12.10.2008 - 06:35
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  #1  
Alt 02.08.2007, 17:43
Benutzerbild von Tacitus
Tribun
 
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Ort: NRW
Beiträge: 79
Geschichte studieren

Also ich denke mal hier gibt es ein paar Leute die Geschichte studieren und da ich mit dem Gedanken spiele ebenfalls Geschichte zu studieren.

Wollte ich einfach mal fragen wie seid ihr darauf gekommen dieses Fach zu studieren und was wollt ihr danach machen.

Und ein paar weitere Fragen wären da noch:

Welche Voraussetzungen braucht man?
Wie sieht das Studium aus.
Gibt es Pflichtfächer die man belegen muss?
u.s.w

Ich möche gerne alles wissen was euch zum Thema einfällt.

Ich danke für Antworten.

Tacitus
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Kenntnisse kann jedermann haben,
aber die Kunst zu denken ist das seltenste Geschenk der Natur.
Friedrich d. Grosse
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  #2  
Alt 02.08.2007, 18:52
Benutzerbild von Boccaccia
Medicus
 
Registriert seit: 01.08.2007
Ort: Bochum, NRW
Beiträge: 19
Hallo,

Also ich studiere Geschichte im 6. Semester in Bochum und bin mehr als zufrieden. Bei uns wird im BA/MA System studiert, aber in absehbarer Zeit wird das ja überall so sein.
Bei uns ist es so, dass man zu Anfang ein integriertes Pro Seminar gemacht wird. Da hast Du 4 Stunden pro Woche über 2 Semester eine grundlegende Einführung mit begleitendem Tutorium. Da werden alle 3 Epochen anhand eines Oberthemas behandelt, außerdem wird in die Methodik (Bibliografieren, Zitieren etc.) und grundlegende Literatur eingeführt. Meines Erachtens ganz sinnvoll.
Während des Studiums wählst Du zwei Schwerpunkte, einer muß bei uns Neuzeit sein (Bei mir Frühe Neuzeit und Mittelalter). Natürlich kannst Du innerhalb dieser Schwerpunkte weitere Schwerpunkte setzen, beispielsweise geografische (Geschichte Italiens), systematische (Medizin-, Wirtschafts-, Kirchengeschichte etc.).
Nach 6 Semestern kommt Dein erster Abschluss: Der Bachelor. Dazu hast Du in jedem Deiner Studienfächer (im Bachelor musst Du zwei Fächer studieren) eine mündliche Prüfung von je 30 Minuten zu zwei Themen. Meine Prüfung in Geschichte hatte ich letzte Woche. Dann musst Du noch in einem Deiner beiden Fächer eine Arbeit von 30 Seiten schreiben.
Nach dem BA kannst Du entweder Master of Education machen (also Lehramt) , das sind 2 Fächer und evt. ein drittes. Oder Master of Arts (wenn Du zum Beispiel an der Uni bleiben willst oder so). Da kannst Du entweder nur noch 1 Fach machen oder eben auch 2. Natürlich ist klar, dass einem nicht viele Möglichkeiten bleiben, wenn man einen Ein-Fach Master in Geschichte macht. Aber ich habe das eben trotzdem vor. Weil ich echt daran hänge und anschließend gerne promovieren würde. Sollte ich nicht an der Uni bleiben können, würde ich gerne nach dem Studium die Archivarslaufbahn einschlagen. Das bedeutet dann allerdings noch ab auf die Archivschule.
Klassische Berufe für Geschichtsstudenten sind z.B.: Historiker an der Uni, Archivar, Museumsleiter, Journalist (allerdings auch eher schlechte Chancen), Freiberufler, Lehrer etc.
Durch ein gut gewähltes Zweitfach kannst Du Deine Chancen natürlich erweitern. Ein Kommilitone von mir hatte Geschichte und Politikwissenschaften studiert, eine Masterarbeit in Geschichte über die Automobilindustrie im 20 Jahrhundert geschrieben und arbeitet nun in einer Finanzabteilung eines großen Unternehmens. Nicht schlecht, oder?
