17.05.2008 - 09:28
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Alt 07.05.2008, 22:41
Plebejer
 
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Justinian II. - der ungleiche Namensvetter eines großen Kaisers

Der erste der hieß noch "der Große"
der zweite nur "der Nasenlose"

dieser kurze Reim kam mir irgendwann in den Sinn, als ich mich mit Byzanz im Allgemeinden und mit Kaiser Justinian II. (regierte 685-695 und 705-711) insbesondere zu beschäftigen begann.

Anders als der bereits diskutierte Phokas war er ja kein Usurpator, sondern Mitglied der herakleischen Dynastie, ja sogar ein "Porphyrogenetos" (Purpurgeborener). Allerdings entwickelte auch er sich zum Tyrannen, insbesondere während seiner 2. Regierungsperiode. Er kam als junger Mann von 15 oder 16 Jahren an die Macht und sah in seinem Vornamen wohl eine Verpflichtung, seinem berühmten Namensvetter (527-565) nachzueifern. Er übernahm zunächst ein von seinem Vater gestärktes Reich (der hatte zwischen 673 und 678 einer Belagerung Konstantinopels getrotzt und die Araber besiegt), das er weiter gegen die islamische Expansion abzusichern versuchte. Durch teilweise mit brutalen Zwangsmaßnahmen durchgeführte Umsiedlungsaktionen wollte er in Kleinasien ein militärisches Bollwerk schaffen, indem er das so genannte Wehrbauerntum stärkte, also ein frühfeudales System errichtete (Land gegen Wehrpflicht). Die führte allerdings zu Unruhen und er wurde 695 von seinem General Leontios gestürzt, verstümmelt (ihm wurde die Nase abgeschnitten, daher sein Beiname Rhinotmetos = der Nasenlose) und ging ins Exil, zuerst nach Chersonnes auf der Krim, dann zu den Bulgaren. Leontios regierte nur 3 Jahre und wurde seinerseits - im Zusammenhang mit dem Verlust Nordafrikas (des Exarchats Karthago) an die Araber - von seinem Drungarios (Admiral) Tiberios II. Apsimar (698-705) ersetzt, wobei auch er seine Nase verlor und in ein Kloster gesteckt wurde. Tiberios wiederum kämpfte in Armenien und Syrien recht erfolgreich gegen die Araber und hätte wohl noch mehr erreicht, wenn es Justinian nicht gelungen wäre, mit bulgarischer Hilfe auf den Thron zurück zu gelangen. Natürlich ließ es Justinian nicht mit einer Verstümmelung seiner Gegner bewenden, sondern ließ beide Exkaiser zusammen am 15. Februar 706 (?) in einer demütigenden Prozession durch die Stadt schleifen und anschließend einen Kopf kürzer machen. Auch anschließend wütete er munter gegen echte oder vermeintliche Gegner weiter (wie es schon Phokas 100 Jahre zuvor gemacht hatte), bis er 711 endgültig seine Herrschaft und dieses Mal auch sein Leben verlor.

Interessant wäre es, ein paar Meinungen über diese schillernde Figur zu hören. Was überwiegt: das Staunen über seine List und Verschlagenheit oder aber der Schauder angesichts seiner Tyranneien ? Wie konnte es sein, dass ein durchaus fähiger Kaiser wie Tiberios II. keinen Rückhalt in der Bevölkerung hatte, obwohl das Volk wissen musste, was es nach einer Rückkehr Justinians zu erwarten hatte ?
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  #2  
Alt 08.05.2008, 12:38
Benutzerbild von Nichts
nobodys fault
 
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Ort: Braunschweig
Beiträge: 278
Zitat von Tertullian Beitrag anzeigen
Interessant wäre es, ein paar Meinungen über diese schillernde Figur zu hören. Was überwiegt: das Staunen über seine List und Verschlagenheit oder aber der Schauder angesichts seiner Tyranneien ?
Er hätte vielleicht einen prima Mafiakiller abgegeben, aber als Kaiser fehlte ihm irgendwie Weitsicht und das glückliche Händchen und vorallendingen nach seiner Rückkehr taten seine übermäßige Grausamkeit, Härte und Rachelust ihr übriges um seine Herrschaft zu einer schlechten zu machen. Seine Rückkehr zur Macht war irgendwie das bestmöglichste was den Arabern und Bulgaren passieren konnte.
Zitat von Tertullian Beitrag anzeigen
Wie konnte es sein, dass ein durchaus fähiger Kaiser wie Tiberios II. keinen Rückhalt in der Bevölkerung hatte, obwohl das Volk wissen musste, was es nach einer Rückkehr Justinians zu erwarten hatte ?
Vielleicht weil ihm die Legitimation fehlte, er war ja gewissermassen auch nur ein Ursopator, wenn auch kein schlechter Herrscher.

Auch hier seh ich irgendwie eine Parallele zu Maurikios.
Denn Tiberios wie Maurikios Generäle waren nach langen Kämpfen endlich erfolgreich und dem Siege nahe als sie gestürzt wurden...
__________________
Auch Demokratie ist nur eine (Geld-)Aristokratie
alles Geschriebene zeigt meine "bescheidene und nicht gefragte" Meinung.

und Ordograffi feler kan der fiender bealten
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Geändert von Nichts (08.05.2008 um 13:50 Uhr).
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