06.10.2008 - 21:15
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  #1  
Alt 14.06.2005, 19:05
Quaestor
 
Registriert seit: 11.06.2005
Beiträge: 107
Britisches Imperium - Salisbury charakterisiert eine 2. Klassen/Völkergesellschaft in der Welt

Yoa, ich hab hier mal eine interessante Quelle für euch

Der Premierminister Lord Salisbury in der Londoner Albert Hall im Mai 1898:

Man kann die Nationen der Welt verallgemeinernd in lebende und sterbende Völker einteilen. Einerseits gibt es große Länder mit enormer Macht, deren Einfluß, Reichtum, Herrschaftsgebiet und Perfektion ihrer staatlichen Organisation immer noch zunehmen. Die Eisenbahnen haben sie in die Lage versetzt, ihre ganze militärische Kraft an jedem beliebigen Punkt konzentrieren und Armeen von einer Größe und Macht aufstellen zu können, von der frühere Generationen niemals geträumt haben. Die Wissenschaft hat diesen Armeen Waffen in die Hände gegeben, die in ihrer Zerstörungskraft immer furchtbarer werden. Doch neben diesen großen Ländern gibt es Gesellschaften, die ich nur als sterbend charakterisieren kann... Es sind meist nichtchristliche Gesellschaften...In diesen Staaten schreiten Auflösung und Verfall fast so schnell voran wie das Anwachsen der Macht bei den lebenden Nationen neben ihnen...Die schwachen Staaten werden schwächer, die starken Staaten werden noch stärker. Man braucht kein Prophet zu sein, um den unvermeidlichen Ausgang dieses gegenläufigen Prozesses vorherzusagen...: Die lebenden Nationen werden das Gebiet der sterbenden Nationen allmählich in Besitz nehmen, und die Konflikte, die unter den zivilisierten Nationen bestehen, werden binnen kurzem auch dort ausgetragen werden
The Times, 5.Mai 1898


Was haltet ihr davon, besonders vom kritischen Unterton?

Ich meine, er erwähnt das britische Empire ja nicht direkt...aber als ein zur "lebenden Nation" gehörende Nation...spricht er diese ja klar an...zumal england die afrikanische kolonialmacht im 19. Jahrhundert ja schlechthin war.
"[...]Die lebenden Nationen werden das Gebiet der sterbenden Nationen allmählich in Besitz nehmen[...]"
Ich persönlich würde hier schon gar nicht mehr von allmählich sprechen. England ist mitten drinn in der Höchstphase...von allmählich kann nicht die Rede sein. Zumal man ja nicht nur England ansprechen kann. Mal ganz abgesehen von der spanischen Krone während der europäischen Expansion...die ausbeutung der "sterbenden" Völker...das Gemetzel mit den Atzteken und der nicht gerechtfertigte und nicht von der spanischen Krone befohlene Sturz Moctezume II.
Interessant wenn dieses Kommentar von Salisbry mal mit Kommentaren vom radikalen Cecil Rhodes vergleicht.
Der hat ja z.B behauptet das 1. die weiße Rasse sowieso über den anderen dominiert aber 2. und da liegt der Knackpunkt...England die herrschende, dominierende Rasse unter den weißen ist. Wobei anzuzweifeln ist, dass man England als Rasse bezeichnen kann. Nation ja...aber Rasse nein. Verschärft nur seinen Rasismus und Übermut wie ich finde.
Auch hatte Lord Roseberys 5 Jahre zuvor (1. März 1893) das englische Volk in den Himmel gelobt und dessen Tatan befürwortet und für gerechtfertigt gehalten.
Hier mal ein Zitat "Wir dürfen behaupten, daß jeder Landstrich, den wir zivilisiert haben...zu Recht ein Teil unseres Empires geworden ist".
Für mich hängt der Witz wieder beim Wort "zivilisiert". Naja, im folgenden beschreibt er auch noch das alles andere "zivilisiert" werden müsse, da die Welt nicht unendlich dehnbar ist.

