21.11.2008 - 22:45
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  #1  
Alt 18.05.2008, 01:50
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 407
Wie wichtig ist die Demografie für den Ausbruch von Konflikten?

Als eine Ursache für den Ausbruch von internationalen Konflikten oder Bürgerkriegen wird immer ein demografischer Druck genannt: Völker mit hohen Geburtenraten und einem hohen Bevölkerungswachstum neigten eher dazu, Kriege zu führen, als Völker mit einer weitestgehend konstanten Bevölkerungszahl. So habe etwa Europa vor nicht einmal 100 Jahren deswegen zwei Weltkriege geführt, weil es eben zu dieser Zeit unter einem solchen demografischen Druck gelitten habe.

Hat die Demografie, eurer Meinung nach, wirklich einen solch großen Einfluss darauf, wie friedlich, bzw. kriegerisch ein Volk ist?
__________________
Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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  #2  
Alt 18.05.2008, 09:01
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
Registriert seit: 29.10.2007
Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
Beiträge: 714
Wie schon mal erwähnt: in Ländern mit einem proportional hohen Anteil an jungen Männern gibt es, lt Studien eines deutschen Soziologen, mehr Angriffskriege.

Seine provokante These:
durch die Entwicklungshilfe leisten wir den Beitrag für künftige Konfliktpotentiale in der dritten Welt...
__________________
"So lange nicht alle Menschen werden wie er, müßen wir unsere Schwerter scharf halten"

Ben Hur: "Und unseren Zielen treu bleiben."
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  #3  
Alt 18.05.2008, 09:02
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 850
Die großen Probleme sind (und waren immer) Landbesitz und Verfügbarkeit über Wasser. Beides ist immer Voraussetzung für die Ernährung der Bevölkerung. Quer durch die Geschichte (von den Zügen der Steinzeithorden über die Ostkolonisation bis zur heutigen Siedlungspolitik Israels) gehen die Fälle, in denen eine zunehmende Bevölkerung zur Suche nach territorialer Erweiterung führte - notfalls, wenn Land besetzt war, mit Gewalt oder Krieg. Aus diesem Grund: Positive Antwort auf die Frage.
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  #4  
Alt 18.05.2008, 09:11
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
Registriert seit: 29.10.2007
Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
Beiträge: 714
Wobei es sich noch weniger um Lebensgrundlagen handelt, sondern effektiv um Macht und Einflussnahme in einer Region.
Und vielleicht sogar um ein Ventil für die Gesellschaft mit einem Überschuss an Bevölkerung.
In der Vergangenheit ging es ja oft um den Aufbau großer Reiche, um die Sicherung von Reichtum und Rohstoffen - weniger um Lebensgrundlagen wie Wasser oder Essen.
Im Gegenteil: die Völker mit relativem Überfluss tendieren eher zu Aggression - bei entsprechendem Wachstum.
__________________
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Ben Hur: "Und unseren Zielen treu bleiben."
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  #5  
Alt 18.05.2008, 09:18
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 850
Da sehe ich keinen Widerspruch. Macht und die Erweiterung von Staatsgrenzen hatten Verfügung über Ressourcen zur Folge, konnten natürlich selbst-tragendes Motiv sein. Reichtum und Rohstoffe gehören mit zum Paket der Existenz-Absicherung.

"Die Völker mit relativem Überfluss tendieren eher zu Aggression - bei entsprechendem Wachstum": Das ist nicht überraschend, ist eine Erscheinung auch innerhalb einer Gesellschaft: Die, die schon haben, wollen immer mehr ...
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  #6  
Alt 18.05.2008, 09:39
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.454
Die These hat aber zur Grundlage, dass Menschen an ihren Staat gebunden sind. In der Kaiserzeit verließen Millionen Deutsche - vornehmliche junge Menschen - das Reich in Richtung USA. Das reale Bevölkerungswachstum dürfte also deutlich geringer ausgefallen sein, als es die Geburtenrate vermuten lässt. Auch heute im zeitalter der Globalisierung, wo einfache Menschen ans andere Ende der Welt ziehen (VOX zeigt es jeden Tag ) kann sich Bevölkerungswachstum auch anders entladen.

Weiterhin wird großes Bevölkerungswachstum mit vielen jungen Männern und damit Agressionspotenzial gleichgesetzt. Aber fragen wir uns doch mal was das Bevölkerungswachstum noch über einen Staat aussagt.
Gerade in ärmeren Ländern sind Kinder die Altersvorsorge der Menschen, eine niedrige Geburtenrate zeugt also von einem realiven Wohlstand des Landes, möglicherweise kombiniert mit funktionierenden staatlichen Sozialsystemen. Solche Gesellschaften haben viel zu verlieren und wenn ich mich recht erinnere waren wir uns in einem anderen Thema mal einig, dass Kriege erst geführt werden wenn man nichts zu verlieren hat oder der erwartete Zugewinn das Verlustrisiko übersteigt.
Muss die These dann nicht llauten, dass Kriege nur in Staaten geführt werden in denen die Bevölkerungs nicht mehr verlieren kann?
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #7  
Alt 18.05.2008, 09:50
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 850
Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Muss die These dann nicht llauten, dass Kriege nur in Staaten geführt werden in denen die Bevölkerungs nicht mehr verlieren kann?
Aus Fachkreisen der Entwicklungshilfe habe ich den Begriff "Kultur des Todes" gehört - als Erklärung für Krieg/Bürgerkrieg, wenn eine Bevölkerung nichts mehr verlieren kann.
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  #8  
Alt 18.05.2008, 11:31
Proconsul
 
Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 1.234
Der Nationalsozialismus fand auch soviel Zuspruch in der Bevölkerung, weil man Bauernsöhnen Land im Osten versprach (nach dem Erbhöfegesetz bekam die heimische Scholle ja nur der Erstgeborene bzw. nur einer der nachgeborenen Söhne mit dem ausdrücklichen Willen des Bauern, während die anderen leer ausgingen) und den immer noch aufgrund der Armut bestehenden Abwanderungsdruck von Arbeiterfamilien ebenfalls in den Osten umleitete, wo ihnen eine richtige Lebensperspektive geboten wurde. Dazu kommen natürlich der offizielle Wegfall der Klassenunterschiede und andere Wohltaten für das Volk.

Im Endeffekt würde ich also der Anfangsthese zustimmen.
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Stichworte
bevölkerungswachstum, demografie, konflikt


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