07.09.2008 - 12:02
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  #1  
Alt 20.07.2008, 21:52
Plebejer
 
Registriert seit: 20.07.2008
Beiträge: 3
Bodenbesitzverhältnisse in Deutschland

Die Bodenbesitzverhältnisse in verschiedenen deutschen Regionen sind ziemlich unterschiedlich, oder waren es bis nach 1945. Teilweise dominieren große Landgüter, teilweise ist das Land im Besitz von Kleinbauern.

Im Feudalsystem war das meiste Land im Besitz des Adels. Wann wurden die Verhältnisse geändert und durch wen?

Reimund
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  #2  
Alt 20.07.2008, 22:15
Benutzerbild von Draconarius
Historiddler
 
Registriert seit: 04.06.2005
Beiträge: 781
Es gab ja in der deutschen Geschichte den sog. Agrardualismus, d.h. der Existenz zweier Bewirtschaftungs- und Herrschaftsformen.
Zu einem die ostelbische Gutsherrschaft: Ein herrschaftlicher Eigenbetrieb, der den wesentlichen Teil des bebauten Landes stellt, welcher wiederum von fronpflichtigen gutsuntertänigen Bauern bewirtschaftet wird, zudem geht dabei auch Bauernland in Gutsbesitz auf. Die Gutsherrschaft entwickelt sich dabei zu einer besonders intensive Formen der Herrschaft, da intensiver Arbeitseinsatz der Untertanen für wirtschaftlichen Profit entscheidend ist. Entstanden ist diese Form folgendermaßen:
Anfangs war nur ein geringer Teil der ostelbischen Gebiete in Adelshand. Durch den Ausbau der Gutsherrschaft erfolgte die Übernahme bäuerlichen Landes durch die Herrschaft zu Vergrößerung des eigenen Besitzes. Dieser Vorgang wurde durch eine Wüstungsperiode begünstigte: In dieser unbebaute Stellen konnten zu Besitz des Gutsherren geschlagen werden. Angetrieben wurde dieser Vorgang durch eine positive Agrarkonjunktur um 1500. Ein wichtiger Vorteil war, dass der Gutsherr in Normalfall sowohl Grund- als auch Gerichtsherr in einer Person war, und so beträchtlichen Einfluss hatte.

Daneben noch die westdeutsche Grundherrschaft = Rentenherrschaft:
Der Grundherr erhält bei dieser Naturalabgaben, Geld- und Arbeitsrente, das Maß des herrschaftlichen Eigenbetriebs ist eingeschränkt. Die Bauern genießen hier aber mehr Rechte. Man kann noch weiter in südwestdeutsche, südostdeutsche, westdeutsche, nordwestdeutsche und mitteldeutsche Grundherrschaft unterteilen.

Entscheidend für die Verteilung der Bodenbesitzverhältnisse ist außerdem noch das jeweilige Erbrecht.
__________________
μηδὲν ἄγαν
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  #3  
Alt 20.07.2008, 22:28
Plebejer
 
Registriert seit: 20.07.2008
Beiträge: 3
Östlich der Elbe hatten die Grundbesitzverhältnisse ja offensichtlich weitgehend Bestand bis zur Gründung der DDR.

wie und wann ging im Westen Deutschlands der Übergang von adeligem zu bäuerlichem Grundbesitz vonstatten?
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  #4  
Alt 20.07.2008, 22:32
Konsul
 
Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 914
Gar nicht. Meines Wissens sind große Güter in Niedersachsen und SChleswig Holstein immer noch "adelig" und auch anderswo haben Adelige immer noch ihre ehemals angestammten Grundbesitze.
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  #5  
Alt 20.07.2008, 22:43
Benutzerbild von Draconarius
Historiddler
 
Registriert seit: 04.06.2005
Beiträge: 781
Zitat von rele Beitrag anzeigen
wie und wann ging im Westen Deutschlands der Übergang von adeligem zu bäuerlichem Grundbesitz vonstatten?
Im 19. Jahrhundert, Stichwort Bauernbefreiung. Es kam es unter französischer Einflussnahme und später im Zusammenhang mit der Julirevolution in Frankreich und der Märzrevolution in Deutschland zur Befreiung der Bauern von persönlichen Frondiensten. Allerdings mussten sie im Gegenzug ihren ehemaligen Grundherren finanziell entschädigen.

Allerdings blieben gewisse Traditionen doch erhalten. Hatte ma den Bericht über einen adeligen Grundherren in Österreich gesehen, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch per Pferd seine Besitzungen abritt und von seinen ehemaligen Unteranen wie ein Übergeordneter behandelt wurde. Später stieg er auf einen Hubschrauber um -> selbes Verhalten.
__________________
μηδὲν ἄγαν
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  #6  
Alt 21.07.2008, 10:25
Ädil
 
Registriert seit: 19.02.2008
Beiträge: 255
Zitat von Titus_Livius Beitrag anzeigen
Gar nicht. Meines Wissens sind große Güter in Niedersachsen und SChleswig Holstein immer noch "adelig" und auch anderswo haben Adelige immer noch ihre ehemals angestammten Grundbesitze.
Stichwort Sachsenwald. Bis vor kurzem noch zum Großteil im Besitz der Familie Bismarck.
__________________
Glory, glory to old Ireland,
glory, glory to this island,
glory to the memory of the men
who fought and died,
"No surrender" is the war cry of
the Belfast Brigade.
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  #7  
Alt 21.07.2008, 20:34
Plebejer
 
Registriert seit: 20.07.2008
Beiträge: 3
In Franken ist/war bis zur Industrialiseirung der Landwirtschaft ein Großteil des Landes im Besitz von Kleinbauern, bedingt durch Teilung bei Erbschaft; in Südbayern im Besitz von großen Bauern.
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