06.10.2008 - 21:38
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  #46  
Alt 02.11.2007, 11:41
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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In der Bildung einer Nation spielt die Sprache neben der Kultur immer eine maßgebliche Rolle. Dass Deutsch von vielen Herrschern abgelehnt wurde und dass sich die meisten Menschen aufgrund der verschiedenen Dialekte vor Luther nicht verständigen konnten spricht eindeutig für eine nicht ausgereifte Nation.
Von so etwas wie "deutschen Geblüts" halte ich nichts, es gibt kein deutsches Blut.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #47  
Alt 02.11.2007, 11:46
Plebejer
 
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Beiträge: 20
Zitat von johann
Von "einem Nationalgefühl" kann bei den Machthabern des HHR überhautpt nicht gesprochen werden ...
Das sehe ich durchaus anders. Manche Herrscher wie Friedrich der Große kümmerten sich recht wenig um das Reich und seine Verfassung, doch selbst er, der Alte Fritz, sprach hie und da vom "teutschen Gesammt-Vaterlande".

Andere Herrscher fühlten sich weit deutscher. So war z. B. die deutsche Nation ein starkes Argument in der Debatte um die Reichsreform. Als auf dem Türkenreichstag 1454 Enea Silvio Piccolomini, vatikanischer Gesandter, zum Kreuzzug aufrief, erwiderten die deutschen Kurfürsten, daß der Kaiser sich erst einmal um das Reich selbst kümmern solle, weil sich "solich fuernemig wirdig und edel land, als Teutsch gezunge ist, ... und auch das heilig reich, so loblich an Teutsch gezunge bracht, in großer unordenung" befände. (Quelle: Hagen Schulze, "Kleine Deutsche Geschichte")

Die Kurfürsten verfaßten weiters ihre berühmten "Gravamina an die deutsche Nation", die gegen die pästliche Kurie gerichtet waren: "Tausend Maßnahmen denke sich der römische Stuhl aus ..., um den Deutschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, weshalb sich ihre 'einstmals berühmte Nation', die 'durch ihre Tapferkeit und ihr Blut das Reich erworben' habe und 'Herrin und Königin der Welt' gewesen sei, nunmehr in Armut gestürzt und zur Sklavin erniedrigt sehe." (Quelle: Hagen Schulze, "Kleine Deutsche Geschichte")

zw gab es mehrere deutsche Völker mit zumindest zwei eigenen deutschen Sprachen im Mittelalter. Ein süddeutscher Bauer hat einen norddeutschen Bauern sicherlich ebenso gut wie schlecht verstanden, wie ein spanischer einen italienischen und wäre die Geschichte anders verlaufen, gäbe es im Norden eine viel größere Region wo niederländisch oder Platt gesprochen UND auch geschrieben wird.
Aber die Zeitgenossen haben immer nur von einer deutschen Sprachge gesprochen. Walther von der Vogelweide sprach nicht von Hoch-/Ober- und Niederdeutsch, sondern nur von tiutsch. Er meinte damit aber ebenso Nord- wie Süddeutschland ("von der elbe unz an den rhîn / und her wider unz an ungerlant"). Die Sprache mag sehr stark auseinandergegangen sein, aber sowohl im Mittelalter als auch in der Frühen Neuzeit haben die Zeitgenossen nur von einer deutschen Sprache gesprochen.
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  #48  
Alt 02.11.2007, 11:58
Plebejer
 
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Beiträge: 20
Zitat von Wulfnoth
Außerdem tust du immer so als ob es "den deutschen Willen" im Reich gegeben hat. Die Fürsten haben alle Individualinteressen verfolgt und dafür wurden Mehrheiten gesammelt. Die Nation spielte da keine Rolle.
Die "Gravamina an die deutsche Nation" waren durchaus ein deutscher Wille.

