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23.07.2007, 18:19
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
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Innere Konstruktion des Kaiserreiches
Das Deutsche Reich war ja bei weitem kein Zentralstaat, Bayern hatte sogar durchgehend eine eigene Armee.
Dich letztlich hatte die Reichsregierung durch ihre Personalunion mit der preußischen Regierung eine sehr große Dominanz im Staat.
Ich bin jetzt leider kein Fachmann auf dem Gebiet der Reichsverfassung. Wie stark war die Zentralregierung real und wie viel Macht lag bei den Reichsländern. Eher vergleichbar mit der BRD oder doch eher mit dem Deutschen Bund/HRR im Endstadium?
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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23.07.2007, 20:04
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Tribun
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Registriert seit: 09.07.2007
Ort: nähe München
Beiträge: 74
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Hat zwar jetzt nicht unbedingt mit deiner Frage was zu tun, aber es sei angemerkt, dass sich Bayern (also Ludwig II./Märchenkönig) der Gründung zum Kaiserreich nur zugestimmt hat, als ihm eine nicht sehr geringe Menge Geld geboten wurde. Davon hat er dann übrigens Schloss Neuschwanstein bauen lassen.
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23.07.2007, 23:24
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Praetor
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Registriert seit: 11.01.2007
Ort: München
Beiträge: 418
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@ wulfnoth: eher vergleichbar mit dem HRR meiner meinung nach.. den einzigen bundesmitgliedern wurden so viele hoheitsrechte belassen dass man schon wirklich eher von einem außenpolitischen zusammenschluß reden kann.. ich weiß nicht ob ich das nicht gerade verwechsle aber ich meine mich zu erinnern dass beispielsweise ein zug nicht von z.b. sachsen nach bayern fahren konnte sondern umgeladen werden musste weil sie andere schienensysteme hatten..
@magpie: ach ja neuschwanstein .. wohl die immobilie der welt mit der langfristig gesehen besten rendite.. aber unswr schönes eigenes königreich zu opfern .. tzs tzs tzs.. ein drama. wobei man sagen muss dass es dem ludwig II. mit dem geld nur leichter gemacht werden musste .. er hatte eigentlich keine andere wahl.
Geändert von rasputin753 (23.07.2007 um 23:26 Uhr).
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24.07.2007, 10:28
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Thete
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Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 739
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Staatsrechtlich war das Reich ein Zusammenschluss der Fürsten (und der freien Städte), nicht der Länder; ziemlich aristokratisch-monarchistisch, das Ganze.
Bayern hatte militärisch eigentlich nur eine eigene Uniform; die war Heeresorganisation einheitlich, die Heeresleitung (zumindest im Kriegsfall) natürlich zentralisiert, immerhin stellte Preußen ja auch 2/3 bis 3/4 des Heeres.
Was die Bayern sich erhalten haben war eine eigene Post.
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24.07.2007, 17:36
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
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Interessant. Andererseits konnte Wilhelm II. z.B. sowas wie eine zentrale Schaumweinsteuer einführen. Oder bedurfte er dazu auch der Zustimmung der anderen Staaten?
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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18.10.2007, 01:55
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Praetor
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Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 403
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Ich würde eher sagen, das Deutsche Kaiserreich war eine Mischung aus dem Endstadium des Heiligen Römischen Reiches bzw. dem Deutschen Bund und der heutigen Bundesrepublik.
Die einzelnen Staaten hatten im Kaiserreich viele Rechte, die heute selbst in unserem Föderalismus auf Unverständnis stoßen würden: die eigene Armee, eigene Eisenbahn und auch ein eigenes Postwesen und die deutschen Bundesstaaten hatten sogar weiterhin eigene auswärtige Vertretungen, die allerdings nach und nach aufgegeben wurden; nur Bayern behielt diese noch bis 1914.
Andererseits gab es eine stärkere deutsche Zentralgewalt als zuvor: Der Oberbefehl über die Armee lag beim Kaiser, er konnte den Krieg erklären, an dem jeder Bundesstaat teilnehmen musste, es hätte sich also ein deutscher Bundesstaat, z.B. Bayern, im Ersten Weltkrieg auf die Seite der Entente schlagen und mit ihnen gegen das Reich kämpfen können. Der Reichskanzler hatte eine mächtige Stellung im Kaiserreich. Und da der Kaiser nicht mehr von den anderen Fürsten gewählt wurde musste er ihnen keine Zugeständnisse machen, um seine Wahl zu sichern, wie dies im HRR der Fall war.
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Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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16.01.2008, 15:51
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Quaestor
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Registriert seit: 14.12.2007
Beiträge: 130
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27.01.2008, 20:10
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Plebejer
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Registriert seit: 16.12.2007
Beiträge: 8
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Nun, das Reich war ja doch sehr preußisch dominiert.
Schon in den 40ern des 19. Jahrhunderts gab es Bestrebungen von Seiten der "Paulskirchener" Deutschland unter einem Kaiser zu einen.
Dies sollte ein demokratischer "Volksstaat "werden.
Der preußische König Friedrich Wilhelm IV., dem man die Kaiserkrone anbot, lehte diese ab.
Er wollte kein Volkssouverän eines neuen Staates, sondern von Gott eingesetzter Monarch der preußischen Krone sein.
Auch König Wilhelm von Preußen hatte 1871 so seine Probleme mit der Kaiserkrone.
Doch sein Ministerpräsident, der spätere erste Reichskanzler, Fürst von Bismarck, riet ihm dazu.
Denn für Bismarck gab sich nun die Gelegenheit die deutschen Staaten unter einem preußischen Monarchen zu vereinen, ein preußisch geprägtes Deutschland zu schaffen.
Denn dieses Kaiserreich war nicht mit dem von den "Paulskirchenern" zu vergleichen.
