07.10.2008 - 06:44
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  #1  
Alt 11.12.2005, 12:32
Quaestor
 
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Hindenburg: Alter Greis oder schuldig?

Mich würde mal interessieren wie ihr Paul von Hindenburg beurteilt. Es gibt diesbezüglich ja immer wieder ziemlich verschiedene Meinungen
Ich will jetzt weniger die Dolchstoßlegende in die Beurteilung mit rein nehmen, sondern vielmehr seine Position während den Präsidialkabinetten, bzw. noch vielmehr nachdem Adolf Hitler Reichskanzler und v. Papen Vizekanzler war.
Da sticht ja besonders die von ihm unterzeichnete "Reichstagsbrandverordnung" sowie das "Ermächtigungsgesetz" hervor.


Meine Meinung:

Ich denke man kann Hindenburg nicht die Schuld zuweisen. Er war ein alter Greis (*1847), der einfach auf die falschen Leute gehört hat. Er hat definitiv falsch gehandelt, aber man kann im gewissen Maße für die Unterschriften z.B bei der Reichstagsbrandverordnung Verständnis haben. Ich würde da eher die Schuld bei F. v. Papen suchen. Hindenburg war ja erst skeptisch hat aber nachdem Papen ihn dazu bewogen hat zu unterschreiben, die Reichtagsbrandverordnung unterschrieben, da er Papen vertraut hat. Papen war meiner Meinung nach ein illusionär mit starker Selbstüberschätzung. Besonders wenn ich das Zitat höre: " In 2 Monaten pressen wir Hitler an die Wand, bis er quitscht." Da hat er sich zu sehr auf den Notstandsartikel 48 verlassen.
Ich hab mir schon überlegt, dass Hindenburg einfach bei der 2. Wahl nicht hätte antereten sollen, wobei dann mit Sicherheit Hitler die Rolle des Ersatzkaisers eingenommen hätte, da Thälmann gegen Hitler verloren hätte. Naja...
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  #2  
Alt 11.12.2005, 12:43
Plebejer
 
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Man muss hier ja auch bemerken, dass Hindenburg sehr von der sog. "Kamerilla" beinflusst war. Diese Kamerilla beinhaltete neben Konservativen, Wirtschaftsvertretern und Rechten auch seinen Sohn. Diese wirkten sehr stark auf die Entscheidungen des alten Mannes ein. Dass Hindenburg deren Tragweite nicht vollständig beurteilen konnte, halte ich für sehr wahrscheinlich.

Du sprichst hier auch die Strategie der Einbindung und Entzauberung der NSDAP in das Präsidialkabinett an. Das war fatal, wie sich im Nachhinein herausstellte, hielt man Hitler und seine Kumpanen doch nicht für das, als was sie sich herausstellten. Dies gehörte abe auch zur Strategie Hitlers: er stellte sich so harmlos wie möglich, dabei immernoch völkisch, dar.

Man muss aber auch sagen, dass Hindenburg von Hitler überhaupt nicht begeistert war, war HIndeburg doch einer "vom alten Schlag". Den "böhmischen Gefreiten" nannte er Hitler, der im 1. WK kein großes Licht im deutschen Heer war, genauergesagt ein Läufer. Auch das spricht wohl für eine starke Beeinflussung seitens der Kamerilla, die wohl Hindeburgs Denkweise gut zu nutzen wusste.
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  #3  
Alt 11.12.2005, 12:49
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
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Ein sehr schwierige Frage. Sicher kann man ihn dafür verantwortlich machen das es im 1. Weltkrieg praktisch eine Militärdikatur in Deutschland gab aber wie du ja bereits sagtest ist das nicht das was du hier besprechen möchtest.

Interessant an Hindenburg ist auf jeden Fall das er selbst der ja von seiner Herkunft und auch seinem Verhalten kein Demokrat war die Weimarer Republik nicht sofort nach Antritt seines Amtes beendet hat, sondern versucht hat sie als Präsident zu führen.
Natürlich hat er Fehler begangen als er Hitler zum Kanzler ernannte, aber was sollte er denn tun? Die Nazis hatten Wahlen mit Terror gewonnen und einer Koaltion dne Kanzler zu versagen wäre sicher undemokratisch gewesen.
Außerdem war er wie du ja bereits sagtest ein uralter Mann der die Lage nicht mehr im Griff hatte.
Ob er die Situation nach '33 noch hätte ändern können möchte ich bezweifeln.

Er ist sicher kein perfekter Präsident gewesen, aber ich glaube das er gerade deswegen so in der Kritik steht weil die Neonazis ihn für ihre Propaganda benutzen.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #4  
Alt 11.12.2005, 12:54
Benutzerbild von Scipio
Separatisto
 
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Ichsehe nicht viel Schuld bei ihm. Er war damals dazu,wie Wulfnoth schons sagte, nicht in der Lage. Außerdem konnte damals noch niemand ahnen was Hitler anrichtern würde
__________________
Nichts ist unsozialer als der Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung sinken läßt. Ludwig Erhard
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  #5  
Alt 11.12.2005, 12:59
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Ort: Bremen
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Naja man hätte nur "Mein Kampf" lesen müssen, aber es gab damals viele Spinner und niemand konnte ahnen zu was die Nazis wirklich in der Lage waren.
Mal abgesehen davon das es vielen Menschen schrecklicherweise nicht so unrecht war.
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  #6  
Alt 11.12.2005, 13:03
Plebejer
 
Registriert seit: 11.12.2005
Beiträge: 17
Original von Wulfnoth
Ein sehr schwierige Frage. Sicher kann man ihn dafür verantwortlich machen das es im 1. Weltkrieg praktisch eine Militärdikatur in Deutschland gab aber wie du ja bereits sagtest ist das nicht das was du hier besprechen möchtest.

