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  #1  
Alt 21.09.2007, 16:11
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Die Schlacht von Poitiers 732

Eine kleine Lektüre für alle Fans des frühen Medieval. Lob und Kritik sind erwünscht.

Die Schlacht von Poitiers 732: Grenzmarke islamischer Expansion in Gallien.

Ausgangslage: Der Islam auf dem Vormarsch

Im 8. Jahrhundert nach Christus hatte die militärische Expanison des Islam einen ersten Höhepunkt erreicht. Die Armeen des Kalifats setzten sich im Nahen Osten durch. Das ehemals mächtige Reich der Sassaniden zerbrach. Die Ghazi, Soldaten des Heiligen Krieges, begannen ihren Ansturm auf das Byzantinische Reich, das, geschwächt durch vorangehende Konflikte mit den Sassaniden und stets unter dem Eindruck permanenter Bürgerkriegsgefahr, ein Koloss auf tönernen Füssen war. In Nordafrika traten die tief vom Geist des Islam beseelten arabischen Heere einen ungebremsten Siegeszug an. 711 setzte der muslimische Heerführer Tariq nach Spanien über. In der Folge brachten die Muslime das Westgotische Reich zu Fall und dehnten die Grenzen des Kalifats schrittweise bis zu den Pyrenäen aus.

Das Kalifat in der Krise


Im zweiten Viertel des 8. Jahrhunderts verlor die Islamische Expansion aber plötzlich an Schwung. Das umaijadische Kalifat von Damaskus schlitterte in eine ernsthafte Krise. Vielleicht war das arabische Reich zu gross geworden; vielleicht stiessen die Eroberer nun aber auch an ihre Grenzen, weil ihnen die ungewohnten Klimabedingungen der Gebiete, in die sie einfielen, zu schaffen machten. Unabhängig von den Gründen kann aber aus heutiger Sicht gesagt werden, dass die letzte Phase des umaijadischen Dschihad (724 bis 743) weitgehend erfolglos blieb. Das allmählich wegen seiner eigenen Grösse labil werdende arabische Riesenreich musste immer grössere Ressourcen an Menschen und Gold aufwenden, um seine Expansion aufrecht erhalten zu können. Militärische Siege blieben aus, weil die hauptsächlich arabischen Kräfte, welche die Umaijadendynastie auf einem immer grösser werdenden Kriegsschauplatz einsetzen konnten, begrenzt waren. Darüber hinaus stiessen die Eindringlinge in verschiedenen neu eroberten Territorien auf verstärkten Widerstand und erlitten Niederlagen. In Gallien konnten die islamischen Krieger 725 Carcassonne und Nimes erobern. 732 wurden sie jedoch in Poitiers besiegt. Die Bedeutung dieser Schlacht ist nicht hoch genug einzuschätzen, auch wenn sie nicht zum sofortigen Rückzug der Araber aus Gallien führte.

Ansturm über die Pyrenäen

Im Jahre 731 befahl der muslimische Gouverneur von Cordoba eine Grossoffensive gegen Aquitanien. Ohne dass der überforderte Herzog Eudo von Aquitanien etwas dagegen unternehmen konnte, fielen grosse arabische Verbände über Pamplona und die westlichen Pyrenäen nach Aquitanien ein. Das erklärte Hauptanliegen dieser Armee war das Plündern. Im Falle einer erfolgreichen Kampagne wäre jedoch eine dauerhafte Besetzung Galliens nicht ausgeschlossen gewesen. Abd al-Rahman al-Ghafiqi, Gouverneur von Cordoba und Kommandeur des arabischen Heeres, setzte die Vororte von Bordeaux in Brand, vernichtete die aquitanische Armee Eudos unweit des Zusammenflusses der Dordogne und der Gironde und zog weiter nach Norden. Unterwegs plünderten seine Truppen – ganz im Stil der Ghazwa – Abteien und Klöster, in welchen damals die meisten Reichtümer konzentriert waren. Die Beutegier der Araber hatte jedoch Folgen: Die zahlreichen Plünderungen und die Fortschaffung der daraus resultierenden Beute verlangsamten den Vormarsch. Dies ermöglichte es Herzog Eudo, Karl Martell zu Hilfe zu rufen. Karl Martell (übersetzt „Der Hammer“) beherrschte seit 714 in Ermangelung eines Königs als Hausmeier die fränkischen Teilreiche. Er reagierte promt auf den Hilferuf, obwohl Herzog Eudo ihn in den Jahren zuvor teils erbittert bekämpft hatte.

