07.10.2008 - 02:04
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  #1  
Alt 11.10.2007, 11:14
Weltrevolutionsbuchhalter
 
Registriert seit: 27.08.2007
Beiträge: 28
Turbo-/Raubtierkapitalismus

Wie weit ist es mit unserer Welt gekommen? Was man täglich sieht, lässt einen ja fast in Depressionen verfallen. Schlittern wir auf den Untergang zu?

Ich behaupte dass der Wohlstand der westlichen Hemispähre auf der Armut und Unterdrückung der östlichen basierte, doch jetzt wo das kommunistische System untergegangen ist, wird es auch für den Westen brenzlig. Die Furcht vor dem Kommunismus hatte dem Kapitalismus Fesseln auferlegt, einst nannte man das soziale Marktwirtschaft. Doch dieses System ist vor Jahren sang- und klanglos untergegangen. Jetzt gibt es den so genannten Raubtierkapitalismus. Das ist ein eindeutiger Rückschritt. Die Schere zwischen Armen und Reichen öffnet sich immer weiter. Die Rechte der Arbeitnehemer werden immer wieder beschnitten, zB Arbeitszeitflexibilisierung. Wie lange kann das noch gut gehen?
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  #2  
Alt 11.10.2007, 11:33
Novalis
Gast
 
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Ich antworte mal mit einem Zitat, das - wenn man die Entstehungszeit desseben betrachtet - erschreckend ist.

Das Ende der RAF fällt in eine Zeit, in der die ganze Welt mit den Folgen des Neoliberalismus konfrontiert ist. Der internationale Kampf gegen Vertreibung, gegen Ausgrenzung und für eine gerechte und gmndsätzlich andere soziale Realität steht gegen die gesamte Entwicklung des Kapitalismus.

