primär an der hohen Kindersteblichkeit. Nur als Bsp: Eine gesellschaft, in der alle Menschen 60 werden, hatte eine Lebenserwartung von 60 Jahren. Sterben aber ein Drittel der Kinder vor dem ersten geburtstag, sinkt die Lebenserwartung auf 40 Jahre.
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  #3  
Alt 02.01.2008, 16:44
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Zitat von Thersites Beitrag anzeigen
Das selbe Problem dürfte es mit der Lebenserwartung geben. Die Menschen der Antike konnten theoretisch genauso alt werden wie wir; Tod durch (heute heilbare) Krankheiten oder (heute stillbaren) Hunger senkten diese natürlich. Btw, die niedrige durchschnittliche Lebenserwartunge früherer Zeiten liegt primär an der hohen Kindersteblichkeit. Nur als Bsp: Eine gesellschaft, in der alle Menschen 60 werden, hatte eine Lebenserwartung von 60 Jahren. Sterben aber ein Drittel der Kinder vor dem ersten geburtstag, sinkt die Lebenserwartung auf 40 Jahre.
Ja das ist sowieso ein ganz großes Missverständnis dieser Lebenserwartungsstatistik. Es wäre eigentlich an der Zeit die Kindersterblichkeit rauszurechnen und diese nur noch gesondert in x pro 1000 anzugeben, um endlich verwertbare Ergebnisse zu bekommen.
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  #4  
Alt 02.01.2008, 19:32
Benutzerbild von Kriegsknecht
Demokrat
 
Registriert seit: 08.06.2005
Ort: Zürich, Schweiz
Beiträge: 325
Naja, sehr viel dürften es nach heutigen Massstäben nicht gewesen sein.

Um 1000 vor Christus zählte die Erdbevölkerung gerade 200 Millionen Menschen (Schätzung aus dem Putzger). Damit liegen wir also zeitlich etwa im Bereich der Urnenfelderkultur in Mitteleuropa. Nun kann man anfangen abzuzählen: Die grössten Bevölkerungszahlen wiesen damals die Hochkulturen auf (Naher Osten, Ägypten, Zhou in China, Vedische Kulturen in Indien). Die Südamerikanischen Kulturen (Chorrera, El Paraiso, Chinchoros, etc.) muss man ebenfalls wegzählen. Dann bleiben noch die Stammesfürstentümer und fortschrittlichen Bauerngesellschaften, zu denen man die Urnenfelderkultur zählen muss, sowie die Jäger- und Sammlerkulturen.

Alles in allem dürften sämtliche keltischen Völker kaum mehr als ein paar Millionen Köpfe gezählt haben, wenn überhaupt! Daran änderte sich bis zur Zeitenwende nur sehr wenig, da die Weltbevölkerung nur sehr gering anwuchs.

Unter Berücksichtigung dieser Zahlen relativieren sich im übrigen auch die immer wieder viel zu hoch angesetzten Armeestärken der damaligen Zeit. Wenn von 500000 oder sogar einer Million Soldaten die Rede ist, so sind solche Zahlen mit äusserster Vorsicht zu geniessen, und zwar schon aus rein demografischen Gründen. Aber das ist ein anderes Thema.
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Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt. Mark Twain, 30.11.1835 bis 21.04.1910

Geändert von Kriegsknecht (02.01.2008 um 19:39 Uhr).
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  #5  
Alt 02.01.2008, 19:38
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Ich wollt dich ja gerade zurechtweisen, dass du die Frage falsch verstanden hast aber jetzt merk ich gerade dass ich einen Teil der Frage übersehen habe.