... aber deshalb das Reich deutsch zu machen ist der Versuch eine deutsche staatliche Vergangenheit zu konstruieren.
Man muß keine staatliche Vergangenheit konstruieren, schließlich gab es sie. Warum sollen wir heute alles anders sehen als die Zeitgenossen? Wenn ein Herr von Pufendorf davon spricht, daß Deutschland (und damit meint er das Reich) inzwischen zu einer äußerst komischen Staatsform verkommen ist, sagt das viel.
Und wenn Johann Jacob Moser 1775 sagt: "Teutschland wird auf teutsch regiert" und damit der Frage nach der Staatsform Deutschlands ausweicht, gibt dies ebenso die Ansicht der Zeitgenossen wider.

Die damaligen Deutschen haben das Reich als deutschen Staat empfunden. Warum sollen wir das heute plötzlich anders sehen (und gerade so eine Geschichte künstlich konstruieren)?

Du würdest Karl den Großen und Ludwig den Frommen und Karl den Dicken als deutsch bezeichnen? Da wird dir keiner Folgen, sie waren definitiv Franken.
Ich würde das nicht tun, aber die Zeitgenossen taten es. Das berühmte Gemälde Albrecht Dürers, das Karl den Großen zeigt, hat auf seinem Rand den folgenden Spruch stehen:

"Dis ist der gestalt und biltnuß gleich
Kaiser Karlus, der das Remisch Reich
Den Teitschen under tenig macht,
Sein kron und klaidung hoch geacht
..."

Ich zitiere noch einmal aus Hagen Schulze, "Kleine Deutsche Geschichte": "Daß Karl der Große Vorgänger der französischen Kapetinger-Dynastie gewesen sei, ein Pfeiler in der Legitimationi der französischen Krone, erklärte Jacob Wimpfeling in seiner 'Epitome Germanorum' von 1505 für eine lächerliche Behauptung. Tatsächlich sei Karl ein 'Teutscher' gewesen, der über Franzosen geherrscht habe, während niemals ein Franzose oder Gallier römischer Kaiser gewesen sei - ein Beweis genug für die Überlegenheit der Deutschen über die Franzosen."

Die Zeitgenossen sahen Karl den Großen ganz klar als Deutschen an. Und deshalb ist er auf dem Reichsschwert.

Von so etwas wie "deutschen Geblüts" halte ich nichts, es gibt kein deutsches Blut.
Aber die Zeitgenossen hielten davon sehr viel. Wir sprechen hier von der Vergangenheit. Logischerweise müssen wir dann auch mit den Ansichten der damaligen Menschen Dinge erklären. So läßt sich erklären, warum Karl der Große auf dem Reichsschwert ist (weil er eben als Deutscher angesehen wurde) und Personen, die kein oder kaum Deutsch sprachen, wie Karl V. oder der Alte Fritz, als Deutsche angesehen wurde (weil man eben damals durchaus vom deutschen Blut ausging).

Geändert von Celtis (02.11.2007 um 12:03 Uhr).
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  #49  
Alt 02.11.2007, 13:20
MacX
Gast
 
Beiträge: n/a
Von Wulfnoth
In das Fahrwasser werde ich dir garantiert nicht folgen.
Wenn zwei Kulturen nebeneinander wohnen beeinflussen sie sich immer gegenseitig, deshalb aber den "deutschen Raum" auf Böhmen ausdehnen zu wollen ist Wunschdenken.
Da fällt mir ein: Ich habe mal einen Erlass Hitlers über das Protektorat Böhmen und Mähren gelesen, der argumentierte da ähnlich...
Hm, nein, das war nicht meine Absicht. Es war mehr eine Frage...
Aber möglicherweise sah man es damals gar nicht als so undeutsch an, wie wir es heute tun.