Die Ansprüche im Studium variieren. Wenn Du Karriere machen möchtest, sollte Dir bewusst sein, dass Du auch über das Studium hinaus Arbeit investieren solltest. Sprich indem Du mehr als nur die Seminartexte liest, vielleicht mal eine Tagung besuchst, einige zusätzliche Seminare Deines Interessengebietes besuchst, etc. Dann sollte Dir klar sein, dass Du viel lesen musst. Das heißt, Du solltest bereit sein, Zeit zu investieren und Du solltest effektiv lesen können. Zwecks Hausarbeiten solltest Du auch formiulieren können (naja, im Laufe der Zeit entwickelt sich sowas natürlich alles). Und Du solltest analytisch denken können und Zusammenhänge herstellen können, sprich in größeren Kontexten denken.
Das Geschichtsstudium ist mit Sicherheit eines der Vielfältigsten. Allerdings rate ich Dir von Standardkombinationen ab: Germanistik und Geschichte studiert fast jeder, da ist Latein und Geschichte schon besser zum Beispiel. Wenn Du Dich engagierst, unterstützen Dich die Dozenten auch. Zum Beispiel kannst Du dann als Hilfskraft arbeiten, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Aber das ist eigentlich überall so. Nur ist es in Geschichte eben so, dass es ein rech volles Fach ist. Und ziemlich oft sitzen da eben auch Studenten, die einfach mal ein zweites Fach brauchten und Geschichte eben "ganz cool und leicht war in der Schule" oder einen niedrigen NC hat. Die sind oft schlecht vorbereitet und haben wenig Interesse. Leider drücken sie dann meist das Niveau der Seminare. Da musst Du aufpassen, dass Du nicht untergehst. Sprich: Geh ruhig nach dem Seminar mal zum Dozenten, in die Sprechstunde, beteilige Dich im Seminar (oft tun das von 60 Teilnehmern nur 5. Wenn Du dazu gehörst, fällst Du gleich positiv auf). Aber natürlich solltest Du nicht schleimen. Wobei die Gefahr eh gering ist. Die meisten Profs freuen sich über Interesse. Naja, dann haben die einzelnen Epochen eben spezielle Probleme. Während zum Beispiel für das Mittelalter die Quellenlage eher dürftig ist (zumindest im FrühMA), steht der Neuzeithistoriker oft vor dem Problem, erstmal das Material sichten zu müssen und entscheiden zu müssen, was relevant ist und was nicht. Eine solch verschiedene Problematik fürt natürlich zu verschiedenen Herangehensweisen.
Dann solltest Du Dich bei der Schwerpunktwahl auch darauf beziehen, wo noch einiges zu erforschen ist. Mir hat mal ein Prof gesagt: Im FrühMA ist alles erforscht, da macht man keine Karriere mehr. Dafür warten im SpätMA zig noch unerschlossene Quellen.
Dann rate ich Dir dringend, vor Beginn mal eine ereignishistorische Darstellung zu Deiner "Lieblings-"epoche zu lesen. Ich meine, klar man sagt immer Daten seien heutzutage nicht mehr wichtig. Aber es ist echt etwas dumm, wenn Geschichtsstudenten nicht wissen, wann das vierte Laterankonzil war. Lerne einfach die wirklich wichtigen groben Daten auswendig. Ist zwar stupide, aber bei der Einordnung vo Quellen (besonders in den Proseminaren) macht das echt oft Eindruck und ist auch einfach praktikabel und mitunter auch sinnvoll.
Tja, und dann gibt es auch noch die Historischen Hilfswissenschaften. Die werden je nach Uni mehr oder weniger unterrichtet. Ich plädiere dafür, je mehr Hilfswissenschaften desto besser. Denn wer kann sich Historiker nennen, der nicht weiß, wie man eine Quelle transkribiert? Spätestens (und damit meine ich allerspätestns) bei der Promotion steht man dann vermutlich vor großen Problemen. Also rate ich Dir, schon früh im Studienverlauf ein solches Seminar zu wählen.
Was für eine Epoche interessiert Dich denn besonders und welche Uni käme in Betracht?
Auf http://www.ruhr-uni-bochum.de/geschi.../hinweise.html
hat unsere Uni eine Broschüre mit Hinweisen für Studienanfänger erstellt. Da steht, was die wichtigsten Standardwerke für welche Epoch sind, wie man zitiert etc. Falls Du ernsthaft Geschichte studieren möchtest, zieh Dir das mal rein und Du wirst methodisch schon ganz gut gewappnet sein.
Keine Ahnung, mehr fällt mir jetzt gerade nicht ein. Ist alles so durcheinander, was mir gerade in den Sinn kam. Wenn Du noch Fragen hast, frag einfach, ok?