Die globalen und innergesellschaftlichen Verhältnisse verschärfen sich in der Turbulenz der historischen Entwicklung nach dem Ende des Realsozialismus immer weiter. Trotzdem besteht kein Widerspruch, unser Projekt zu beenden und weiterhin die Notwendigkeit zu sehen, daß alles getan werden muß, was sinnvoll und möglich ist, damit eine Welt jenseits des Kapitalismus entstehen kann, in der die Emanzipation der Menschheit Wirklichkeit werden kann. Angesichts der verheerenden Folgen des Zusammenbruchs des Realsozialismus weltweit und der Massenverarmung für Millionen Menschen in der ehemaligen Sowjetunion ist es zu wenig, heute allein von Chancen zu reden, die sich aus dem Ende des Realsozialismus ergeben. Trotzdem sehen wir, daß wirkliche Befreiung im realsozialistischen Modell nicht möglich war. Aus den antiemanzipatorischen Erfahrungen mit den autoritären und staatsbürokratischen Konzepten des Realsozialismus sind die Konsequenzen für die zukünftigen Wege der Befreiung noch zu ziehen.
[b]Mit dem Zusammenbruch des Realsozialismus ist die Systemkonkurrenz weggefallen, womit für die Akteure des kapitalistischen Systems auch die Notwendigkeit entfallen ist, ihr System als das "bessere" erscheinen zu lassen. [/B]Mit dem Wegfall dieses ideologischen Kapitalhemmnisses ist ein Prozeß der globalen Entfesselung des Kapitals eingetreten: die ganze Menschheit soll den Kapitalbedürfnissen unterworfen werden. Der Neoliberalismus ist die ideologische und ökonomische Grundlage für einen weltweiten Optimierungsschub der Verwertung von Mensch und Natur für das Kapital. Die Systemvertreter nennen das "Reformschub" oder "Modernisierung".
Es ist mehr als deutlich, daß die gegenwärtige Entwicklungsstufe des Systems für den überwältigenden Teil der Menschheit weitere soziale und existenzielle Härten bringt. Für die Mehrheit auf der Welt bedeutet Neoliberalismus eine neue Dimension der Bedrohung ihres Lebens.
Im Kampf um politische Hegemonie und ökonomische Macht halten nur die Ökonomien mit, deren Kapazitäten zunehmend zugunsten des blanken Profits der Konzerne und eines immer kleiner werdenden Teils der Gesellschaft aufgebracht werden. Die Rückwirkungen dieses Systemlaufs führen zu tiefgreifenden Veränderungen innerhalb der Gesellschaften. Und dazu, daß die zunehmende Verarmung und die daraus kommende Brutalisierung eine weitere Entfesselung von Krieg und Barbarei hervorbringen. Wenn es ihre ökonomischen und politischen Interessen berührt, werden die reichen Staaten jederzeit in solche Konflikte ihrerseits mit Krieg eingreifen, um weiterhin den "uneingeschränkten Zugriff auf die Rohstoffe" der Erde sicherzustellen und um ihren Machtanspruch durchzusetzen. Ihnen wird es nie um tatsächliche Lösungen für die Menschen gehen, sondern nur darum, die Zerstörung, die ihr System in Gang setzt, zu kontrollieren und Profite für wenige daraus abzuschöpfen.
Es ist kein Widerspruch, sondern entspricht vollkommen der Logik des Systems, daß wir in dieser Phase überall auf derWelt die Krisen der politischen Systeme und das Auseinanderbrechen der Gesellschaften bis hin zur Verarmung größerer Teile der bislang weitgehend von materiellem Elend verschont gebliebenen Metropolenmassen erleben und gleichzeitig die transnationalen Konzerne mächtiger sind denn je und größere Gewinne abzocken als jemals zuvor.
Paradoxerweise scheint die erfolgreiche Gewinnmaximierung des Kapitals mit dem dadurch hervorgerufenen Zerfallsprozeß der Gesellschaften den Kapitalismus an seine Grenzen zu treiben. Mit dieser Entwicklung droht zunächst vor allem ein weiteres Voranschreiten der Barbarei. Aus der Eigendynamik der Systementwicklung wird sich dieser negative Prozeß immer weiter fortsetzen, bis es eine Befreiungsvorstellung gibt, aus der neue Kraft für die Überwindung des Systems entsteht. Aber auch heute gibt es nicht nur die Niederlagen der historischen Linken und die Gewalt der weltgesellschaftlichen Verhältnisse, sondern auch die Lunte der aufständischen Bewegungen, die von der Erfahrung der weltweiten Widerstandsgeschichte ausgehen können.
In dieser globalen Entwicklung setzt der Kapitalismus auch in den Metropolen immer weniger auf die Möglichkeit, sich dort die weitgehende Ruhe mit "Sozialstaatssystemen" zu erkaufen. Statt dessen werden immer größere Teile der Gesellschaft ausgegrenzt, die im Produktionsprozeß nicht mehr benötigt werden. "Weltmacht" und "Sozialstaat" passen nicht mehr unter einen Hut. An die Stelle der alten "Sozialstaaten" wird beispielsweise in Europa unter der politischen und ökonomischen Hegomonie der BRD und mit der BRD als rassistischem Frontstaat ein ganzer Kontinent zum Polizeistaat gemacht.
Polizei und Militär gegen die dem Elend, Krieg und Unterdrückung Entfliehenden. Abschiebungen in Krieg und Folter. Eine Gesellschaft voller Knäste. Rausschmiß aus den Konsumzentren von Obdachlosen, Jugendlichen und allen, die der Biederkeit von Stammtisch und Bourgeoisie widersprechen, durch Polizei und Sicherheitsdienste. Die Wiedereinführung geschlossener Heime als Kinderknäste. Der Versuch der totalen Kontrolle von Flüchtlingen durch Chipcards in naher und anderer sozialer Gruppen in weiterer Zukunft. Knüppel und Gewehr gegen die abzusehenden Revolten der an den Rand Gedrängten. Ausgrenzung, Verfolgung und Vertreibung. Und selbst die totale Bemächtigung des Menschen durch seine gentechnologische Produktion kann nicht mehr ausgeschlossen werden.
Auch Ausgrenzung und Verfolgung durch die soziale Abstumpfung innerhalb der Gesellschaft ist hier und anderswo alltäglich. Rassismus von unten bedroht das Leben von Millionen, was in Deutschland die mörderische Markanz der historischen Kontinuitat dieser Gesellschaft in sich trägt. Ausgrenzung von Behinderten von oben und Aggression gegen sie von unten zeigen eine Gesellschaft in ihrer alltäglichen Brutalität. Nur der Effizenz des ökonomischen Systems nicht widersprechende Menschen sind gewollt und alles, was kapitalisierbar ist. Etwas anderes, was jenseits der kapitalistischen Gesellschaft liegt, soll keinen Platz haben. Die vielen, die hier nicht mehr leben können und es nicht mehr wollen - und es sind viele, die ihrem Leben selbst ein Ende setzen -, sprechen Tag für Tag von der Sinnleere im System und der Härte in der Gesellschaft.
Die Vermarktung des Menschen und die Gewalt in den Wohnstuben der Gesellschaft, auf ihren Straßen, ist die Gewalt der Unterdrückung, ist die soziale Kälte gegen den Anderen, die Andere, es ist die Gewalt gegen Frauen - das alles ist Ausdruck patriarchaler und rassistischer Verhältnisse.
Die RAF stand immer im Widerspruch zu den Bewußtseinsmentalitäten eines Großteils dieser Gesellschaft. Das ist ein notwendiges Moment des Befreiungsprozesses, denn nicht nur die Verhältnisse sind reaktionär, sondern die Verhältnisse produzieren das Reaktionäre in den Menschen, das ihre Fähigkeit zur Befreiung immer wieder neu unterdrückt. Ohne Zweifel ist es existenziell, Rassismus und jeglicher Form von Unterdrückung entschieden entgegenzutreten und sie zu bekämpfen. Befreiungsentwürfe der Zukunft werden sich aber auch daran messen lassen müssen, einen Schlüssel zu dem reaktionär eingeschlossenen Bewußtsein zu finden und das Bedürfnis nach Emanzipation und Befreiung zu wecken.

