12.10.2008 - 00:14
Historik Forum
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  #1  
Alt 06.04.2008, 13:20
Thete
 
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Koloniales Afrika

Die Küstengebiete und die großen Flußläufe Afrikas waren gegen Ende des 19. Jh. bekannt, und anhand dieser wurden die Grenzen der Kolonien bestimmt. Weiße Flecken gab es z.B. im Inneren des rieseigen Kongostaates, in versch. Wüstengebieten (z.B. der Kalahari im Süden, wenn ich mich richtig erinnere), auch im australischen Outback. Von der Antarktis waren selbst die Küsten- (bzw- Eisrand-) linien nicht vollständig erforscht.

EDIT: Die Story von der Suche nach Mr. Livingstone ist doch bestimmt bekannt? "Mr Livingstone, nehme ich an?" Gut, das war 20-25 Jahre früher, aber was solls...

Henry Morton Stanley – Wikipedia

Geändert von Thersites (06.04.2008 um 13:23 Uhr).
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  #2  
Alt 06.04.2008, 13:37
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Wobei sich mir dann die Frage stellt weshalb gerade der Kongo so "natürliche" Grenzen hat. Ich bin jetzt über die genauen Verteilungsfragen in der Afrikafrage nicht so im Bilde aber im Gegensatz zu so manch anderer Grenze scheinen die des Kongo nicht willkürlich mit dem Lineal gezogen. Haben die sich so erst später herauskristallisiert oder wie?
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  #3  
Alt 06.04.2008, 13:53
Thete
 
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Ich schaue mir das noch mal genau an; könnten Flüsse oder andere natürlich Barrieren sein (Berge? Bei Goma ist es ein See, da, wo sich jetzt regelmäßig Hutus oder Tusis massakrieren).

Lohnt es sich, daraus 'nen eigenen Thread zu machen? "koloniales Afrika" oder so? Hat ja nur bedingt mit dem 19. Jh. zu tun.
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  #4  
Alt 06.04.2008, 14:19
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The Censor
 
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Ja ich habe das mal abgetrennt, ist ja doch eher ein umfangreiches Thema.
Nach Osten scheinst du mit deiner Bergkette recht zu haben, habe mir das gerade mal in meinem Atlas angesehen. Nach Norden und Süden kann ich aber keine Logik erkennen.

Interessant ist sowieso, dass sich ein dermaßen unbedeutendes Land wie Belgien bzw. dessen König ein so großes Stück aus dem "Afrikanischen Kuchen" schneiden konnte, wo doch auch das neue Deutsche Reich auf Kolonien drängte.
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  #5  
Alt 06.04.2008, 14:19
Spender
 
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Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Hm sehr interessant, vor allem wenn man bedenkt, dass Afrika da schon aufgeteilt war. Es war mir gar nicht so klar, dass die europäischen Staaten da praktisch die Katze im Sack kauften.
Sie war ein einschneidendes Ereignis im 19. Jh., in der Weltgeschichte: Die Berliner Kongokonferenz 1884/85. Bis dahin unterhielten die Europäer Handelsstützpunkte an den Küsten des Kontinents, hatten Verträge mit Häuptlingen im Landesinneren, um Sinne einer "Aufteilung", und vereinzelt stießen Forscher ins Landesinnere vor. Nun aber hatte der „Wettlauf um Afrika“ wegen der Rohstoffe begonnen, und Leopold II. von Belgien gelang es, Frankreich und Deutschland davon zu überzeugen, dass ein gemeinsames Handeln in Afrika in ihrem Interesse sei. Das Resultat war die sogenannte Kongoakte mit 38 Artikeln, richtig wieder gegeben bei Kongokonferenz – Wikipedia.

Der entscheidende Punkt für die Frage hier: Der Grundsatz wurde festgeschrieben, dass nur jene Macht das Recht auf Erwerb einer Kolonie haben sollte, welche sie tatsächlich in Besitz nahm (Prinzip der Effektivität). Das beschleunigte dann das Wettrennen. Und führte dazu, dass die in Wirklichkeit vorhandenen „weißen Flecken“, die zwar schon formal als Einflussgebiete europäischer Kolonialherren reklamiert wurden, nun tatsächlich aufgesucht werden mussten und wurden.

Grenzen wurden dabei in Berlin auf dem Reißbrett gezogen, ohne Rücksicht auf tatsächliche Siedlungsgebiete von Stämmen. Der Vorgang spiegelt sich noch heute auf der Landkarte wieder - und erklärt die meisten ethnischen Konflikte in Afrika, weil zum einen Ethnien zusammenwürfelt wurden, die einander nicht immer freundlich gesinnt waren, zum anderen Ethnien auseinander dividiert wurden.
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  #6  
Alt 06.04.2008, 14:24
Benutzerbild von Wulfnoth
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Ich war so frei deinen Beitrag zu verschieben

Zitat von Sokotra Beitrag anzeigen
Der entscheidende Punkt für die Frage hier: Der Grundsatz wurde festgeschrieben, dass nur jene Macht das Recht auf Erwerb einer Kolonie haben sollte, welche sie tatsächlich in Besitz nahm (Prinzip der Effektivität). Das beschleunigte dann das Wettrennen. Und führte dazu, dass die in Wirklichkeit vorhandenen „weißen Flecken“, die zwar schon formal als Einflussgebiete europäischer Kolonialherren reklamiert wurden, nun tatsächlich aufgesucht werden mussten und wurden.
Sehr interessant, diese Inbesitznahme war mir völlig unbekannt bisher.

