08.10.2008 - 11:01
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  #1  
Alt 08.12.2006, 18:19
Praetor
 
Registriert seit: 03.11.2006
Ort: Belgien
Beiträge: 351
Nutzen der Geschichte

Und wieder einmal musste ich den Nutzen der Geschichte unter Beweis stellen.
Immer wird die Geschichte als nutzlos und langweilig abgestempelt.

Das "langweilig" ist eine Sache für sich, die ich hier nicht zur Debatte stellen will.
Aber wie ist es mit dem Nutzen? Glaubt ihr, die Menschheit hat aus ihrer Geschichte gelernt?

Meiner Meinung schon. Z.B. lehrte Gandhi uns den gewaltlosen Widerstand, die Philosophen, nicht alles zu glauben, was die "Alten" einem sagen, die Ära des Perikles welche Wirkungen die Demokratie haben kann,...
Meiner Meinung ist die Geschichte die Erfahrung der Menschheit, vergessen wir sie, vergessen wir auch all die Fehler die wir begangen haben, aus denen wir eigentlich lernen sollten.

Wie steht ihr dazu? Seht ihr die Geschichte als rein interessanten Bereich, der aber keinen größeren Nutzen hat?
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  #2  
Alt 08.12.2006, 18:36
Benutzerbild von Renascor
Tigers Hare Krischna Jung
 
Registriert seit: 03.12.2005
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 754
AW: Nutzen der Geschichte

Also in erster Linie geht es mir hier wie vielen im Forum, ich finde Geschichte einfach interessant. Warum kann ich dir nicht sagen.

Das mit dem Lernen ist ein guter Punkt.
Man kann aus der Geschichte lernen, jedoch tuen das nicht viele. Die Menschheit hat bereits dazu gelernt, jedoch nicht in dem Maße, wie sie es könnte.

Man kann z.B. lernen, dass Appeasementpolitik nichts bringt. Jedoch auch, dass Krieg brutal ist. Wenn man nun aber vor der Entscheidung steht Appeasement oder Krieg, wird immernoch in Europa Appeasement bevorzugt, da Europa viele schlimme Erfahrungen mit Krieg in der Geschichte gemacht hat. Hierbei ist aber die politische Einstellung ein sehr wichtiger Faktor.
Hier weiss man nicht, was man aus der Geschichte lernen kann, beides ist nicht gut und hat schlimme Folgen gehabt.

Jedoch gibt es auch Menschen die daraus nicht lernen.
Rommel hatte zum Beispiel zu seiner Familie in den 30er mal gesagt, dass es nie wieder einen 2. Weltkrieg geben wird, solange noch Menschen die Grausamkeiten des ersten kennen. Dass er damit unrecht hatte, wissen wir alle.

Gelernt hat die Menschheit schon, wie z.B. die Abschaffung der Sklaverei, Kolonien oder Unterdrückung des eigenen Volkes. Jedenfalls haben das einige Menschen. In anderen Erdteilen sieht das aber anders aus. Man kann soetwas nur durch Bildung lernen, die in diesen Teilen, meistens fehlt.

Also ich würde sagen, man kann persönlich sehr viel aus der Geschichte Lernen, aber ob das jeder Mensch so annimmt und der Meinung ist, dass dies richtig ist, kann man nicht sagen. Also ist dieses Lernen sehr subjektiv und von Person zu Person anders.
Jedoch kann die Menschheit großen Nutzen aus der Geschichte ziehen, wenn sie es will.
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Der Glaube kommt aus dem Herzen. Die Vernunft muß ihn festigen. Glaube und Vernunft sind nicht Gegenkräfte, wie manche Leute meinen. Je tiefer der Glaube ist, um so mehr schärft er die Vernunft. Wenn der Glaube blind wird, stirbt er. - Mahatma Gandhi
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  #3  
Alt 08.12.2006, 19:39
Quaestor
 
Registriert seit: 25.09.2006
Ort: nähe Freiburg im Breisgau
Beiträge: 104
AW: Nutzen der Geschichte

"Ein Volk das sich seiner Geschichte nicht erinnert ist dazu verurteilt sie noch einmal durchleben zu müssen"

Klingt nett, mittlerweile halte ich dies allerdings für nur z.T. gültig... Geschichte wiederholt sich wenn auch unter veränderten Rahmenbedingungen.
Prinzipiell gebe ich Reneascor recht, der persönliche Nutzen kann sehr hoch sein und theoretisch ebenso der aller aber eben nur theoretisch.