Zusammenfassend: Geschicht bietet unendliche Möglichkeiten, aber man muss engagiert sein. Die Berufsaussichten sind mitunter eher weniger positiv, aber wenn man mit Leib und Seele daran hängt, ist es das richtige.

Edit: Noch ein hilfreicher Link: http://www.mittelalter.uni-tuebingen...rium/start.htm
(Methodik zum "Vorlernen")


Bzw. allgemein Mittelalterstudium:
http://www.mittelalter.uni-tuebingen...um/studium.htm
und (eher MA als Studium):
http://www.mittelalter.uni-tuebingen...ms/rundums.htm

Sind echt gute Seiten!

Edit 2: Was ich vergaß: Wenn Du zum Beispiel griechische Antike machen willst, brauchst Du Altgriechisch (dafür brauchst Du an der Uni mind. 2 Semester, meist mehr); bei röm. Antike kommst Du ohne Latein nicht weiter (Latinum an der Uni mind. 2 Semester, eher drei); bei MA brauchst Du auch Latein (Mittellatein. Sollte man mal einen Kurs zu machen, selbst wenn man Latinum hat). Außerdem sind viele Quellentexte auch in mittelhochdeutsch, niederdeutsch etc. Mitunter nicht ganz einfach. Kurse bei den Germanisten helfen hier u.U. weiter.
Naja, und ein Großteil der wissenschaftlichen Diskussion passiert eben in Englisch. Man sollte dann eben nicht vor engl. Texten zurückscheuen. Wenn man dann noch einen geografischen Schwerpunkt setzt, sollte man sinnigerweise auch diese Sprache beherrschen. Für SpätMA und FNZ ist italienisch noch ganz sinnvoll. Und wer später auf die Archivschule will, muss französisch können ;-)

Geändert von Boccaccia (02.08.2007 um 19:26 Uhr).
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  #3  
Alt 02.08.2007, 19:12
Plebejer
 
Registriert seit: 12.04.2007
Ort: Hannover
Beiträge: 23
Mein Problem mit einem deutschen Geschichtsstudium ist die daurauffolgende Karrierewahl. Wenn du nicht Lehrer oder etwas trockenes machen moechtest, solltest du kein Geschichte in Deutschland machen. Ich werd deswegen in GB history studieren als Bachelor...gut daran ist, dass du danach den Master und phD in komplett anderen Faechern machen kannst und dann halt Journalist, Anwalt, Finanzexperte oder etwas in der Art werden kannst...bist dann auch nicht ans Lehramt gebunden wie es hier meistens der Fall waere...
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  #4  
Alt 02.08.2007, 19:19
Benutzerbild von Boccaccia
Medicus
 
Registriert seit: 01.08.2007
Ort: Bochum, NRW
Beiträge: 19
Hhhm, also erstmal kann man hier in D auch nach dem BA umschwenken, allerdings nur in artverwandte Fächer. Macht ja auch Sinn. Warum sollte man, wenn man Anwalt werden möchte, erst Geschichte studieren? Da studiere ich doch gleich Jura. Oder nicht?

Naja, und Du kannst hier in D auch mit Geschichte Journalist werden. Kannst auch während des Studiums zum Beispiel bei uns über den Optionalbereich publizistische Zusatzveranstaltungen besuchen. Nur die Chancen sind eben schlecht. Und das wird in GB nicht anders sein. Denn das, wo sowas klappt ist eben Glück. Journalisten arbeiten heute eh meist freiberuflich, so einen großen Bedarf an Journalisten gibt es gar nicht und außerdem wählen die wenn dann meist einen richtigen "ausgebildeten" Journalisten. Ich weiß aber gar nicht, an sich kann man u.U. auch hier in Deuschland auf einen Publizistikmaster umschwenken.

