02.12.2008 - 18:17
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  #1  
Alt 28.09.2008, 09:12
Benutzerbild von Rawiya
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Kaiserin Elisabeth von Österreich --> Sisi

Hier mal meine Meinung über Sisi, vielleicht schaffts ja jemand bis zum Ende und hat auch ne Meinung über sie.

Elisabeth ist eine Frau, die auch über hundert Jahre nach ihrem Tod nicht vergessen ist. Es gibt unzählige Bücher über sie, ein Musical und natürlich die berühmten, klischeehaften Sissi-Filme. Wie sie wirklich war, das werden wir wohl aus keinem Buch und keinem Film erfahren, dennoch habe ich mich mit dieser Frage auseinander gesetzt, da ich in Elisabeth ein beeindruckende Persönlichkeit gefunden habe, die mich wirklich begeistert hat. Ich möchte versuchen, so weit es mit heutigen Quellen möglich ist, herauszufinden was für ein Mensch sie wirklich war. Die Biographie von Brigitte Hamann ist mir dabei sehr hilfreich, da auch diese eben genau das versucht, Elisabeth als die Frau hinzustellen die sie war, mit all ihrem Fehlern, Eigenarten und all ihrer Exzentrik und dennoch vergisst Brigitte Hamann nicht auch die Ursachen zu beleuchten, die dazu führten, dass aus einem lebenslustigen Mädchen eine verbitterte und kranke Kaiserin werden konnte, die mehr als einmal über Suizid nachgedacht hat, was sich durch das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth von Marie Valerie, Martha und Horst Schad und Kaiserin Elisabeth. Das poetische Tagebuch von Elisabeth und Brigitte Hamann eindeutig belegen lässt. Ich habe diese beiden Bücher zusätzlich gelesen, da ich denke, dass eine Quelle nicht genügt um sich ein Urteil über jemanden bilden zu können.
Das Bemerkenswerte an Elisabeth ist, dass sie sich als eine von wenigen Adligen zu ihrer Zeit, also im späten 19. Jahrhundert, weigerte, sich ihrem Stand gemäß zu verhalten. Sie ließ sich nicht in eine Rolle zwingen, die die Tradition und der Hof von ihr erwarteten. Sie spielte nicht die liebend-ergebene Ehefrau, nicht die Familienmutter und schon gar nicht die erste Repräsentationsfigur eines Riesenreiches. Elisabeth wollte als Individuum anerkannt werden und tat alles dafür um dieses Recht durchzusetzen. Leider führte die Selbstverwirklichung nicht zu ihrem Glück sondern machte ihr das Leben zur Hölle. Sie fühlte sich eingesperrt in der Wiener „Kerkerburg“, entfloh ihrer Familie und fühlte sich von aller Welt unverstanden und allein gelassen. Der Mittelpunkt ihres Lebens war sie selbst.
Um ihre Märchenhafte Schönheit möglichst lange zu erhalten, tat sie alles Erdenkliche ohne an ihre Gesundheit zu denken. Elisabeth entfernte sich im Laufe ihres Lebens immer weiter von der Realität und flüchtete sich schließlich nach mehreren Schicksalsschlägen in die völlige Isolation. Sie schrieb im Zeichen ihres „Meisters“ Heinrich Heine ihre Gedanken und politische Vorstellungen nieder, die sie wie so vieles selbst vor ihrer Familie verbarg. Elisabeth, die sich von den „Zukunftsseelen“ Verständnis erhoffte, gab ihre Gedichte in die Obhut der Schweiz und verfügte, dass diese erst lange nach ihrem Tod, nämlich im Jahre 1950 veröffentlicht werden sollten.

