21.11.2008 - 17:17
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  #1  
Alt 01.01.2006, 11:25
Tribun
 
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Russland dreht Ukraine den Gashahn zu

Quelle: n-tv.de

Putin macht Drohung wahr: Gazprom dreht den Hahn zu

Nach dem Scheitern der russisch-ukrainischen Gasverhandlungen hat der vom Kreml kontrollierte Gaskonzern Gazprom am Neujahrsmorgen mit der Drosselung der Exporte an den Nachbarn begonnen. Um 10.00 Uhr Moskauer Zeit (8.00 Uhr MEZ) erteilte die Gazprom-Führung in Moskau die Anweisung, die Gaslieferungen an die Ukraine einzustellen, wie der russische Fernsehsender NTW berichtete.

(...)

Von den insgesamt drei Röhren könnten zwei abgeschaltet werden, teilte das Unternehmen mit. Über die dritte Leitung werde die Transitversorgung für die Kunden im Westen, darunter Deutschland, aufrechterhalten.

In der Nacht zum Sonntag hatte Gazprom mitgeteilt, die Ukraine habe einen Vertrag zurückgewiesen, der nach russischer Darstellung den Streit hätte entschärfen sollen. Ein Sprecher der ukrainischen Naftogaz hatte zuvor noch von einer Einigung gesprochen.

In dem Streit geht es um die Pläne der Gazprom, die Preise auf 230 Dollar je 1.000 Kubikmeter Erdgas von derzeit 50 Dollar zu erhöhen. Der bisherige Preis geht auf Sowjetzeiten zurück. Die Ukraine ist zwar grundsätzlich mit einer Angleichung an das Weltniveau einverstanden, will aber eine Übergangsphase. Beobachter sehen hinter der Vorgehensweise Russlands eine Strafe für die pro-westliche Haltung der Regierung. Die Ukraine strebt nach der "Revolution in Orange" einen Beitritt zur Europäischen Union und zur Nato an.

Der Gas-Streit wird auch in Westeuropa aufmerksam verfolgt. Die EU bezieht 25 Prozent ihres Gases von Gazprom, Deutschland mehr als ein Drittel seines Gases aus Russland. Das meiste Erdgas fließt dabei durch Pipelines, die durch die Ukraine verlaufen. Russland hat zugesichert, dass es nur den Teil sperren wird, der an die Ukraine gehen würde. Die Ukraine hat erklärt, sie werde nicht die Lieferungen nach Westeuropa anzapfen. Die EU will am 4. Januar über die Auswirkungen des Konflikts beraten.
Die Auswirkungen sind nicht nur direkter Art - Deutschland erhält 30% seines Erdgases aus Russland, überwiegend durch die "Ukraine-Pipeline" - sondern auch indirekter/politischer Art. Russland "straft" die Ukraine dafür ab, dass sie sich dem Westen zugewandt hat und sich nicht dem Machthaber in Russland beugen will. Nun ist die Ukraine nur ein kleines Land verglichen mit Russland, aber sie hat durchaus Drohpotenzial: so wurde schon erklärt, der russische Schwarzmeerhafen, der Russland vertraglich zusichert, ihn als Marinestützpunkt nutzen zu können, könnte von der Ukraine zurückgefordert werden. Die Antwort aus Russland kam prompt, eine unverholene Kriegsdrohung - und wie Ernst es die Russen mit sowas meinen, wissen die Nachbarn seit Jahrzehnten.

Wenn Russland bereit ist, einem schwachen Land, wie der Ukraine, das Gas abzustellen, wie gesichert ist dann noch unsere Versorgung? 75 Tage reichen die Gasreserven, dann ist Sense. Ist Deutschland dem russischen Bären völlig ausgeliefert? Dürfen wir angesichts dieser Lage (und in Anbetracht der globalen Erderwärmung) überhaupt unsere AKWs abschalten, die sichersten der Welt? Müssen wir uns nicht lösen von der Abhängigkeit des Nahen Ostens und Russlands?
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  #2  
Alt 01.01.2006, 11:38
Benutzerbild von Renascor
Tigers Hare Krischna Jung
 
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Ort: Niedersachsen
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Oho das hört sich überhaupt nicht gut an.

Wenn das stimmt was da steht, dann haben wir bals die nächste Krise.
Und ich dachte der kalte Krieg sei vorbei.
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Der Glaube kommt aus dem Herzen. Die Vernunft muß ihn festigen. Glaube und Vernunft sind nicht Gegenkräfte, wie manche Leute meinen. Je tiefer der Glaube ist, um so mehr schärft er die Vernunft. Wenn der Glaube blind wird, stirbt er. - Mahatma Gandhi
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  #3  
Alt 01.01.2006, 13:46
mozart
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Beiträge: n/a
wie gut das es bald die ostseepipeline gibt. deutschland und russland werden sich so schnell nicht auseinanderleben
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  #4  
Alt 01.01.2006, 13:54
Alterspräsident
 
Registriert seit: 27.12.2005
Beiträge: 262
RE: Russland dreht Ukraine den Gashahn zu

Man kann aber auch mal von einer anderen Seite an das Problem herangehen ...

