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Karl Marx - Einer der wirklich großen Philosophen,
dessen Theorien in eine sehr unangenehme Richtung ge-
führt wurden (betont passiv).
Wenn ich von Karl Marx als philos. Theoretiker spreche, dann sehe ich,
dass bei seinen Hypothesen gewisse Bereiche schlichtweg zu kurz
gekommen sind. Sein Fachgebiet war die sog. "polit. Philosophie",
was man klar erkennt, da es z.B. keine großartige Moral bei ihm gibt,
außer dieses Gleichheitsprinzip. Marx philos.-polit. Nachleben ist eine
Geschichte von Verkettung und absichtlicher und unabsichtlicher Fehl-
interpretationen und -auslegungen. In den Nachwirkungen seiner Philo-
sophie liegt wohl seine besondere Tragik, da ihm die Menschen, bei
allem, was man gegen ihn auch (teilweise zurecht) haben mag, be-
sonders am Herzen gelegen sind.
Diese müssen auch genau angesehen werden um zu Karl Marx selbst
vorzudringen und ihm, als Philosoph, Wirtschaftstheoretiker und Politik-
er Rechnung zu tragen.
Die falsche Arbeitseinstellung - Entfremdung
Seine Theorien griffen in der Hinsicht zu kurz, als dass der Mensch
kein nur nach "dem Material" ausgerichtet Wesen ist: Es gehört
wesentlich mehr dazu, wirklich glücklich zu sein, als etwas zu besitzen.
Die Wuchtung liegt im speziellen, auch bei ihm selbst darauf. Gewisse
Standpunkte hätten wesentlich ausgeführter gehört; vor allem die,
zugegebenermaßen, klassen Aussagen über die Entfremdung des
Menschen. Diese Stellen werden heute noch missinterprediert, als
dass "Gammler" einfach meinen, sie bräuchten nur die KP wählen um
nichts mehr arbeiten zu müssen, einfach, weil sie Arbeit als etwas
schlechtes ansehen - was Marx aber nie getan hat. Marx hatte nur
etwas gegen die Entfremdung.
Möglichkeiten des Kommunismus
Den "Kommunismus" immer damit entschuldigen zu wollen, dass er
nie richtig ausgeführt wurde, weil die Menschen unfähig waren oder
weil was weiß ich was war, ist wohl auch so eine Sache: Kaum eine
philos. Weltanschauung hatte bisher solche Möglichkeiten sich zu ent-
fallten und ernsthaft ausgeführt zu werden, wie der Kommunismus !
Man muss sich dabei auch die Frage stellen, funktioniert er in dieser
Form überhaupt? Kann das jetzt wirklich so gehen oder muss das
Ganze modifiziert werden?
Es liegt wohl sicher nicht nur an den Bonzen, die sich bereichert und
etwas zur eigenen Bereicherung dazu erfunden haben etc. (Aber
selbst, wenn sie sich nicht bereichert hätten, kann man nicht sagen,
dass es den Menschen grundlegend besser gegangen wäre.) Den
eigenen Nutzen zu suchen und so gut es geht zu verwirklichen sch-
eint wohl in gewisserweise in der Natur des Menschen zu liegen.
Hier stellt sich eben die Frage, was ist die Möglichkeit eines Kom-
munismus?
Diktatur oder Ethik?
Widerstand musste wohl auch die Gewaltsamkeit hervorrufen, mit der
gegen "Feinde" einer solchen Ordnung (die eben oftmals einfach nur
Menschen waren, die schlichtweg nicht in so einer Gesellschaft leben
wollten, eben aus den Gründen, die ich hier schreibe) vorgegangen
wurde. Das war, für unsere Maßstäbe, kriminell, in sich selbst aber, zu
großen Teilen wohl auch für Marx (obwohl es bei Stalin und Mao, Marx
wohl auch zu bunt geworden wäre, denke ich) in Ordnung gewesen
wäre - es lag eben nur eine Ethik (und ansonsten auch alles) nur im
Hinblick auf die materiellen Bedürfnisse des Menschen vor. Marx selbst
schuf ja die "Diktatur des Proletariats", damit trug er der Realität ein-
mal ernsthaft Rechnung, da er annahm, dass die meisten, vor allem zu
seiner Zeit, seine Idee, die des Kommunismus, nicht einfach so, plötz-
lich als polit. Realität hinnehmen werden würden. Nur wird damit auch
nur einer Art von materialistischer Ethik Rechnung getragen - heute
sind wir, weit davon entfernt (hoffe ich zumindest), das Problem so
hand zu haben.
