Hallo
Der Untergang der griechischen Phalanx ist nicht einfach zu klären, denke ich, um dies zu verdeutlichen möchte ich einige andere Aspekte einführen, die meine Meinung verdeutlichen sollten

. Das meiste ist nicht auf meinem Mist gewachsen sondern stammt aus entsprechender Sekundärliteratur. (dennoch sicher diskusionswürdig)
Da es hier um die griechische Phalanx geht ein Abriß des griechischen Kriegswesens:
Nach dem Niedergang des Reiches von Alexander dem Großen wandelte sich das Heerwesen. Die Armeen der Staaten wurden nicht länger aus Bürgern und Bauern gebildet sondern immer Stärker aus Söldnern (im 3.Jh. waren es schon fast ausschließlich Söldner).
Die Kriege dieser Zeit zeigten deutlich das asiatische Heere den hellenischen Armeen deutlich unterlegen waren.
Es galt somit sich nur vor dem eigenen hellenischen Nachbarn zu Schützen, so began ein kleines Wettrüsten - und Geld war aus den erfolgreichen Feldzügen da.
In der Folge änderte sich auch die Bewaffnung der Phalanx, wenn zwei Phalangen aufeinandertreffen gewinnt der der es schafft die gegnerische Phalanx als erster aufzureiben. In der Idee führt das zu der verständlichen Annahme längere Speere einzuführen (dann ist man als erster am Ziel :P). Das ist zwar eine schöne Reißbrettannahme macht die Organisation und Bewegung einer Phalanx aber langsam und schwerfällig. Die Idee wurde aber umgesetzt und so wurden die Speere einer Phalanx auf 6 Meter aufgestockt. (und solange ich es nur mit Phalangen oder Reiter zu tun habe ist das auch kein Problem)
Leider wurde es versäumt dem Phalangiten eine gute Sekundärbewaffnung mitzugeben, so blieb es bei seiner Rüstung und einem Dolch, klar bei der enge einer Phalanx bleibt kaum Platz für mehr.
Betrachten wir die Sache weiter beim Punkt Söldner. Damit ein Söldner kämpft muß es ihm gut gehen. Ein Söldnerleben ist ein Reiseleben was soviel heißt er will Frauen, Essen und vielleicht sogar Sklaven und schleppt vielleicht sogar seine Famillie mit, auf jeden Fall wird er seine Habseligkeiten und Beute immer dabeihaben.
Der logistische Aufwand steigt ins unglaubliche, aber genau das ist im griechischen Heerwesen der Zeit zu beobachten, der Heertroß wird riesig, ohne das die Griechen eine adäquate Lösung entwickeln. Die Moral eines Söldnerheeres kann darüber hinaus als zweifelhaft betrachtet werden.
Der Krieg der Hellenen mag zwar blutig sein aber er ist nicht Grausam. Es ist nur Ziel das gegnerische Heer zu schlagen nicht es zu vernichten. (Das paßt Söldner auch am Besten)
Die Ursache dafür ist kulturell bedingt. Eine Phalanx die ursprünglich aus Bauern und Einwohner einer Stadt besteht zu vernichten ist einfach dumm. Wer soll denn versklavt werden oder die Felder bestellen und Abgaben leisten, wenn die Einwohner abgeschlachtet sind? So begnügen sich die Hellenen ein Heer zu schlagen und nicht zu vernichten.
In der griechischen Welt wurde davon ausgegangen Kriege durch Verhandlungen zu beenden, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden.
Betrachten wir kurz die Römer
Die exzellente Organisation des römischen Staates und Heeres jener Zeit erlaubte die Aufstellung und Ausbildung zwar keines riesigen Heeres, aber im Gegensatz zu den Hellenen gut ausgebildet, bewaffnet und militärisch einzigartig diszipliniert war.
Rom hatte die Nachteile der Phalanx erkannt und bevorzugte die mobilere Kriegsführung, eben das berühmte plänkeln, anstatt das stoische aufeinanderprallen zu laßen.
Die römische Bewaffnung war entsprechend mobil ausgelegt, der römische Soldat besaß den kurzen Speer und seinen Gladius.
Rom hatte kein Interesse daran eine Armee zu schlagen, Roms interesse ist es eine Armee zu vernichten, auf das Niemand es wagt die Hand (wieder) gegen Rom zu erheben.
Es ist wohl schon ersichtlich welche unterschiedlichen Armeen hier gleich aufeinanderprallen werden.
Laßen wir den Spaß beginnen:
Die Armeen beginnen aufeinander zuzumarschieren. Die Römer werfen ihre Speere inmitten der Phalangiten, die ersten brechen unter dem Hagel ungeschützt zusammen, die Lücken können nicht gleich geschlossen werden aber die Römer sind erreicht.
Die vorderen Speere brechen und senken sich unter dem Gewicht der aufgespießten Römer und die Phalanx schiebt sich voran, aber bevor die nächste Reihe an Speeren in Reichweite ist, laßen sich einige Römer, mit gezücktem Gladius, in die Reihen der Phalanx katapultieren. Was auf ersten Blick wie römischer Leichtsinn wirkt entpuppt sich als hellenischer Wahnsinn. Die Römer sind in der Phalanx zwar von Feinden umzingelt und allein mit ihrem scharfen zweischneidigen Gladius bewaffnet, aber wer steht ihnen denn dort gegenüber, ein Hellene der verzweifelt einen 6 Meter langen Stock in der Hand hält den er nicht einmal schwingen kann.
Und seine Zweitbewaffnung? Das ist ein Dolch der lächerlich kurz wie sein Speer lang ist.
Die Hellenen sind in der Mitte ihrer Phalanx dem Gladius schwingenden Römern schutzlos ausgeliefert, und diese Schlitzen einen nach dem anderen auf und wüten so fürchterlich das sich das Zentrum der Phalanx auflöst -- Sie ist geschlagen.
Wärend im Zentrum der Kampf noch wütet ist die Jahrhunderte lang vernachläßigte griechische Kavallerie längst vom Feld vertrieben und römische Soldaten fallen in die seitlich und rückwärtig ungeschützte Phalanx zügig mit dem Gladius an. Körperteile wirbeln durch die Lüfte, Männer stürzen verstümmelt zu Boden und sterben graeunvoll.
Die Flanke bricht zusammen das Zentrum löst sich auf die Schlacht hat Rom gewonnen. Eine Reserve Phalanx bleibt stehen und streckt die Speere gen Himmel -- sie kapituliert, aber den Römern ist diese Geste unbekannt und Fallen über die Ärmsten her bis einem römischen Offizier diese Geste erklärt wird und er mit Mühe dem Massaker ein Ende setzen kann.
Das ist kein griechischer Kampf, um den Gegner zu schlagen, dies ist ein römischer Kampf, den Gegner vernichten, ihn auslöschen.
Ich weiß langer Text aber ich hoffe der eine oder andere hielt durch...
Wer mehr über die Phalangen wissen möchte empfehle ich folgende Bücher die ich auch für diese Ausführung hier verwendet habe:
1. Die Kriege in der griechischen Antike
2. Die Kriege der Römer