Poitiers: „Wie eine Wand“

Mit einer starken Armee stellte sich der fränkische Feldherr dem Vorstoss der Muslime in der Nähe von Poitiers entgegen. In Martells Heer fanden sich nebst Franken auch Langobarden, Sachsen und Friesen. Es zählte rund 15000 Mann – darunter grosse Kontingente gepanzerter Infanterie und Kavallerie. Ein Umstand, der sich im Verlauf der Schlacht noch als verheerend für die Araber herausstellen würde. Die islamischen Eindringlinge kämpften in der ihnen vertrauten Art und Weise, mit der sie zuvor meist erfolgreich gewesen waren: Leichte Kavallerie und Berittene Bogenschützen, ergänzt durch verhältnismässig schwache Infanterieverbände. Das Heer von Abd al-Rahman zählte rund 20000 Mann, war also etwas grösser als das fränkische. Über den exakten Verlauf der Schlacht ist wenig bekannt. Sie zog sich über mehrere Tage hin. Die entscheidende Konfrontation fand am 25. Oktober 732 nach mehreren Vorgeplänkeln an den Vortagen statt. Den arabischen Kriegern gelang es nicht, die Verteidigungskraft des gut organisierten fränkischen Heeres zu brechen. Nähere Schilderungen zum Schlachtverlauf finden sich in der Mozarabischen Chronik: „Ähnlich einer Kaltfront bleiben die Leute aus dem Norden wie eine Wand dicht nebeneinander und zermetzeln die Araber mit ihren Schwertern“. Offensichtlich wichen die Franken unter dem Eindruck der anstürmenden Araber nicht zurück. Vielmehr schlossen sich die Infanteristen zu einer dichten Phalanx zusammen. Dies war für die Araber neu, waren sie es doch gewohnt, dass sie ihre Feinde in der Regel durch geschickte Angriffs- und Rückzugsmanöver aus den Stellungen locken und niedermachen konnten. „Die Leute aus Austrien sind zahlreicher und eifriger mit ihren Schwertern. Als sie den König finden, töten sie ihn“, heisst es weiter in den Mozarabischen Chroniken. Dieses Zitat beschreibt den Tod von Abd al-Rahman. Die Niedermachung des islamischen Kommandeurs war der eigentliche Wendepunkt in der Schlacht. In den arabischen Quellen wird die Niederlage der Muslime unter der Bezeichnung „Balat al-Shuhada“ (Strasse der Märtyrer) erwähnt; dies, weil in Poitiers so viele Muslime den Tod fanden. Nach den lateinischen Quellen wurde die arabische Armee am 25. Oktober allerdings nicht völlig vernichtet. Als die Franken am nächsten Tag den nur durch Einbruch der Dunkelheit unterbrochenen Kampf wieder aufnehmen wollten, stellten sie fest, dass die Zelte des arabischen Lagers leer waren. Die durch den Tod ihres Befehlshabers desorientierten Muslime hatten die Nacht zum Rückzug genutzt!

