20.08.2008 - 12:22
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  #1  
Alt 14.07.2008, 14:49
Ädil
 
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Schaeffler Gruppe

Das o.g. Unternehmen macht ja gerade durch die Übernahmepläne der Firma Continental auf sich aufmerksam.
Bis auf die Übernahme von FAG vor ein paar Jahren, aheb ich von diesem Unternehmen noch nicht viel gehört.
Nun habe ich gelesen, daß dieses Unternehmen aus Prinzip nicht an der Börse sei.

Kann mir das jemand erklären? Streckt da eine Philosophie hinter, oder liegts am Status als Familienunternehmen?
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  #2  
Alt 14.07.2008, 15:56
Konsul
 
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Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 762
Gründe gegen einen Börsengang können sein:
- Entscheidungshoheit der Gesellschafter ohne auf Aktionäre Rücksicht nehmen zu müssen
- keine Veröffentlichungspflicht von Unternehmensberichten
- Einfluß von Kapitalgebern auf das Unternehmen wird von Unternehmensführung gesteuert
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  #3  
Alt 14.07.2008, 17:12
Tribun
 
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Ich muß meinem Vorredner beipflichten. Das sind so die typischen gründe nicht an die Börse zu gehen. Man darf auch nicht vergessen, daß ein Listing an der Börse jährlich Geld kostet (das ist mit Sicherheit ein 5-, vielleicht auch 6-stelliger Betrag). Man hat außerdem keinen Streß mit Aktionären, Investmentfirmen etc. Außerdem muß man keine Geschäftsinterna preisgeben.

Vorteil der Börse ist jedoch, das man einen relativ hohen Geldbetrag in seine Kasse spülen kann. Ein Kredit in der Höhe wäre teurer.
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  #4  
Alt 14.07.2008, 17:43
Ädil
 
Registriert seit: 19.02.2008
Beiträge: 253
Naja, ein 5-6stelliger Betrag für die Listung dürfte bei einem Umsatz von 26 Milliarden eher Peanuts sein.

Ist dieses Verhalten denn nicht relativ unüblich für ein derart großes Unternehmen?
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  #5  
Alt 14.07.2008, 17:59
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Bertelsmann AG ist z.B. auch nicht börsennotiert und befindet sich im Familienbesitz.

Aber eigentlich hast du recht, es ist schon ziemlich ungewöhnlich.
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  #6  
Alt 14.07.2008, 18:02
Tribun
 
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Keinesfalls. Es gibt viele große Unternehmen, die man nicht über die Börse kaufen kann (die meisten bekannten dürften jedoch an der Börse gehandelt werden). Ich denke da z.B. an Bosch oder an die Otto-Gruppe. Mehr fallen mir im Moment aus dem Milliarden-Bereich nicht ein. Dazu gibt es dann noch eine Vielzahl von Familienbetrieben, die aber auch mehrere hundert Millionen € Umsatz machen.
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  #7  
Alt 14.07.2008, 18:34
Benutzerbild von Belisarius
Tribun
 
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liegt auch oft daran , dass viele familienunternehmen wegen den hohen erbschaftssteuern an von den familien kontrolierte stiftungen überschrieben werden
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  #8  
Alt 14.07.2008, 19:45
Ädil
 
Registriert seit: 19.02.2008
Beiträge: 253
Dann bin ich mal gespannt, wie eine Übernahme für die Contibeschäftigten ausgeht.
Eine Heuschreckenübernahme ists wenigstens nicht, was für langfristigere Perspektiven spricht.

Interessant finde ich das ganze, da ein Familienunternehmen zwar nicht zwangsweise der Moral verpflichtet ist, in jedem Fall aber mehr als eine anonyme Akteninhabermasse.
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  #9  
Alt 14.07.2008, 21:46
Konsul
 
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Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 762
Die Angst vor "Heuschrecken" ist völlig unbegründet. In den meisten Fällen bei Übernahmen durch Investmentgesellschaften wurde der Firmenwert gesteigert. Auch müssen Zerschlagungen eines Unternehmens nicht grundsätzlich negativ sein. Da ist viel Propaganda mit im Spiel, weil damit mit der Angst der Menschen vor Arbeitsplatzverlust auf Wählerstimmenfang gegangen wird.
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  #10  
Alt 15.07.2008, 00:25
Spender
 
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Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 657
Ich kopiere hier mal einen Artikel aus den "Nürnberger Nachrichten" rein, der vielleicht einiges erklärt:

"Arbeitsplatz-Abbau trotz Rekordbilanz: Für solch rüde Schlagzeilen war der Autozulieferer Continental bekannt. Kein Wunder, dass die Aussicht auf einen Besitzerwechsel für die rund 1500 Mitarbeiter von Conti Temic in Nürnberg die Hoffnung auf bessere Zeiten keimen lässt. Und die kapitalkräftige Schaeffler Gruppe wäre aus der Sicht der Arbeitnehmervertreter nicht die schlechteste Wahl - auch wegen der regionalen Nähe und Verbundenheit.