Gruß
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  #4  
Alt 10.05.2007, 17:49
Benutzerbild von rasputin753
Praetor
 
Registriert seit: 11.01.2007
Ort: München
Beiträge: 418
man kann es auch unter dem aspekt des wertes der bildung und die persönlichen berreicherung dadurch sehen.

geschichte ist bildung und sie kommt dir zu gute im umgang mit menschen in der richtigen einschätzung eines artikels den man liest oder wenn man z.b. durch rom läuft und nicht einfach nur mit erstaunen durch die straßen schlendert sondern sich für einen ein viel reichhaltigeres bild ergibt. da man z.b. das goldene haus oder das forum vor dem inneren auge wesentlich lebendiger wiedererstehen lassen kann. was mir zumindest schlicht und ergreifend spaß macht und mein leben berreichert. noch dazu kann ich dem italiener der mir an der piazza navona begegnet noch antworten wenn er von italien als erben des imperium romanums erzählt.
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  #5  
Alt 10.05.2007, 21:02
Benutzerbild von Salva
WAZ-Leser
 
Registriert seit: 10.05.2007
Ort: Münster
Beiträge: 79
erst mal hi alle miteinander ich bin neu in diesem forum angemeldet.

ich bin der meinung geschichte ist der leitende weg für die zukunft wir geben die geschichte der neuen generation weiter , z.b. in der schule oder von den eltern. somit beeinträchtigt die geschichte wie ich finde einen großen teil die zukunft.
sei es wenn man sich an die weltkriege oder andere fehler erinnert.
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  #6  
Alt 01.08.2007, 18:40
Benutzerbild von Boccaccia
Medicus
 
Registriert seit: 01.08.2007
Ort: Bochum, NRW
Beiträge: 19
Ich würde dazu einmal Marc Bloch empfehlen. Marc Bloch war Mitbegründer der bedeutenden Schule der Annales (mit Febvre) und einer der bedeutendsten Historiker des 20. Jahrhundert. An Stelle einer Ereignis-, und Nationengeschichte präferierte er die Strukturgeschichte sowie eine vergleichende Geschichte. Zudem war er Mediävist an der Sorbonne. In "Apologie der Geschichte" geht er u.a. auf diese Frage ein. Der Text ist inzwischen im Übrigen selbst zum Gegenstand der Geschichtswissenschaft geworden.

Bloch, Marc: Apologie pour l’histoire ou métier d’historien. Armand Colin, Paris, 1993.

(In deutscher Übersetzung u.a. bei Klett-Cota.

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  #7  
Alt 01.08.2007, 21:29
Benutzerbild von Tacitus
Tribun
 
Registriert seit: 27.07.2007
Ort: NRW
Beiträge: 79
Die Geschichte ist das wichtigste Gut, das der Mensch hat wie du schon erwähntest Patrice ist sie das Gedächnis der Menschheit.
Die Geschichte erfüllt vielerlei Nutzen einmal ist sie der Stoff aus dem zum Beispiel gute Geschichten gemacht sind die uns unterhalten oder ein Fach das sich lohnt als Hobby zu haben.
Aber den größten Nutzen den wir aus ihr ziehen können ist die Erfahrung vergangender Tage die uns als das Lehrbuch überhaupt lehren sollen die Welt besser zu machen.Nur der Mensch tut sich sehr in diesem Punkt.
Deshalb ist es wichtig den Menschen ihre Geschichte wieder ins Gedächnis zu rufen damit sie sich wieder darauf besinnen was man besser machen kann in der Zukunft.