Zitat von Sokotra Beitrag anzeigen
Grenzen wurden dabei in Berlin auf dem Reißbrett gezogen, ohne Rücksicht auf tatsächliche Siedlungsgebiete von Stämmen. Der Vorgang spiegelt sich noch heute auf der Landkarte wieder - und erklärt die meisten ethnischen Konflikte in Afrika, weil zum einen Ethnien zusammenwürfelt wurden, die einander nicht immer freundlich gesinnt waren, zum anderen Ethnien auseinander dividiert wurden.
Wobei wenn ich mir so eine koloniale Afrikakarte ansehe, sind die Grenzen zwischen den einzelnen europäischen Nationen nur teilweise mit dem Lineal gezogen. Besonders rabiat scheinen die einzelnen Nationen mit der Einteilung von Verwaltungskolonien innerhalb ihrer afrikanischen Teile verfahren zu sein. Gut sichtbar eventuell in Französisch-Westafrika.
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  #7  
Alt 06.04.2008, 14:33
Spender
 
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Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Wobei wenn ich mir so eine koloniale Afrikakarte ansehe, sind die Grenzen zwischen den einzelnen europäischen Nationen nur teilweise mit dem Lineal gezogen. Besonders rabiat scheinen die einzelnen Nationen mit der Einteilung von Verwaltungskolonien innerhalb ihrer afrikanischen Teile verfahren zu sein. Gut sichtbar eventuell in Französisch-Westafrika.
Einmal wurden Grenzen tatsächlich mit dem Lineal gezogen, zum anderen nahm man Flussläufe oder Bergrücken her. Vor Ort gewesen war wohl keiner der Herren Zeichner - auf belgischer Seite saß allerdings Stanley im Beraterstab.
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  #8  
Alt 06.04.2008, 17:45
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Äthiopien

Am interessantesten finde ich die Geschichte Äthiopiens.
Dieses Reich hat de facto bis 1936 (Invasion der faschistischen Truppen Italiens) seine Unabhängigkeit bewahren können.

Geschichte Äthiopiens – Wikipedia

Die Geschichte dieses Landes reicht weit vor unserer Zeitrechnung zurück, wie man sieht.
Zeuge davon ist auch der 2500 Jahre alte Obelisk von Axum. Es wurde an dieser Stätte auch eine vorchristliche Totenstadt mit Königsgräbern gefunden, die Unesco hat das Gelände mit Hilfe der lokalen Behörden gesichert.
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  #9  
Alt 06.04.2008, 21:20
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Zitat von Jason Beitrag anzeigen
Am interessantesten finde ich die Geschichte Äthiopiens.
Dieses Reich hat de facto bis 1936 (Invasion der faschistischen Truppen Italiens) seine Unabhängigkeit bewahren können.

Geschichte Äthiopiens – Wikipedia

Die Geschichte dieses Landes reicht weit vor unserer Zeitrechnung zurück, wie man sieht.
Zeuge davon ist auch der 2500 Jahre alte Obelisk von Axum. Es wurde an dieser Stätte auch eine vorchristliche Totenstadt mit Königsgräbern gefunden, die Unesco hat das Gelände mit Hilfe der lokalen Behörden gesichert.
Äthiopien hat schon eine interressante Geschichte, auch oder vorallem das dortige Christentum.

Auch interressant ist die Geschichte Liberias. Geschichte Liberias – Wikipedia
Offieziel nie Kolonie gewesen, aber irgendwie schon eine der USA.
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alles Geschriebene zeigt meine "bescheidene und nicht gefragte" Meinung.