Bedürfnisse
Wer kann z. B. beurteilen, was ein andere braucht? Ich kann nur sagen
was ich "brauche" (und oft nicht einmal das) und was, meiner Meinung
nach ein anderer benötigt, aber nicht, ob sie jetzt wirklich nur
das benötigen oder eben nicht. Unter Umständen tue ich ihnen ein
wahnsinniges Unrecht damit - was aber von Marx und anderen Komm-
unisten ruhigen Gewissens in Kauf genommen wurde. Vielleicht taten
auch diese Menschen anderen Unrecht, da sie auch umgekehrt genau
zu wissen meinten, was andere benötigen und was nicht (und dann
auch dementsprechend handelten). Nur machten sich die Kommunisten,
die dann auch so handelten, genau zu denselben Menschen, nur
mit anderer Ideologie dahinter. Zu dieser Zeit fiel das aber nicht auf; zu
dieser Zeit und unter den Bedingungen die Marx vorgab, machte
das auch nichts. Jetzt aber sind wir darüber hinaus; jetzt aber sollten
wir der Geschichte Rechnung tragen und so etwas überdenken (schon
alleine der Opfer solcher Gedanken willen).
Gleichheit
Zur Frage der Gleichheit ich nur sagen, dass Marx selbst, teilweise richtig
angenommen, davon gesprochen hatte, dass jeder nach seinen Bedürf-
nissen und Veranlagungen bekommen soll. Falsch hingegen ist anzu-
nehmen, jemals wirklich herausbekommen zu können, was jemandes
Bedürfnis und Veranlagung ist!
Die Lenker der "sozialistischen" Staaten wollten das Problem einfach um-
gehen, indem sie jedem gleich viel zukommen ließen - und damit alles
gleich machten. Tja, aber dazu fällt mir ein Zitat von Nietzsche ein, we-
lches (sinngemäß) so lautet: "Absolute Gleichheit ist das Ende jeglicher
Gerechtigkeit!" Damit hatte man wieder ein Problem geschaffen,
gegen welches man sich auflehnen müsste - insofern einem Gerechtig-
keit am Herzen liegt. (In den sozialistischen Staaten lag wiederum die
Wuchtung in Richtung Gleichheit; beim Ausspielen von Gerechtigkeit vs.
Gleichheit.)
Andere Aspekte (Überbau etc.)
Zur Frage des Überbaus, bei der Marx rein davon ausging, dass die Basis
die Wirtschaft und alles andere der daran sich orientierende "Überbau"
ist, sind inzwischen gar schon marxistische Philosophen die von der
Frankfurter Schule beeinflusst worden sind, dazu übergangen, zu ermit-
teln, ob nicht der Überbau die Basis beeinflusst und nach den umge-
kehrten Bedürfnissen (der, des Überbaus) ausgerichtet wird. Marx selbst
hat das eben, im orthodoxesten Sinne, nicht so angenommen.
Auch eine Sache, die hier vorliegt, ist eben das mit dem "Opium". Marx
Einstellung zur Religion war wohl die des, immer und immer wieder
(wohl auch absichtlich), verdrehten Zitats: "Sie (Anm.: die Religion) ist
das Opium des Volkes."[1]
Tja und genau gegen diese Opiumsucht, wollte er mit seiner Kommunis-
mustheorie vorgehen. Für ihn war die Religion nur der Ausdruck einer
Situation des ökonomischen Elends des Menschen.
Genau das ist aber ohne wirkliche Anthropologie schlichtweg zu kurz ge-
fasst und schließt wieder auf die Annahme: Hier die Basis (Wirtschaft)
und nur die beeinflusst den Überbau (Religion). Wenn die Basis so ist,
dann ist der Überbau so. Simpelster Dualismus. Greift aber bei dieser
Sache nicht (siehe ehem. sozial. Staaten wie z.B. Polen; siehe Religions-
philosophie und philos. u. theol. Anthropologie).
