Zitat von Wulfnoth
Kann man nicht, Juden sind eine Religions- und keine Volksgruppe.
Strittig. Zumindest die Zionisten betrachten sich und andere Juden als Volksgruppe, als Nation. Ich sehe auch den moralischen Unterschied nicht, ob man nun Völkermord und ethnische Säuberung an einer Religionsgruppe oder an einer nationalen Gruppierung betreibt. Religiöse Minderheiten können genauso Probleme machen - siehe Bosnien - wie eine nationale Minderheit.
Zitat von Wulfnoth
Ethnische Säuberungen, zumal staatlich gewollte wie nach dem Zweiten Weltkrieg, sind nie in Ordnung aber gab es 1945 eine Alternative?
Die gab es. Niemand hat Russland und Polen gezwungen Ostpreußen unter sich aufzuteilen und die deutsche Bevölkerung auszurotten und zu vertreiben.
1. Ostpreußen hätte als Enklave zur DDR geschlagen werden können.
2. Ostpreußen hätte ein selbständiger kommunistischer Vasallenstaat wie die DDR werden können.
3. Ostpreußen hätte ein neutraler Staat wie Österreich werden können.
Gleiches gilt für die andern Ostgebiete oder das Sudetenland.
Hier ziehe ich für mich eine ganz klare moralische Grenze. Ein Staat, der ein Gebiet annektieren will,
muß die Eingeborenen mit übernehmen. Ausrotten oder Vertreiben ist verboten und wenn die Kerle noch so lästig sind und sich partout nicht polnifizieren/russifizieren/deutschifizieren oder was auch immer lassen wollen. Wenn Russland Ostpreußen haben will, dann muß es die Ostpreußen mit übernehmen, Punkt. Wenn nicht, dann kann es das Land eben nicht annektieren.
Und da kann es m.E. auch keine Abstriche geben. Sonst kann ich im Falle des Herero-Völkermords auch argumentieren: Deutsche und Herero hätten sich eh nie vertragen (und die Herero sind eine Ethnie und keine Religionsgruppe ^^), also müssen sie "zum Wohle aller" in Gebiete weichen, wo es ihnen nachher sicher besser geht. Und sind sie nicht willig so brauch ich Gewalt. Ethnische Säuberungen sind nie in Ordnung, aber gab es denn 1905 für die Deutschen eine Alternative zur Vertreibung?
Zitat von Wulfnoth
Gerade die Volksdeutschen waren oft glühende Nazis und in der Partisanenbekämpfung aktiv gewesen. Einfach so weiter machen wie vor dem Krieg war da nur schwer möglich.
In ethnischen Mischgebieten, wo die Leute sich sonst an die Kehle gehen, mag eine Trennung letzter Ausweg sein, schlimmeres zu verhüten. Das betraf aber 1945 nur einen kleinen Teil der ermordeten und vertriebenen Ostdeutschen.
Zitat von Wulfnoth
Man muss es nicht gutheißen, moralisch war es definitiv verwerflich aber ich sehe auch die Alternativlosigkeit.
Wenn es Alternativlos war, war es nicht verwerflich.
Zitat von Wulfnoth
Das wird den Alliierten übrigens nicht anders gegangen sein, ich kann mir nämlich nur schwer vorstellen, dass man freiwillig Millionen Menschen in die eigenen Besatzungszonen verfrachtete.
Wieso nicht? Das Ziel war, Deutschland zu schwächen und dafür war die Ermordung von Millionen Deutschen und die Wegnahme der Ostgebiete gut geeignet. Ob und wie die Vertriebenen dann im Westen zurechtkommen - who cares? Der Kalte Krieg und das die USA das Problem dann am Hals haben, war 1945 ja noch nicht geplant, sondern es hieß, Deutschland platt machen (Morgenthau-Plan) und US-Truppen abziehen.