Natürlich hat das Reich in der Entstehung der deutschen Nation eine wichtige Rolle gespielt. Es ist nämlich maßgeblich dafür verantwortlich dass sich der deutsche Nationalstaat erst so spät bildete und es hat einige Eigenheiten unserer Politik bis heute geprägt aber deshalb das Reich deutsch zu machen ist der Versuch eine deutsche staatliche Vergangenheit zu konstruieren.
Na, das ist doch jetzt wirklich Formulierungssache. Ich stimme zu, dass der deutsche Nationalcharakter im Mittelalter wohl nicht mehr Bedeutung hatte, als dass man seine Existenz akzeptierte. Dass die Herrscher „nationale Politik“ betrieben haben wollen, bezweifle ich auch. Dass es zur Herausbildung der deutschen Nation beigetragen hat, indem es in seinem Staatskörper die deutschsprachigen Stämme vereinte und aneinander führte, kann man doch nicht bestreiten.

Du würdest Karl den Großen und Ludwig den Frommen und Karl den Dicken als deutsch bezeichnen? Da wird dir keiner Folgen, sie waren definitiv Franken.
Es werden lediglich die westfränkischen und italienischen Könige nicht dargestellt, auch wenn diese wie z.B. Lothar, der Herrscher des Mittelreiches, zum Kaiser gekrönt wurden.
Ok, ich ziehe das zurück. War mir auch nicht ganz sicher...

Der offizielle Staatsname war Sacrum Imperium Romanum. Den Zusatz deutscher Nation finden wir allerdings gelegentlich ab dem 15. Jahrhundert (auch in offiziellen Dokumenten).
Der „offizielle Staatsname“ ist doch nicht statisch gewesen. Ich glaube „Römisches Reich“ kam frühestens mit Otto I auch, das „Heiliges“ mit Barbarossa, und das „Deutscher Nation“ eben im 15. Jhd.

Von Celtis
Ich würde Dich bitten, evtl. die Quelle dieser Behauptung nachzureichen, am besten das Schriftstück, indem Barbarossa von der deutschen Krone sprach.

Vergiß bitte nicht, auch die Schriften Otto von Freisings zu posten
Was die Krone angeht:

such as Frederick Barbarossa's letter to the pope referring to his receiving the coronam Theutonici regni (crown of the German kingdom).
Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Kingdom_of_Germany

Das von Otto von Freising finde ich jetzt irgendwie nicht mehr. Falls ich doch noch drauf stoßen sollte, wird ich’s posten.
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  #50  
Alt 02.11.2007, 13:28
Benutzerbild von Wulfnoth
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Aber möglicherweise sah man es damals gar nicht als so undeutsch an, wie wir es heute tun.
Einen tschechischen Nationalismus können wir erst recht spät beobachten, was aber nichts daran ändert dass Tschechen keine Deutschen sind und Böhmen nie deutsches Siedlungsgebiet war.
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  #51  
Alt 02.11.2007, 14:47
Benutzerbild von tejason
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Zitat von MacX Beitrag anzeigen
tejason: Allein die Tatsache das anstelle von Karl V. beinahe der französische König Franz zum Kaiser des HRR gewählt worden wäre, zeigt das es sich beim HRR um keine deutsche Staatsbildung handelte.

Dürftige Erklärung: soweit ich weiß, saßen auf Englands Thron auch manchmal Franzosen, und manchmal Deutsche. Dennoch wird das englische Königtum als national angesehen.
England und Frankreich waren keine Wahlmonarchien, also ist das Gegenargument gar keines. Monarchien definieren sich selbst über ihre Könige und die königliche Familie und nicht über nationale Zugehörigkeit. Das ist auch immer das Problem bei Gleichsetzung mittelalterlicher „Staatswesen“ mit Nationalstaaten oder modernen Staaten und sie haben IMMER nationale Minderheiten enthalten. Freilich haben die Herrschaftsbereiche von Monarchien oft die Grundlagen für die Nationenbildung abgegeben.

Zitat von MacX Beitrag anzeigen

tejason: Indem das Reich in späterer Zeit immer weiter schrumpfte und sich letztlich fast nur noch auf Territorien mit deutscher Landsmannschaft verengte, kann man später vom HRR"deutscher Nation" sprechen, wenn das auch niemals ein offizieller Name wurde.