Hier sollten die Hohenzollener noch vor dem Volk das Sagen haben.
So wurde zwar kein Zentralstaat, doch immerhin ein von Preußen dominierter Nationalstaat geschaffen, der meiner Meinung nach eher mit dem NORD-Deutschen Bund als dem Deutschen Bund oder dem Heiligen Römischen Reich vergleichbar ist.
Was ihn mit der Bundesrepublik verbindet ist natürlich unzweifelbar das föderale Prinzip.
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27.01.2008, 21:06
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
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Zitat von Leto
So wurde zwar kein Zentralstaat, doch immerhin ein von Preußen dominierter Nationalstaat geschaffen, der meiner Meinung nach eher mit dem NORD-Deutschen Bund als dem Deutschen Bund oder dem Heiligen Römischen Reich vergleichbar ist.
Genau genommen war in der Verfassung die Worte Reich und Bund ziemlich austauschbar. Es gab zwar den Reichstag aber eben keinen Reichsrat sondern einen Bundesrat. Das sagt doch einiges.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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01.03.2008, 04:05
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Quaestor
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Registriert seit: 23.01.2008
Beiträge: 170
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Zitat von Wulfnoth
Dich letztlich hatte die Reichsregierung durch ihre Personalunion mit der preußischen Regierung eine sehr große Dominanz im Staat.
Ich glaube die Reichsregierung hatte keine Personalunion mit der preußischen Regierung. Nur der Kaiser war auch König von Preußen (und der Kanzler meisten preuß. Ministerpräsident). Da der Kaiser die Regierung aufstellte, war de facto aber schon so was wie Personalunion vorhanden.
Das Kaiserreich war ein Bundesstaat und so eher vergleichbar der BRD, es wurde auch von der Bevölkerung als Nationalstaat verstanden.
Das HRRDN würde ich mehr als Staatenbund sehen, vergleichbar vielleicht mit der EU.
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01.03.2008, 09:17
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
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Zitat von EL_Mercenario
Ich glaube die Reichsregierung hatte keine Personalunion mit der preußischen Regierung. Nur der Kaiser war auch König von Preußen (und der Kanzler meisten preuß. Ministerpräsident). Da der Kaiser die Regierung aufstellte, war de facto aber schon so was wie Personalunion vorhanden.
Nicht nur das, alle preußischen Minister führten in Personalunion die Ämter des Reiches. Mangels eigener Verwaltungsstrukturen wurde das Reich von der preußischen Bürokratie - vor allem anfangs - maßgeblich getragen.
In der Verfassung mag das nicht dringestanden haben aber da es in der ganzen Geschichte des Kaiserreiches nicht eine personelle Ausnahme gab ist es nur logisch von einer Personalunion zu sprechen.
Genau genommen war etwas anderes auch unmöglich, denn Preußen konnte im Bundesrat jede Initiative abblocken, da es drei Stimmen mehr als die Sperrminorität hatte. Eine Trennung hätte das Reich innenpolitisch lahm gelegt.
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01.03.2008, 10:26
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Quaestor
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Registriert seit: 14.12.2007
Beiträge: 130
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Zitat von Wulfnoth
Eine Trennung hätte das Reich innenpolitisch lahm gelegt.
Jooh. Das war schon sehr schön in der Kanzlerschaft Caprivis zu beobachten, als er das Amt des Preußischen Ministerpräsidenten zugunsten Eulenburgs abgegeben hat.
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"Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern mit den Augen die Tür zu finden." [Walter von Siemens]
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01.03.2008, 19:14
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Ädil
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Registriert seit: 19.02.2008
Beiträge: 282
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Zitat von Wulfnoth
Nicht nur das, alle preußischen Minister führten in Personalunion die Ämter des Reiches. Mangels eigener Verwaltungsstrukturen wurde das Reich von der preußischen Bürokratie - vor allem anfangs - maßgeblich getragen.
Ich habe gerade heute eine alte Karte des Reiches in seinen Grenzen vor dem ersten Weltkrieg gesehen.
Titel der Karte war: Die preußische Monarchie, das deutsche Kaiserreich.
Sagt eine Menge aus.
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25.03.2008, 16:40
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Quaestor
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Registriert seit: 23.01.2008
Beiträge: 170
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Zitat von Wulfnoth
Nicht nur das, alle preußischen Minister führten in Personalunion die Ämter des Reiches. Mangels eigener Verwaltungsstrukturen wurde das Reich von der preußischen Bürokratie - vor allem anfangs - maßgeblich getragen.
In der Verfassung mag das nicht dringestanden haben aber da es in der ganzen Geschichte des Kaiserreiches nicht eine personelle Ausnahme gab ist es nur logisch von einer Personalunion zu sprechen.
Das war mir bisher unbekannt. Die Verwaltung des Reiches wurde ja von den Staatssekretären in den Reichsämtern besorgt. Wen also Tirpitz Staatssekretärs des Reichsmarineamts war, dann war er auch gleichzeitig preußischer Marineminister?
Hast du da eine Liste, oder wie weißt du, dass es da keinerlei Ausnahmen gab?
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25.03.2008, 16:54
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
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Wie Bruckner oben zeigt gab es Ausnahmen, diese wurden aber nie zur Regel.
Richtige Reichsministerien gab es ja nie, sondern nur einige wenige Reichsämter und diese waren dem Reichskanzler unterstellt, welcher überwiegend preuß. Ministerpräsident war.
Schau dir mal die Geschichte der Reichsämter an, z.B. Reichsschatzamt oder Reichsamt für Inneres, beides waren vorher lediglich Abteilung im in der Reichskanzler gewesen, was natürlich zwingend eine Abhängigkeit von der preußischen Verwaltung ergab - schon alleine weil es keine eigene gab.
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