Interessant an Hindenburg ist auf jeden Fall das er selbst der ja von seiner Herkunft und auch seinem Verhalten kein Demokrat war die Weimarer Republik nicht sofort nach Antritt seines Amtes beendet hat, sondern versucht hat sie als Präsident zu führen.
Natürlich hat er Fehler begangen als er Hitler zum Kanzler ernannte, aber was sollte er denn tun? Die Nazis hatten Wahlen mit Terror gewonnen und einer Koaltion dne Kanzler zu versagen wäre sicher undemokratisch gewesen.
Außerdem war er wie du ja bereits sagtest ein uralter Mann der die Lage nicht mehr im Griff hatte.
Ob er die Situation nach '33 noch hätte ändern können möchte ich bezweifeln.

Er ist sicher kein perfekter Präsident gewesen, aber ich glaube das er gerade deswegen so in der Kritik steht weil die Neonazis ihn für ihre Propaganda benutzen.
Einen Demokraten konnte man Hindenburg ja wohl wirklich kaum nennen. Eher einen Anhänger der ausgedienten Hohenzollern-Monarchie, versicherte er sich doch bei seinem Amtsantritt der Fürsprache des alten Kaisers, die wollte er nicht verlieren.

Auch in seiner Amtsführung ist er kaum mit seinem Vorgänger Stresemann zu vergleichen. Er verhinderte die Enteignung des Adels, verhinderte Gesetze zur Abschwächung des Art. 48 WV. In dieser Haltung bestärkte ihn o.g. Kamerilla nur noch.
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  #7  
Alt 11.12.2005, 13:06
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Ich habe ja auch keineswegs behauptet das er ein Demokrat war. Ich habe nur geschrieben das er, obwohl kein Demokrat, die Republik nicht sofort wieder in eine Monarchie umgewandelt hat, obwohl er als Präsident umfassende Vollmachten hatte.

Über Stresemann kann man sich im übrigen streiten. Mir schwirrt da gerade eine Rede im Kopf herum, die genauso gut Hitler hätte halten können.
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  #8  
Alt 11.12.2005, 13:13
Plebejer
 
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Beiträge: 17
Original von Wulfnoth
Ich habe ja auch keineswegs behauptet das er ein Demokrat war. Ich habe nur geschrieben das er, obwohl kein Demokrat, die Republik nicht sofort wieder in eine Monarchie umgewandelt hat, obwohl er als Präsident umfassende Vollmachten hatte.

Über Stresemann kann man sich im übrigen streiten. Mir schwirrt da gerade eine Rede im Kopf herum, die genauso gut Hitler hätte halten können.
Sorry, bin etwas verkatert, daher leseschwach heute "morgen".

Diese Rede von Stresemann ist mir bekannt, ich bin aber auch recht sicher, dass unter ihm das bekannte Ergebnis nicht so leicht möglich gewesen wäre.

Schaut man sich die Wahlen zum RP an, sieht man auch schnell, dass die KPD die SPD das Amt gekostet hat - sehr misslich.
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  #9  
Alt 11.12.2005, 13:36
Benutzerbild von Renascor
Tigers Hare Krischna Jung
 
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Beiträge: 754
Man muss sehen dass die Jahre, in dem wir einen Kaiser hatten bis zu diesem Zeitpunkt die besten Jahre in Deutschland waren. Und Hindenburg war ein starker verfechter der Monarchie und ein Anhänger von Wilhelm II. Ich konnte sein handeln verstehen, aber nicht gut heißen.
Das Problem an Hitler war, dass er dieses alte Gefühl der Größe vom Deutschen Reich vor dem WW 1 wieder rüber gebracht hat. Das hat vll das Vertrauen von Hindenburg in ihm gestärkt. Außerdem fand er meiner Meinung nach, wie viele in dieser Zeit, den Versailler Vertrag für eine Schande Deutschlands und alles was dort drin stand. Und dort ist glaub ich auch verankert, dass Deutschland eine Demokratie ist und kein Kaiserreich. Ich vermute mal das diese Tatsache nicht gerade sein Vertreuen in die Demokratie gestärkt hat. Außerdem hat die Demokratie zu diesem Zeitpunkt auch nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Und vor allem durch den Versailler Vertrag hat Hitler viele Stimmen erhalten, weil er diesen sehr oft nieder gemacht hat und viele Deutsche stimmten ihn dadurch zu.
Dies alles hat sein Vertrauen in Hitler gestärkt, aber ich glaube es gab auch eine Aussage oder Zitat von Hindenburg vor seinem Tod, wo er Hitlers Meinung im Bezug auf Juden und andere Äußerungen scharf kritisiert und sich davon distanziert, aber ich weiss nicht mehr wo ich das gehört oder gelesen habe.
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Der Glaube kommt aus dem Herzen. Die Vernunft muß ihn festigen. Glaube und Vernunft sind nicht Gegenkräfte, wie manche Leute meinen. Je tiefer der Glaube ist, um so mehr schärft er die Vernunft. Wenn der Glaube blind wird, stirbt er. - Mahatma Gandhi
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  #10  
Alt 11.12.2005, 14:00
Plebejer
 