Die meisten, die Geschicht studieren werden vermutlich aber eh als Historiker arbeiten wollen. Ein Großteil als Lehrer. Und die anderen müssen sich eben anstrengen. Aber wenn man das tut (und mit ein bisschen Glück, was man jedoch immer braucht) stehen einem alle Türen offen.
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  #5  
Alt 02.08.2007, 19:33
Plebejer
 
Registriert seit: 12.04.2007
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Du hast natuerlich recht, wenn man als Berufsziel Lehrer oder Historiker hat, ist das was anderes. Persoehnlich, kann ich mit beiden Berufen nicht wirklich sympathisieren und war deswegen Anfangs einem Geschichtsstudium generell abgeneigt. Wie gesagt, soweit ich es verstanden habe, (und ich habe groesstenteils mit deutschen Studenten gesprochen), kann man eben nicht beliebig umschwenken. Und wie du selber gesagt hast, hat man als Geschichtsstudent nicht wirklich gute Chancen Journalist zu werden.
Wegen Jura: Wenn du drei Jahre lang das langweiligste Fach, das es gibt studieren moechtest, dann studierst du eben Jura. Wenn du aber Anwalt sein willst, ohne Jura zu studieren, machst du drei Jahre lang Geschichte oder Politik oder Englisch (also jetzt in GB) und dann den Master in Jura oder einen Umschwenkungskurs in Jura fuer neun Monate...und bist danach ein genausoguter Anwalt, wie einer der Law studiert hat.

Eine allgemeine Frage haett ich noch: wie gross sind eure Semniare im allgemeinen? Ist das so ein vollgestopfter Raum oder haengt es halt vom Seminartyp ab?
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  #6  
Alt 02.08.2007, 19:35
Benutzerbild von Draconarius
Historiddler
 
Registriert seit: 04.06.2005
Beiträge: 800
Noch ein paar Anmerkungen:
- generell sind Praktika wichtig, d.h. wenn man in Richtung Journalistik tätig werden will, sollte man auch einmal bei einer Zeitung arbeiten (eventuell auch ein Volontariat absolvieren), für die anderen Tätigkeitsfelder Praktika in Archiven und/oder Museen absolvieren
- man kann auch als Lehramtsstudent (vertieft) als Historiker tätig werden, das Staatsexamen ist auch anerkannt, aber nach alten Studiensystem fehlt einem einfach der akademische Grad (und die Fächerkombination als Lehrer hängt vom Bundesland ab)
- Vieles bei der Studienwahl ist von der Studienordnung des Instituts abhängig

Wenn Du Dich engagierst, unterstützen Dich die Dozenten auch. Zum Beispiel kannst Du dann als Hilfskraft arbeiten, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Schön wäre es, wenn die Stellen nach Engagement oder Wissen vergeben werden würden...leider ist das nicht immer so, zumindest an der Uni wo ich bin.

Ist das so ein vollgestopfter Raum oder haengt es halt vom Seminartyp ab?
Hängt u.a. vom Dozenten und Studienangebot ab.
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μηδὲν ἄγαν
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  #7  
Alt 02.08.2007, 19:39
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Ich habe mein Studium zwecks einjährigem Jobben erstmal ins nächste Jahr verlagert aber mir kommt dieses Thema gerade wie gerufen.

Auf manchen Uni-Homepages habe ich gelesen, dass in Englisch (grusel ) B1 verlangt wird allerdings bin ich mir nicht endgültig darüber klar geworden was das bedeutet. Schließt das nur die Anzahl der Jahre ein die man Englisch in der Schule belegt hatte oder auch die Endnote?
Außerdem würde mich mal interessieren in welchem Bereich man so den lokalen NC bei den meisten Unis vermuten muss. Hat jemand da mal was gehört?

