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17.09.2007, 19:33
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.464
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Teilung Polens großer Fehler Preußens?
Ende des 18. Jahrhunderts teilten bekanntermaßen Österreich (damals noch als Hausmacht des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches), das Russische Reich und Preußen in drei Teilungen Polen-Litauen unter sich auf.
Für Russland war der Gebietsgewinn im Vergleich zur Größe des Reiches gering und außerdem war man schon vorher ein Vielvölkerstaat gewesen. Für die Zaren bedeutete es eine Verstärkung ihrer Macht im Westen und nur wenige Probleme, da das autokratische Regime mit Aufständen leicht fertig wurde.
Österreich war eh schon ein Vielvölkerstaat und schluckte seine Gebiete auch recht problemlos (soweit ich weiß).
Auch die erste Teilung brachte Preußen nur Vorteile. Der Korridor wurde geschlossen und die Bevölkerung des annektierten Gebietes war protestantisch, d.h. nicht unbedingt feindlich dem König gegenüber gesinnt.
Die beiden folgenden Teilungen brachten hingegen nur Probleme. Der Anteil des annektierten Gebietes im Vergleich zum restlichen Staatsgebiet war gewaltig und stellte Preußen vor ein gewaltiges Integrationsproblem. Zusätzlich verlor Preußen seinen Puffer zu Russland was den strategischen/diplomatischen Handlungsspielraum bis zum ersten Weltkrieg negativ beeinflussen sollte.
Zusätzlich war man in seiner Polenpolitik nicht frei, da man Erwartungen aus Moskau erfüllen musste, die Liberalen im eigenen Land aber spätestens nach 1848 eher polenfreundlich gesinnt waren.
Spätestens nach der Bildung eines deutschen Nationalstaates wurde die "Polenfrage" mehr denn je zur Last.
Was meint ihr? Hat sich Preußen übernommen und standen die simple Kosten/Nutzen-Rechnung klar gegen die Teilung oder habe ich irgendwas übersehen?
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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17.09.2007, 23:05
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Administrator
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Registriert seit: 04.03.2005
Ort: München/Hannover
Beiträge: 2.597
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nun ich kann da explizit auf einen faktor eingehen.
die geschichte hat gezeigt dass wohlgesinnte pufferstaaten immer besser sind, also grenze an grenze zu leben (in dem fall mit russland)
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19.09.2007, 12:26
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Thete
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Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 773
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Die meisten Gebiete gingen mW nach 1806 wieder verloren und konnten in dem Maße auch 1815 nicht wiedergewonnen werden(z.B. Warschau, das als Kongreßpolen Rußland zugeschlagen wurde). Auch war Preußen nie ein Nationalstaat, und in religiösen Fragen tolerant; warum sollten Polen oder Katholiken da dem preussischen König so viel feindlicher gegenüber stehen als protestantische Pommern?
Ich sehe keine negativen Begleiterscheinungen der polnischen Teilungen für den preußischen Staat; für Polen und die Geschichte Europas schon eher.
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19.09.2007, 12:42
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.464
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Zitat von Thersites
Die meisten Gebiete gingen mW nach 1806 wieder verloren und konnten in dem Maße auch 1815 nicht wiedergewonnen werden(z.B. Warschau, das als Kongreßpolen Rußland zugeschlagen wurde). Auch war Preußen nie ein Nationalstaat, und in religiösen Fragen tolerant; warum sollten Polen oder Katholiken da dem preussischen König so viel feindlicher gegenüber stehen als protestantische Pommern?
Ich sehe keine negativen Begleiterscheinungen der polnischen Teilungen für den preußischen Staat; für Polen und die Geschichte Europas schon eher.
Zwar gingen in Wien einige Gebiete verloren aber wenn man einen Vorher-Nachher-Schnitt zieht hat Preußen immense terrotoriale Gewinne verbucht.
Preußen war zwar kein Nationalstaat aber Religionsstreit gab es immer, die Juden wurden z.B. erst im 19. Jhr. rechtlich gleichgestellt und die polnisch-katholische und die rheinländisch-katholische Opposition gegen Berlin machte sich immer wieder bemerkbar.
Die Zweifronten-Problematik ist doch erst mit der Teilung Polens aufgetreten, denn vorher hat Polen-Litauen als schwacher Puffer im Osten keine Gefahr dargestellt. Diese Zweifrontenproblematik lässt sich durch die napoleonischen Kriege über 1870/71 bis zum ersten Weltkrieg verfolgen wo immer geschaut werden musste wie das übermächtige Russland reagiert.