Geändert von Novalis (11.10.2007 um 11:35 Uhr).
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  #3  
Alt 11.10.2007, 11:36
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Ach das halte ich für absolute Schwarzmalerei. Sicher wir haben mit Hedgefonds eine neue Stufe des Kapitalismus erreicht aber wer weiß schon wie sich die jetztige Bankenkrise noch ausweiten wird. Krisen haben die naturgemäße Angewohnheit alle Betroffenen zum Handeln zu bewegen, ich denke auch Briten und Amerikaner sind jetzt tendenziell eher bereit die Hedgefonds stärker zu überwachen, gerade im Sinne der eigenen Wirtschaft. Genau wie sie vorher im Sinne der eigenen Wirtschaft eine stärkere Kontrollte abgelehnt haben.

Ich habe im Prinzip kein Problem mit einer sich öffnenden Einkommensschere, es war sowieso immer ein Märchen, dass es bei uns nur den Mittelstand gibt.
Unser Vorteil ist, dass wir immer noch in einer Demokratie leben und so lange die Ärmeren die gleichen Wahlrechte wie die Reicheren haben sehe ich keine allzu große Gefahr, da Politiker ja wieder gewählt werden wollen.
Also so lange sie bei uns kein preußisches Dreiklassenwahlrecht einführen wollen sehe ich keinen Weltuntergang im Anmarsch.
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  #4  
Alt 11.10.2007, 11:52
Weltrevolutionsbuchhalter
 
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Novalis

Was ist denn das? Mit ein paar Punkten stimme ich überein, mit ein paar nicht.