Marx persönlich; Teil 1: Der Bürgerliche
Marx selbst war vom herkommen her ein richtiger Bürger (sein
Vater war ein jüdisch-stämmige Rechtsanwalt), aber nicht nur
das, sondern auch nach seinen Freunden (wie Engels) verhielt er
sich ziemlich bürgerlich. [2] So konnte er Engels Lebensstil, vor
allem eben dessen Neigung zur Vielweiberei und dessen "wilde
Ehe" lebte, nicht gut heißen und drängt ihn zur Hochzeit.
Marx persönlich; Teil 2: Doppelmoral
Marx hatte zwar seine Probleme mit Engels wilder Ehe und Frauenge-
geschichten, er selbst zeugte aber ein uneheliches Kind mit seiner Haus-
hälterin Helene Demuth - was er sein ganzes Leben lang verheimlichte
(Engels gab für ihn, bis Marx gestorben war, vor, er wäre der Vater des
Knaben, mit Namen Frederick). Doch sei hier noch angemerkt: Richtig
verstehen wird man Marx in dieser Hinsicht erst, wenn man seine Liebe
zu seiner Frau berücksichtigt!
Marx persönlich; Teil 3: Rassismus und Antisemitismus
Beschuldigungen über seinen angeblichen Antisemitismus sind inso-
fern falsch, als dass Marx in seiner Schrift
Zur Judenfrage die
Gleichstellung der Juden in Europa forderte, er bedient sich in dieser
Schrift auch antisemitischer Vorurteile wie z. B. den jüdischen
"Schacher".[3]
Auf die Russen soll er, wie Engels, auch nicht gut zu sprechen gewesen
sein. Das lag wohl hauptsächlich daran, dass das Zarenreich einer der
repressivsten Staaten der Welt war und, dass sozialistische und vor allem
auch anarchistische Theoretiker aus Russland Marxens Theorien nicht
sehr positiv gegenüberstanden - was wohl auch auf Gegenseitigkeit be-
ruhte.
Das was bleibt
Zu letzt sieht man einen Menschen, der, wie jeder andere Mensch, nicht
frei von Makel und Irrtum gewesen ist und bei weitem nicht vollkommen
war. Aber welcher Philosoph hatte denn bis jetzt den Stein der Weißen?
Welcher Mensch, außer Christus (;-)), war denn bisher perfekt?
Marx Ideen und ihre Bedeutung für die Welt kann man nicht beinahe
nicht hoch genug bewerten. Nie kann ich wirklich, den gesamten Um-
fang des Lebenswerks einer Persönlichkeit darstellen, die in ihrer Gesamt-
heit mit ihren Ideen zwar auch nur Kinder ihrer Zeit und eben nicht voll-
kommen war, aber schon alleine, dass sie bis heute zum Denken an-
regen und Fragen aufwerfen, die zur auf eine Beantwortung warten, ist
eine wirkliche Leistung.
So bleibt denn ein Mensch, der bei allen Fehlern und Irrungen und Wir-
rungen, die das Leben bereithält, doch wenigstens in einem immer im-
mer gewürdigt werden wird: Er hatte bei seiner Philosophie den
Menschen im Sinne und wie man für ihn das Beste erreichen kann!"
Danke Karl, auch wenn ich nicht immer deiner Meinung bin ! ;-)
Karl Marx (1818 - 1883)
"(Homo sum,) Nihil humani a me alienum puto."[4]
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[1] Karl Marx - Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Kritik des
Hegelschen Staatsrechts; 1843
[2] Sieh briefliche Korrespondenz zw. Marx und Engels bzw. anderen
Vertrauten.
[3] vgl. Karl Marx - Zur Judenfrage; 1844
[4] Einer der Wahlsprüche Marxens, zu Deutsch: "(Ein Mensch bin ich,)
Nichts menschliches ist mir fremd." - Terenz
Ein © liegt, meinerseits, auf dem Text; nicht das
den jemand brauchen würde, aber man weiß ja nie ...