Ich habe in irgendeinem meiner Bücher eine Schätzung über die Bewohner des Römischen Reiches unter Augustus nach Provinzen unterteilt. Wenn man die entsprechenden Provinzen addieren würde hätte man auch eine mögliche keltische Population. Ist natürlich sehr vage alles, dumm nur dass ich es auf Teufel komm raus nicht finde.
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  #6  
Alt 02.01.2008, 19:46
Benutzerbild von Kriegsknecht
Demokrat
 
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Ort: Zürich, Schweiz
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@Wulfnoth



Die Zahlen habe ich auch schon mal irgendwo gelesen. Weiss aber nicht mehr wo. Dennoch wäre es wohl heikel, aufgrund dieser (römischen) Populationszahlen auf die Bevölkerungszahl der keltischen Völker in ihrem Ursprungszustand (also vor der Romanisierung) zu schliessen. Manche ehemals keltische Regionen erlebten unter römischer Herrschaft innerhalb von relativ kurzer Zeit einen beachtlichen Bevölkerungszuwachs. Wobei die Augustus-Zahlen wirklich sehr interessant wären. Da liegt die Eroberung Galliens ja erst knapp 30 Jahre zurück.
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  #7  
Alt 03.01.2008, 11:40
Thete
 
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Zitat von Kriegsknecht Beitrag anzeigen
Alles in allem dürften sämtliche keltischen Völker kaum mehr als ein paar Millionen Köpfe gezählt haben, wenn überhaupt!
Das halte ich für extrem niedrig gegeriffen, zumnidest als die "keltischen Völker" sich über große Teile Europas ausgebreitet hatten. Die oppida waren Städte mit zigtausen Einwohnern, dazu gehört ein entsprechend bevölkertes Umland, da diese Städte ja ernährt werden mussten.
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  #8  
Alt 03.01.2008, 12:09
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Beiträge: 325
Ich habe die Zahl, von der Wulfnoth sprach zumindest bezogen auf Europa in einem Artikel im Internet gefunden: Während der Herrschaftszeit von Kaiser Augustus lebten in Europa schätzungsweise 30 Millionen Menschen. http://www.retrobibliothek.de/retrob...html?id=118355

Folgende Tabelle gibt Auskunft über die Einwohnerzahlen im römischen Reich:

Das röm. Reich beim Tode des Kaisers Augustus.

Gebiete Areal in 1000 qkm Bevölkerung (in Tausenden) Bevölkerungsdichte (auf 1 qkm)

Europa 2231 23000 (10)

- Italien 250 6000 24

- Sizilien 26 600 23

- Sardinien und Corsica 33 500 15

- Spanien 590 6000 10

- Narbonensis 100 1500 15

- Tres Galliae 535 3400 6,3

- Donauländer 430 2000 4,7

- Griechische Halbinsel 267 3000 11

Asien 665 19500 (30)

- Provinz Asien 135 6000 44

- Übriges Kleinasien 412 7000 17

- Syrien 109 6000 55

- Kypros 9 500 52

Afrika 443 11500 (26)

- Ägypten 28 5000 179

- Kyrenaika 15 500 33

- Afrika 400 6000 15

Römisches Reich: 3339 54000 (16)

- Davon lat. Occident (inkl. Donauländer) 2364 26000 (11)

- Davon griech. Orient 975 28000 (28)

Berücksichtigt man die außerordentlich dünne Bevölkerung der damaligen europäischen Barbarenländer, so dürften bei dem Ziffernanschlag von 30 Mill. für die Bevölkerung Europas nicht viel fehlgegriffen sein.


Rechnet man die klassischen keltischen Siedlungsräume (Gallien und Narbonensis) zusammen, kommt man auf knapp 5 Mio. Menschen. Hinzu kommen noch die keltischen Völker Britanniens (gemäss einer anderen Quelle damals etwa 2-3 Mio.) sowie Spaniens und Kleinasiens (ich veranschlage da mal 2 Mio.) und addiert man die vorhandene keltische Bevölkerung Norditaliens vor der römischen Eroberung, so kommt man auf ca. 10 bis 12 Millionen Menschen.
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  #9  
Alt 03.01.2008, 12:27
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Danke, ich hab echt keine Ahnung wo das bei mir rumfliegt.
Wobei ich deine 10-12 Millionen sogar sehr hoch gegriffen finde. Spanien war ja bei weitem nicht durchgehend keltisch geprägt und Kleinasien von den Galatern abgesehen ebenfalls nicht. 8-10 Millionen halte ich für realistischer.
Ein Messwert für die keltische Bevölkerungszahl Norditaliens könnte die Menge der Truppen sein, die sie Hannibal stellten. Hat da jemand Zahlen?
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