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22.03.2008, 15:04
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.035
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Tod von Victoria legte Grundstein für Ersten Weltkrieg?
Kürzlich habe ich die These aufgeschnappt, dass erst der Tod Queen Victoria im Jahr 1901 die herrschaftliche Basis für den Ersten Weltkrieg schuf. Während ihrer extrem langen Herrschaft hatte sie starke verwandschaftliche Bindungen mit den anderen Herrschaftshäusern Europas hergestellt (genannt die Kupplerin), Wilhelm II. und Zar Nikolaus waren z.B. ihre Enkel, andere ihrer Töchter waren mit deutschen Fürsten verheiratet.
Mit ihrem Tod brach nach dieser These das Bindeglied zwischen den Herrschern weg, was erst die Grundlage für ein großes Kräftemessen der Nationalstaaten schuf.
Ist das halbwegs zu halten? Waren die europäischen Herrscherhäuser noch mächtig genug um gegen Volk und Regierung Kriege zu verhindern oder waren sie eben doch mehr Repräsentanten, denn Regenten?
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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22.03.2008, 23:08
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 599
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Karl Heinz Wocker zieht in seiner Biografie (claassen Verlag) über die Queen Victoria das Fazit: sie war "eine Legende, deren realer Platz in der britischen und europäischen Geschichte milde belächelt, herzlich angezweifelt und rundheraus abgestritten worden ist. Nur auslöschen läßt er sich nicht". Beim Schmökern gewinne ich den Eindruck: Sie wurde von der Tagespolitik eher nicht wirklich ernst genommen. Auch die Ereignisse wenig später in Deutschland zeigten wohl: Die Macht der Herrscherhäuser war zu dieser Zeit längst vorbei. Kurz: Der Erste Weltkrieg hätte auch statt gefunden, wenn Queen Victoria beim Anschlag in Sarajevo noch gelebt hätte. Und der Anschlag hätte statt gefunden.
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23.03.2008, 09:51
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.035
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Eigentlich bin ich ja auch bereit diesem Ansatz zu folgen. Natürlich war der Einfluss Victorias auf die Tagespolitik des British Empire gering, sie war konstitionelle Herrscherin und auch wenn das Wahlsystem nicht so ausgereift war, lag die Macht dennoch beim Premierminister und den beiden Häusern.
Allerdings trifft das nicht auf die anderen großen Monarchien zu, gerade nicht auf Russland, wo Zar Nikolaus immer noch unumschränkter Selbstherrscher des Reiches, ohne Verfassung und ohne Parlament war. In Deutschland war es ja so ein Mittelding, die möglichen und machbaren Befugnisse des Kaisers waren groß aber sogar er hatte sich letztendlich dem von ihm ernannten Kanzler tagespolitisch unterzuordnen.
Was mich vielmehr umtreibt ist die Frage nach der Macht gegenüber dem Volk. Die Kriegsbegeisterung war immens, jede Nation verspürte den Drang sich gegen die anderen zu beweisen. Zumindest von Wilhelm II. wissen wir dass er beliebt sein wollte und sich nicht gegen das Volk stellen würde und auch in Russland wusste der Zar den Krieg zu nutzen.
Verwandschaftliche Bindungen hin oder her, im Zeitalter der Medien - gerade Wilhelm II. war vielleicht der erste Medienherrscher - konnten die Herrscher nicht mehr am Kabinett über Krieg und Frieden entscheiden, sie wurden auch vom Volk getrieben.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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23.03.2008, 11:10
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K.u.K. Hofzensor
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Registriert seit: 19.05.2005
Ort: Wien
Beiträge: 1.010
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Österreich-Ungarn war noch immer praktisch eine absolute Monarchie. Das Wort des Kaisers galt praktisch unumschränkt. Der Kaiser selbst war nur nicht stark, seine Stellung schon. Hätte er klipp und klar nein gesagt, wäre vielleicht um 50 Jahre jünger gewesen und sehr selbstsicher im Auftreten, dann hätte Österreich nicht den Krieg erklärt (sofern der Kaiser das nicht gewollt hätte).
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23.03.2008, 20:40
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Plebejer
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Registriert seit: 20.03.2008
Ort: Gummersbach
Beiträge: 20
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Ob Queen Victoria durch diplomatisches Geschick einen Krieg hätte verhindern können, glaube ich eher nicht. Die Verwandtschaftsbeziehungen existierten ja auch weiterhin, sie waren immer noch Vettern. Aber selbst in Zeiten absoluter Herrscher haben Verwandtschaftsbeziehungen Kriege nicht verhindert.
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