Login
|
|
|
Forenübersicht
|
|
|
|
 |
|

01.10.2007, 23:14
|
 |
Quaestor
|
|
Registriert seit: 29.11.2006
Ort: Im schönen Oberbayern
Beiträge: 133
|
|
|
Hmm, stimmt.
In wie weit waren die Schweizer denn freie Männer? Das dürfte dann auch ihren Vorteil gegenüber mehr oder weniger zum Kriegsdienst gezwungener Bauern erklären die oftmals mit den eigentlichen Kriegszielen wenig am Hut hatten.
__________________
Der Zynismus ist meine Rüstung, der Sarkasmus mein Schwert und die Ironie mein Schild.
|

02.10.2007, 10:54
|
 |
Demokrat
|
|
Registriert seit: 08.06.2005
Ort: Zürich, Schweiz
Beiträge: 329
|
|
Zitat von Wulfnoth
Mal eine kurze Frage, auch wenn es ein wenig vom Thema abweicht aber wann hat sich die Schweiz aus diesem losen Bündnis zum Staat gewandelt der sie heute ist und vor allem aus welchem Antrieb heraus?
Ich versuche das kurz und bündig zu beantworten. Der Prozess, der zur Bildung der heutigen Schweiz führte, umfasst mehrere Jahrhunderte!
Nach den Burgunderkriegen, den Schwabenkriegen und dem Ende der Schweizer Grossmachtambitionen mit der Niederlage in der Schlacht von Marignano 1515 wurde die Alte Eidgenossenschaft von Veränderungen ergriffen. Die markanteste Veränderung lag im allmählichen Bedeutungsverlust der alten Landkantone (Uri, Schwyz, Unterwalden). Das politische Gewicht innerhalb der Eidgenossenschaft verschob sich mehr und mehr zugunsten der Städte wie Zürich, Bern, Basel oder Luzern. Die Städte waren bevölkerungsreicher und durch den Handel mehrte sich ihr Reichtum. Dies führte dazu, dass die Städte den Landorten mehr und mehr ein politisches wie wirtschaftliches Diktat aufzwangen, was zu inneren Spannungen führte. Diese Spannungen verschärften sich zusätzlich durch die Reformation. Auch hier war es ironischerweise so, dass vor allem die Städte zu Zentren des neuen Glaubens wurden, während die Landorte weiterhin dem Katholizismus anhingen. Dadurch wurde der ohnehin vorhandene wirtschaftlich-soziale Gegensatz zusätzlich gesteigert. Was folgte war eine Zeit der internen Kriege und Wirren, die im Prinzip bis in die 90er Jahre des 18. Jahrhunderts andauerte. Zu einer markanten Veränderung kam es 1798. Auch die Eidgenossenschaft blieb nicht von der Sogwirkung der französischen Revolution ausgenommen. Der französische Regent Napoleon benötigte die Schweizer Alpenpässe für seinen Koalitionskrieg. Die Franzosen unterstützten zunächst revolutionäre Kräfte innerhalb der Eidgenossenschaft und erzwangen einen Wandel im Alpenland schliesslich auch durch Waffengewalt. So kam es zur (französisch diktierten) Gründung der Helvetischen Republik. Grundsätze der neuen Verfassung waren die Gleichheit aller Bürger, Einführung einer repräsentativen Demokratie, Gewaltentrennung, Bildung von Kantonen als Verwaltungseinheiten sowie Zentralismus.
Logischerweise liess sich das jahrhundertealte System der Eidgenossenschaft aber nicht so einfach umkrempeln. Es folgten Verfassungskämpfe. Schliesslich bildeten sich innerhalb der Schweiz zwei politische Lager (Liberale und Konservative). Zwischen diesen beiden Seiten kam es zwischen 1837 und 1847 zu bewaffneten Konflikten und mit dem Sonderbundskrieg zur bis heute letzten kriegerischen Auseinandersetzung auf Schweizer Boden. Die liberalen Kräfte obsiegten schliesslich und 1848 wurde die im Prinzip bis heute gültige Bundesverfassung der modernen Schweiz entwickelt.
Zitat von Ythor
Stellt sich mir die Frage wieso gerade die Schweizer so disziplinierte Heere aufstellen konnten. Welche Vorraussetzungen waren hier anders als im restlichen Europa?
Diese Frage lässt sich abschliessend wohl nicht beantworten. Es dürften mehrere Faktoren gewesen sein. Einerseits dürfte es daran gelegen haben, dass die Schweizer ein zähes und Entbehrungen gewohntes Berg- und Bauernvolk waren. Die Heere der Eidgenossen rekrutierten sich primär aus dem Bauernstand. Diese Männer waren hart, hatten keine grossen Probleme damit zu töten (gewohnheitsmässiges Schlachten von Vieh) und liessen sich in der Schlacht wohl auch recht gut führen. Die Disziplin der Schweizer in den Gewalthaufen war jedoch auf die Schlacht beschränkt. Es gab häufig Probleme mit ihnen, weil sie im Angesicht von reicher Beute mitunter das Kämpfen vergassen und sich lieber mit Plündern beschäftigten. Ich würde deshalb weniger die Disziplin der Schweizer in den Vordergrund stellen. Der Hauptgrund für ihren Erfolg auf dem Schlachtfeld dürfte viel banaler gewesen sein: Sie waren schlicht und einfach sehr begabt im hauen, stechen und zerstückeln ihrer Feinde.
Zusätzlich kam eine demografische Komponente hinzu: Die Eidgenossen galten selbst für mittelalterliche Verhältnisse als sehr geburtenstark. Dies führte dazu, dass ein geografisch sehr begrenztes Gebiet eine sehr hohe Zahl an jungen Männern hervorbrachte, die irgendwie beschäftigt werden mussten. Land gab es ohnehin nicht genug in den engen Bergtälern. So bot sich der Gang in den Kriegsdienst geradezu an.
Zitat von Ythor
Hmm, stimmt.
In wie weit waren die Schweizer denn freie Männer? Das dürfte dann auch ihren Vorteil gegenüber mehr oder weniger zum Kriegsdienst gezwungener Bauern erklären die oftmals mit den eigentlichen Kriegszielen wenig am Hut hatten.
Vor allem die Innerschweizer verfügten nachweislich über einen recht hohen Grad an persönlicher Freiheit. Die Adelsschicht in diesen Regionen war sehr dünn, es handelte sich primär um ein sich selbst verwaltendes Bauernvolk. Die Lehenssysteme wie sie in Frankreich und im HRR zur damaligen Zeit gang und gäbe waren gab es in dieser Form innerhalb der Eidgenossenschaft nicht.
__________________
Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt. Mark Twain, 30.11.1835 bis 21.04.1910
Geändert von Wulfnoth (02.10.2007 um 11:28 Uhr)
Grund: Dreifachposting
|