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  #10  
Alt 06.04.2008, 21:24
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Die Hauptstadt heißt ja Monrovia, nach dem Präsidenten Monroe.
Ich glaube Liberia war ein Experiment - amerikanische Neger sollten die Möglichkeit der Rückkehr nach Afrika haben.
Ich glaube daraus wurde nichts.
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  #11  
Alt 06.04.2008, 21:33
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Zitat von Jason Beitrag anzeigen
Die Hauptstadt heißt ja Monrovia, nach dem Präsidenten Monroe.
Ich glaube Liberia war ein Experiment - amerikanische Neger sollten die Möglichkeit der Rückkehr nach Afrika haben.
Ich glaube daraus wurde nichts.
Jepp, seh ich genauso.
Makaber finde ich, dass einige US-Firmen ausgerechnet in Liberia Zwangsarbeit, also eigentlich schon Sklaverei, wiedereinführten und das mit den Einheimischen teils schlimmer umgegangen wurde als in vielen Kolonialstaaten.
Soviel zur "Vorbildrolle" Liberias.
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  #12  
Alt 06.04.2008, 21:41
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Firestone und Goodrich, steht im Artikel.
Aber ich habe die vage Vermutung das ganz Afrika in den Händen von Multis aus USA ist.
In Nigeria ist es das Öl. interessant ist ja, das die USA ihre Flotten und Truppen immer mehr auf Afrika konzentrieren, bei Djibuti in der Nähe ist auch eine größere Basis.
Afrika scheint trotz allem "kontrollierbarer" als der unsichere Mittlere Osten.
Irgend so eine deutsche Kaffee-firma "besitzt" auch irgend ein afrikanisches Land. Das bedeutet, das 90% des BSP durch Kaffee entsteht.
In Liberia scheint es Kautschuk zu sein.
Also Neokolonialismus, würde ich mal sagen. Ohne es zu werten, da dies ja nicht unbedingt negativ sein muss.
Wie sollte Afrika sonst zu was kommen?
Das Problem ist vielleicht, das Geld nur an wenigen Eliten im Lande fließen.
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  #13  
Alt 06.04.2008, 21:57
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Zitat von Jason Beitrag anzeigen
Firestone und Goodrich, steht im Artikel.
Aber ich habe die vage Vermutung das ganz Afrika in den Händen von Multis aus USA ist.
In Nigeria ist es das Öl. interessant ist ja, das die USA ihre Flotten und Truppen immer mehr auf Afrika konzentrieren, bei Djibuti in der Nähe ist auch eine größere Basis.
Afrika scheint trotz allem "kontrollierbarer" als der unsichere Mittlere Osten.
Irgend so eine deutsche Kaffee-firma "besitzt" auch irgend ein afrikanisches Land. Das bedeutet, das 90% des BSP durch Kaffee entsteht.
In Liberia scheint es Kautschuk zu sein.
Also Neokolonialismus, würde ich mal sagen. Ohne es zu werten, da dies ja nicht unbedingt negativ sein muss.
Wie sollte Afrika sonst zu was kommen?
Das Problem ist vielleicht, das Geld nur an wenigen Eliten im Lande fließen.
Da hast du meiner Meinung nach Recht. Die ganze Afrikapolitik der USA ähnelt irgendwie auch der Politik der USA zu den "Bananenrepubliken".
Ziel Wirtschaftskontrolle. Eine kleine korrupte Elite lässt sich halt besser beinflussen als ein demokratisches freieres Land.
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  #14  
Alt 07.04.2008, 19:36
Thete
 
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Zitat von Nichts Beitrag anzeigen
Liberia (...) Offieziel nie Kolonie gewesen, aber irgendwie schon eine der USA.
Liberia - Staat befreiter Sklaven aus den USA.

Interessant finde ich besonders, dass die eingewanderte Elite (ehemalige schwarze Sklaven aus den USA; viele aber schon seit mehreren Geenerationen in Freiheit und mit guter Bildung) sich genauso schlimm aufführte die die weißen Kolonialbeamten und Einwanderer; auch die sschwarzen "Ureinwohner" Liberias wurden behandelt wie Untermenschen, während sich die ebenfalls schwarze Oberschicht aufführte wie nichts Gutes.
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  #15  
Alt 07.04.2008, 19:41
Thete
 
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Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Ja ich habe das mal abgetrennt, ist ja doch eher ein umfangreiches Thema.
Nach Osten scheinst du mit deiner Bergkette recht zu haben, habe mir das gerade mal in meinem Atlas angesehen. Nach Norden und Süden kann ich aber keine Logik erkennen.
Nach Osten sind's Berge und Seen, nach Westen und Nordwesten sind es Flüsse; im Südwesten ist ein Teil der grenze parallel zu einem Breitengrad gezogen, und auch die südliche Grenze verläuft immer wieder (aber nicht durchgehend) entlang von Flüssen.

Allerdings sind die "weißen Flecken" kleiner, als ich sie in Erinnerung hatte; scheinen die ablegenen Regionen zu sein (ich denk dabei gerade an diese Gorilla-Geschichte in irgendwelchen kongolesischen Gebirgs-Regenwälder; da kommt ja heute kaum ein Mensch hin).

Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Interessant ist sowieso, dass sich ein dermaßen unbedeutendes Land wie Belgien bzw. dessen König ein so großes Stück aus dem "Afrikanischen Kuchen" schneiden konnte, wo doch auch das neue Deutsche Reich auf Kolonien drängte.
Ich habe das deutliche Gefühl (aber eigentlich keine Ahnung), dass die Großmächte sich den reichen Kongo gegenseitig nicht gönnten; also kriegte ihn der Leopold, weil der war neutral und keine Gefahr.
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