Registriert seit: 11.12.2005
Beiträge: 17
Man muss aber auch beachten, dass der VV in den Nachkriegskonferenzen als zu hart anerkannt wurde, z.B. wurden die Reparationen abgeschwächt. Was blieb waren jedoch die schmerzlichen Gebietsabtretungen, die das Deutsche Reich in den wirtschaftlichen K.O. versetzten. Da konnte Hitler natürlich ansetzen, er wurde ja auch von denen unterstützt, die dadurch hart getroffen wurden: ostelbische Junker, Krupp etc.

Ändert aber kaum etwas daran, dass Papen mit seinem Kabinett der nationalen Konzentration schuldiger sein dürfte als Hindenburg.

EDIT: Typo
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  #11  
Alt 15.12.2005, 03:34
Quaestor
 
Registriert seit: 31.03.2005
Beiträge: 166
Ich sehe Hindenburg vorallem als alten Greis, dem von den ihm nahestehenden Personen zugeredet wurde, die Gesetze zu bewilligen. Diese Personen standen mit Hitler damals in engem Kontakt, und waren gut mit ihm befreundet. Langezeit hat sich Hindenburg aber wiederum auch geweigert Hitler überhaupt zum Reichskanzler zu machen und ihm damit zur Macht zu verhelfen. Nur durch das massive Zureden insbesondere von Hindenburgs Sohn konnte Hitler ja überhaupt erst in die Lage kommen, zum Reichskanzler ernannt zu werden. Und nach alledem war Hindenburg wirklich ein alter Greis, der aber nicht unschuldig ist, denn ein gewisses Maß an selbst Kontrolle sollte auch ein lieber wenn vll auch leicht seniler Hindenburg gehabt haben.
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  #12  
Alt 30.12.2005, 12:15
Tribun
 
Registriert seit: 29.05.2005
Beiträge: 82
RE: Hindenburg: Alter Greis oder schuldig?

Original von Mephistopheles
Mich würde mal interessieren wie ihr Paul von Hindenburg beurteilt. Es gibt diesbezüglich ja immer wieder ziemlich verschiedene Meinungen
Ich will jetzt weniger die Dolchstoßlegende in die Beurteilung mit rein nehmen, sondern vielmehr seine Position während den Präsidialkabinetten, bzw. noch vielmehr nachdem Adolf Hitler Reichskanzler und v. Papen Vizekanzler war.
Da sticht ja besonders die von ihm unterzeichnete "Reichstagsbrandverordnung" sowie das "Ermächtigungsgesetz" hervor.
Hindenburg war ein alter Mann, kurz vor dem Ende seines Lebens. Er hat immer das Kaiserreich wieder haben wollen und war beileibe kein Freund der Demokratie geschweige denn der (Weimerer) Republik.

Er hat also weder noch kämpfen wollen, noch hat er in Hitler eine Bedrohung seier Ziele gesehen: Hitler war der starke Mann, der Ordnung bringen konnte, auch wenn er natürlich kein "Kaiserlicher" war und nur ein "Gefreiter" - weshalb Hindenburg ihn ja auch zuerst abblitzen ließ. Aber ihm waren die Optionen ausgegangen und er war zu alt, zu müde und zu schwach...
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  #13  
Alt 29.09.2007, 17:06
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Bin gerade durch Zufall wieder auf dieses Thema gestoßen. Hier wird ja immer wieder geschrieben was ich auch immer gedacht habe. Hindenburg war alter Monarchist und Anhänger Wilhelms II.

Kürzlich hab ich jetzt aber gelesen, dass er zwar Monarchist war aber keineswegs vorhatte die Hohenzollern wieder auf den Thron zu bringen, da er wie viele preußische (Klein-)Adelige es Wilhelm übel genommen hatte, dass dieser sich während der Novemberrevolution in die Niederlande verzogen hatte.

Weiterhin muss ich eine Aussage von mir oben korrigieren. Hitler hatte keine Koalition hinter sich, er war zu Anfang ein Kanzler eines Präsidialkabinetts wie Schleicher, von Papen und Brüning es auch gewesen waren.

Die Aussage dass Hindenburg, obgleich kein Demokrat, trotzdem den Bruch mit Weimar scheute kann man aber so stehen lassen denk ich mal. Er wollte zwar einen konservativen Block, wollte sich aber zur Durchsetzung des Konservativismus nicht über die Verfassung hinwegsetzen obwohl er mit der Reichswehr ein willfähriges Instrument hatte.
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