07.09.2008 - 12:39
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  #1  
Alt 23.10.2006, 21:57
Benutzerbild von Balduin IV.
Basiléos
 
Registriert seit: 08.03.2006
Beiträge: 284
Italien...

Stets stand Italien für einen Hort an Kultur und Erfindungsgeistes, als ein Land der reichen Kaufleute, der mächtigen Stadtstaaten...und des Papstes...

Ich dachte mir daher, dass ein neues Thema, zu all dieser Zersplitterung, zu den nationalen Kaisern Italiens des 9. Jahrhunderts, zu Venedig - wie es aus dem Schutze Byzanz hinaus in die Welt trat, und diese für lange Zeit in Atem hielt - zur Einflusnahme des HRR, frankreichs, österreichs dann - sowie auch zur Bedeutung des Krichenstaates und zu vielem mehr was dieses schöne Land betrifft, einfach nicht schaden könnte

Also - Pasta ade - Wissen olé Der Ring ist frei hihi *gg*

Euch das Beste!

mfg
Balduin IV.

Geändert von Balduin IV. (24.10.2006 um 16:18 Uhr).
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  #2  
Alt 30.10.2007, 23:55
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
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Beiträge: 712
Der Name "Italien" spielte damals keine Rolle. Es gab die Untertanen des Königreichs beider Sizilien; die Untertanen des Papstes; die Untertanen der verschiedenen Herzogtümer in Nord- und Mittelitalien; Genueser; Pisaner; Venezianer; Amalfitaner undsoweiter. Diese Staaten kristallisierten sich mehr oder weniger im frühen Mittelalter heraus und waren der Spielball fremder Mächte. Hier gab es verschiedene Phasen. Am interessantesten ist wohl die italienische Renaissance. Das Zeitalter der "Condottieri" und der Söldner die sich den jeweiligen Staaten zur Verfügung stellten. Die Condottieri waren schillernde, charismatische Gestalten: John Hawkwood (Giovanni Acuto) fällt mir da ein. Ein englischer Abenteurer. Andere Namen sind mir entfallen.. Die Zeiten nach der Renaissance verdunkelten die Geschichte der Halbinsel immer mehr. Italien wurde auch durch diesen dunklen Mantel der Geschichte, der sich ausbreitete, zum typischen Land der Romantik. Man nennt diese Zeit auch "obskurantismus". Danach folgte das "Risorgimento" mit den Vereinigungsbestrebungen von Sardinien-Piemont mit Cavour und Garibaldi. Ein Trauma für die Halbinsel, vor allem für das Königreich beider Sizilien, das bis heute das "Armenhaus" Italiens geblieben ist.
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  #3  
Alt 31.10.2007, 11:35
Benutzerbild von tejason
Quaestor
 
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Beiträge: 116
Jason hat die weitere Entwicklung gut charakterisiert. Italien ist eine Kulturnation wie die Deutsche auch und kannte jahrhundertelang keinen gemeinsamen Staat. Die Teile divergierten auseinander und fremde Nationen - besser fremde Dynastien, weil der Begriff der Nation für das HRR, Aragon und vielleicht sogar für Frankreich im Mittelalter wenig passend sind - griffen wieder und wieder in Italien ein.

Die alten Römer sprachen einst von Italia, was von der Wortbedeutung her als "Viehreiches Land/ Land der Rinder" abgeleitet worden sein soll. Sie hatten Italien und deren Einwohner, die sie Italiker nannten, einst mit Gewalt vereinigt. Alte Namen wie jene der Gallier in der Poebene, der Etrusker, der Griechenstädte Süditaliens und der Samniten sollten reichen. Jede dieser Volksgruppen sprach eine völlig eigene Sprache und stammte zum guten Teil gar nicht aus diesem Lande selbst. Einzig die Samniten sind linguistisch ein italisches Volk mit einer dem Latein verwandten Sprache gewesen. Die Blütezeit Roms erst erlaubt es von einem relativ einheitlichen Land Italien zu sprechen. Ein Land zu dem die großen Inseln Sizilien und Sardinien nie gerechnet wurden, erst in der Spätantike gehörten sie wie Karthago und das heutige Tunesien zur Diozöse "Italia" im römischen Reichsverbund!
Zuerst als staatliche Fiktion entstand "Italien" nach dem Militärputsch des Odoaker indem er den weströmischen Kaiser vertrieb, sich selbst dem oströmischen Kaiser als Teil des "Römischen Reiches" unterstellte und sich zum "König der Italiker" krönen ließ. Der Usurpator wurde von Theoderich dem Großen und seinen ostgotischen Foederatenkriegern im Auftrag des oströmischen Kaisers gestürzt. Theoderich reinstallierte offiziell die Diozösie Italia, herrschte im Auftrag des oströmischen Kaisers als König der Italier und König seiner Goten zugleich. Unter ihm und seinen Nachfahren blieb Italien ein letztes Mal vor der Neuzeit vereint und blühte wieder auf. Erst der Angriff Kaiser Justinians I. aus Konstantinopel und die folgenden Gotenkriege vernichtete die Wirtschaftskraft und die Widerstandskraft Italiens und bescherte dem ostgotischen Volk den Untergang. Konstantinopel/Byzanz war gerade noch in der Lage die Ostgoten zu überwinden, aber nicht mehr fähig Italien - jetzt als nachgeordnete Provinz - zu organisieren und zu beherrschen. Das Machtvakuum lockte weitere Eroberer ins Land wie Langobarden oder Franken, die ebenfalls nie in die Machtfülle einsetzten das komplette Land zu unterwerfen. Diese Zersplitterung erst ermöglichte die Entstehung der zahlreichen italischen Stadtstaaten des Mittelalters, mit ihren kulturellen und wirtschaftlichen Blüten. Die mittelalterlichen Könige Italiens stützten sich auf einen langobardischen Titel, der niemals die ganze Halbinsel umfasste und als Titel später an Karl den Großen und später die Kaiser des HRR ging. Er wurde dabei immer Gegenstandsloser! Die langobardische Krone, der "Eiserne Krone" liegt heute im Domschatz von Monza in Norditalien. Karl V. trug sie zuletzt als Kaiser des HRR. Der revolutionäre Franzose Napoleon holte sie 1805 aus der Versenkung und krönte sich selbst damit zum König seines norditalischen Marionettenkönigreiches. Ein letzter Rückgriff des Habsburgers Ferdinand I. 1836 auf diese Krone mit dem Anspruch der Habsburger auf ihre italischen Besitzungen blieb bei diesem extrem schwachen Herrscher wiederum folgenlos.