Greetz
Mephisto
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  #2  
Alt 14.06.2005, 19:53
Konsul
 
Registriert seit: 12.03.2005
Beiträge: 916
meinst du einen kritischen unterton zu hören, der sich auf die ausbreitung und das übersteigerte selbstwertgefühl der "weißen rasse" bezieht?
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  #3  
Alt 14.06.2005, 20:07
Quaestor
 
Registriert seit: 11.06.2005
Beiträge: 107
nicht das übersteigerte selbstwertgefühl der weißen rasse...mehr die angebliche "zivilisation" der schwächeren völker und dessen ausbeutung.
Ich meine, Salisbury vertrat in seiner amtszeit schon den imperialismus...nur wenn man dieses kommentar mit z.B einem von dem von mir angesprochenen radikalen Cecil Rhodes vergleicht...fehlt es bei Salisbury an Radikalität, Rassismus und nationalem Prestigegedanken...sodass ich einen kritischen Unterton heraushöre(abgesehen davon, ob er ihn beabsichtigte oder nicht)
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  #4  
Alt 14.06.2005, 20:07
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Eigentlich müssen wir noch nicht einmal über den Kanal schauen um ein solches Bild zu finden.
Das Deutsche Reich, obwohl erst ca. 30 Jahre existent hat bereits angefangen sich einen möglichst großes Stück von Afrika zu sichern und versucht auch sonst überall zu intervenieren. Nicht umsonst war die Konferenz auf der die Grenzen mit Stift und Lineal gezogen wurden in Berlin. Und auch der Genozid an den Herero fällt in diese Zeit.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #5  
Alt 14.06.2005, 20:15
Quaestor
 
Registriert seit: 11.06.2005
Beiträge: 107
Original von Wulfnoth
Das Deutsche Reich, obwohl erst ca. 30 Jahre existent hat bereits angefangen sich einen möglichst großes Stück von Afrika zu sichern und versucht auch sonst überall zu intervenieren.
Der Witz daran ist ja nur das dies eigentlich nur eine "Nachlaufaktion" war. Der Gedanke war...wenn man eine große Macht ist, besitzt man auch Kolonien. Die Kolonien von Deutschland waren ja wirtschaftlich total uninteressant. Hauptsache man hatte welche. (Später ist England ja bei diesem Kolonialgedanken geblieben und hat den Anschluss am Fortschritt in der Physik und Chemie verpasst).
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  #6  
Alt 14.06.2005, 20:17
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Nunja als wirtschaftlich uninteressant würde ich die Diamantenminen in Deutsch Südwest-Afrika nicht bezeichnen!
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  #7  
Alt 14.06.2005, 20:22
Quaestor
 
Registriert seit: 11.06.2005
Beiträge: 107
hmm von diamantenminen weiß ich nichts...aber ich weiß das trotzdem unterm strich die kolonien für deutschland keinen großen wirtschaftlichen erfolg brachten und somit durchaus als "uninteressant" angesehen werden können. Interessant sind sie ja nicht durch eine Diamantenmine...sondern das was am ende unterm strich rauskommt
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  #8  
Alt 14.06.2005, 20:41
Benutzerbild von Ar-Pharazon
Preuße
 
Registriert seit: 28.04.2005
Beiträge: 433
Original von Mephistopheles
nicht das übersteigerte selbstwertgefühl der weißen rasse...mehr die angebliche "zivilisation" der schwächeren völker und dessen ausbeutung.
Ich meine, Salisbury vertrat in seiner amtszeit schon den imperialismus...nur wenn man dieses kommentar mit z.B einem von dem von mir angesprochenen radikalen Cecil Rhodes vergleicht...fehlt es bei Salisbury an Radikalität, Rassismus und nationalem Prestigegedanken...sodass ich einen kritischen Unterton heraushöre(abgesehen davon, ob er ihn beabsichtigte oder nicht)
ich sehe keinen kritischen unterton in seinen aussagen. auch ist mir der sinn dieses treads irgendwie nicht ersehbar.... ?(
__________________
Was wir hier in diesem Land brauchen sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher.