Dahinter steht für den Nürnberger Betriebsratsvorsitzenden Erich Junker noch ein Wunsch: «Wir kämen gern weg vom kurzatmigen Quartalsdenken eines börsennotierten Unternehmens wie Conti.«

Es gehörte beinahe zur Routine, mit einem zweistelligen Gewinnzuwachs die Aktionäre zu erfreuen und im gleichen Atemzug einen Standort in Deutschland plattzumachen.

VDO-Kauf noch unverdaut

Seitdem Conti die spektakuläre Übernahme von Siemens VDO gelungen ist, geht es allerdings nicht mehr um Hunderte, sondern Tausende Arbeitsplätze, die im Konzern eingespart werden sollen. Erst im Februar dieses Jahres sprach Vorstandschef Manfred Wennemer von 2000 zu streichenden Stellen, Zugleich strahlte er über ein Gewinnplus von 15 Prozent bei der alten Conti AG. Doch wegen des VDO-Erwerbs sitzt Wennemer nun auf elf Milliarden Euro Schulden und auf einem Problemberg, denn die Integration der früheren Siemens-Tochter bringt Sand ins Getriebe.

Auch Schaeffler schaffte 2001 einen spektakulären Zukauf. Die Einverleibung von FAG Kugelfischer gilt inzwischen zwar als geglückt. Doch die feindliche Übernahme gestaltete sich wie ein Alptraum. Mit einer Anzeigenschlacht versuchten beide Seiten, die Vorzeichen zu verändern. Am Ende blieb böses Blut, nachdem die hartnäckigsten FAG-Anteilseigner zwangsabgefunden wurden.

Gewinn ist Familiengeheimnis

Danach versank der «stille Riese« Schaeffler Gruppe wieder ins Schweigen und verhielt sich in alter Familientradition verschlossen wie eine Auster. Dabei gibt es jede Menge Stoff, womit die Nummer zwei unter den Wälzlagerherstellern der Welt angeben könnte: Spitzentechnologie in vielen Produktsegmenten, Patente, an denen die meisten Autobauer nicht vorbeikommen, 66 000 Mitarbeiter - davon 30000 in Deutschland. Der Ertrag wird dezent verschwiegen, die KG unterliegt keiner Publizitätspflicht - Gewinn bleibt Familiengeheimnis.

Bekannt ist dagegen, dass die Alleineigentümer des Unternehmens zu den Reichsten der Republik gehören. Im Club der deutschen Milliardäre rangieren Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg laut Manager-Magazin auf Platz 22. Demzufolge haben die florierenden Geschäfte den beiden 2007 ein Vermögen von 4,85 Milliarden Euro eingebracht - eine dreiviertel Milliarde mehr als im Vorjahr.

Gewinne reinvestieren

Auf die Milliarden der Witwe angesprochen, wird das Unternehmen nicht müde zu betonen, dass ein Großteil der Gewinne reinvestiert wird: in die Forschung, in neue Auslandswerke und den Ausbau bestehender Standorte, was man etwa in Herzogenaurach besichtigen kann. Trotzdem weckt der Reichtum die Begehrlichkeiten von Gewerkschaftern: Sie fordern eine «faire« Beteiligung der Belegschaften am Geschäftserfolg, «keine Armutslöhne« für Leiharbeiter und eine moderne, transparente Unternehmensstruktur für den Großkonzern, der sich jedoch «wie ein kleinerer Mittelständler« verhalte.

Mangelnde Transparenz ist einer der Kritikpunkte von Jürgen Scholz. Der heutige IG-Metall-Chef von Regensburg hat von Gewerkschaftsseite jahrelang Schaeffler betreut und hebt den Gegensatz von «wirtschaftlicher Potenz und undurchsichtiger Konzernstruktur« hervor. Außer «dünnen Informationen« lasse das Management nichts heraus.

Riesiger Stress

Inzwischen ist Scholz zuständig für Conti in Regensburg, von wo aus auch Temic Nürnberg gesteuert wird. Gerade habe man noch kräftig an der VDO-Übernahme zu knabbern, da komme schon die nächste Überraschung mit dem Interesse Schaefflers an Continental. «Unsere größte Befürchtung ist, dass Conti zerschlagen wird«, sagt Scholz. Dabei sei der Stress schon so kaum erträglich. Um jeden neuen Auftrag, für jedes Produkt werde ein riesiger konzerninterner Wettbewerb angezettelt, ganz nach Wennemers Motto «Der Bessere gewinnt«. Doch gemeint sei in Wirklichkeit der Billigere. So würden Werke angestachelt, sich gegenseitig zu unterbieten. «Und so etwas innerhalb eines Ladens ist ein Problem.«