„Sisi“ wie sie zuhause gerufen wurde, wuchs mit ihren zahlreichen Geschwistern im Familienpalais in München und im Schloss Possenhofen auf. Ehe und Familienleben ihrer Eltern war keineswegs so harmonisch, wie es in den Filmen dargestellt wird, denn Elisabeths Vater Herzog Max war als Lebemann und Schürzenjäger bekannt. Er trug seine demokratischen Ansichten offen zur Schau, was Sisi wahrscheinlich tief beeinflusste. Ihre Kindheit verlief dennoch sehr glücklich, vor allem wenn man es mit ihrem restlichen Leben vergleicht. Herzogin Ludovika war eine warmherzige und treusorgende Mutter, die ihren Kindern viele Freiheiten ließ und sie von den Zwängen des Hoflebens fernhielt. Elisabeths ältere Schwester Helene war die Einzige, bei der Wert auf ausreichende Erziehung und Bildung gelegt wurde, denn Helene sollte den jungen Kaiser von Österreich, Franz Josef, heiraten. Ausgerechnet bei seinem ersten Treffen mit Helene in Bad Ischl, dass von seiner Mutter, Herzherzogin Sophie arrangiert wurde, traf der Kaiser eine der ganz wenigen Entscheidungen seines Lebens, gegen den ausdrücklichen Willen seiner Mutter. Der 23 jährige Franz Josef verliebte sich auf den ersten Blick ausgerechnet in die erst 16 jährige Sisi und machte diese zu seiner Braut. Nun erwies sich die freisinnige Erziehung als großer Fehler.
Sisi, die man bis dahin nicht besonders beachtet hatte, die laut ihrer Mutter „keinen einzigen hübschen Zug“ trug und bisher immer im Schatten ihrer älteren Schwester Helene stand, sollte nun Kaiserin von Österreich und später Königin von Ungarn und Böhmen werden. Und genau das wollte sie nicht: „Ich hab ihn [Franz Josef] ja sehr lieb. Wenn er doch nur ein Schneider wäre!“, klagte Sisi vor der Hochzeit. Elisabeths sorglose Kindheit war über Nacht beendet, in aller Eile versuchte man, aus dem Kind eine Kaiserin zu formen, ein Unterfangen, das sie zwar anfangs willig auf sich nahm, welches sie aber zunehmend überforderte. Hierzu trug nicht unwesentlich die Härte der Erzherzogin bei, die fest entschlossen war aus der Jungen Sisi mit allen Mitteln eine Kaiserin zu machen, die einzig und allein für die Monarchie leben würde, was gänzlich misslang. Auch vom Wiener Hofbekam Elisabeth keine Unterstützung, denn sie erfüllte die dort herrschenden Vorschriften nicht, hatte z.B. keine lange Reihe adligen Vorfahren, gehörte damit eigentlich nicht zum Hochadel und besaß wie gesagt keine ausreichende Erziehung. Nicht einmal die simpelsten regeln, die am Wiener Hof seit etlichen Zeiten üblich waren, waren der jungen Kaiserin bekannt. So hasste sie es sich von ihren Zofen ankleiden zu lassen und erkannte nie den Sinn der strengen Wiener Etikette erfassen. Am meisten belastete sie die Tatsache, dass sie nie mit ihrem Mann allein sein konnte und der ganze Hof mitbekam was sie den ganzen Tagmachte. Das beste Beispiel ist die Hochzeitsnacht von Elisabeth und Franz Josef. Als es in dieser Nacht noch nicht zur Erfüllung der ehelichen Pflichten kam und der Kaiser das am nächsten Tag vertrauensvoll seiner Mutter erzählte, war es wenige Stunden später auf dem ganzen Hof bekannt. Elisabeth und Sophie hatten zeitlebens ein sehr schlechtes Verhältnis zueinander. Elisabeth fühlte sich von der Erzherzogin nie ernst genommen. Alle wichtigen Entscheidungen traf, auch nach der Eheschließung am 24. April 1854, die Mutter des Kaisers. Dieser aus Elisabeths Sicht untragbare Zustand, der ihr - der Kaiserin - die Rolle einer Marionette zuwies, die lediglich zu funktionieren hatte, besserte sich auch nicht nach der Geburt ihrer beiden ersten Kinder. Die Geburten waren lediglich ein weiteres trauriges Beispiel, dass Erzherzogin Sophie ihre Rolle als erste Frau des Reiches weiter verteidigte. Sie nahm Elisabeth ihre Mädchen Sophie (geboren 1955) und Gisela (geboren 1856) kurz nach der Geburt weg, entschied sogar welche Namen die Kinder tragen und natürlich auch in die Obhut welcher Kinderfrauen sie kommen sollten. Dabei suchte sie enge Vertraute ihrerseits aus, bei denen sie sich sicher sein konnte, dass sie die Kinder nicht gegen ihren Willen zu Elisabeth bringen würden. Kaiser Franz Joseph verteidigte die Interessen seiner Gemahlin nur zaghaft und ließ sie, obgleich man an seiner aufrichtigen Liebe für Elisabeth nicht zweifeln kann, weitgehend im Stich. Als die junge Kaiserin 1857 anlässlich einer Reise des Kaiserpaares nach Ungarn dann zum ersten Male vehement ihre mütterlichen Rechte einforderte und diese für auch durchsetzen konnte, endete dieser erste erfolgreiche Emanzipationsversuch in einer Katastrophe: Beide Töchter erkrankten schwer und die kleine Erzherzogin Sophie verstarb im Alter von nur zwei Jahren. Elisabeth resignierte daraufhin und kümmerte sich nur noch selten um ihre Kinder. Dies änderte sich auch dann nicht, als 1858 endlich der lang ersehnte Sohn, Kronprinz Rudolf, geboren wurde. Dennoch stärkte die Geburt des Thronfolgers ihre Position am Hof. Die junge Kaiserin begann ihre Umwelt zu provozieren indem sie z.B. Bälle organisierte zu denen nur die jungen Mädchen eingeladen wurden und nicht, wie eigentlich üblich, auch ihre Mütter. Das bedeutete, dass auch Erzherzogin Sophie an den Bällen teilnahm. Der Gesundheitszustand Elisabeths, der zunehmend unter den Demütigungen am Hofe, Nervenkrisen und Hungerkuren litt, wurde Ende Oktober 1960 so schlecht, dass ihr Lungenspezialist entscheid, sie müsse sofort in ein wärmeres Klima, da akute Lebensgefahr herrsche. So verließ die Kaiserin Wien und lebte zunächst in Madeira, dann in Korfu und Venedig. Ihren Mann und ihre Kinder sah sie, wenn überhaupt, nur an Feier- oder Geburtstagen. Erst 1863 kehrte sie auf massives Drängen ihres Mannes und der kaiserlichen Familie nach Wien zurück. Die nunmehr 24-jährige war allerdings nicht mehr das naive Kind, als das sie 1854 aus Bayern gekommen war. Elisabeth war vielmehr fest entschlossen, sich eine Stellung bei Hofe zu erkämpfen.
Zu dieser Zeit verfasste, auf dem Hintergrund, dass ihr sensibler Sohn Rudolf der strengen, militärischen Erziehung des von Erzherzogin Sophie ausgesuchten Offiziers nicht mehr ertrug und krank wurde, Elisabeth auch so etwas wie ihre Unabhängigkeitserklärung:

„Ich wünsche, dass mir vorbehalten bleibe, unumschränkte Vollmacht in Allem, was die Kinder betrifft, die Wahl ihrer Umgebung, den Ort ihres Aufenthaltes, die complette Leitung ihrer Erziehung, mit einem Wort, alles bleibt mir ganz allein zu bestimmen, bis zum Moment ihrer Volljährigkeit. Ferner wünsche ich, daß, was immer meine persönlichen Angelegenheiten betrifft, wie unter anderem die Wahl meiner Umgebung, den Ort meines Aufenthaltes alle Anordnungen im Haus p.p. mir allein zu bestimmen vorbehalten bleibt. Elisabeth“
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  #2  
Alt 28.09.2008, 09:15
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Elisabeth erreichte, dass die Erziehung des Kronprinzen Rudolf bürgerlich-liberalen Lehrern anvertraut wurde und das war erst der Anfang. Fortan nütze sie die Liebe des Kaisers aus um zu bekommen was sie wollte. Sie flüchtete sich nicht mehr in ihre ewigen Krankheiten und Auslandsreisen sondern erpresste ihren Mann regelrecht, der auch all ihren Forderungen nachgab. Hierfür setzte sie gezielt ihr schon damals legendäres attraktives Äußeres ein, in den folgenden Jahren entfaltete sie einen fast schon ans manische grenzenden Schönheitskult, für den sie ihren Körper bis an die äußersten Grenzen der Belastbarkeit kasteite. Sie trieb sehr viel Sport, machte eine Diät nach der anderen und verwendete für ihre tägliche Haarpflege bis zu drei Stunden. Die Kaiserin wusste sich schon damals geschickt in Szene zu setzen, so verbarg sie beispielsweise auf Porträts sorgsam ihre schlechten Zähne vor neugierigen Blicken. Elisabeth wurde in dieser Zeit auch das erste und einzige Mal erfolgreich politisch aktiv. Sie trug entscheidend dazu bei, dass die nach der Niederlage Österreichs im deutschen Krieg gegen Preußen (1866) wieder in Gang gekommenen Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn weitgehend in dessen Sinn beendet wurden, d.h. die Teilung der Monarchie in eine deutsche und eine ungarische Reichshälfte zu Lasten der anderen Nationalitäten bei grundsätzlicher Wahrung gemeinsamer Angelegenheiten in den Feldern Außenpolitik, Militär und Finanzwesen. Dass Elisabeths Einsatz für die ungarische Sache ihre Ursache hauptsächlich in ihrer Liebe oder sogar in einem intimen Verhältnis zum späteren ungarischen Ministerpräsidenten und k.u.k. Außenminister Graf Andrássy gehabt habe, ist eine bis heute unbewiesene und wohl unzutreffende Unterstellung. Tatsache ist allerdings, dass Sisi das Temperament, die Freiheitsliebe und den Stolz der Ungarn liebte und sich seit der zweiten Hälfte der sechziger Jahre stark zu Ungarn hingezogen fühlte, eine Zuneigung, die von der ungarischen Bevölkerung erwidert wurde. Die Kaiserin fand hier die Zuneigung, die ihr von der Österreichischen Bevölkerung nie entgegen gebracht worden war. Zur Krönung am 8.6. 1867 bekam das Kaiserpaar das Schloss Gödöllö vom ungarischen Volk. Es sollte zu einem von Elisabeths Lieblingsaufenthalten der nächsten Jahre werden. Zehn Monate nach der Krönung, kam in Budapest Sisis jüngstes Kind, Marie Valerie, auf die Welt.
Die kleine Erzherzogin wurde mit ungarischer Muttersprache erzogen und Elisabeth ging auf in ihrer Rolle als liebende Mutter. Um ihre beiden anderen Kinder kümmerte sich Elisabeth weiterhin wenig. "Die Einzige" wurde Marie Valerie in Wien deshalb bald spöttisch genannt. Nachdem sie in Ungarn erreicht hatte was sie wollte und Andrássy k.u.k. Außenminister war zog sich die Kaiserin in den späten sechziger wieder, und wie sich zeige sollte, dauerhaft, aus der Politik zurück. Die Kaiserin war zwar keineswegs grundsätzlich politisch desinteressiert, was man an ihren zahlreichen antimonarchisch und republikanisch orientierten Gedichten erkennen kann, doch bekam nun ihr Hang zur Exzentrik und zur Rollenverweigerung wieder die Oberhand. Durch Elisabeths offenkundige Liebe zu Ungarn wurde die Kluft wischen der Kaiserin und dem Hof unüberbrückbar und Sisi mied die „Kerkerburg“ mehr denn je.1872 starb Erzherzogin Sophie, nach langer, schwerer Krankheit. Ganz Österreich trauerte um eine Frau, deren politischer Einfluss für Österreich Jahrzehnte lang wichtig gewesen war und natürlich wurde in dem Zusammenhang auch gleich Elisabeth als negativer Gegensatz Sophies bezeichnet. Das klägliche Familienleben der kaiserlichen Familie starb mit dem Tod der Erzherzogin völlig, denn Elisabeth war nicht geneigt die Traditionen von gemeinsamen Abendessen fortzuführen. Ohne ihre „Ersatzmutter“ hatte auch die noch nicht einmal sechzehnjährige Gisela, deren Hochzeit mit Prinz Leopold aus Bayern kurz bevor stand, jemanden der sich um sie kümmerte. Für Elisabeth war die Hochzeit ihrer ältesten Tochter kaum mehr als ein weiterer gefürchteter Auftritt in der Öffentlichkeit. Von diesen Auftritten musste sie ihm Jahre der Weltausstellung 1873 in Wien noch mehr absolvieren, was sie aber nur gezwungen und mit vielen ihrer berühmten Kapriolen machte. Sie schob Krankheiten vor um sich nicht repräsentieren zu müssen, lies eine Verabredung mit der russischen Großfürstin aus, weil sie lieber ausschlafen wollte und Ähnliches. Natürlich brauchte Sisi nach dieser anstrengenden Zeit erst einmal Erholung. Sie fuhr nach Ungarn und ritt dort jeden Tag stundenlang aus. Ausserdem nahm sie an den schwierigsten Parforcejagden teil. Gödöllö war Elisabeths Reich. Hier herrschten ihre Gesetze, so wurden Besucher nicht nach adligem Rang sondern nach Reitkünsten ausgewählt. Doch je mehr sie sich mit dem Reitsport beschäftige umso unzufriedener wurde sie mit Gödöllö, denn die Jagdsaison in Ungarn war kurz und die Jagden wurden durch die dichten Wälder behindert. Ausserdem wurde man erst zur Elite der Reiter gezählt, wenn man an englischen Parforcejagden teilgenommen hatte. Nach einigem Training in Wien und Gödöllö kaufte sich Elisabeth ein Haus in England und die besten englischen Jagdpferde. Zusammen mit ihrem Piloten Bay Middleton, einem der besten Reiter Englands mauserte sich die Kaiserin zu einer der besten Reiterinnen Europas, wenn nicht der Welt. Selbst schwere Stürze, die ihre Familie in Aufregung versetzten, konnte sie nicht davon abhalten an allen Jagden teilzunehmen. Auf Druck des Kaisers musste Kronprinz Rudolf 1881 Prinzessin Stephanie, Tochter des belgischen Königs Leopold II. heiraten. Von der Verlobung erfuhr Elisabeth per Telegramm, als sie mal wieder in London weilte.
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  #3  
Alt 28.09.2008, 09:16
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Auch diese Hochzeit war für Elisabeth nicht mehr als eine lästige Pflicht, die es möglichst schnell hinter sich zu bringen galt. So bald als nur möglich wollte Elisabeth nach England zurück um ihre Jagden wieder aufzunehmen. Als die Ärzte jedoch 1882 feststellten, dass sie unter Rheumatismus litt, war eine Fortsetzung dieses Leistungsportes unmöglich. Die Kaiserin zog sich immer mehr in die innere Emigration zurück und widmete sich der Poesie, ihr größter Wunsch war es, in der Nachfolge des von ihr geradezu leidenschaftlich verehrten Heinrich Heine, von der Nachwelt als geniale Dichterin anerkannt zu werden. Je mehr sich Elisabeths Hang zur Weltflucht und ihre Menschenscheu verstärkten, desto enger schloss sie sich an ihren Vetter König Ludwig II. von Bayern an, der sich ganz ähnlich entwickelte wie sie. Beide verachteten ihre Umgebung, taten alles um diese zu schockieren. Sie waren bildungseifrig und Antimilitaristen. Die Beiden schrieben sich Gedichte und ihre Treffen hatten stets etwas Bizarres an sich. Elisabeth, die sich schon seit jeher für Geisteskrankheit interessiert hatte, verteidigte ihren „Königsvetter“ noch, als alle ihn für vollkommen verrückt hielten. Ihre Menschenangst, das Misstrauen und der Hang zur Einsamkeit nahmen in den achtziger Jahren krankhafte Züge an, allerdings nicht in derart extremem Ausmaß wie bei König Ludwig. Als er schließlich 1886 im Starnberger See zu Tode kam stürzte das Elisabeth in eine tiefe Krise. Sämtliche Menschen in ihrer Nähe machten sich Sorgen um ihren Geisteszustand. Sie schrieb viele Gedichte über den Tod ihres Vertrauten, machte der bayrischen Regierung Vorwürfe ihn in den Tod getrieben zu haben:

„Sie stürzten ihren König
Vom hohen Schwanenstein,
Sie drängten ihren König
In den See hinein.“

Sisi gab sich von nun an mehr denn je ihren Gedichten hin, vor allem in Griechenland, und hierbei insbesondere Korfu, wo sie sich das nach ihrem Lieblingshelden Achilles benannte Schloss Achilleion erbauen ließ. Bei Wien ließ die Kaiserin sich im Lainzer Tiergarten die Hermesvilla errichten, wo sie, wenn sie in der Hauptstadt weilte, fernab der höfischen Zwänge einzig ihren Neigungen frönte. Auf dem Balkon der Hermesvilla befand sich auch eine Büste des von Elisabeth heiß verehrten Dichters Heinrich Heine. Elisabeth bezeichnete ihn als ihren „Meister“, der ihr vom Grab aus Gedichte diktierte. Vom katholischen Glauben ihrer Jugend hatte Elisabeth sich zunehmend distanziert, in abergläubischen Praktiken, insbesondere im Spiritismus, suchte sie den Halt, den ihr der Glaube an die kirchlichen Dogmen nicht mehr geben konnte. „Mir gewährt es große Befriedigung und eine tiefe Beruhigung in so mancher Stunde, dass ich mit jenseitigen Geistern in Verbindung treten kann.“, schreibt sie in ihrem Tagebuch. Oft erzähle sie auch, dass ihr auch ihr „Königvetter“ Ludwig erschienen war. Ungefähr zu dieser zeit begann die Kaiserin wiederholt von Selbstmord zu sprechen. Vor allem das Wasser des Starnberger Sees, hatte es ihr angetan:

„Und jede Welle flüstert leis mir zu:
Vergönne doch in uns’rem grünen Grunde
Dem müden Körper endlich Rast und Ruh;
Der Seele Freiheit bringt dann diese Stunde.

Mir dünkt, dass selbst die Sonne schmeichelnd spricht:
Und steigst hinab jetzo ohne Zagen,
Bedeckt dein grünes Grab mein goldnes Licht –
Dem Geiste aber wird ein hell’res tagen.“









Weitere makabere Phantasien schrieb sie in ihren Gedichten nieder:

„Nun liegt mein Körper unten
Im tiefsten Meeresgrund,
Die Riffe dort, die bunten,
Die rissen ihn noch wund.

Auf meinem herzen kriechet
Ein Tier, halb Wurm, halb Aal;
Die Fersen mir beriechet
Ein Lobster-Kardinal.

Und zwischen meinen Zähnen
Klemmt sich ein Muscheltier. -
Kommt wohl die letzte Thräne
Als Perle einst zu dir?“

Elisabeths jüngste Tochter Marie Valerie war eine der wenigen Menschen, die über die schlechte seelische Verfassung der Kaiserin im Bilde waren, so schrieb sie am 20.12.1885 besorgt in ihr Tagebuch: „…Mamas unbeschreibliche Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Sie sagt, es sei eine Qual zu leben und deutete an, sie möchte sich umbringen.“ Elisabeth befand sich zu dieser Zeit einmal mehr in einer ernsten Krise. Sie näherte sich den fünfzig. Der Glanz ihrer Schönheit war verblichen, Sie versteckte ihr faltiges Gesicht hinter Fächern und Schirmen und litt unter Ischias und schweren nervösen Störungen. Elisabeth war isoliert und unbefriedigt in jeder Beziehung. Sie versuchte ein letztes Mal ihrem Leben einen Sinn zu geben indem sie noch mehr dichtete als zuvor. Von ihren Zeitgenossen verstanden zu werden hatte die Kaiserin schon lange aufgegeben, deshalb setzte sie all ihre Hoffnungen auf die „Zukunftsseelen“. Ihre Gedichte der achtziger Jahre, waren zur Veröffentlichung bestimmt. Als Drucktermin stellte sie sich das Jahr 1950 vor, eine Zeit in der keiner ihrer einstigen Zeitgenossen noch lebte. Wenigstens in der Nachwelt wollte Elisabeth erreichen, was die Zeitgenossen ihr verweigerten: Rechtfertigung, Verständnis, Nachruhm. Die Gedichte entstanden natürlich nach dem Vorbild Heines. In Einigen richtete sich Elisabeth sogar direkt an die Menschen des 20. Jahrhunderts:

An die Zukunftsseelen

„Ich wandle einsam hin auf dieser erde,
Der Lust, dem Leben längst schon abgewandt;
Es theilt mein Seelenleben kein Gefährte.
Die Seele gab es nie, die mich verstand.

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  #4  
Alt 28.09.2008, 09:17
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Und voll ist meine Seele zum zerspringen,
Das stumme Sinnen ist ihr nicht genug,
Was sie bewegt, muss sie in Lieder bringen
Und diese senke ich nun in mein Buch.

O, dass sie dann des Meisters Ziel erreichen!
Ein Trost zu sein, euch die ihr klagt und weint
Um solche, die im Freiheitskampf erbleichten
Um deren Haupt die Märtyrkrone scheint!