Franz-Josef Strauß
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  #9  
Alt 14.06.2005, 20:52
Quaestor
 
Registriert seit: 11.06.2005
Beiträge: 107
tja ich höre aber einen :P

Der Sinn?
Der ist doch eigentlich ganz einfach herauszufinden. Ich schreib das hier ganz bestimmt nicht um einfach nen neues thema aufzumachen. Das ist nen Geschichtsforum, daher möchte ich hier auch über Geschichte diskutieren. Ich persönlich höre in dem kommentar von salisbury einen kritischen unterton und darüber will/wollte ich diskutieren. Salisbury hat dieses Kommentar ganz sicher nicht nur so gesagt und auch nicht nur auf Bezug zu Deutschland. Dafür war Deutschlands Koloniepolitik einfach zu erbärmlich, um das mal so zusagen. Also denk ich mir als Geschichtsinteressierter was noch mehr hinter dem Kommentar steckt. Wie von mir angesprochen unterscheidet sich auch die Ausdrucksweise in diesem kommentar stark von anderen britischen staatsmänner ( siehe Cecil Rhodes und Lord Roseberys).

Wie du das jetzt interpretierst ist mir eigentlich egal
Kurz und kanpp gesagt, wollte ich einfach eine Diskussion starten.

Greetz
Mephisto
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  #10  
Alt 14.06.2005, 20:57
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Einen kritischen Unterton kann ich dort allerdings auch nicht heraus hören. Mir erscheint das ganze Kommentar eher sehr normal für die Zeit. Man war sich bewusst welche Verbrechen man anrichtete, aber man sah sich als etwas Besseres an - Aufgrund des eigenen Erfolges.

Kurz und kanpp gesagt, wollte ich einfach eine Diskussion starten.
Daran ist ja auch nichts schlimmes
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  #11  
Alt 14.06.2005, 21:06
Quaestor
 
Registriert seit: 11.06.2005
Beiträge: 107
"normal" würde ich nicht sagen. Wobei wir auch nicht wissen was "normal" ist.
Aber wenn man das im Bezug auf andere Kommentare setzt, ist das ganz sicherlich nicht "normal". Da ist schon ein gewaltiger Unterschied. Das was du angesprochen hast, "man sah sich als was besseres" kam bei vertretern des Imperialismus auch stark zum Vorschein. Das bestätigt sich auch in vielen kommentaren. Bei Salisbury aber nicht (nur auf das zitat jetzt bezogen )
Mir persönlich ist das kommentar zu "billig", "nicht radikal genug" ausgedrückt. Wenn man von Salisbury als britischen Imperialist ausgeht, da frage ich mich wo diese imperialistische radikalität im zitat bleibt. Er schreibt mir neben "billig" auch zu "oberflächlich". Ich sehe dadurch einen kritischen Unterpunkt...ohne davon jetzt auszugehn oder auch zu wissen das es beabsichtigt war oder nicht.

Nur "normal ist das nicht". *g* (das ist doch auch so nen zitat aus der werbung *lol* )
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  #12  
Alt 15.12.2007, 14:50
Benutzerbild von AloeVera
Plebejer
 
Registriert seit: 15.12.2007
Beiträge: 1
hi,
wisst ihr zufällig welche Auswirkungen diese rede von Salisbury auf die Gesellschaft hatte.
Ich schreibe gerade eine Hausarbeit über das Thema Sozialdarwinismus, wisst ihr da gute auch wissenschaftlilche Seiten?
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  #13  
Alt 15.12.2007, 14:51
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Zitat von AloeVera Beitrag anzeigen
hi,
wisst ihr zufällig welche Auswirkungen diese rede von Salisbury auf die Gesellschaft hatte.
Ich schreibe gerade eine Hausarbeit über das Thema Sozialdarwinismus, wisst ihr da gute auch wissenschaftlilche Seiten?
Das war jetzt definitiv Störung der Totenruhe.
Der Thread ist über zwei Jahre alt.
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