Wulfnoth

Dann lasst uns mal hoffen dass wir demokratisch bleiben! Doch es besteht die Möglichkeit dass wir in eine Oligarchie abdriften. Der Prozess ist ja schon am Laufen: die Wahlbeteiligungen sinken immer weiter. Wieso? Das kann ich nicht verstehen. Es ist wahrscheinlich so eine Einstellung: "Es is ja e wurscht!" oder "Was kann ich schon ausmachen?" Immer mehr Menschen flüchten sich aus der Realität (zB Second Life), der Drogenmissbrauch nimmt jedes Jahr eine neue historische Spitzenmarke ein... Die Welt wird natürlich nicht untergehen, aber die oberen Zehntausend werden noch mehr als bisher auf den Minderwohlhabenden herumreiten. Was macht einen Mann sexy? Geld. Da ist meiner Meinung nach genug gesagt. Einerseits ist das evoäutionär bedingt (der kann meine Kinder versorgen) andererseits sehnen wir uns alle nach gesellschaftlicher Anerkennung. Bin ich etwa ein besserer Mensch wenn ich € 10.000,00 netto im Monat verdiene? Ist Bill Gates dann Superman?

Die Einkommensschere wird es leider immer geben. Es gibt halt Leute die haben mehr Talent, oder mehr Glück (ich glaube zwar nicht ans Glück, ich meine halt Zufälle die sich positiv auswirken) oder einfach altererbten Reichtum. Kennt ihr das Prinzip der Bodenrente? Das besagt dass wer Land besitzt quasi ausgesorgt hat. Normalerweise stehen sich Arbeit und Ertrag gegenüber. Was ich mir erarbeite, soviel kriege ich auch. Doch wenn man Boden besitzt, hat man Erträge denen keine Arbeit gegenübersteht. So kommt es zu einer Einommensschere. So soll etwa das progressive Steuersystem dem Entgegenwirken. Nun werden aber die Steuersätzte immer weiter vereinheitlicht.
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  #5  
Alt 11.10.2007, 11:59
Benutzerbild von Wulfnoth
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Zitat von homo sovieticus Beitrag anzeigen
Doch wenn man Boden besitzt, hat man Erträge denen keine Arbeit gegenübersteht. So kommt es zu einer Einommensschere. So soll etwa das progressive Steuersystem dem Entgegenwirken. Nun werden aber die Steuersätzte immer weiter vereinheitlicht.
Das ist doch radikal linkes Umverteilungsgedankengut. Wenn Menschen Vermögen anhäufen und somit Geld aus dem Wirtschaftskreislauf ziehen kann ich eine Besteuerung verstehen, allerdings lehne ich solche Steuern wie Erbschaftssteuer etc. ab, da sie eine schamlose Bereicherung des Staates darstellen, denn auf sowas wurde immer bereits mindestens einmal Steuern gezahlt.
Bevor man weiter am Steuersystem rumdoktort um vermeintlich vermögenderen mehr Geld abzunehmen sollte man lieber das System mal dicht machen und genau das wollen die Politiker mit der Veinfachung ja erreichen. Je weniger Ausnahmen desto weniger Schlupflöcher desto mehr müssen die Vermögenden auch zahlen.
Der normale Angestellte dem die Steuer automatisch vom Lohn abgezogen wird hat doch eh kaum Chancen die Schlupflöcher zu nutzen.
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  #6  
Alt 11.10.2007, 12:13
Novalis
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Zitat von homo sovieticus Beitrag anzeigen
Novalis

Was ist denn das? Mit ein paar Punkten stimme ich überein, mit ein paar nicht.


.
Das ist die Auflösungserklärung der RAF.
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  #7  
Alt 11.10.2007, 12:16
Weltrevolutionsbuchhalter
 
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Beiträge: 28
Das mit der Bodenrente ist sicher kein radikal-linkes Gedankengut, sondern anerkannte Theorie unter Volkswirten. Das steht in meinem Volkswirschaftsbuch drinnen, und das ist sicher nicht links angehaucht.