Soweit ich weiß, war es offizieller Staatsname. Inoffiziell wurde es auf oft „Teutsches Reich“ genannt. Glaube im irgendeinem Schriftstück des Westphälischen Friedens taucht das auf.
Der Zusatz „deutscher Nation“ war kein offizieller Staatsname, er schlich sich langsam gegen Ende der nationalen Vielfalt in einige Veröffentlichungen, vor allem wenn man die breite Masse im Volk erreichen wollte – also Flugblätter und dergleichen. Der Westfälische Friede ist eigentlich das Dokument des Untergangs des HRR als universales Reich. Hierzu ein Zitat:
Zitat von Uni-Münster
Der Westfälische Friede besiegelt, dass der Weg zu souveräner Staatlichkeit nicht vom Reichsganzen unter dem Kaiser, sondern von den mächtigen Reichsfürsten in ihren Territorien beschritten wird. Die Reichsfürsten bekommen die freie Ausübung ihrer Landeshoheit einschließlich Bündnisrecht, d.h. einen quasi-souveränen Status verbrieft (den die meisten aber kaum ausfüllen können) sowie ein korporatives Mitbestimmungsrecht in allen Reichsangelegenheiten auf dem Reichstag, der sich in der Folgezeit zu einem „immerwährenden“ Gesandtenkongress und Kommunikationsforum zwischen Kaiser und Reichsständen verstetigt.
Im Dokument wurde die „deutsche Libertät“ verbrieft, womit man die Freiheit der Fürsten wie oben genannt meinte. Damit komme ich gleichzeitig zu Punkt 3

Zitat von MacX Beitrag anzeigen
tejason: Außerdem bildet das HRR den Rahmen für die Entstehung der deutschen Nation, aber nicht nur für diese! Auch die Tschechen und die Niederländer... haben sich als Nation mit- und gegen das HRR herauskristallisiert.
Die Niederlande sind schon früher aus dem Reichsverband ausgeschieden, und die Tschechen entwickelten unabhängig vom HRR ein Nationalbewusstsein. Lediglich die Deutschen beziehen das HRR in die eigene Staatswerdung mit ein.
Das heißt, sowohl Niederländer als auch Tschechen definieren sich nicht durch ihre ehemalige Mitgliedschaft im HRR, sehen es also als deutsch an. Wobei Niederländer ja ursprünglich auch Deutsche waren und sich mit dem Ausscheiden kulturell davon entfernt haben.
Die Niederlande wie die Schweiz schieden erst mit dem Westfälischen Frieden offiziell aus dem Reichsverband aus und eben nicht früher! Ursprünglich mögen beide Staatsgebilde gar nicht das Ausscheiden aus dem Verband angestrebt haben, man hatte sich aber schon lange auseinander gelebt. Wie kommt das?
Einfach! In beiden Konflikten versuchten die Bewohner ihre im Reich verbrieften Eigenrechte zu bewahren, während ihre Territorialherren diese Rechte beschneiden wollten. Das musste zur Separation führen, da in beiden Fällen ihre Territorialherren gleichzeitig die Dynastie der Habsburger, also den Kaiser stellte! Im Falle der Schweiz entzündete sich das Problem durch den sogenannten „vorderösterreichischen“ Landesausbau, mit dem die in Österreich und im Bodenseebereich herrschenden Habsburger ihre versprengten Landesteile mit dem Kernland verbinden wollten indem sie die späteren schweizer Kernbereiche ihrem Herrschaftsverbund einverleiben wollten.
In den Niederlanden war es ähnlich! Die Bevölkerung sollte nach Willen ihrer (habsburgischen) Territorialherren wieder rekatholisiert und der Dynastie wieder voll unterworfen werden. Die Niederländer wehrten sich, zumal die Unterdrückung stieg nachdem sich die Habsburger in eine „Spanische-„ und eine „Deutsche“ (später Österreichisch genannte) Linie geteilt hatten und die Niederlande nun unter der spanischen Krone standen. Also nicht einmal mehr von deutschen Statthaltern die die Mentalität kannten bedrückt wurden. Man sah dort den Kampf als einen Kampf gegen die spanische Unterdrückung und erhielt von ihrem obersten Schutzherrn (dem ebenfalls habsburgischen) Kaiser nicht nur keine Unterstützung, sondern wurde von ihm ebenfalls bekämpft. Da blieb keine Brücke mehr zum Restreich zurück! Lest nur einmal einige Zeilen der niederländischen Nationalhymne in Übersetzung, hier die Strophen 1 & 5:
Zitat von Wikipedia
Wilhelm von Nassau
bin ich, von deutschem Blut,
dem Vaterland getreu
bleib’ ich bis in den Tod.
Ein Prinz von Oranien
bin ich, frei und furchtlos,
den König von Spanien
hab’ ich allzeit geehrt.

