29.08.2008 - 00:57
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  #1  
Alt 19.05.2008, 20:55
Benutzerbild von König Leonidas I.
Tribun
 
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Ort: Alfter, ca. 10-20 km von Bonn entfernt
Beiträge: 81
Hethitisches Militär

Da ich mich ja in letzter Zeit mit den Sagen und wissenschaftlichen Erkentnisse rund um Troja beschäftige, und es ja die These gibt, dass Troja zum Hethiterreich gehörte, hätte ich hier einigee Fragen:

Wie war das hethitische Militär aufgebaut?
Welche Einheitentypen gab es?
Welche Stärken und Schwächen hatten es?
Gibt es irgendwelche Besonderheiten am Hethitischen Militär?
__________________
Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest Uns hier liegen sehn, wie das Gesetz es befahl.
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  #2  
Alt 19.05.2008, 21:33
Benutzerbild von tejason
Quaestor
 
Registriert seit: 17.10.2007
Beiträge: 116
Die Hethtiter waren ein klassisches, kleinasiatisches Großreich, dessen Militär aus den Kontingenten zusammen gesetzt war, welches die Fürsten des Reiches und die tributpflichtigen Klientelstaaten aufbieten konnten. Ein einheitlich geregeltes Militär wie die Römer, oder eine "überschaubare" griechische Polis konnten sie nicht haben! Das Reich hatte längere Zeit Bestand und auch nach seinem Zusammenbruch bestanden Königreiche weiter, die bereits Teil des Großreiches gewesen waren...

An Militär findest du alles was es in jener Zeit - und Weltgegend gegeben hat. Die Hethiter hatten lange eine Art Monopol für Eisen, was ihren Elitetruppen (nicht jeder hatte Eisen! Anfänglich war das Geschenk eines eisernen Messers an einen ägyptischen Pharao ein wahrhaft königlich-großzügiges Geschenk!) Vorteile im Kampf gegen die üblichen Soldaten mit Bronzewaffen (oder primitiver...) verschaffte.
Wirklich bekannt sind die Streitwagen der Hethiter, in denen 3 Mann Besatzung waren. Sie waren lange ein Grund für die militärische Überlegenheit dieses Volkes, denn ansonsten waren 2 Mann Besatzung üblich. Neben dem Lenker konnte sich ein Mann auf den Nahkampf konzentrieren, während der herausgehobnene adelige Hauptkrieger überwiegend mit Wurfspeeren und vielleicht auch dem Bogen (?) arbeiten konnte. Die Arbeitsteilung der beiden eigentlichen Krieger machte den Wagen taktisch vielseitiger, wenn auch weniger schnell. Ideal um damit eigene Infanerie zu unterstützen und gegnerische Infanterie zu bekämpfen.
Reiterei war damals unüblich: Die Menschen scheinen zuerst auf die Idee gekommen zu sein Pferde anzuschirren, ehe sie sich auf diese setzten. Schon die Sumerer kannten keine Kavallerie, sehr wohl aber schwerfällige 4-rädige Kriegswagen, die den wendigeren 1-Achsern der neuen Völker nicht gewachsen waren. Reiterei kam während der hethitischen Zeit auf, ihre Träger waren aber eher iranische Völkerschaften wie die Skythen, späteren Perser und auch die Kimmerier...

...mehr fällt mir jetzt nicht ein. Sie hatten Vasallen syrischer und mesopotamischer Stadtstaaten, deren Kampfesweise damals sowieso wohl zahlenmäßg dominierten...
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  #3  
Alt 19.05.2008, 22:45
Benutzerbild von Dinictis
Quaestor
 
Registriert seit: 22.06.2005
Ort: Leipzig
Beiträge: 174
Zitat von König Leonidas I. Beitrag anzeigen
Wie war das hethitische Militär aufgebaut?
Welche Einheitentypen gab es?
Welche Stärken und Schwächen hatten es?
Gibt es irgendwelche Besonderheiten am Hethitischen Militär?
Das Rückgrat bildeten sicher die Streitwagen. Bei Kadesch setzten die Hethiter gute 3500 davon ein.
Die Wagen wurden von zwei Hengsten gezogen und waren anfangs mit einem Wagenlenker, der auch mit der Ausbildung der Pferde betraut war, und einem Krieger mit Pfeil und Bogen besetzt. Der Wagenlenker führte einen Schild (wohl ein lederüberzogener Holzrahmen) als Schutz für beide.
Später (bei Kadesch definitiv) standen drei Mann auf dem Wagen. Der Dritte führte nun den Schild und war für den Nahkampf ausgerüstet.