Mit dem Steuersystem gebe ich dir Recht. Man sollte (muss) es vereinfachen, da steigt doch kein Mensch mehr dahinter. Und wenn man die Schlupflöcher schließt, super. Aber momentan sieht es schelcht aus.

Nehmen wir als Beispiel die Unternehmensbefsteuerung in Österreich - mit dem deutschen Steuerrecht kenne ich mich nicht aus. Da unterliegt ein Unternehmer in einer Personengesellschaft (also KG und OG) oder ein Einzelunternehmer der Einkommensteuer. Wenn man mehr als Fünfzigtausend Euro Gewinn erzielt, muss man 50% ESt. zahlen. Kapitalgesellschaften fallen aber unter die Körfperschaftssteuer, dh die Zahlen immer 25%
Wenn später eine Dividende ausgeschüttet wird, zahlt man ncoh mal 25% KESt. (Kapitalertragssteuer). Und das ist doch nicht fair. Das heißt nämlich das die großen Firmen wesentlich weniger Steuern zahlen, das wird zwar durch andere Bestimmungen teilweise aufgehoben (AG's und GesmbH's haben viel strengere Bestimmungen zu beachten), aber die Idee des progressiven Steuersatzes ist verloren.
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  #8  
Alt 11.10.2007, 12:23
Novalis
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Ich kopiere mal kurz meinen Text aus einem anderen Forum:

Mit dem Zusammenbruch des Realsozialismus ist die Systemkonkurrenz weggefallen, womit für die Akteure des kapitalistischen Systems auch die Notwendigkeit entfallen ist, ihr System als das "bessere" erscheinen zu lassen. [b]Mit dem Wegfall dieses ideologischen Kapitalhemmnisses ist ein Prozeß der globalen Entfesselung des Kapitals eingetreten: die ganze Menschheit soll den Kapitalbedürfnissen unterworfen werden. Der Neoliberalismus ist die ideologische und ökonomische Grundlage für einen weltweiten Optimierungsschub der Verwertung von Mensch und Natur für das Kapital. Die Systemvertreter nennen das "Reformschub" oder "Modernisierung".
Diesen Absatz beziehe ich auf das von mir geschilderte Erlebte.
Im Kampf um politische Hegemonie und ökonomische Macht halten nur die Ökonomien mit, deren Kapazitäten zunehmend zugunsten des blanken Profits der Konzerne und eines immer kleiner werdenden Teils der Gesellschaft aufgebracht werden. Die Rückwirkungen dieses Systemlaufs führen zu tiefgreifenden Veränderungen innerhalb der Gesellschaften. Und dazu, daß die zunehmende Verarmung und die daraus kommende Brutalisierung eine weitere Entfesselung von Krieg und Barbarei hervorbringen. Wenn es ihre ökonomischen und politischen Interessen berührt, werden die reichen Staaten jederzeit in solche Konflikte ihrerseits mit Krieg eingreifen, um weiterhin den "uneingeschränkten Zugriff auf die Rohstoffe" der Erde sicherzustellen und um ihren Machtanspruch durchzusetzen
Dieser past wunderbar auf den Irakkrieg, auf den Einsatz im Kongo... Und auf unseren Werteverfall.

In dieser globalen Entwicklung setzt der Kapitalismus auch in den Metropolen immer weniger auf die Möglichkeit, sich dort die weitgehende Ruhe mit "Sozialstaatssystemen" zu erkaufen. An die Stelle der alten "Sozialstaaten" wird beispielsweise in Europa unter der politischen und ökonomischen Hegomonie der BRD und mit der BRD als rassistischem Frontstaat ein ganzer Kontinent zum Polizeistaat gemacht
Und hier haben wir Hartz4 und Stasi 2.0 von Herrn Schäuble.