Ihr teuern Seelen jener fernen zeiten,
Zu denen meine Seele heute spricht,
Gar oft wird sie die euren begleiten,
Ihr lasst ins leben sie aus dem Gedicht.“

Die Kaiserin verwendete viel Sorgfalt auf die Sicherung ihrer Dichtungen für die Nachwelt. Sie lies Abschriften ihrer Gedichte anfertigen und hinterlegte 1890 die Originale wie die Drucke in einer versiegelten Kassette in der Hofburg mit der Verfügung, diese Kassette nach ihrem Tod ihrem Bruder Herzog Carl Theodor zu übergeben. Ihn wiederum bat sie, die Kassette aufzubewahren und nach Ablauf einer Frist von 60 Jahren an den Schweizer Bundespräsidenten weiterzugeben, was auch im Jahr 1951 geschah. Der Kassette legte sie einen Brief bei:
„Liebe Zukunfts-Seele!
Dir übergebe ich diese Schriften. Der Meister hat sie mir dictiert, und auch er hat ihren Zweck bestimmt, nämlich vom Jahre 1890 an in 60 Jahren sollen sie veröffentlicht werden zum besten politisch Verurteilter u. deren hilfsbedürftiger Angehörigen. Denn in 60 Jahren so wenig wie heute werden Glück u. Friede, das heisst Freiheit auf unserem kleinen Sterne heimisch sein. Vielleicht auf einem Andern? Heute vermag ich Dir diess nicht zu sagen, vielleicht wenn Du diese Zeilen liest –
Mit herzlichen Gruss, denn ich fühle Du bist mir gut

Titania

Geschrieben im Hochsommer des Jahres 1890 u. war im eilig dahinsausenden Extrazug.“

Elisabeth wollte sich ab den achtziger Jahren ausschließlich auf das Dichten, das Lesen, das Griechischstudium und auf ihre immer anspruchvolleren Reisen konzentrieren, doch vorher wollte sie die beiden Menschen, die ihr nahe standen, ihren Mann und ihre Lieblingstochter, versorgt und nicht allein wissen. So suchte sie in dieser Zeit einen Mann für Marie Valerie und eine Freundin für Franz Joseph. Ihre Wahl fiel auf die junge Schauspielerin Katharina Schratt, in welche sich der Kaiser verliebt hatte. Da Franz Joseph alleine nie Kontakt zu ihr aufgenommen hätte, arrangierte Kaiserin immer öfters Treffen zwischen den Beiden und machte dem Kaiser deutlich, dass sie nichts gegen die Verbindung einzuwenden hatte. Elisabeth hatte Mitleid mit dem einsamen Mann, mit dem sie nicht mehr zusammenleben wollte und konnte und tat alles, damit der Kaiser und Katharina Schratt eine, nach aussen hin völlig platonische, Beziehung führen konnte. Doch auch wenn Elisabeth ihrem Mann stehts versicherte wie sympathisch ihr die Schratt doch sei, schrieb sie viele Hohngedichte auf die junge Schauspielerin. Dennoch wusste sie ihren Franz jetzt in guten Händen. Der Kaiser war seiner Frau zeitlebens dankbar dafür.


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  #5  
Alt 28.09.2008, 09:18
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Der Selbstmord des Kronprinzen Rudolf (1889) erschütterte Elisabeth, trotz der Tatsache, daß sie nie ein wirklich inniges Verhältnis zu ihrem einzigen Sohn gehabt hatte, bis ins Mark.
Rudolf stand häufig mit seinem Vater in Konflikt, da er mit den Deutschliberalen und den Ungarn sympathisierte. Er litt unter starken Stimmungsschwankungen. Vermutlich nahm er sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 1889 in Schloss Mayerling durch einen Schuss in den Kopf das Leben, die 17jährige Baronesse Marie Vetsera starb ebenfalls dort, dem Bericht des Arztes zufolge war sie von Kronprinz Rudolf erschossen worden. Ob die Baronesse allerdings tatsächlich durch einen Kopfschuss starb, ist zweifelhaft. Die Wiener Hofärzte obduzierten den Leichnam des Kronprinzen und attestierten eine geistige Verwirrung, wodurch der Kronprinz mit allen kirchlichen Zeremonien beigesetzt werden konnte. Der Verlauf der schicksalhaften Nacht ist bis heute ungeklärt, nachdem die Zeugen ihr Leben lang schwiegen oder widersprüchliche Aussagen machten. Viele Dokumente wurden vernichtet. Elisabeth und Rudolf waren sich in vielem so ähnlich, doch wusste der jeweils andere davon nichts, da sie sich nie über Themen wie Politik oder Gedichte unterhielten. Seit dem Tod ihres Sohnes trug die Kaiserin nur noch schwarze Trauerkleidung. Schließlich blieb ihr nur noch das letzte Ziel, ihre „Einzige“ an einen guten Mann zu verheiraten. Marie Valerie war die einzige der Kaiserkinder, die aus Liebe heiratete. Ihr Auserwählter war der Herzherzog Franz Salvator aus dem toskanischen Zweig der Familie. Nachdem die Kaiserin das junge Paar zusammen gebracht hatte, heirateten sie 1890 in Bad Ischl. Mit der Heirat ihrer Lieblingstochter war für Elisabeth der Zeitpunkt gekommen, auf den sie sich schon vorbereitet hatte: „ Habe ich erst einmal keine Verpflichtungen mehr gegen meine Valerie und ist diese versorgt und glückliche Frau mit recht vielen Kindern…dann bin ich frei und dann beginnt mein Mövenflug. Durch die ganze Welt will ich ziehen, die Meere durchkreuzen…Vielleicht werde ich später immer verschleiert gehen, und nicht einmal meine nächste Umgebung soll mein Gesicht mehr erblicken.“ Diese Voraussage machte Elisabeth wahr. Niemals mehr liess sie sich porträtieren, niemals ging sie ohne Fächer oder Schirm aus. Sie verließ Österreich, so oft und solange sie konnte und reiste immer zielloser herum. Der Kaiser wagte nur noch sehr vorsichtige Einwände. Auch auf ihren Reisen benahm sich die Kaiserin immer seltsamer. Sie ging einfach in fremde Häuser, tauchte unangemeldet an den europäischen Höfen auf und reiste meist nur noch mit einer einzigen Hofdame, was sich für eine Kaiserin natürlich nicht gehörte. Sobald sie ein Reiseziel erreichte, strebte sie auch schon dem Nächsten zu. „Die Reiseziele sind nur deswegen begehrenswert, weil die Reise dazwischen liegt.“ Erklärte sie ihrem griechisch Lehrer Christomanos. Durch ihr seltsames Benehmen kamen wieder Nachrichten über eine angebliche Geisteskrankheit der Kaiserin auf. Ihre Verwandten traf Elisabeth seltener denn je und wenn, hatten jene nach den Treffen reuchlich Anlass zur Sorge. Marie Valerie war untröstlich: „Die tiefe Traurigkeit, die Mama früher doch nur zeitweilig umfing, verlässt sie jetzt nie mehr.“, schreibt sie am 8.5. 1898 in ihr Tagebuch.
In den letzten Lebensjahren vermochte die Kaiserin nichts mehr zu erschrecken, sie scheute keiner Gefahr, fühlte sich davon eher angezogen. Sie sehnte den Tod herbei und lehnte jede Überwachung durch Polizeiagenten ab.