Junker, Nürnberger Betriebsratschef bei Conti Temic, glaubt: «Auch unter dem Schaeffler-Dach würde es nicht leichter für uns.« Einigen Charme hätte es aber durchaus, einen Eigentümer mit langfristigem Denken in der Forschung zu haben. Der zum Beispiel zur Entwicklung klimafreundlicher, spritsparender Auto-Technologien ermutige, anstatt «jedes Vierteljahr neue Megatrends zu verbreiten«."
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  #11  
Alt 15.07.2008, 10:33
Benutzerbild von Wulfnoth
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Zitat von Titus_Livius Beitrag anzeigen
Die Angst vor "Heuschrecken" ist völlig unbegründet. In den meisten Fällen bei Übernahmen durch Investmentgesellschaften wurde der Firmenwert gesteigert. Auch müssen Zerschlagungen eines Unternehmens nicht grundsätzlich negativ sein. Da ist viel Propaganda mit im Spiel, weil damit mit der Angst der Menschen vor Arbeitsplatzverlust auf Wählerstimmenfang gegangen wird.
Das kann man so auch nicht über einen Kamm scheren.
Wenn ich z.B. auch ein aktuelles Ereignis verweisen darf, der Verkauf von HapagLloyd. Das Unternehmen macht mehrere Milliarden im Jahr Gewinn und trotzdem wird die TUI von ihrem neuen Großinvestor gezwungen zu verkaufen. Die Motivation dahinter ist klar, ein fetter Verkauserlös bringt dicke Rendite, die bei einem Großinvestor dann auch nicht unwesentlich hängen bleiben. Und wenn der Investor sich "satt gefressen" hat und weiterzieht ist TUI um einen gewaltigen Gewinnbringer ärmer.
Man sollte Investoren nicht pauschal verurteilen aber solche Geschichten gehören auch dazu.

Zitat von Sokotra Beitrag anzeigen
Ich kopiere hier mal einen Artikel aus den "Nürnberger Nachrichten" rein, der vielleicht einiges erklärt
Interessanter Artikel aber wie sieht's mit Urheberrecht aus? Sorry aber ich muss da nachhaken.
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  #12  
Alt 15.07.2008, 11:08
Konsul
 
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Und wenn der Investor sich "satt gefressen" hat und weiterzieht ist TUI um einen gewaltigen Gewinnbringer ärmer.
Aber deswegen gibt es den abgespaltenen Unternehmensteil dennoch weiter. Nur daß er nicht mehr unter TUI firmiert.
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  #13  
Alt 15.07.2008, 11:17
Benutzerbild von Wulfnoth
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Das hat doch damit nichts zu tun, der TUI tuts auf jeden Fall nicht gut. Vor allem weil jeder Laie weiß, dass die Logistikbranche, gerade auf dem Wasser, ein gewaltiger Wachstumsmarkt ist.
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  #14  
Alt 15.07.2008, 11:55
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Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wo das Problem bei einem Verkauf liegen soll.
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  #15  
Alt 15.07.2008, 12:07
Benutzerbild von Wulfnoth
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Ganz einfach: TUI hatte mit HapagLloyd ein gewinnbringendes Unternehmen, das wird nun verkauft. Der Verkauserlös wird mit ziemlicher Sicherheit zu einem Gutteil in Rendite für die Aktionäre umgemünzt, wodurch besagter skandinavischer Großinvestor einen Gutteil seines Kaufpreises zurück erhält.
Man kann es drehen und wenden wie man will, TUI als Konzern geht geschwächt aus dem Verkauf, darum hat sich das Management wohl auch so lange dagegen gesträubt. Die ganze Geschichte schwelt ja schon seit Monaten. Wenn besagter Anteilseigner nun seine Anteile weiterveräußern sollte hinterlässt er einen angeschlagenen Konzern und genau das schürt Angst vor Heuschrecken.
Von den mehreren tausend Arbeitsplätzen die völlig unnötigerweise in Hamburg in Gefahr gebracht werden möchte ich gar nicht erst anfangen.

Und genau darum geht es. Am Aktienmarkt wird zu selten an langfristige Investitionen gedacht und dieses Quartaldenken, dass auch im Artikel oben beschrieben wird schwächt viele Unternehmen.
Beckmann hatte ja oben hinterfragt weshalb ein Unternehmen sich nicht an der Börse listen lässt, genau sowas ist der Grund dafür.

Meines Erachtens nach wird das sogar noch zunehmen, da es immer größere (Staats-)Fonds gibt, die immer schneller, immer größere Gewinne machen wollen. Diese Fonds haben abe auch gleichzeitig das nötige Kleingeld um im Alleingang selbst Branchenriesen zu schlucken.
Der Börsengang als ultimatives Ziel vieler Unternehmen dürfte bald der Vergangenheit angehören. Anteile kann man auch jenseits der Börse in Bargeld umwandeln und da kann man den Käufer besser bestimmen.
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