Liebe Brüder, versteht mich nicht falsch, ich bin nicht auf der Suche nach Verschwörungstheorien.
Was ich hier geschildert habe, ist etwas, das mir aufgefallen ist und worüber ich mit euch diskutieren möchte.
Oft ist es ja so, daß man so tief in einem Thema steckt, daß man auf einem Auge blind ist.
Deswegen hoffe ich auf eure Teilnahme an meinem Meinungsbildungsprozeß und auf eure - wohldurchdachten - Beiträge zu diesem Komplex.
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  #9  
Alt 11.10.2007, 12:34
Weltrevolutionsbuchhalter
 
Registriert seit: 27.08.2007
Beiträge: 28
Es ist wirklich besorgniserregend wie viel Macht manche Multinationale Konzerne (Multis, nicht Mulis ) haben. Bei diesen Multis gibt es keine demokratischen Kontrollinstanzen die aufpassen ob alles mit rechten Dingen abläuft. Multis erpressen schamlos Entwicklungsländer (LDE's, Dritte Welt, Länder des Südens, wie auch immer die jetzt politisch korekt genannt werden, ich blicke nicht mehr durch). Das haben zwar früher auch Nationalstaaten getan, aber dank parlamentarischer Kontrolle geht es nicht mehr so einfach. Es werden aber nicht nur Entwicklungsländer erpresst, auch Schwellen- und sogar Industrieländer. Nehmen wir als Beispiel die Ausschreibung Südkoreas zum Kauf von Abfangjägern. Die französische Firma Dassault blickte mit ihrem wesentlich besserem Rafale durch die Finger, bloß weil Lockheed unglaublichen Druck ausüben konnte, damti die F-16 gekauft wird. Oder der Eurofighterkauf Österreichts. In der Nähe von Graz gibt es ein riesiges Autowerk, an diesem hängen Zehntausende Arbeitsplätze. Der Haupauftraggeber war damals Daimler Chrysler (Chrysler ist es immer noch), blöderweise ist Daimler an der Eurofighter-Mutter EADS beteiligt. Ich möhte da niemanden anprangern, da nichts davon bewiesen ist, aber es ist ein interessantes Zusammentreffen von Ereignissen.
__________________
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Geändert von homo sovieticus (12.10.2007 um 11:01 Uhr).
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  #10  
Alt 11.10.2007, 23:26
Benutzerbild von Kriegsknecht
Demokrat
 
Registriert seit: 08.06.2005
Ort: Zürich, Schweiz
Beiträge: 321
Naja. Klingt in der Theorie alles wunderbar. Ich fände es eigentlich auch nicht schlecht, wenn es nebst dem Kapitalismus wieder eine - allerdings ernst zu nehmende - Kontraideologie gäbe.

Allerdings erachte ich einen allzu starken Ausbau des Sozialstaates definitiv als das falsche Mittel. Zunächst funktioniert ein Sozialstaat nur so lange, wie die Menschen bereit sind dafür zu arbeiten. Wenn die Zahl jener, die vom Sozialstaat profitieren grösser wird als die Zahl jener, die in finanzieren, kollabiert das ganze System. Solche Tendenzen sind in abgeschwächter Form unter anderem in Deutschland zu erkennen. Zudem sind starke Sozialstaaten extrem anfällig auf Verschuldung. Sie haben in der Regel ihre Haushalte nicht im Griff, weil sie Geld ausgeben, welches gar nicht vorhanden ist. Dazu existieren zwar unterschiedliche Theorien, aber ich erachte eine allzu grosse Verschuldung innerhalb eines Staates als mindestens so verheerend wie ein allzu radikaler Abbau des Sozialstaates. Er wirkt sich bloss zeitlich versetzt aus. Jede Generation wälzt ihren Schuldenberg auf die nächste ab, was wohlgemerkt alles andere als sozial ist. Irgendwann muss eine Generation nämlich eine Zäsur vornehmen und sich vom angehäuften Schuldenberg trennen. Viel Spass dabei!