Die Folgen der Schlacht

Das arabische Heer löste sich nach der Schlacht von Poitiers nicht auf. Die Araber blieben in Septimanien und drangen sogar zwei Jahre später in das Rhonetal vor. Dies wirft ein interessantes Licht auf die Beziehungen zwischen den Franken und der Bevölkerung Südgalliens. Nachdem die Schwäche der Merowingerdynastie die Autonomiebestrebungen in vielen Teilen ihres Reiches begünstigt hatte, versuchte Karl Martell die Autorität wieder herzustellen. Da Karl 733 nach der Unterwerfung der Burgunder und der Eroberung von Lyon weiter nach Süden vorstossen wollte, ging Patricius Maurontus, der politische Führer der Provence, ein Bündnis mit den Muslimen ein. So waren bald islamische Truppen in Avignon und anderen Städten des unteren Rhonetals stationiert. Da sich die provenzalischen Aristokraten und die Stadtbevölkerung den Franken nicht unterwerfen wollten, wurde der Einmarsch Karl Martells 737 zur regelrechten Invasion. Das Bündnis zwischen Provenzalen und Arabern stellte für die Franken eine ernsthafte Gefahr dar. Nach der Übernahme Avignons, der Plünderung der Stadt und der Ermordung der vor Ort angetroffenen Muslime zog Martell weiter nach Narbonne, der Hauptstadt Septimaniens. Deren Belagerung blieb jedoch erfolglos, obwohl die vom Gouverneur von Cordoba geschickte Verstärkungsarmee zuvor von den Franken geschlagen worden war.

Die geschilderten Ereignisse zeigen, dass die Schlacht von Poitiers nicht in erster Linie zum Ende der muslimischen Gefahr, sondern vielmehr zur systematischen Intervention der Franken führte. Nur sie waren imstande, die Bedrohung durch die Araber abzuwenden, wobei diese offensichtlich von den Provenzalen nicht unbedingt als solche empfunden wurde. Die Wiederherstellung der fränkischen Autorität in allen Regionen Galliens bedeutete die Zerstörung der Lokalgewalten.

Kriegsknecht

Primärquellen:
Al-Andalus von Pierre Guichard
Der Niedergang des islamischen Christentums unter dem Islam von Bat Ye'or
Die Kultur des Krieges von John Keegan

Geändert von Kriegsknecht (22.09.2007 um 13:46 Uhr).
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  #2  
Alt 21.09.2007, 16:49
Benutzerbild von Wulfnoth
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Insgesamt finde ich den Text sehr gut. Deckt sich auch weitestgehend mit meinem Wissensstand zu diesem Thema. An ein paar Formulierungen muss ich aber doch "rummäkeln".

stets unter dem Eindruck permanenter Bürgerkriegsgefahr
Der Teil ist zwar insgesamt auf das Byzantinische Reich betrachtet richtig, allerdings in diesem Zusammenhang meiner Meinung nach nicht. Vor der arabischen Invasion hatte Kaiser Herakleios verhältnismäßig lange geherrscht und das Reich war weitestgehend stabil.

Ohne dass der überforderte Herzog Eudo von Aquitanien etwas dagegen unternehmen konnte, fielen grosse arabische Verbände über Pamplona und die westlichen Pyrenäen nach Aquitanien ein.
Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang noch erwähnen, dass Eudo zwar nur den Titel eines Fürst bzw. Herzog trug aber weitgehend unabhängig vom Frankenreich war und somit auch nicht über die fränkischen Ressourcen verfügt. Das war meiner Ansicht nach nicht so deutlich.

Karl Martell (übersetzt „Der Hammer“) beherrschte seit 714 in Ermangelung eines Königs als Hausmeier die fränkischen Teilreiche.
Vielleicht noch ein, zwei Worte zur Hausmeier-Merowinger-Situation? "Ermangelung" verdeckt doch irgendwie den Umstand, dass Karl Martell gar keinen König einsetzen wollte/musste.

darunter grosse Kontingente gepanzerter Infanterie und Kavallerie.
Vielleicht kann man hier noch anfügen, dass ein gepanzerter Infanterist oder Kavallerist keineswegs mit einem Ritter des Hochmittelalters zu vergleichen ist. Weil den meisten Menschen spuken ja eher solche Bilder durch den Kopf.

Nachdem die Schwäche der Merowingerdynastie die Autonomiebestrebungen in vielen Teilen ihres Reiches begünstigt hatte, versuchte Karl Martell die Autorität wieder herzustellen.
Das finde ich so nicht ganz richtig. Das fränkische Erbrecht sah ja die Teilung des Erbes vor. Die Schwäche des Frankenreichs resultierte also nicht aus der Schwäche der Merowingerdynastie sondern aus der Erbrechtproblematik und der Hausmeierproblematik. Karl Martell ging dieses Problem in sofern an, als das er die Hausmeierproblematik vorrübergehend dadurch ausschaltete, dass er königsgleich ohne König herrschte und das andere Problem löste er indem er nach und nach die Teilgebiete wieder vereinte. Von einer dauerhaften Stärkung bzw. Lösung kann man aber nicht reden.