Edel und hochgeboren,
von kaiserlichem Stamm,
ein Fürst des Reichs erkoren,
als ein frommer Christenmann,
vor Gottes Wort gepriesen,
hab' ich, frei unverzagt,
als ein Held ohne Frieden
mein edles Blut gewagt.
Die Tschechen entwickelten ihr Nationalbewusstsein nicht nur unabhängig vom HRR, sondern im bewussten Gegensatz zu den Deutschen! Was immer davon bereits im Frühmittelalter vorhanden war wurde multipliziert durch den Hussitenkonflikt bei der die sehr lange schon im Lande lebende deutsche Bevölkerungsgruppe als Feind wahrgenommen wurde. Man darf nicht vergessen, das die meisten tschechischen Städte offiziell durch den König von Böhmen gegründet wurden indem er deutsche Siedler ins Land holte.

Geändert von tejason (02.11.2007 um 14:51 Uhr).
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  #52  
Alt 02.11.2007, 14:55
Benutzerbild von tejason
Quaestor
 
Registriert seit: 17.10.2007
Beiträge: 116
@Celtis:
Nur die Ruhe! Zeige mir eine einzige offizielle Nennung des Namens „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ vor dem Westfälischen Frieden?
http://de.wikipedia.org/wiki/HRR
Lese die allererste Zeile und beweise das Gegenteil! Was ein deutscher Erzkanzler sagt (ein erbliches Amt übrigens und damit war sein Träger auch ein Territorialfürst!) Bekanntlich stellte sich Franz I. der Wahl, unterlag aber nicht zuletzt indem Karl den Kurfürsten mit Privilegien und Geld bei der Meinungsfindung nachhalf. Daher auch der Ausspruch, dass die augsburger Fugger die Kaiser „gekauft“ hätten, denn Karl lieh sich dafür bei diesen erhebliche Summen und verpfändete dafür Reichseinkünfte, besonders die Bergrechte in den Alpen! Auf die nicht Stichhaltige Anmerkung betreffs „nichtbritischer“ Dynastien auf englischem Thron siehe oben in diesem Post.
Ulrich von Hutten war ein „Prophet der deutschen Nationalfindung“, mit allen Schwierigkeiten die diese Formulierung mit sich bringt. Er war ein Rebell und ganz gewiss kein Autor, der offizielle Verlautbarungen des Reiches formulierte. Er verfasste Bücher und Flugblätter, war Mitstreiter des Franz von Sickingen, der aktiv den Plan verfolgte das HRR in ein „HRR deutscher Nation“ umzuwandeln indem die Territorialfürsten entmachtet werden sollten…
@MacX:
Der böhmische König war ursprünglich nicht ein Deutscher. Erst als Ottokar von Böhmen versuchte sich gegen die damals Österreich beherrschenden Babenberger zum dominierenden Fürsten aufzuschwingen verlor er Reich und Leben in der Schlacht. Literarisch verarbeitet in dem Drama „König Ottokars Glück und Ende“. Danach waren es durch Erbfolge Vertreter deutscher Adelshäuser und die böhmische Krone wurde schließlich habsburger Erbbesitz. Ganz automatisch war das aber nicht, spielte doch die Thronfolge in Böhmen eine erhebliche Rolle beim Ausbruch des 30jährigen Krieges!
Dabei ist es richtig dass in Böhmen immer eine sehr große, reiche und einflussreiche deutsche Volksgruppe existierte. Diese wurden von „nationalen“ böhmischen Königen ins Land gerufen um es zu schnellerer Blüte zu führen, was auch gelang! Das ist aber nicht der Grund dafür das Böhmen eines der Kernlande des HRR wurde. Derartige geförderte Einwanderungen deutscher Gruppen gab es vor allem auch in Ungarn, Polen und sogar später in Russland ohne dass diese Gebiete jemals zum HRR gehörten. Es waren machtpolitische Gründe die das Königreich Böhmen zum Bestandteil des HRR machten und führt viel zu weit.
@Wulfnoth:
Die Krönung mit der Langobardenkrone war ein politischer Schachzug aus Wien, doch mit einer Person wie dem Franzl natürlich völlig wirkungslos.
@all:
Das ständige Zitieren aus dem Buch „Die Erfindung der Deutschen“ ist gedanklich sehr anregend, führt aber zu nichts, da dessen Titel, mehr noch als der Inhalt selbst mehr als umstritten ist. Nationen entstehen nun einmal und verändern sich, wer daraus eine richtige Erfindung machen will, sollte sich die Frage stellen wer denn nun den Menschen erfunden hat? Wer jetzt laut aufheult sollte mir dabei aber nicht mit Gott kommen, den lassen wir mal schön außen vor! So viel zu provokanten Titeln