Natürlich gäbe es da die Utopie von der Gesellschaft ohne Währungssysteme, aber daran glaube ich in etwa so wenig wie an den Weihnachtsmann. Das widerspricht dem menschlichen Naturell, welches in seinem Inneren zutiefst darwinistisch angelegt ist. Die Story vom Heiligen St. Martin, der seinen Mantel mit dem Armen teilt mag ja ganz niedlich sein. Bezogen auf die Menschheit als Gesamtes erachte ich das Motto "friss oder stirb" leider auch im 21. Jahrhundert aber immer noch als realistischer.

Ansätze gibt es durchaus. Ich bin der Ansicht, dass zum Beispiel die direkte Demokratie (also beispielsweise ein stärkerer regionaler Förderalismus), ein gut durchdachtes Beschwerde- und Einspracherecht und generell mehr direktes demokratisches Mitspracherecht (Volksmotionen- oder Initiativen) der in diesem Thread angetönten "Scheissegal"-Mentalität gegenüber politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen entgegen wirken können.

Was meiner Ansicht nach gar nichts bringt ist das Abstreifen von immer mehr politischer Mitsprache vom Volk an Autoritäten und Obrigkeiten. Das führt nur dazu, dass sich die beiden Lager immer weiter voneinander entfernen und das - äusserst gefährliche - Gefühl von "die da oben" und "die da unten" verstärkt wird.
__________________
Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt. Mark Twain, 30.11.1835 bis 21.04.1910

Geändert von Kriegsknecht (11.10.2007 um 23:28 Uhr).
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  #11  
Alt 12.10.2007, 06:35
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Beiträge: 6.343
Allerdings erachte ich einen allzu starken Ausbau des Sozialstaates definitiv als das falsche Mittel. Zunächst funktioniert ein Sozialstaat nur so lange, wie die Menschen bereit sind dafür zu arbeiten. Wenn die Zahl jener, die vom Sozialstaat profitieren grösser wird als die Zahl jener, die in finanzieren, kollabiert das ganze System.
Eine aktuelle Zahl dazu? In Deutschland arbeiten derzeit rund 28 Millionen Menschen in Sozialversicherungspflichtigen Jobs. Weitere 6 Millionen arbeiten so wie ich am Existenzminimum mit Minijobs, fallen aber deshalb dem Sozialstaat nicht zur Last.
Also selbst mir Rechenniete fällt da eine Lücke zu unseren rund 80 Millionen auf...

Ansätze gibt es durchaus. Ich bin der Ansicht, dass zum Beispiel die direkte Demokratie (also beispielsweise ein stärkerer regionaler Förderalismus), ein gut durchdachtes Beschwerde- und Einspracherecht und generell mehr direktes demokratisches Mitspracherecht (Volksmotionen- oder Initiativen) der in diesem Thread angetönten "Scheissegal"-Mentalität gegenüber politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen entgegen wirken können.
Das sagst du als Schweizer. In Deutschland gibt es höchstens auf Länderebene plebiszitäte Elemente und der Föderalismus ist (zumindest für mich) 90% der Zeit und Fälle eher Ärgernis als Grund zur Freude.
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  #12  
Alt 12.10.2007, 09:10
Thete
 
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Beiträge: 739
an den Sowjetmenschen: Steuersystem ist in Dtld. genauso, nur mitleicht differierenden Steuersätzen. Wird von Steuerrechtlern ganz pragmatisch mit der Unstetigkeit des Kapitals begründet ("Wenn wir Kapitalgesellschaften höher bestuern wandern die ins Ausland ab"), führt aber den Grundgedanken eines leistungsbezogenen Steuersystems ad absurdum, da hast Du recht.
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  #13  
Alt 12.10.2007, 11:11
Weltrevolutionsbuchhalter
 