Elisabeth kam am 10. September 1898 in Genf an, wo sie einer Einladung der Familie Rothschild nachkam. Als sie am nächsten Tag auf dem Weg vom Hotel zum Schiff war, mit dem sie weiterreisen wollte, stürzte der italienische Anarchist Luigi Lucheni sich auf sie und rammte ihr eine dreieckige Feile in die Brust. Kurze Zeit sah alles halb so schlimm aus: Der Einstich war so klein, dass er übersehen wurde, und alle Beteiligten glaubten an einen einfachen Faustschlag. Die Kaiserin erhob sich wieder und ging an Bord des Schiffes. Erst dort brach sie zusammen und starb. All dies geschah nur wenige hundert Meter vom Hotel „Beau Rivage“ entfernt, in dem sie übernachtet hatte. Als Lucheni am Elisabeths Leben durch Meuchelmord ein Ende setzte, "traf [er] eine lebensmüde Frau, die sich überlebt und ihren Tod herbei gesehnt hatte."
Fast ein halbes Jahrhundert lang, war Elisabeth die Kaiserin eines mit Problemen beladenen Reiches. Doch statt sich um dieses zu kümmern stürzte sie sich lieber in ihre Exzentrik und dichtete als Feenkönigin Titania:

„Nicht soll Titania unter Menschen gehen
In diese Welt, wo niemand sie versteht,
Wo hunderttausend Gaffer sie umstehen,
Neugierig flüsternd: „Seht, die Närrin, seht!“
Wo Missgunst neidisch pflegt ihr nachzuspähen,
Die jede ihrer Handlungen verdreht,
Sie kehre heim in jene Regionen,
Wo ihr verwandte schön’re Seelen wohnen.“

War Elisabeth verrückt? War sie einfach nur launisch? Oder wusste sie, dass die Donaumonarchie untergehen würde und hat es nicht mehr für nötig gehalten einem sterbenden Reich eine Kaiserin zu sein? So genau werden wir das nie erfahren. Doch ich denke, dass Elisabeth wirklich von ihrer Umgebung missverstanden wurde, dass diese Umgebung sie zum Teil zu dem machte was sie gegen Ende ihres Lebens war. Dass sie als „normale“ Frau und nicht als Kaiserin niemals so geworden wäre und ich bewundere sie zutiefst für ihre Gedichte, ihre ausführlichen Studien, die sie betrieb. Ich bewundere sie für ihre Schönheit, für ihren Ergeiz sich bei ihr wirklich wichtigen Dingen durchzusetzen und ich finde es traurig, dass ihr Leben so tragisch verlaufen musste. Ich möchte Sisi nicht nur zum Himmel loben, denn sie hatte ihre Fehler und Schwächen, dennoch glaube ich, dass durch die höfische Gesellschaft der damaligen Zeit ihr Leben zerstört wurde und sie im großen und ganzen keine andere Wahl hatte als z.B. der „Kerkerburg“ zu entfliehen, wenn sie sich nicht komplett verlieren wollte.


So, das wars. Sry is nen bissle lang geworden. Aber sie is halt auch ne Frau über die man sich auslassen kann und ich hab diesen Text für die Uni geschrieben.
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  #6  
Alt 28.09.2008, 13:03
Ädil
 
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Also, ich denke nicht,

dass sie in den Bewertungen ihrer Rolle allgemein so gut wegkommt.

Familiär kann man ihr anlasten (bzw. hätten/haben ihre Kinder ihr anlasten können), dass sie selber, aus einem liebevollen, offenen und auch liberalen Haushalt stammend,

ihren Kindern gegenüber eine absolute Rabenmutter war (mit Ausnahme Marie Valeries vllt).

Politisch ist ihre Rolle verheerend, denn da, wo sie hätte mässigend und aufbauend eingreifen können (denn sie sah die Missstände ja sehr wohl - was ihre Schriften beweisen - im Gegensatz zur häufig blinden Adelsgesellschaft ihrer Zeit), tat sie es nicht;

und da, wo sie sich hätte heraushalten müssen (Ausgleich mit Ungarn), mischte sie sich ein, mit dem Resultat, dass durch sie ein gerechter Ausgleich für alle Völker der k.u.k Monarchie durch die Blockadehaltung Ungarns nicht mehr möglich war.
Dadurch lädt sie sehr viel Schuld am 1. Weltkrieg auf sich, imho, wie kaum ein zweiter (ihr Ehemann war nicht mit ihrer Intelligenz gesegnet, ist also in meinen Augen weniger verantwortlich). Schade, dass sie letzteren, und das Abgleiten Österreichs in die Bedeutungslosigkeit, nicht mehr erlebt hat.


LG
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  #7  
Alt 29.09.2008, 03:20
Benutzerbild von EL_Mercenario
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@Sarto
Das ist aber schon eine sehr negative Bewertung. Familiär war es so, dass sie - ich glaube mit 16 - verheiratet und geschwängert wurde und man sie dann aus der Erziehung ihrer Kinder herausgedrängt hat, was dann zu einem gestörten Mutter-Kind Verhältnis geführt hat.
Politisch war Sisi völlig unbedeutend. Ob sie die Macht gehabt hätte, in die Politik ÖUs einzugreifen ist zweifelhaft, sie hat es nicht versucht, es wurde nicht von ihr erwartet und sie hat sich den Job als Kaiserin auch nicht ausgesucht.
Einzige Ausnahme war der Ausgleich mit Ungarn. Der Ausgleich besagte im wesentlichen, dass Ungarn über die südlichen Völker der Doppelmonarchie herrschen und dies magyarisieren darf und dafür darauf verzichtet die Unabhängigkeit anzustreben und sich dem Kaiser unterordnet. Die einzig mögliche Lösung, um ÖU als Großmacht zu erhalten.
Hätte Franz Joseph statt dessen einen "gerechten Ausgleich für alle Völker" angestrebt, dann hätten die Ungarn versucht sich unabhängig zu machen und nach der Niederlage gegen Preußen war Österreich nicht mehr stark genug sie militärisch niederzuhalten. Die einzige gangbare Alternative wäre gewesen die Ungarn rauszuschmeissen und den "gerechten Ausgleich" mit dem Rest zu versuchen, allerdings hat das in der Österreichischen Landeshälfte, wo die Ungarn nix zu sagen hatten, nicht so gut funktioniert.
Am 1. WK waren die Ungarn gänzlich unschuldig, daran trug FJ die Schuld, der mit seinem maroden Vielvölkerstaat versuchte imperialistische Politik gegen Russland zu betreiben und sich damit ziemlich verhoben hat.
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"Eine Kuh kann nicht wiehern und ein Pferd hat kein Euter" - Kord der Suchende
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  #8  
Alt 29.09.2008, 12:46
Benutzerbild von Rawiya
Plebejer
 