Für die Polen war die Teilung erstmal gar nicht so schlimm. Die Adelsrepublik war vorher regelmäßig von Bürgerkriegen geschüttelt worden und es herrschte also erstmal wieder eine stabile Macht.
Kritisch wurde es erst mit dem aufkommenden Nationalismus mitte des 18. Jahrhunderts, wobei die Liberalen Polen sogar den eigenen Staat zugestehen wollten. Was natürlich mit Rücksicht auf Russland nicht geschah.
Ab dem Polenaufstand 1830 bis zur Reichsgründung 1870 wurde es immer kritischer und als sie dann eine Minderheit im deutschen Nationalstaat waren begann die Germanisierung erst mit alledem was man so über sie kennt. D.h. Polnischverbot etc.
In Österreich-Ungarn ist mir übrigens nichts derartiges bekannt und in Russland gings den Polen sicher nicht schlechter als den Russen, was aber nichts heißen will.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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19.09.2007, 16:04
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K.u.K. Hofzensor
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Registriert seit: 19.05.2005
Ort: Wien
Beiträge: 1.069
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In Österreich genossen die Polen eine gewisse Autonomie und Unabhängigkeit. Die Polen standen es sich mit dem Kaiser in Wien relativ gut. Angemerkt muss aber noch werden, dass Maria Theresia immer ein Gegner der Teilung Polens war. Sie fand dies ungerechtfertigt. Schlussendlich musste sie sich jedoch beugen.
In Russland waren die Polen keineswegs zufrieden und fühlten sich immer unterdrückt. Der polnische Nationalismus wurde hauptsächlich durch die Unterdrückung der Russen gefördert (dort kam verstärkend nämlich noch die Religionsgrenze hinzu).
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19.09.2007, 16:50
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.464
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Zitat von Argeados
In Österreich genossen die Polen eine gewisse Autonomie und Unabhängigkeit. Die Polen standen es sich mit dem Kaiser in Wien relativ gut. Angemerkt muss aber noch werden, dass Maria Theresia immer ein Gegner der Teilung Polens war. Sie fand dies ungerechtfertigt. Schlussendlich musste sie sich jedoch beugen.
Man darf aber auch nicht vergessen, dass Österreich mit der Annexion einiger Enklaven den esten Schritt getan hat. Es ist allerdings richtig, dass Österreich bei der zweiten Teilung nicht mit von der Partie war.
Zitat von Argeados
In Russland waren die Polen keineswegs zufrieden und fühlten sich immer unterdrückt. Der polnische Nationalismus wurde hauptsächlich durch die Unterdrückung der Russen gefördert (dort kam verstärkend nämlich noch die Religionsgrenze hinzu).
In Russland wurden sogar die Russen unterdrückt. Dass man sich unterm Zarenregime nicht wohl fühlte ist verständlich.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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14.10.2007, 23:54
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Praetor
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Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 408
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Zitat von Wulfnoth
Zusätzlich verlor Preußen seinen Puffer zu Russland was den strategischen/diplomatischen Handlungsspielraum bis zum ersten Weltkrieg negativ beeinflussen sollte.
Zitat von Wulfnoth
Die Zweifronten-Problematik ist doch erst mit der Teilung Polens aufgetreten, denn vorher hat Polen-Litauen als schwacher Puffer im Osten keine Gefahr dargestellt. Diese Zweifrontenproblematik lässt sich durch die napoleonischen Kriege über 1870/71 bis zum ersten Weltkrieg verfolgen wo immer geschaut werden musste wie das übermächtige Russland reagiert.
Aber wenn Preußen sich nicht an den Polnischen Teilungen beteiligt hätte, dann wäre Polen trotzdem zwischen Russland und Österreich aufgeteilt worden. Damit wäre der Puffer zwischen Preußen und Russland ebenfalls verschwunden. Russland wäre dann noch weiter nach Westen ausgebreitet gewesen, was den Zweifrontenkonflikt noch verschärft hätte. Außerdem wäre es für Preußen wohl ein ungeheurer Prestigeverlust gewesen nicht in die Teilung Polens involviert zu sein und Russland und Österreich ohne Gegenleistungen hohe Gebietsgewinne zu überlassen.
Mit seiner Teilnahme an den Polnischen Teilungen konnte Preußen Russlands Ausbreitung nach Westen abbremsen und verhindern, dass Österreich sich weiter nach Norden ausbreitete, wodurch Österreich Schlesien zur Hälfte hätte umschließen können, jene Provinz, die Preußen von Österreich erobert hatte und die Österreich wohl gerne wiedergehabt hätte.
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Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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