Was die spätere Berufswahl betrifft finde ich sollte man nicht übertreiben. Jetzt schreien alle man bräuchte Physiker, Mathematiker und Ingenieure und wenn man dann in x Jahren ausstudiert hat ist der Markt wieder gesättigt. Wichtig ist dass einen auch interessiert was man studiert weil man sonst vermutlich scheitern wird. Zudem bin ich mir ziemlich sicher, dass Geisteswissenschaftler noch nie in der Wirtschaft gebraucht wurden (offiziell) und doch studieren seit Jahrzehnten Menschen diese Fächer...
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #8  
Alt 02.08.2007, 19:49
Benutzerbild von Boccaccia
Medicus
 
Registriert seit: 01.08.2007
Ort: Bochum, NRW
Beiträge: 19
Hhhm, also ich denke ein Jurastudium hat ja auch seinen Sinn. Also, ich denke nicht, dass jem. der 3 Jahre was anderes studiert hat, genauso gut ist, wie jem. der drei Jahre Jura sudierte. Außer natürlich er ist ein Naturtalent ;-)
Anders gesagt: Ich habe nun drei Jahre Geschichte & Theo hinter mir. Nun fange ich mit Master an. Ich denke, selbst wenn ich jetzt im Master Jura machen würde, wäre ich in 2 Jahren kein guter Anwalt. Mir fehlen dann doch einfach drei Jahre komplett.
KA, irgendwie finde ich diese Regelung etwas "sinnlos".
Entweder ich will was mit Geschichte machen oder ich will Anwalt werden. Und wenn ich Anwalt werden will, dann muss ich eben auch durch das Studium. Sonst ist damit ja impliziert, dass das Jurastudium keinen Sinn hat oder egal ist.

Anders gesagt: Kann jemand, der 3 Jahre Geschichte und 2 Jahre Medizin studiert hat, anschließend genauso risikofrei operieren, wie jemand, der 5 Jahre Medizin studiert hat???

Oder ist es vielleicht so, dass Du sehr wohl auf Law umschwenken kannst, danach aber eben kein Anwalt, sondern nur "Rechtswissenschaftler" bist? Das kann ich mir vorstellen und das wäre bei uns auch möglich. Also, dass man im Master zusätzlich noch Rechtswissenschaft studiert beispielsweise. Aber danach kann man nicht Anwalt sein!!!

Hhhm, das ist unterschiedlich. Mit der Seminarteilnehmerzahl. Je nach Thema eben. Also ich hatte schon Seminare mit drei, vier Teilnehmern. Das waren aber eben auch Themen, die kaum jemanden interessiert haben (Bsp: Der deutsche Orden in Preußen). Andere Themen sind chronisch überfüllt (Sowas wie Ketzerverfolgung beispielsweise). Kommt natürlich auch immer noch darauf an, wer das Seminar macht. Ist der Prof beliebt, dann ist es meist sehr voll. Ist er streng, ist es eher leer. Und dann natürlich die Uhrzeit, wer geht schon gerne Montags um 8 zur Uni oder Freitags um 16 Uhr? *g*

Also, zwischen Seminaren 80 und 3 Teilnehmern ist mir schon alles passiert. Meist ist es so wie eine Schulklasse. Aber selbst wenn es voll ist: 90% sind nur wegen der Unterschrift da (wir müssen natürlich mit den BA/MA Abschlüssen noch Anwesenheitspflicht einführen *g*) und wenn Du mitmachst , kommst Du gut klar. Meist beiteiligen sich nur noch maximal 5 andere. Meine Erfahrung soweit.

Aber ich denke, das Geschichte (leider) generell recht voll ist. Hat halt den Ruf, dass es leicht ist, meist ist kein NC drauf und wenn doch, dann werden meist doch alle zugelassen oder er ist bei 3,irgendwas.
Aber vielleicht wird sich die Situation durch Studiengebühren entspannen (mehr Seminare etc.)
Andererseits haben eben auch die meisten Geisteswissenschaften das Problem. Inzwischen selbst Theologie.
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  #9  
Alt 02.08.2007, 19:52
Benutzerbild von Tacitus
Tribun
 
Registriert seit: 27.07.2007
Ort: NRW
Beiträge: 79
Vielen Dank für die vielen Antwort.
Es ist mir schon ernst mit dem studieren nur die berufliche Zukunft macht mir sorgen, aber ansonsten war und bin ich wenn es um Geschichte geht mit Herzblut dabei denn Geschichte fasziniert mich einfach.
Das mit dem vielem lesen und lerne dürfte kein Problem sein.
Und was die arbeiten mit Quellen angeht, dass machen wir schon in der Schule
und ist ja auch Aufgabe in den Klausuren.
Das lernen von allen möglichen Daten hat mir mein Lehrer schon mal gesagt wir immer wichtiger, deswegen müssen wir auch das in den Klausuren können.

