Andronikos I. (Byzanz) ? Wikipedia
Es fällt schwer, diesen Man in eine Schublade zu stecken. Als Vetter des Kaisers Manuel I. teilt er zunächst das Schicksal derer, die sich zwar nahe am Thron befinden, aber nur schwache Aussichten haben, diesen selbst zu besteigen. Er steigt in die militärische Laufbahn ein und das Schicksal verschlägt ihn nacheinander in seldschukische Gefangenschaft (nach Ikonion ?), nach Kilikien, nach Beteiligung an einer Verschwörung gegen den Kaiser für 12 Jahre in ein Gefängnis in Konstantinopel, nach Kiew, auf den Balkan und nicht zuletzt ins damals von den Kreuzrittern beherrschte Jerusalem.
Als Manuel 1180 stirbt, ist sein ältester überlebender Sohn und Thronfolger leider noch unmündig. Andronikos missbraucht die ihm angetragene Regentschaft, um den jungen, zugegebenermaßen auf Grund eines ausschweifenden Lebensstils nicht besonders vielversprechenden Kaiser ermorden zu lassen um selbst den Thron zu besteigen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits über 60 Jahre alt, soll aber wesentlich jünger ausgesehen und bei Frauen immer noch gut angekommen sein. Seine Herrschaft ist eine eigenartige Mischung aus Tyrannei (der Adel wird in Massen zur Strecke gebracht) bei gleichzeitig lobenswerter Bekämpfung der Korruption und Förderung der kleinen Leute. Nachdem der Adel jedoch revoltiert und die feindlichen Normannen zu Hilfe holt, die auf Konstantinopel marschieren, ist es mit seiner Herrschaft bald zu Ende. In Person von Isaak Angelos, einem entfernten Verwandten, kommt schließlich ein Mann zur Herrschaft, der den endgültigen Niedergang von Byzanz und den "Kreuzzug" von 1204 einleitet. Andronikos' Ende ist wenig erquicklich, aber in gewisser Weise folgerichtig - zu erwähnen ist der traurige Umstand, dass die von ihm geförderte Bevölkerung praktisch nichts tat, um seinen Sturz zu verhindern.
Irgendwie ist dieser Mann mit kaum einem anderen Kaiser vergleichbar. Vergleiche mit Phokas, Justinian II. oder anderen "tyrannischen" Kaisern hinken gewaltig, liegen allenfalls, was sein Ende betrifft, auf der Hand. Vielleicht wäre aus Georgios Maniakes ein ähnlicher Typus von Kaiser geworden, wenn seine Revolte von 1043 Erfolg gehabt hätte. Man kann sicher sein, dass er als Militär zumindest den damals dominierenden Beamtenadel sich vorgeknöpft hätte. Aber nichts genaues weiß man nicht.
Weitere Anmerkungen zu dieser schillernden Person sind höchst willkommen.