Erst 1861 wurde das Königreich Italien unter Vorherrschaft des Königreichs Piemont-Sardinien gegründet.
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  #4  
Alt 31.10.2007, 11:45
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Beiträge: 6.248
Zitat von tejason Beitrag anzeigen
Zuerst als staatliche Fiktion entstand "Italien" nach dem Militärputsch des Odoaker indem er den weströmischen Kaiser vertrieb, sich selbst dem oströmischen Kaiser als Teil des "Römischen Reiches" unterstellte und sich zum "König der Italiker" krönen ließ.
Ist diese Krönung inzwischen gesichert? Mein letzter Wissenstand ist, dass es für möglich gehalten wird aber es nicht belegt werden kann.
Im Prinzip ist es ja unwichtig aber wenn man seinen Wissenstand aktualisieren kann sollte man das tun.
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  #5  
Alt 31.10.2007, 12:19
Benutzerbild von tejason
Quaestor
 
Registriert seit: 17.10.2007
Beiträge: 116
Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Ist diese Krönung inzwischen gesichert? Mein letzter Wissenstand ist, dass es für möglich gehalten wird aber es nicht belegt werden kann.
Im Prinzip ist es ja unwichtig aber wenn man seinen Wissenstand aktualisieren kann sollte man das tun.
*g* Gute Frage. Gesichert ist der Fakt, dass sich Odoaker zum König mit diesem Titel ausrufen ließ. In der Folge des Textes ist dann ja zu erkennen, dass es sich dabei um einen äußerst einseitigen Akt von Seiten des ehemaligen römischen Offiziers handelte. Ergo um eine Usurpation, die gewöhnlich als nicht anerkannt, in rechtlichem Sinne unwirksam ist. Odoaker benennt sich mit diesem Titel auf seinen Münzen erst nachdem Ostrom ihm die Goten auf den Hals gehetzt hat. Zuvor gab er sich Bescheidener und ließ dem Kaiser in Konstantinopel als Oberherrscher die "Schauseite". Zu dieser Zeit war ja sein Anspruch "legitimer Herrscher im Namen Ostroms zu sein" obsolet geworden.

Praktisch wurde Odoaker aber sehr wohl von seinen Truppen und der Bevölkerung Italiens und der Außenlande anerkannt und unterstützt. Erst als die Ostgoten mit ihrer "rechtlichen Legitimation" Odoaker bekämpften, spaltete sich die Loyalität der "Italiker" und neigte sich erwartungsgemäß in den Schüben des militärischen Erfolges Theoderich zu. Ein Legat Odoakers aus dem römischen Senatorenstand beispielsweise kam ganz bruchlos in die Dienste Theoderichs. Ähnlich agierten wohl die Meisten! Besagter römischer Funktionär ordnete einst fiskale Dinge für Odoaker und kommandierte sogar in Gallien dessen Truppen in früheren Zeiten. Für Theoderich organisierte er die Ansiedlung der Goten in Italien, die nirgendwo Aufstände oder Empörung hervorriefen. Ein Indiz das er seinen Job effektiv und gut erledigt hat ohne die Italier oder Goten über Gebühr zu verärgern. Entsprechend kommandierte er später auch für Theoderich eine gotische Truppe in Südgallien gegen Burgunder und Franken. Theoderich scheint überhaupt einige organisatorische Neuschöpfungen Odoakers nach dessen Vertreibung der "weströmischen Kaiser" übernommen zu haben. Die einst römische Verwaltung arbeitete unter beiden "Königen" weitgehend reibungslos weiter, inklusive dem viel späteren Gotenkrieg Justinians I. egal ob Odoaker, Goten oder "Byzantiner" herrschten. Sie ging erst in die Brüche als der Gotenkrieg nach König Vitiges zum Volks- & "Vernichtungskrieg" überging, da sie ab da loyal zu Justinian stand.
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  #6  
Alt 31.10.2007, 13:19
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
Registriert seit: 29.10.2007
Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
Beiträge: 712
Eine sehr detaillierte Beschreibung der Zustände der Halbinsel im frühen Mittelalter, Kompliment! Ein faszinierendes Kapitel der Geschichte der Halbinsel ist auch die Zeit der Normannen in Sizilien und die des Stauferkaisers Friedrich II. - Im Süden sind überall noch Zeugnisse der Herrschaft der Normannen und Staufer zu bewundern. Durch die arabische Invasion Siziliens wurde Sizilien zur "last Frontier" der Christenheit und zum begehrten Objekt von Literaten die die Duelle zwischen den Rittern aus dem Norden und den Sarazenen besangen. Beeindruckend bleibt der schnelle Aufstieg der Normannen zu einem bedeutenden Machtfaktor im Mittelmeer.
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