Die Links sind auch sehr hilfreich besonders die Broschüre, gibt einen schönen Einblick.

Eine Frage hätte ich da noch wie sieht es eigendlich mit Sprachkenntnissen aus.
Ich denke Latein, Englisch und Französisch sind wichtig und in wie fern muss man sie beherrschen können.

Danke nochmal

Tacitus
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Kenntnisse kann jedermann haben,
aber die Kunst zu denken ist das seltenste Geschenk der Natur.
Friedrich d. Grosse

Geändert von Tacitus (03.08.2007 um 09:51 Uhr).
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  #10  
Alt 02.08.2007, 19:57
Benutzerbild von Boccaccia
Medicus
 
Registriert seit: 01.08.2007
Ort: Bochum, NRW
Beiträge: 19
@Celebthol: Also, ich bin Hilfskraft und bei mir war es einfach so, dass ich nach einem Seminar von der Dozentin gefragt wurde!
Asonsten gebe ich Dir Recht!

@Wulfnoth: Mit Englisch keine Ahnung. Ist ja nun diese allgemene Zertifizierung. Ich glaube, das richtet sich vorrangig nach der Lerndauer, aber wie gesagt: Ich glaube!!! Naja, ansonsten: Englisch ist auch nicht so ganz das meine *g*
Der NC liegt bei uns meist höher als 3,0. Ich glaube sogar, dass fast immer alle zugelassen werden! Mit der Berufswahl stimme ich Dir voll und ganz zu. Hey, Physiker werden gesucht. Aber ich denke trotzdem, dass ein Abschluss in Geschichte mit 1 mehr wert ist als einer in Physik mit 4. Und ich möchte auch gerne was machen, wo ich Freude dran habe!

@Tacitus: Zu Sprachkenntnissen habe ich oben schon was geschrieben? Bei uns ist Englisch Pflicht (Sprachnachweis, d.h. Klausur oder Übersetzung je nach Dozent) und Latinum ist Pflicht, wenn Du Schwerpunkt auf Antike, MA oder FNZ hast. Tja, ansonsten ist es je nach Uni eben etwas anders. Du kannst allerdings auch Sprachen während des Studiums machen. Ist aber Arbeit!!! Informier Dich einfach darüber an der jeweiligen Uni. Was Pflicht ist.
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  #11  
Alt 02.08.2007, 19:59
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Zitat von Tacitus Beitrag anzeigen
Eine Frage hätte ich da noch wie sieht es eigendlich mit Sprachkenntnissen aus.
Ich denke Latein, Englisch und Französisch sind wichtig und in wie fern muss man sie beherrschen können.
Latein doch meist erst zur Zwischenprüfung oder wie das Ding heißt oder? Ansonsten sind zwei moderne Fremdsprachen ein "muss" aber Französisch nicht unbedingt. Kann auch eine andere anerkannte Fremdsprache sein wie z.B. Spanisch.
Wenn du aber franz. Geschichte studieren willst wäre Französisch natürlich nicht schlecht.
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  #12  
Alt 02.08.2007, 20:05
Benutzerbild von Tacitus
Tribun
 
Registriert seit: 27.07.2007
Ort: NRW
Beiträge: 79
@Boccaccia Das mit der Sprache habe ich überlesen.

Ich finde es gut das dieses Thema einen so guten anklang findet.

Macht ruhig weiter so.

Tacitus
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Friedrich d. Grosse
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  #13  
Alt 02.08.2007, 20:11
Benutzerbild von Draconarius
Historiddler
 
Registriert seit: 04.06.2005
Beiträge: 800
Zitat von Boccaccia Beitrag anzeigen
@Celebthol: Also, ich bin Hilfskraft und bei mir war es einfach so, dass ich nach einem Seminar von der Dozentin gefragt wurde!
Asonsten gebe ich Dir Recht!
Hm, also bei uns ist das ganz stark von persönlichen Vorlieben geprägt. Der eine Prof stellt bevorzugt große attraktive Studentinnen ein, der andere überlässt das seinen Mitarbeitern, die dann selber wieder ihr eigenes Süppchen kochen und ein anderer schaut auf die Zwischenprüfungen, aber die sind halt auch nicht aussagekräftig...
Aber bei den Spannungen zwischen den Lehrstühlen frage ich mich dann wieder, ob das überhaupt so sinnvoll ist, Hilfskraft zu werden, könnte mir gut vorstellen, dass sich da wieder Nachteile ergeben...