Wie gesagt ansonsten ist es ein sehr informativer und guter Text aber die paar Punkte würde ich noch überarbeiten.
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  #3  
Alt 21.09.2007, 16:56
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@Wulfnoth

Danke für die Anmerkungen. Ich habe auf einiges verzichtet, um den Text nicht allzu lang werden zu lassen und nicht zu stark vom Grundthema abzukommen. Ich finde mit deinen Anmerkungen hast du das Ganze hervorragend ergänzt, resp. präzisiert.

Mal eine generelle Frage: Sind so lange Texte und Artikel hier eigentlich erwünscht? Ich würde gerne mehr solche Texte verfassen, bloss bin ich stets unsicher, ob das überhaupt auf Akzeptanz stösst, oder gelesen wird.
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  #4  
Alt 21.09.2007, 17:04
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Prinzipiell gibt es für solche Artikel eigentlich die Artikeldatenbank. Wenn man über einen Artikel diskutieren will kann man ja sonst ein Thema dazu im Forum starten und auf den Artikel verlinken.
Ich habe jetzt aber nichts dagegen wenn solche Texte auch einfach im Forum gepostet werden, oftmals verschwimmen die Grenzen zwischen dem was Artikel und dem was ausführlicher Eingangsbeitrag für eine Diskussion ist sowieso.

Also ich habe überhaupt nichts dagegen. Vor allem weil ja nicht alles eindeutig ist und so auc mal interessante Diskussinen entstehen. Obs gelesen wird kann ich nicht beurteilen, tendenziell ist man aber hier um zu lesen und zu schreiben deshalb gehe ich mal davon aus, dass die meisten hier die nötige Zeit mitbringen.
Was hat Kimon doch mal gesagt. Er braucht sich nie abmelden weil er eh nur fürs HF lebt. Folglich sind hier also schonmal zwei die es lesen.
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  #5  
Alt 21.09.2007, 17:07
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Insgesamt gefällt mir der Text gut,(und aus meiner Sicht sind solche Artikel immer erwünscht ) allerdings wird meines Erachtens zu wenig Wert auf die Bedeutung gelegt, du schreibst ja

Die Bedeutung dieser Schlacht ist nicht hoch genug einzuschätzen, auch wenn sie nicht zum sofortigen Rückzug der Araber aus Gallien führte.
was verglichen mit späteren Überhöhungen ("Retter des Abendlandes") nun wahrlich eine lobenswert nüchterne Beschreibung ist, trotzdem widersprechen zeitgenössiche Darstellungen dieser Sichtweise, in der die Schlacht von Tours und Poitiers keinerlei herausragende Stellung hat.

Ach ja, ich kenne die Schlacht nur als Schlacht von Tours und Poitiers und nicht als Schlacht von Poitiers. Welche Historiker benutzen denn diese Bezeichnung, bzw. aus welchem Land stammen diese, da gibt's ja von Sprache zu Sprache unterschiedliche Konventionen.


@Wulfnoth:

Das fränkische Erbrecht sah ja die Teilung des Erbes vor.
Das kann man so absolut nicht sagen. Viel mehr war es gängig es so zu machen, aber von einem wirklichen Recht kann man anscheinend nicht sprechen. Es gibt genug Beispiele von Frankenprinzen, die leer ausgingen und deren Lage nicht irgendeiner Form als "Tabu-Bruch" wahrgenommen wurde. Es machte wohl eher der Ton die Musik.
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  #6  
Alt 21.09.2007, 17:15
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Zitat von Kimon Beitrag anzeigen
Das kann man so absolut nicht sagen. Viel mehr war es gängig es so zu machen, aber von einem wirklichen Recht kann man anscheinend nicht sprechen. Es gibt genug Beispiele von Frankenprinzen, die leer ausgingen und deren Lage nicht irgendeiner Form als "Tabu-Bruch" wahrgenommen wurde. Es machte wohl eher der Ton die Musik.
Naja aber man kann zumindest von einer generellen Teilungspraxis reden, egal durch wie viele.
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  #7  
Alt 21.09.2007, 17:18
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@Kimon