Die Infanterie (bei Kadesch ca. 37.000) war mit Helmen (mit Wangen- und Nackenschutz), Lanzen/Speeren, sichelförmig gekrümmten Säbeln, (später auch geraden Langschwertern), Kurzschwertern, Dolchen und Streitäxten ausgerüstet. Der Schild scheint eher selten von Infanteristen verwendet worden zu sein (auf Reliefs tauchen nur selten Schilde bei Infanteriedarstellungen auf).
Es wurden ca. 6cm lange Bronzeblättchen gefunden, die mit Lochösen versehen waren und mit einiger Wahrscheinlichkeit auf Gewändern aufgenäht einen Schuppenpanzer bildeten. Darstellungen der Krieger von hethitischer Seite zeigen sie in kniekurzen, ärmellosen Tuniken und Gürtel, oder mit freiem Oberkörper und einer Art Wickelminirock. Auf ägyptischen Darstellungen hingegen tragen hethitische Krieger knöchellange, kurzärmlige Gewänder.
Daneben gab es auch leichte Infanterie, die mit Pfeil und Bogen ausgerüstet waren (Der hethitische Bogen war bereits ein Kompositbogen.), Pioniereinheiten, welche bei Belagerungen und für sonstige Baumaßnahmen zum Einsatz kamen und berittene Boten, die nicht nür für die Kommunikation im Heer sondern für die Kommunikation im Reich eingesetzt wurden.

Die Infanterie wurde aus der "normalen" Bevölkerung rekrutiert, während die Steitwagen vom Adel besetzt und bereitgestellt wurden.
Daneben gabe es Söldner und zum Kriegsdienst gepresste Kriegsgefangene früherer Schlachten.
Es gab bereits soetwas wie ein stehendes Heer. Zum einen machten einige permanent gefährdete Grenzregionen stendig besetzte Grenzgarnisonen notwendig und zum anderen gab es Gardeeinheiten. denen in Friedenszeiten Polizeiaufgaben zukamen. Dazu kamen die Palastwachen (Goldlanzenträger) und die Leibwache des Großkönigs.

Die Einheiten waren offenbar nach dem Dezimalsystem in 10er, 100er und 1000er Gruppen gegliedert, die jeweils eigene Kommandeure hatten.

Das Heer scheint sehr gut ausgebildet und disziplinier gewesen zu sein, was sich in regelrechten Gewaltmärschen mit schließenden Angriffen im Morgengrauen oder auch sehr häufig bei Nacht äußerte. Außerdem waren hethitische Heere in der Lage sehr schnell aus einer Marschformation in eine Kampfformation zu wechseln, was ohne entsprechendes Training kaum möglich ist.

(Zusammenfassung des Kapitels 16 "Die schrecklichste Waffe der Bronzezeit" aus "Hethiter - Die unbekannte Weltmacht"; Birgit Brandau und Hartmut Schickert; Piper Verlag GmbH München; 2003; ISBN 3-492-23978-1;S.247f)

Es gibt so also erst einmal keine wirklichen Besonderheiten (wenn man von der Besetzung der Streitwagen mit drei Mann absieht). Allerdings scheinen die Hethiter bereits sehr früh eiserne Waffen eingesetzt zu haben, was ihnen sicher für eine kurze Zeit einen kleinen Vorteil verschafft haben dürfte.
__________________
QVOD BONVM FAVSTVM FELIX FORTVNATVMQVE SIT

AMICVS CERTVS IN RE INCERTA CERNITVR
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