@ Englisch: Uniabhängig, bei mir hat ein Übersetzungstest im PS für neuere/neueste Geschichte gereicht...der dann aber dem Dozenten samt Laptoptasche gestohlen wurde > alle bestanden.
Sprachen sind in der Regel Englisch und Latein (für alte und mittelalterliche Geschichte). Manche Unis verlangen für alte Geschichte Griechisch.
Ich selbst werde auf jeden Fall nochmal Französisch lernen.

@ Berufswahl: Naja, ich will nach Möglichkeit auch etwas in Richtung Archiv/Museum machen. Hatte vor kurzem auch noch mit dem Gedanken gespielt mich mit Lehramt Latein - Geschichte abzusichern, allerdings geht die Kombination in Bayern nicht und ich habe dann doch nicht Lust dazu, sozusagen die Machtergreifung Macht über mein Leben ergreifen zu lassen.
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μηδὲν ἄγαν
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  #14  
Alt 02.08.2007, 20:39
Benutzerbild von Boccaccia
Medicus
 
Registriert seit: 01.08.2007
Ort: Bochum, NRW
Beiträge: 19
Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Latein doch meist erst zur Zwischenprüfung oder wie das Ding heißt oder? Ansonsten sind zwei moderne Fremdsprachen ein "muss" aber Französisch nicht unbedingt. Kann auch eine andere anerkannte Fremdsprache sein wie z.B. Spanisch.
Wenn du aber franz. Geschichte studieren willst wäre Französisch natürlich nicht schlecht.
Ja, also bei uns muß Latein dann bis zur BA-Prüfung nachgewiesen sein! Also spich bis ca. zum 6.Semester. Man hat also Zeit das zu machen.

Bis zum BA sind zwei Fremdsprachen ein Muss, wovon Englisch Pflicht ist. (Hat man Schwerpunkt AG, MA oder FNZ dann muß die andere Latein sein). Während des MA Studiums muss zudem noch eine dritte Fremdsprache hinzukommen.

Nein, Französisch ist nicht Pflicht. Allerdings ist es eine Pflichtvorraussetzung, wenn man später auf die Archivschule möchte. Also, das verlangt die Archivarsausbildung so, mit dem Studium an sich hat das nichts zu tun!
Im Übrigen würde ich mich wegen den Sprachen nicht sooo verrückt machen ;-)

Edit:
Also ich finde Hilfskraft einfach nur praktisch. Ist halt an der Uni, kein weiter Weg, flexible Zeiten. Und man lernt halt viele Leute kennen. Spannungen gibt es bei uns nicht, bzw. kriege ich nicht mit. Inzwischen werden bei uns im Übrigen neuerdings vermehrt die Stellen öffentlich ausgeschrieben ;-)

Geändert von Boccaccia (02.08.2007 um 20:44 Uhr).
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  #15  
Alt 03.08.2007, 00:29
Benutzerbild von Samurai
Großkönig Persiens
 
Registriert seit: 23.10.2005
Ort: Greven ( Münsterland / NRW)
Beiträge: 344
Woooooow! Danke! Boccaccia dein langer Text war echt Informativ ! Jetzt ist mir einiges mehr klar ! Also ich werde ungf. in 2 Jahren Studieren und ich bin mir bis jetzt noch nicht sicher was ich studieren will ! Mein Absolutes Lieblingsfach ist Geschichte, aber nur ich möchte kein Lehrer werden und als Journalist bin ich unbegabt ! Ich tendiere eher richtung Jura... aber der Text war echt gut! hat mich auf jeden fall bei meiner entscheidung weitergebracht.
__________________

Dein Christus ein Jude
Dein Auto ein Japaner
Deine Pizza italienisch
Deine Demokratie griechisch
Dein Kaffee brasilianisch
Dein Urlaub türkisch
Deine Zahlen arabisch
Deine Schrift lateinisch
Dein Nachbar nur ein Ausländer.
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