Die Bezeichnung "Schlacht von Tours und Poitiers" ist meines Erachtens genauso erlaubt, wie "Schlacht von Poitiers". Das Problem an der Sache ist, dass die Schlacht weder in direkter Nähe zu Tours, noch in direkter Nähe zu Poitiers stattfand. Niemand weiss bis heute so genau, wo sich die hauptsächlichen Kampfhandlungen ereigneten. Den aktuellsten Theorien zufolge fand die Schlacht zwischen den Flüssen Clain und Vienne südlich von Chatellerault statt. Ob jetzt "Tours und Poitiers" oder einfach nur "Poitiers" ist so gesehen wohl unwesentlich. In beiden Fällen dürfte klar sein, welche Schlacht gemeint ist.
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  #8  
Alt 21.09.2007, 17:21
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Ja schon, es geht nur darum, dass es in der Geschichtswissenschaft gewisse Konventionen gibt (so wie in jeder anderen Wissenschaft), deswegen wollte ich nachfragen.
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  #9  
Alt 21.09.2007, 22:43
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Zitat von Kimon Beitrag anzeigen
Trotzdem widersprechen zeitgenössiche Darstellungen dieser Sichtweise, in der die Schlacht von Tours und Poitiers keinerlei herausragende Stellung hat.
Ich kann da leider inhaltlich nicht viel dazu sagen, weil ich keine der von dir erwähnten zeitgenössischen Darstellungen im Detail kenne. Ich kann also auch nicht auf die entsprechenden Argumente reagieren.

Allerdings widerspreche ich einer allfälligen Aussage, dass die Schlacht von Poitiers im historischen Kontext keinerlei oder nur eine geringe Bedeutung hat. Genauso sehr finde ich es aber auch falsch, wenn man das Schicksal des christlichen Abendlandes von dieser einen Schlacht abhängig macht. Beide Positionen halte ich für übertrieben.

Letzten Endes war Poitiers eine Schlacht, in welcher ein Arabisches Heer auf dem Höhepunkt der islamischen Expansion eine deutliche und schmerzhafte Niederlage erleiden musste und zur Umkehr gezwungen wurde. Bereits diese Tatsache macht aus der Schlacht etwas spezielles. Offensichtlich markierte Poitiers zeitlich wie auch symbolisch das Ende der gross angelegten islamischen Expansion in Westeuropa. Natürlich war dafür nicht nur diese Schlacht verantwortlich - das habe ich in meinem Text klar zum Ausdruck gebracht. Aber bei Poitiers setzte ein christliches Heer ein deutliches Signal gegen den bis dahin weitgehend ungebremsten Sturm der Islamischen Glaubenskrieger. Deshalb auch meine Definition der Schlacht als "Grenzmarke" gegen die Arabische Expansion.

Noch etwas Generelles zur Geschichtsschreibung: Historiker sind aus meiner Sicht häufig ein uneinig Völkchen. Früher neigten sie dazu, den militärischen Ereignissen im historischen Kontext zu viel Bedeutung beizumessen. Heute habe ich manchmal das Gefühl, dass das Gegenteil der Fall ist. Die kriegerischen Auseinandersetzungen werden gesellschaftlichen, sozialen, ja sogar klimatologischen Aspekten untergeordnet. Dadurch entsteht manchmal der Eindruck, als ob Schlachten nur noch blosse Randerscheinungen darstellten, die sich zwangsläufig, will nicht sagen beiläufig aus anderweitigen Rahmenbedingungen ergaben. Ich halte dies für falsch. Konflikte, Kriege und die damit einhergehenden militärischen Auseinandersetzungen waren und sind prägend für die Geschichte der Menschheit. Eine Negierung oder Vernachlässigung der Bedeutung der zutiefst menschlichen Errungenschaft Krieg halte ich für fahrlässig.

Aber ich schweife ab. Das ist ein anderes Thema
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