02.12.2008 - 18:55
Historik Forum
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  #1  
Alt 16.02.2008, 09:23
Benutzerbild von dieter 4711
Mensch
 
Registriert seit: 09.01.2008
Ort: Frankfurt/M.
Beiträge: 356
Bayern

Warum hat sich Bayern 1871 eigentlich dem Deutschen Reich angeschlossen?Stammesmäßig, konfessionell, dynastisch und auch politisch stand es Österreich viel näher?
Quelle: G/Geschichte
__________________
Nichts ist unmöglich
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  #2  
Alt 16.02.2008, 09:32
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.464
Nun Österreich hatte sich in den Einigungskriegen nicht als Schutzmacht der süddeutschen Staaten behaupten können, da es immer eine potenzielle Kriegsgefahr mit Frankreich gab ist das sicherlich kein unwesentlicher Grund.
Zweitens natürlich die immense Überredungssumme die der bayrische König erhalten hat, was uns eigentlich nur lehrt dass auch Monarchen mit Geld zu ködern sind, vor allem wenn sie große Architekten sind.

Die Frage des Anschlusses an Österreich hat sich nie gestellt, jedenfalls nicht über ein Militärbündnis hinaus. Außerdem wäre das für Bayern eher nachteilig gewesen, da das Kaiserreich eher ein loser Bund war und innenpolitisch viele Freiheiten garantierte, während die Donaumonarchie, von Ungarn abgesehen, zentral regiert wurde.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #3  
Alt 16.02.2008, 10:26
MacX
Gast
 
Beiträge: n/a
Ich war der Meinung die Allianz der süddeutschen Staaten mit dem Norddeutschen Bund im Krieg gegen Frankreich hatte dem ohnehin vorhandenen Wunsch nach nationaler Vereinigung ein konkretes Gesicht gegeben.
Dass Bayern noch mit Privilegien "eingekauft" wurde, kommt noch erschwerend dazu.

Österreich hat zu der Zeit ja einiges an Prestige einbüßen müssen, beim Rest stimme ich Wulfnoth also zu.
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  #4  
Alt 16.02.2008, 14:05
Benutzerbild von dieter 4711
Mensch
 
Registriert seit: 09.01.2008
Ort: Frankfurt/M.
Beiträge: 356
Lieber Mac,
dass Bayern wohl eingekauft wurde von Bismarck stimmt wohl. Vorallem durch die Zuwendungen an König Ludwig II. Bayern durfte auch bis 1919 eigene Briefmarken herausgeben. Diese Privilegien spielten aber in der Weimarer Republik keine Rolle mehr.
__________________
Nichts ist unmöglich
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  #5  
Alt 17.02.2008, 12:02
Thete
 
Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 773
Die Bayern hatten mehr oder minder eine eigene Postverwaltung; Ziata aus Wikipedia:

Die unterschiedlichen deutschen Landesposten, im Norden hatte sich der Norddeutsche Postbezirk gebildet, passten sich in den Tarifen und Behandlungsvorschriften immer mehr an. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg ging Bayern in der deutschen Reichspost auf. Im Vertrag von Versailles von 1870, war Bayern das Fortbestehen seines Postwesens zugestanden worden, mit der Folge, dass Bayern die internen Angelegenheiten in der Abteilung Bayern in München selbst regelte. Mit der Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871, ging das gesamte Post- und Telegraphenwesen auf das Reich über. Bayern und Württemberg behielten ihre eigene Post- und Telegraphenverwaltung. Die Postgesetzgebung stand auch für Bayern und Württemberg dem Reiche zu. Nach einigen weiteren kleinen Änderungen, in der bayerischen Postverwaltung wurden mit Geltung vom 1 Januar 1876 die gemeinschaftlichen Oberpostämter und Oberbahnämter getrennt. Die jeweiligen Verkehrsanstalten wurden ihnen unterstellt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Postges...marken_Bayerns
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  #6  
Alt 17.02.2008, 14:10
Benutzerbild von dieter 4711
Mensch
 
Registriert seit: 09.01.2008
Ort: Frankfurt/M.
Beiträge: 356
Zitat von Thersites Beitrag anzeigen
Die Bayern hatten mehr oder minder eine eigene Postverwaltung; Ziata aus Wikipedia:
Lieber Thersites,
vielen Dank für diese Information.
__________________
Nichts ist unmöglich
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  #7  
Alt 17.02.2008, 15:01
Benutzerbild von Draconarius
Historiddler
 