Ansonsten noch fröhliches Diskutieren! Ich verabschiede mich aus dem Thread. Das Wichtigste aus meiner Sicht ist bereits von mir in meinem allerersten Post gesagt worden. Alles Weitere waren nur Details. Mit meinem Hang zu Ausführlichkeit kostet mich das einfach zu viel Zeit.
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  #53  
Alt 02.11.2007, 15:16
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Zitat von tejason Beitrag anzeigen
Ansonsten noch fröhliches Diskutieren! Ich verabschiede mich aus dem Thread. Das Wichtigste aus meiner Sicht ist bereits von mir in meinem allerersten Post gesagt worden. Alles Weitere waren nur Details. Mit meinem Hang zu Ausführlichkeit kostet mich das einfach zu viel Zeit.
Dem kann ich mich nur anschließen. Ich bin in der Diskussion genau da angekommen wo ich hin wollte und weiter muss ich nicht.

Wie viel Zeit du in einen Beitrag investiert möchte ich lieber gar nicht wissen.
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  #54  
Alt 02.11.2007, 17:53
Benutzerbild von Draconarius
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Beiträge: 799
Zitat von MacX Beitrag anzeigen
Soweit ich weiß, war es offizieller Staatsname.
Soll angeblich offizielle Schriftstücke seit den 80er Jahren des 15. Jahrhunderts geben, in denen diese Bezeichnung auftaucht. Leider sind die exakten Quellen dafür in den entsprechenden Werk nicht erwähnt.
__________________
μηδὲν ἄγαν
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  #55  
Alt 03.11.2007, 14:05
Plebejer
 
Registriert seit: 31.10.2007
Beiträge: 20
Zitat von tejason
Nur die Ruhe! Zeige mir eine einzige offizielle Nennung des Namens „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ vor dem Westfälischen Frieden?
1) In der Goldenen Bulle wird von "Dutschelant" gesprochen: Goldene Bulle.

2) Dies ist kein Reichsgesetz, doch auch eine zeitgenössische Quelle, in der unter anderem vom "Deudschen Reiche" gesprochen wird: http://de.wikisource.org/wiki/Newe_Z...rs_Absagbrieff

3) Die "deutsche Nacion": Ewiger Landfrieden.