Registriert seit: 27.08.2007
Beiträge: 28
Ich attackiere ja gar nicht den Kapitalismus, sondern seine verwilderte Form. Die soziale Marktwirtschaft war bis jetzt das einzige System das funktioniert. Allerdings leben wir nicht mehr in einer sozialen Marktwirtschaft. Der pure Darwinismus ist ausgebrochen. Doch das kann man ändern. Nehmen wir zum Beispiel Bio- oder Eine Welt-Läden. Die Menschen zahlen freiwillig mehr, nur um ihr Gewissen zu befriedigen. Ist ja auch gut so. Langsam dämmert es denn Menschen dass es so nicht weitergeht. Allerdings gibt es ja die andere Tendenz: Gewinnmaximierung. So hat vor drei oder vier Jahren eine deutsche Großbank einen historischen Rekordgewinn verbucht und im gleichen Atemzug 10 000 Leute vor die Tür gesetzt. Abgesehen vom betriebswirtschaftlichen Wahnsinn dieses Vorgehens ist es mit meinem Verständnis von Ethik und Moral zu vereinen.

Steuer

Da liegt ja ein Problem: die Staaten werden erpresst. Wo soll das hinführen?Ant: zu nichts Gutem.
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  #14  
Alt 12.10.2007, 11:33
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Beiträge: 6.343
Zitat von homo sovieticus Beitrag anzeigen
Ich attackiere ja gar nicht den Kapitalismus, sondern seine verwilderte Form. Die soziale Marktwirtschaft war bis jetzt das einzige System das funktioniert. Allerdings leben wir nicht mehr in einer sozialen Marktwirtschaft. Der pure Darwinismus ist ausgebrochen. Doch das kann man ändern. Nehmen wir zum Beispiel Bio- oder Eine Welt-Läden. Die Menschen zahlen freiwillig mehr, nur um ihr Gewissen zu befriedigen. Ist ja auch gut so. Langsam dämmert es denn Menschen dass es so nicht weitergeht. Allerdings gibt es ja die andere Tendenz: Gewinnmaximierung. So hat vor drei oder vier Jahren eine deutsche Großbank einen historischen Rekordgewinn verbucht und im gleichen Atemzug 10 000 Leute vor die Tür gesetzt. Abgesehen vom betriebswirtschaftlichen Wahnsinn dieses Vorgehens ist es mit meinem Verständnis von Ethik und Moral zu vereinen.
Also so langsam habe ich das Gefühl, dass du in einem anderen Deutschland lebst als ich. Puren Darwinismus. Weiß du überhaupt was das ist? Sowas haben wir in Deutschland mit Sicherheit nicht. In Amerika vielleicht, wo jeder 6. keine Krankenversicherung hat etc.
Verwilderter Kapitalismus? Was ist denn bitteschön verwildert?
Ethik und Moral haben übrigens noch nie die Geschäfte regiert. Das ist nicht kapitalistisch sondern typisch menschlich.
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  #15  
Alt 12.10.2007, 11:43
Weltrevolutionsbuchhalter
 
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Beiträge: 28
"Verwilderter" Kapitalismus ist für mich die freie Marktwirschaft, der Raubtierkapitalismus. "Gezähmter" Kapitalismus ist die soziale Marktwirtschaft. Das Moral und Ethik in der Geschäftswelt nicht zuhause sind ist ja eines der Hauptprobleme. Aber so schlimm steht es nun auch wieder nicht, wie mein Beispiel mit den Bioläden zeigt. Es sind ja zwei verschiedene Trends zu sehen: Der gerade angesprochene der der Ethik und Moral mehr Platz lässt und sein Pendant. Dieses Pendant ist eben dieser pure Darwinismus, das "fressen oder gefressen werden"

Werden denn nicht ständig Sozialleistungen gekürzt? Wer es nicht schafft soll untergehen. Das ist für mich purer Darwinismus. Die Tendenz ist klar zu sehen, wenn du sie nicht siehst, dann mach mal die Ohren auf (nicht böse werden)
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