Registriert seit: 04.06.2005
Beiträge: 833
Nicht nur Post, soweit mir bekannt ist war auch die Bahn weitgehend selbstständig und auch im Militär gab es eine weitgehend eigene Verwaltung. So gibt es aus der Zeit zwischen 1871 und 1918 weitgehend eigene Orden, eigene Truppenverzeichnisse etc.
__________________
μηδὲν ἄγαν
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  #8  
Alt 17.02.2008, 15:06
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 408
Aber soweit ich weiß hatten auch die anderen Bundesstaaten solche Privilegien, wobei Bayern der einzige deutsche Bundesstaat war, der noch bis 1914 seine eigenen auswärtigen Vertretungen hatte. Alle anderen Bundesstaaten hatten diese bereits vorher aufgelöst.
__________________
Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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  #9  
Alt 17.02.2008, 15:09
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.464
Stimmt, Hitler war z.B. im Ersten Weltkrieg in der bayrischen Armee und nicht in der preußischen. Wobei ich meine mal gelesen zu haben, dass dies eher ein formeller, denn ein faktischer Unterschied war. Es erscheint mir auch ziemlich unwahrscheinlich, dass unter den Kriegsumständen 1914 bis 1918 und der faktischen Militärdiktatur ab 1916 auf bayrische Empfindlichkeiten rücksicht genommen wurde.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #10  
Alt 17.02.2008, 17:47
MacX
Gast
 
Beiträge: n/a
Glaub jedes Fürstentum hatte formal seine eigene Armee. Erkennbar an den Koppelschlössern der jeweiligen Soldaten.
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  #11  
Alt 18.02.2008, 00:06
Benutzerbild von Magpie
Tribun
 
Registriert seit: 09.07.2007
Ort: nähe München
Beiträge: 84
@topic:
Bayern war um 1870 praktisch bankrott. Ludwig II. hat nahezu das gesamte Staatsvermögen für den Bau von Schloss Herrenchiemsee (nicht vollendet), Neuschwanstein und die vorherigen Schlösser ausgegeben, sodass ihm jede Möglichkeit, an Geld zu kommen, Recht war. Auch wenn er damit dem verhassten Bismarck zur Vereinigung zustimmen musste.
Ein Beitritt Bayerns zu Österreich war übrigens nahezu undenkbar. Seit ungefähr 1705 (Mordweihnacht von Sendling) ist der Hass auf die Österreicher ungefähr auf dem Selben Maße wie der auf die "Preißn". Vor allem in der Bevölkerung Südbayerns.
__________________

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  #12  
Alt 18.02.2008, 00:16
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 408
Zitat von Magpie Beitrag anzeigen
Bayern war um 1870 praktisch bankrott. Ludwig II. hat nahezu das gesamte Staatsvermögen für den Bau von Schloss Herrenchiemsee (nicht vollendet), Neuschwanstein und die vorherigen Schlösser ausgegeben,...
Soweit ich weiß, hat Ludwig II. den Bau seiner Schlösser aus seinem Privatvermögen bezahlt. Das Staatsvermögen wurde nicht angetastet.
__________________
Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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  #13  
Alt 18.02.2008, 00:34
Benutzerbild von Magpie
Tribun
 
Registriert seit: 09.07.2007
Ort: nähe München
Beiträge: 84
Naja, das Privatvermögen des Königs stammt ja aus seiner jährlichen Apanage. Und die wiederum kommt aus dem Staatshaushalt. Und wenn die Apanage (oder wie man das schreibt ) nicht ausreicht, muss die Staatskasse drunter leiden.
Von der Zoll- und Finanzreform des Jahres 1879 im Deutschen Reich profitierten auch die bayerischen Staatsfinanzen, die sich in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts zunehmend defizitär gestaltet hatten. Quelle
__________________

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  #14  
Alt 18.02.2008, 00:49
Benutzerbild von K. Ropp
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Ort: Rheingau
Beiträge: 408
Zitat von Magpie Beitrag anzeigen
Naja, das Privatvermögen des Königs stammt ja aus seiner jährlichen Apanage. Und die wiederum kommt aus dem Staatshaushalt. Und wenn die Apanage (oder wie man das schreibt ) nicht ausreicht, muss die Staatskasse drunter leiden.
Nachdem sein persönliches Vermögen aufgebraucht war, hat Ludwig II. einen Privatkredit aufgenommen.
__________________
Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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  #15  
Alt 18.02.2008, 15:28
Benutzerbild von Argeados
K.u.K. Hofzensor
 
Registriert seit: 19.05.2005
Ort: Wien
Beiträge: 1.069
Zitat von Magpie Beitrag anzeigen
@topic:
Ein Beitritt Bayerns zu Österreich war übrigens nahezu undenkbar. Seit ungefähr 1705 (Mordweihnacht von Sendling) ist der Hass auf die Österreicher ungefähr auf dem Selben Maße wie der auf die "Preißn". Vor allem in der Bevölkerung Südbayerns.
Das war mir in der Tat neu.
Wars nich so um 1830 (?) mal knapp dran, das Bayern zu Österreich kommt. Ich glaub mich da an was zu erinnern, aber kA woher.
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