Was zahlen denn die Westeuropäer (wie z..B. Deutschland) für das russische Erdgas? Richtig ca. 255 €/1000 Kubikmeter.

Wieso meinen einige, daß Rußland verpflichtet wäre, der Ukraine das Gas für ein Fünftel des üblichen Preises zu liefern? Nur, weil sie es Weißrußland einräumen?

Alle fordern, das Rußland sich wie ein normaler westlicher Staat verhält - das tun sie jetzt:

Sie verkaufen ihr Produkt zum höchstmöglichen Preis.
Sie benutzen die zu zahlenden Preise (tw. in Aktien ukrainischer Unternehmen) für feindliche Übernahmen.
Sie nutzen wirtschaftliche Stärkepositionen, um andere Länder politisch willfährig zu machen.
Sie werden nicht hinnehmen, daß die Ukraine ihren Flottenstützpunkt (der im gleichen Grundlagenvertrag geregelt ist, wie der Grenzverlauf) antastet - wenn dieser Vertrag "ausgehebelt" wird, dann sicher nicht nur hinsichtlich Sewastopols ...

Hier stelle ich mir übrigens die Frage, wie wohl die Amerikaner reagieren würden, wenn Kuba sich nun plötzlich entschließen würde, Guantanamo-Bay nicht nur (wie seit 1959) mit lauen Worten zurückzufordern. Wie Uncle Sam da reagiert, weiß die ganze Welt seit Jahrzehnten ...

Also - was unterscheidet jetzt die Russen von anderen???

Ok - ist Provokation pur
Aber ich wollte mal anregen, das Thema auch aus russischer Sicht zu beleuchten. Außerdem gibt es so "Reizworte", wie den "russ. Bären" - die erinnern mich gleich an die alten "Warnrufe" aus CDU-Kreisen ... und da kann ich dann nicht anders
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Wolfgang Salpeter
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  #5  
Alt 01.01.2006, 14:25
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Wie bereits angesprochen kann man das Problem auch von russischer Seite sehen. Einerseits wendet sich die Ukraine dem Westen zu und liebäugelt sogar mit EU-Mitgliedschaft, andererseits wollen sie vom großen russischen "Bruder" weiterhin zu Billigstpreisen Gas erhalten. Das passt irgendwie nicht zusammen.

Ich sehe eigentlich keine Gefährdung unserer Gaslieferungen, denn wir zahlen ja den vollen Preis und bisher kann ich keinen Grund sehen der uns eventuell den Gashahn zuschnürt. Im übrigen ist es ja nichts neues, dass mit Ressourcen Politik betrieben wird.
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  #6  
Alt 01.01.2006, 15:38
mozart
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Beiträge: n/a
RE: Russland dreht Ukraine den Gashahn zu

Original von Grileg
Man kann aber auch mal von einer anderen Seite an das Problem herangehen ...
richtig, absolut richtig beobachtet. und das kann man noch auf die ostseepipeline erweitern. warum meinen einige, dass russland verplichtewt sein muss, seine gasleitungen durch die ukraine und polen, etc verlaufen zu lassen und enorme gebühren zahlen soll?
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  #7  
Alt 01.01.2006, 18:37
Benutzerbild von TigerMC
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ich habe verständniss für das handeln der russen. Wenn ich einen von euch billigst beliefere dann erwarte ich auch dass ihr zu mir freundlich seit. Wenn ich sehe ihr macht aktionen die mir zuwieder sind, lass ich euch eben den selben preis zahlen wie alle anderen auch, keine extrawurst mehr. Wenn ihr ber sagt nee ist net, wir wollen weiterhin fast umsonst dann sag ich ok hast pech gehabt, entweder du belchst ganz oder ich stells dir ab. so einfach ist das.
Und in dem text steht zwei oder dreimal dass russland die lieferungen in den westen weiter aufrechterhällt und die ukraine auch die nicht anzapfen wird, also wo das problem?
Aber schon gewieft von unserem freund mente, das ganze als billigargument für die atomkraftwerke nutzen zu wollen
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  #8  
Alt 01.01.2006, 19:54
Benutzerbild von Wulfnoth
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Das einzige Problem, dass ich sehe ist, dass Putin damit ein Druckmittel gegenüber der Ukraine in der Hand hat. Hatte er schon immer, aber jetzt hat er deutlich gemacht, dass er bereits ist es auszuspielen.
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  #9  
Alt 01.01.2006, 19:59
mozart
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aber er macht nichts verbotenes. erpressung findet tagtäglich in der wirtschaft statt
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  #10  
Alt 01.01.2006, 20:01
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Natürlich handelt er nicht verboten. Aber wenn eine Diktatur eine sehr wackelige Demokratie erpresst nimmt das ganz für mich andere Dimensionen an.
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  #11  
Alt 01.01.2006, 20:07
mozart
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andererseits lernt die wacklige demokratie gleich, was die freie marktiwirschaft im westen so mit sich bringt