4) Hier wird sehr oft vom "Heiligen Reich Teutscher Nation" gesprochen, ja sogar von "Unserm geliebt Vatterland": Augsburger Religionsfrieden.

5) Hier wird sowohl vom "Teutschen Reich" als auch vom "Heiligen Reich Teutscher Nation" gesprochen: Achterklärung über Friedrich von der Pfalz.

6) Auch hier wird vom "Heiligen Reich Teutscher Nation" und dem "Vatterland Teutscher Nation" gesprochen: Wahlkapitulation Leopolds I. (die ist zwar nach dem Westfälischen Frieden, aber auch interessant)

http://de.wikipedia.org/wiki/HRR
Lese die allererste Zeile und beweise das Gegenteil!
Ich weiß ja nicht, welche Position Du im Leben führst, aber ich bin nicht Dein Diener. Wenn Du möchtest, daß ich etwas tue, kannst Du das höflich formulieren und bedarfst keines (falschen) Imperatifs und eines Ausrufezeichens. Ein leichtes "bitte" würde völlig genugen.

Trotz Deines harrschen Auftretens möchte ich darauf antworten, nämlich: Was soll ich an diesem Satz widerlegen? Natürlich war das Heilige Römische Reich der Herrschaftsbereich des römisch-deutschen Kaisers. Genauso wie dann das Deutsche Reich Bismarcks der Herrschaftsbereich des Deutschen Kaisers war. Da gibt es ja nichts abzustreiten.

Falls Du auf das Deutschsein des Reiches anspielst: Dazu habe ich schon genug geschrieben. Ich kann nicht mehr tun, als historische, zeitgenössische Quellen zu zitieren. Ich denke nämlich, daß ein Herr Samuel von Pufendorf und ein Herr Johann Jacob Moser mehr über den Reichscharakter wußten, als Du heute weißt.

Im übrigen finde ich das Bild zu Beginn des Artikels sehr schön, auch seine Unterschrift.


Zum Geld der Fugger habe ich mich bereits mehrere Male eingelassen. Auch wenn ihr Geld Karl zum Kaiser machte, wurde die Wahl wenigstens offiziell mit dessen Deutschsein begründet. Ob diese Begründung vorgeschoben war oder nicht, spielt keine Rolle. Ob ich aus Überzeugung von Deutschland spreche oder nicht: Ich spreche davon.

Ulrich von Hutten war ein „Prophet der deutschen Nationalfindung“, mit allen Schwierigkeiten die diese Formulierung mit sich bringt. Er war ein Rebell und ganz gewiss kein Autor, der offizielle Verlautbarungen des Reiches formulierte. Er verfasste Bücher und Flugblätter, war Mitstreiter des Franz von Sickingen, der aktiv den Plan verfolgte das HRR in ein „HRR deutscher Nation“ umzuwandeln indem die Territorialfürsten entmachtet werden sollten…
Ulrich von Hutten war ein Mensch seiner Zeit. Und seine Schriften sind wichtige historische Zeugen, denn sie geben kund, daß ein deutsches Nationalgefühl nicht unbekannt sein konnte, schließlich kann niemand etwas fordern, das völlig unbekannt ist.
Nicht nur offizielle Dokumente sind von Bedeutung. Welch arme Welt wären wir sonst? (Offizielle Dokumente habe ich aber bereits oben gepostet.)

@all:
Das ständige Zitieren aus dem Buch „Die Erfindung der Deutschen“ ist gedanklich sehr anregend, führt aber zu nichts, da dessen Titel, mehr noch als der Inhalt selbst mehr als umstritten ist.
Ob Du den Titel des Buches und seinen Inhalt als umstritten empfindest, ist relativ bedeutungslos. Wie Du gemerkt hast, zitiere ich keine Aussagen des Autors, sondern ausschließlich historische Quellen, die im Buch erwähnt werden, z. B. die "Gravamina der deutschen Nation".

Geändert von Celtis (03.11.2007 um 14:08 Uhr).
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