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Ich finde auch nicht, dass sie so negativ zu bewerten is. Sie war an sich eigentlich wirklich ne tolle Frau. Aber die äußeren Umstände (vielleicht nicht nur, ne gewisse persönlichkeit muss man dazu ja schon vorher haben) haben dazu geführt, dass sie so wurde wie sie eben am Ende war. Ihr die Schuld am 1. Weltkrieg zu geben ist meiner meinung nach ziemlich übertrieben.
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  #9  
Alt 29.09.2008, 22:39
Ädil
 
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Zitat von Rawiya Beitrag anzeigen
Ich finde auch nicht, dass sie so negativ zu bewerten is. Sie war an sich eigentlich wirklich ne tolle Frau. Aber die äußeren Umstände (vielleicht nicht nur, ne gewisse persönlichkeit muss man dazu ja schon vorher haben) haben dazu geführt, dass sie so wurde wie sie eben am Ende war. Ihr die Schuld am 1. Weltkrieg zu geben ist meiner meinung nach ziemlich übertrieben.

.... ohne sie hätte es wahrscheinlich keinen Ausgleich gegeben;

und Ungarn hätte auch nicht so mir nix dir nix 'rübermachen können; zur Not hätte man in Wien wieder den Zaren um Hilfe gebeten.

Ohne Ausgleich hätte Ungarn seine Minderheiten nicht so ohne weiteres knechten können, und man hätte die Slawen einfach viel stärker einbinden müssen. Das wär' dann Rudolfs Stunde gewesen, oder von mir aus auch jene des Grossherzogs Albrecht (immer noch besser als der depperte Franz Joseph und seine z.T. sehr erfolglosen Regierungen), des Johann Orth oder irgendjemanden sonst aus der Familie und Konsorten, die gar nicht mal übel mit patenten und intelligenten Leuten, abgesehen von Franz Joseph, gesegnet war.

Und Österreich ist nun einmal, in Konkurrenz zum Dt. Reich, DER Kriegstreiber der Belle Epoque.


@ Mercenario: Ungarn soll unschuldig am 1. Weltkrieg sein? Da lachen ja die Hühner....



LG
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  #10  
Alt 29.09.2008, 23:46
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Zitat von Sarto Beitrag anzeigen
und Ungarn hätte auch nicht so mir nix dir nix 'rübermachen können; zur Not hätte man in Wien wieder den Zaren um Hilfe gebeten.
Der Zar hat 1866 zu Preußen gehalten und hätte keinen Finger für die Österreicher krumm gemacht. Die Zeit der Solidarität unter Monarchen war 1866 schon lange vorbei, nach seinem Verhalten im Krimkrieg konnte FJ von Russland keine Hilfe mehr erwarten.

Zitat von Sarto Beitrag anzeigen
@ Mercenario: Ungarn soll unschuldig am 1. Weltkrieg sein? Da lachen ja die Hühner....
Der ungarische Ministerpräsident, Stephan Graf Tisza, hat das Ultimatum an Serbien abgelehnt. Kriegsschuldfrage ? Wikipedia
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  #11  
Alt 30.09.2008, 00:59
Ädil
 
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Zitat von EL_Mercenario Beitrag anzeigen
Der Zar hat 1866 zu Preußen gehalten und hätte keinen Finger für die Österreicher krumm gemacht. Die Zeit der Solidarität unter Monarchen war 1866 schon lange vorbei, nach seinem Verhalten im Krimkrieg konnte FJ von Russland keine Hilfe mehr erwarten.
...
Richtig, das war anders als noch 1848 (wo man die Hilfe gerne in Anspruch nahm) oder auch noch später.
Hätte er sich vorher allerdings an 5 Fingern abzählen können.


Zitat von EL_Mercenario Beitrag anzeigen
...
Der ungarische Ministerpräsident, Stephan Graf Tisza, hat das Ultimatum an Serbien abgelehnt. Kriegsschuldfrage ? Wikipedia
Nun ist Wikipedia nicht alles, und nicht alles ist dort immer 100% richtig, aber es steht dort doch als Grund für seine Gegnerschaft zum Krieg:

"Tisza bangte aber vor allem, besonders wenn eine Expansion in die Erweiterung des Dualismus zu einem Trialismus gemündet hätte, um den Einfluss des ohnehin kleineren Partners Ungarn auf die Gesamtpolitik der Monarchie"

István Tisza ? Wikipedia


Aber abgesehen von Tisza,

ist es doch so, dass gerade Ungarn Cisleithanien geradezu in die Situation eines Süchtigen gebracht hatte, der ständig darauf aus sein muss, sich immer neuen Stoff zu besorgen bzw. seine angeschlagene Position neu zu behaupten und sich zu profilieren, auf Deubel komm 'raus, ohne Rücksicht auf Verluste; und so in die Abhängigkeit vom unseligen Reich schlitterte. Dank Ungarn.


LG
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  #12  
Alt 01.10.2008, 01:22
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Zitat von Sarto Beitrag anzeigen
Richtig, das war anders als noch 1848 (wo man die Hilfe gerne in Anspruch nahm) oder auch noch später.
Wie hätte also FJ die Ungarn deiner Ansicht nach bei der Stange - sprich in Österreich - halten sollen, wenn er auf den Ausgleich verzichtet?

Zitat von Sarto Beitrag anzeigen
"Tisza bangte aber vor allem, besonders wenn eine Expansion in die Erweiterung des Dualismus zu einem Trialismus gemündet hätte, um den Einfluss des ohnehin kleineren Partners Ungarn auf die Gesamtpolitik der Monarchie"
Richtig. Ungarn war, wenn man so will, 1914 ein saturierter Staat. Aber wieso ist Tisza deshalb mitschuld am 1. WK?