edit: schlecht formuliert, freie marktwirtschaft ist selbstverständlich positiv
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  #12  
Alt 01.01.2006, 20:09
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Was hat denn das bitteschön mit freier Marktwirtschaft zu tun?
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  #13  
Alt 01.01.2006, 23:55
Benutzerbild von TigerMC
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Beiträge: 2.599
ich denke mozart hat schon recht wenn er sagt so wird den ukrainern auch die kehrseite der medaille gezeigt.
Nämlich dass die wirklich freie makrtwirtschaft, ohne spielregeln, nichts weiter als raubtierkapitalismus ist. Siehe das bsp mit der ukraine, die sind abnehmer, die russen anbieter. Die russen können den preis bestimmen, wenns den ukrainern net past können sie sich ja nen anderen suchen Vielleicht hilft ihnen ja die usa, aber nee sry ich glaube in der ukraien gibts nix was wirklich wertvoll für die ist, ausser getreide und n paar metallerze
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  #14  
Alt 02.01.2006, 08:30
Tribun
 
Registriert seit: 29.05.2005
Beiträge: 82
Quelle: SPIEGEL.de

Österreich, Ungarn und Polen erhalten weniger Gas aus Russland

Vom Gas-Lieferstopp Russlands an die Ukraine sind auch EU-Staaten betroffen. Österreich, Polen und Ungarn erhielten weniger Gas als vertraglich zugesichert.

Moskau - In Ungarn traf gestern Abend um 25 Prozent weniger russisches Erdgas ein als vertraglich abgesprochen. Dies bestätigte ein Sprecher des ungarischen Mineralölunternehmens MOL dem ungarischen Rundfunk. Großkunden wie Kraftwerke seien gebeten worden, ab heute, 6 Uhr, Uhr auf Öl oder andere Brennstoffe umzustellen. Privathaushalte seien von der Verknappung nicht betroffen.

In Österreich seien 18 Prozent weniger russisches Gas angeliefert worden, sagte eine Sprecherin des österreichischen Energieversorgers OMV der Nachrichtenagentur APA. Man habe aber genug Vorräte, um den Lieferausfall "für längere Zeit" auszugleichen. Auch Polen und die Slowakei meldeten einen Rückgang der russischen Gaslieferungen über die Ukraine. Polen, über dessen Staatsgebiet die Pipelines nach Deutschland führen, berichtete von einem Druckabfall in den Leitungen. Das Wirtschaftsministerium versicherte aber, Polen verfüge über ausreichende Vorräte. Die Verbraucher würden von dem Ausfall nichts merken.

Ein Sprecher der deutschen Gasversorger betonte, die Versorgung Deutschlands sei sichergestellt. "Es braucht niemand Angst vor einer kalten Wohnung zu haben", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Gas- und Wasserwirtschaft, Wolf Pluge, der "Bild"-Zeitung. "Neben der Transitroute durch die Ukraine fließt russisches Gas auch über Weißrussland nach Deutschland." Auch dürften die Gaspreise nicht steigen, da die Verträge langfristig angelegt seien.

(...)
Tja, soviel zur Vertragstreue der Russen. Denn die drei Genannten Polen, Österreich und Ungarn haben nicht gegen den Vertrag verstoßen und zahlen regelmäßig und pünktlich - und doch erhalten sie nun weniger Gas, als ihnen von den Russen zugesichert wurde.

Es ist mehr als bedenklich, von solchen Willkürstaaten abhängig zu sein.
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  #15  
Alt 02.01.2006, 09:12
Alterspräsident
 
Registriert seit: 27.12.2005
Beiträge: 262
Na - also doch ein paar zusätzliche Kernkraftwerke? Ich denke, nicht zwingend nötig!

Bevor wir jetzt schnell zu Loriot fahren und uns dort ein paar Bausätze dafür holen, warten wir mal die nächsten Tage ab. Mal sehen, was sich da so rausstellt.

Da ja alle der genannten Leitungen durch die Ukraine führen, halte ich es durchaus auch für denkbar, daß man sich dort das Recht des ersten Zugriffs genommen hat.
Immerhin hatte man ja angekündigt, ggf. 15% der Gasmenge als "Durchleitungsgebühr" abzugreifen - von "freien" Entnahmen mal ganz zu schweigen. Dies ist umso wahrscheinlicher, als die Ukraine wohl doch nicht das erhoffte Gas aus Turkmenien erhält - also auf dem Schlauch bzw. neben einer gasgefüllten Pipeline steht, die sich technisch eben gravierend von verblombter Luftfracht unterscheidet.
Denn eines darf man sicher annehmen - die Russen wissen schon, welchen Druck sie einstellen müssen, damit die vertraglichen Mengen am Ziel ankommen. Und sie haben keinen Grund, andere Abnehmer zu verprellen, bzw. weniger zu liefern (d.h. erlöswirksam zu verkaufen).

Abschließend vielleicht noch eine Frage zum Betriebsstoff für die Kernkraftwerke; was glaubst Du wohl, woher wir das Uran und Plutonium hauptsächlich beziehen?
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Wolfgang Salpeter
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