19.05.2008, 18:24
|
|
Plebejer
|
|
Registriert seit: 25.04.2008
Beiträge: 27
|
|
|
Liesen die Schweizer. ohne Ausnahme, kein Ritter (so hoch er auch gestellt war), Knappe, Knecht, Page usw. am Leben?
Gab es, zum Beispiel nach einer Schlacht oder Gefecht, organisierte (Massen)-Hinrichtungen nach einer formellen Gerichtsverhandlung o.ä.? Oder wurden die Gefangenen sofort hingerichtet bzw. abgeschlachtet?
Was hätten die Schweizer getan wenn ihnen ein Prinz (wenn möglich gar ein Thronfolger) in die Hände gefallen wär? Hätten sie ihn auch getötet? Gab es solche Fälle?
MfG Matze
|

20.05.2008, 09:57
|
 |
Demokrat
|
|
Registriert seit: 08.06.2005
Ort: Zürich, Schweiz
Beiträge: 329
|
|
|
Also dein Interesse für Massenhinrichtungen und Foltermethoden an Gefangenen wird mir langsam unheimlich. Gibts eigentlich auch ein anderes Thema, das dich interessiert?
Offenbar willst du herausfinden, wer im Mittelalter am grausamsten mit gefangenen Gegnern umging. Das ist aus meiner Sicht aber ein sinnloses Unterfangen. Das Mittelalter war eine Zeit, in der nur selten Gefangene im grossen Stil gemacht wurden. Man konnte es sich schlichtweg nicht leisten, eine grosse Zahl Kriegsgefangener zu ernähren. Allerdings heisst das nicht, dass alle Kriegsgefangenen einfach so niedergemacht wurden. Es kam auch vor, dass man den Feind mitsamt seinen Waffen abziehen liess, nachdem man zuvor Kapitulationsbedingungen etc. ausgehandelt hatte.
Eine Ausnahme bildeten die Adligen. Für sie konnten hohe Lösegeldforderungen gestellt werden, sodass sich ihre Gefangennahme lohnen konnte.
__________________
Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt. Mark Twain, 30.11.1835 bis 21.04.1910
|

21.05.2008, 09:02
|
 |
Hoplit
|
|
Registriert seit: 29.10.2007
Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
Beiträge: 714
|
|
|
Der Gedenktag der Schweizer Garde, am 6. Mai, bezieht sich auf ihr Verhalten während des Sacco di Roma 1527.
Durch ihr Opfer (fast 3/4 der Einheiten) konnte der Papst in die Engelsburg fliehen.
Die Schweizer hatten damals schon eine Reputation die sie überall berühmt machte, sonst wären wohl die Päpste und die Condottieri der Renaissance nicht auf sie aufmerksam geworden.
__________________
 "So lange nicht alle Menschen werden wie er, müßen wir unsere Schwerter scharf halten"
Ben Hur: "Und unseren Zielen treu bleiben."
|
 |
|
|
Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
|
|
|
Forumregeln
|
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.
HTML-Code ist aus.
|
|
|
|
Letzte Themen
|
Die Leibstandarte...
Views: 442,
Antworten: 27
|
Frühe Neuzeit
|
Gab es das Drittes...
Views: 394,
Antworten: 13
|
Legitimation für...
Views: 227,
Antworten: 19
|
Römische Könige 2.0
Views: 818,
Antworten: 20
|
Das Ende des HRR
Views: 414,
Antworten: 11
|
Forum für...
|
Geschichtswettbewerb
|
Päderastie
Views: 497,
Antworten: 19
|
Sklaverei und ihr...
Views: 267,
Antworten: 10
|
amerikanischer...
Views: 649,
Antworten: 26
|
Woran glaubt gott?
Views: 227,
Antworten: 12
|
Sind die Vinca...
|
FDP und LDPD
|
Was waren...
Views: 413,
Antworten: 21
|
|
|
Letzte Links
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|