Zitat von Sarto Beitrag anzeigen
ist es doch so, dass gerade Ungarn Cisleithanien geradezu in die Situation eines Süchtigen gebracht hatte, der ständig darauf aus sein muss, sich immer neuen Stoff zu besorgen bzw. seine angeschlagene Position neu zu behaupten und sich zu profilieren, auf Deubel komm 'raus, ohne Rücksicht auf Verluste; und so in die Abhängigkeit vom unseligen Reich schlitterte. Dank Ungarn.
Würde ich genau umgekehrt sehen. Hätte es einen Ausgleich gegeben, also eine erfolgreiche Versöhnung der slawischen Bevölkerung mit dem Kaiserreich, dann hätte für Österreich der Versuch nahegelegen, alle Slawen des Balkans in Österreich zu vereinen. Da der Ausgleich gescheitert war, konnte ÖU weiter slawische Gebiete nur sehr schwer in den Doppelstaat integrieren und hätte eigentlich daran interessiert sein müssen, den prekären Zusammenhalt nicht durch weitere Annektionen zu gefährden.
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  #13  
Alt 02.10.2008, 22:00
Ädil
 
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Es waren ja bis auf Kleinstserbien, Montenegro und Bulgarien eh schon alle slawischen Völker des Balkans in Ö-U vereint....

von daher, mit Tschechen, Slowaken, Ukrainern und Polen an Bord, hat es eigentlich jahrzehntelang nach einem Trialismus geschrieen, ohne dass darauf in Wien oder Budapest ernsthaft geantwortet worden wäre.

Dass ist natürlich nicht des Tisza junior Schuld, ohne Frage,

aber Ungarn hat nach 1868 eine Politik gefahren, die eindeutig zu Lasten Cisleithaniens, eh schon herabgewürdigt durch 1866, Mexiko, Italien, und und und, ging.

Dass man 1848 Ungarn nur schlecht im Zaum halten konnte, ist klar, da man zu jenem Zeitpunkt auch Probleme selbst im Kernland und in der Hauptstadt hatte.
Das war aber später nicht mehr der Fall (erst wieder in den 1880ern durch die Deutschnationalen bzw. Alldeutschen), hätte Ungarn also keinesfalls einfach ziehen lassen müssen (wobei da die Frage ist, wohin denn, zu den Slawen sprich Russland? Und was wäre mit den rum./slaw./dt. Minderheiten im Land gewesen?)


Natürlich ist es für das ungarische Parlament einfach gewesen, 1914 oder später Vorbehalte gegen den Krieg zu haben, allerdings hat man m.E. gerade in Ungarn durch völlig verantwortungslose Politik jahrzehntelang auf jenen hingearbeitet (und auch in entscheidenden Momenten wenig bis gar nix unternommen, ihn zu verhindern bzw. zu stoppen).
Stört mich auch deswegen, die Unschuldsnummer, weil man sich im allgemeinen in Ungarn gern als Opfer verkauft, was man selten ist.



LG

Geändert von Sarto (02.10.2008 um 22:03 Uhr)
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  #14  
Alt 03.10.2008, 01:34
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Zitat von Sarto Beitrag anzeigen
von daher, mit Tschechen, Slowaken, Ukrainern und Polen an Bord, hat es eigentlich jahrzehntelang nach einem Trialismus geschrieen, ohne dass darauf in Wien oder Budapest ernsthaft geantwortet worden wäre.
Nur sind Deutsche und Ungarn Nationalitäten, während Slawe nur eine Sprachengruppe umschreibt, so wie Germane oder Romane. Es fehlte also die dritte Gruppe für einen Trialismus; Tschechen, Polen und Kroaten können und wollen kein gemeinsames Parlament bilden, nur weil sie alle Slawen sind. Hätten die ÖU-Slawen an einem Strang gezogen, hätten sie den Trialismus genauso leicht durchgesetzt, wie die Ungarn den Dualismus.

Zitat von Sarto Beitrag anzeigen
Das war aber später nicht mehr der Fall (erst wieder in den 1880ern durch die Deutschnationalen bzw. Alldeutschen), hätte Ungarn also keinesfalls einfach ziehen lassen müssen (wobei da die Frage ist, wohin denn, zu den Slawen sprich Russland? Und was wäre mit den rum./slaw./dt. Minderheiten im Land gewesen?)
Der Ausgleich kam nach der Niederlage gegen Preußen 1966, als die österreichische Armee zu angeschlagen war, um einen Aufstand der Ungarn niederschlagen zu können. Vielleicht hätte die Armee es trotzdem geschafft, aber dann hätten die Ungarn auf die näxte Chance gewartet und damit wäre die innenpolitische Situation unhaltbar geworden.
Ungarn wäre unabhängig geworden, so wie Rumänien oder Bulgarien, die Kroaten und Slowaken wären vermutlich bei Österreich verblieben. Die Ungarn haben 1948 versucht sich unabhängig zu machen und sie hätten es ohne Ausgleich wieder versucht und, so meine ich, irgendwann Erfolg gehabt.

Zitat von Sarto Beitrag anzeigen
Natürlich ist es für das ungarische Parlament einfach gewesen, 1914 oder später Vorbehalte gegen den Krieg zu haben, allerdings hat man m.E. gerade in Ungarn durch völlig verantwortungslose Politik jahrzehntelang auf jenen hingearbeitet (und auch in entscheidenden Momenten wenig bis gar nix unternommen, ihn zu verhindern bzw. zu stoppen).
Ungarn war nicht nur 1914 gegen den Krieg, sondern ebenso gegen die Annektion Bosniens und die zu enge Anlehnung an Deutschland.
Was meinst du mit "auf den Krieg hingearbeitet"? Durch welche konkreten Handlungen hat Ungarn auf den 1. WK hingearbeitet?
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  #15  
Alt 03.10.2008, 23:30
Ädil
 
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Ungarn hat so gut wie keine Gelegenheit ausgelassen, Politik zu betreiben auf dem Rücken anderer: ob das die "eigenen" "Minderheiten" waren oder eben Cisleithanien; es ging immer darum, sich die eigenen kurzfristigen Pfründen zu sichern, darauf bauend, dass der Konflikt zwischen Deutschösterreichern und den Slawen zu keiner geschlossenen Position gegenüber dem ungar. Parlament findet, zumal nicht bei dem depperten Kaiser. Und so erging's nicht nur Taafe...

Und dann stellt man sich 1918 hin und sagt: Ach, wir waren ja immer dagegen, dass Cisleithanien sich auch dem Dt. Reich gegenüber genötigt fühlte, sich ständig mit allen Mitteln aufzuwerten.... hmmm....


LG
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