Zitat von König Leonidas I.
Wie war das hethitische Militär aufgebaut?
Welche Einheitentypen gab es?
Welche Stärken und Schwächen hatten es?
Gibt es irgendwelche Besonderheiten am Hethitischen Militär?
Das Rückgrat bildeten sicher die Streitwagen. Bei Kadesch setzten die Hethiter gute 3500 davon ein.
Die Wagen wurden von zwei Hengsten gezogen und waren anfangs mit einem Wagenlenker, der auch mit der Ausbildung der Pferde betraut war, und einem Krieger mit Pfeil und Bogen besetzt. Der Wagenlenker führte einen Schild (wohl ein lederüberzogener Holzrahmen) als Schutz für beide.
Später (bei Kadesch definitiv) standen drei Mann auf dem Wagen. Der Dritte führte nun den Schild und war für den Nahkampf ausgerüstet.
Die Infanterie (bei Kadesch ca. 37.000) war mit Helmen (mit Wangen- und Nackenschutz), Lanzen/Speeren, sichelförmig gekrümmten Säbeln, (später auch geraden Langschwertern), Kurzschwertern, Dolchen und Streitäxten ausgerüstet. Der Schild scheint eher selten von Infanteristen verwendet worden zu sein (auf Reliefs tauchen nur selten Schilde bei Infanteriedarstellungen auf).
Es wurden ca. 6cm lange Bronzeblättchen gefunden, die mit Lochösen versehen waren und mit einiger Wahrscheinlichkeit auf Gewändern aufgenäht einen Schuppenpanzer bildeten. Darstellungen der Krieger von hethitischer Seite zeigen sie in kniekurzen, ärmellosen Tuniken und Gürtel, oder mit freiem Oberkörper und einer Art Wickelminirock. Auf ägyptischen Darstellungen hingegen tragen hethitische Krieger knöchellange, kurzärmlige Gewänder.
Daneben gab es auch leichte Infanterie, die mit Pfeil und Bogen ausgerüstet waren (Der hethitische Bogen war bereits ein Kompositbogen.), Pioniereinheiten, welche bei Belagerungen und für sonstige Baumaßnahmen zum Einsatz kamen und berittene Boten, die nicht nür für die Kommunikation im Heer sondern für die Kommunikation im Reich eingesetzt wurden.
Die Infanterie wurde aus der "normalen" Bevölkerung rekrutiert, während die Steitwagen vom Adel besetzt und bereitgestellt wurden.
Daneben gabe es Söldner und zum Kriegsdienst gepresste Kriegsgefangene früherer Schlachten.
Es gab bereits soetwas wie ein stehendes Heer. Zum einen machten einige permanent gefährdete Grenzregionen stendig besetzte Grenzgarnisonen notwendig und zum anderen gab es Gardeeinheiten. denen in Friedenszeiten Polizeiaufgaben zukamen. Dazu kamen die Palastwachen (Goldlanzenträger) und die Leibwache des Großkönigs.
Die Einheiten waren offenbar nach dem Dezimalsystem in 10er, 100er und 1000er Gruppen gegliedert, die jeweils eigene Kommandeure hatten.
Das Heer scheint sehr gut ausgebildet und disziplinier gewesen zu sein, was sich in regelrechten Gewaltmärschen mit schließenden Angriffen im Morgengrauen oder auch sehr häufig bei Nacht äußerte. Außerdem waren hethitische Heere in der Lage sehr schnell aus einer Marschformation in eine Kampfformation zu wechseln, was ohne entsprechendes Training kaum möglich ist.
(Zusammenfassung des Kapitels 16 "Die schrecklichste Waffe der Bronzezeit" aus "Hethiter - Die unbekannte Weltmacht"; Birgit Brandau und Hartmut Schickert; Piper Verlag GmbH München; 2003; ISBN 3-492-23978-1;S.247f)
Es gibt so also erst einmal keine wirklichen Besonderheiten (wenn man von der Besetzung der Streitwagen mit drei Mann absieht). Allerdings scheinen die Hethiter bereits sehr früh eiserne Waffen eingesetzt zu haben, was ihnen sicher für eine kurze Zeit einen kleinen Vorteil verschafft haben dürfte.