Tacitus
__________________
Kenntnisse kann jedermann haben,
aber die Kunst zu denken ist das seltenste Geschenk der Natur.
Friedrich d. Grosse
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  #8  
Alt 18.11.2007, 01:57
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 403
Ich denke auch, dass man aus der Geschichte lernen kann und lernen muss.
So hat man in Deutschland aus den Fehlern der Weimarer Republik gelernt und in der Bundesrepublik die 5%-Hürde eingeführt, den Staatspräsidenten vom Ersatzmonarchen zum Repräsentanten degradiert und dafür gesorgt, dass das Parlament nicht durch Notverordnungen ausgehebelt werden kann. Das Grundgesetz ist im Gegensatz zur Weimarer Verfassung nicht so leicht außer Kraft zu setzen.
Die Fehler der Weimarer Republik kamen dadurch zustande, dass es zuvor in Deutschland keine Demokratie gab, aus ihrem Scheitern konnten die Deutschen Lehren für die BRD ziehen.
Meiner Meinung nach hat Russland heute deswegen so große Demokratiedefizite, da es keine wirkliche demokratische Tradition hat. Lediglich im Zuge der Revolution von 1917 gab es für ganz kurze Zeit eine Demokratie. Russland hat also keinerlei geschichtliche Anknüpfungspunkte für eine Demokratie nach westlichem Verständnis.
Wir sollten daher unsere Geschichte pflegen. Und damit meine ich nicht nur das Dritte Reich. Auch die Neuzeit, das Mittelalter und die Antike bieten etwa für den europäischen Einigungsprozess Anknüpfungspunkte. So gab es z.B. seit frühester Zeit zwischen den verschiedenen Völkern Europas Handel und damit auch einen kulturellen Austausch, die Bildung von Nationalstaaten ist daher ein vergleichsweise junger Abschnitt der europäischen Geschichte. Unsere Geschichte bildet aber auch eine Klammer in der der EU, denn wir können uns somit durch unsere gemeinsame Kultur definieren; bis zur Osterweiterung bestand die EG bzw. die EU aus Staaten des Christlichen Abendlandes.
Daher ist Geschichte meiner Meinung nach wichtig für unsere politische und gesellschaftliche Gegenwart und Zukunft.
__________________
Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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  #9  
Alt 18.11.2007, 11:01
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 729
Das waren bisher alles richtige und sehr gute Argumente. Ein Problem ist allerdings, wie in den Schulen (so sehe ich es jedenfalls in Bayern) mit dem Fach Geschichte umgegangen wird. Lehrpläne konzentrieren sich mehr auf Daten von Schlachten und Herrschern, die auswendig gelernt werden müssen. Das schreckt wohl viele ab. Zusammenhänge kommen zu kurz. Und manche Epochen oder Ereignisse werden in verschiedenen Jahrgangsstufen wiederholt durch gekaut. Dadurch bleibt manches auf der Strecke. Ein Beispiel scheint mir Geschichte und Kultur des Orients zu sein, einer Nachbarregion von uns. Wir haben von ihr viele Dinge in unserem europäischen Alltag, von Kaffee bis zu Musikinstrumenten. Darüber wissen wir nichts. Worüber wir nichts wissen, davor haben wir potenziell Angst. Und dann reduzieren sich Fernsehbilder aus der Region auf explodierende Autobomben. Schade.
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  #10  
Alt 18.11.2007, 11:18
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Das unterscheidet sich wohl von Bundesland zu Bundesland. Ich möchte nicht behaupten, dass meine Mitschüler Geschichte als Lieblingsfach hatten aber Daten auswendig lernen mussten wir kaum. Beziehungsweise ein paar schon aber das waren dann pro Klausur vielleicht 10 Daten die man möglicherweise können musste. Wenn man gut war (und faul wie ich ) konnte man diese Daten auch mal umschiffen.
Bei uns ging es mehr um Quellenanalyse (pro Klausur mindestens eine) und darum die Zusammenhänge zu verstehen.

Dass viel auf der Strecke bleibt stimmt allerdings. Antike und Mittelalter wurde kaum/gar nicht behandelt, vom Orient etc. mal ganz zu schweigen. Und wir hatten immerhin bis zu 6 Stunden Geschichte in der Woche.

Vielleicht war das in der Sek. I. noch anders aber daran erinnere ich mich kaum und das Schulmaterial ist längst in den Kamin gewandert.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #11  
Alt 18.11.2007, 12:46
MacX
Gast
 
Beiträge: n/a
@Sokotra:
ja, das ist ein Problem. Das war bei uns nicht anders, jedenfalls bis zur 10. Klasse, und an Realschulen ist das eben der einzige Geschichtsunterricht, den man bekommt.
Ab der Oberstufe bekamen wir dann "guten" Geschichtsunterricht mit Quellenanalyse etc.

Ein wichtiger Aspekt beim Verstehen der Geschichte ist auch, dass man gegen Scharlatane besser geschützt ist, die einem ihr Weltbild durch ein verzerrtes Geschichtsbild aufschwatzen wollen.
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  #12  
Alt 18.11.2007, 23:02
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 403
Ich glaube das geringe Interesse an Geschichte ist auch ein Fehler der Medien. Denn welcher geschichtliche Abschnitt läuft in den Medien rauf und runter? Das Dritte Reich!
Wäre es nicht auch einmal schön dienstags beim ZDF um 20:15 Uhr anstatt eine Dokumentation über Hitler, Hitlers Helfer, Hitlers Frauen und und und, eine Dokumentation über Karl den Großen, Friedrich II. Julius Caesar, das Abendländische Schisma etc. zu sehen?
Natürlich ist die Zeit von 1933-1945 für die Meisten der interessanteste Abschnitt, aber man muss auch die Zeit davor kennen, um Hitlers Machterreifung zu verstehen.
Man darf nicht so tun, als würde die Geschichte Deutschlands 1933 oder 1914 beginnen.
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Zitat von Helmut Kohl
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  #13  
Alt 18.11.2007, 23:05
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.343
Ach es laufen auch viele andere Dokumentationen aber Geschichte ist für viele einfach uninteressant. Man lebt nun einmal in der MTV-Kiffer-Generation, die sich selten für irgendwas wissenschaftliches richtig begeistern kann. Ich meine ich habe Abitur gemacht und ich kenne jemanden der sagte sinngemäß zum Lehrer (das werd ich nie vergessen): Wissen Sie bevor ich lese langweil ich mich lieber". Das hört sich zwar lustig an, ist aber nicht gerade ein Glanzzeugnis deutschen Abiturwesens.
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  #14  
Alt 18.11.2007, 23:47
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 403
Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Ach es laufen auch viele andere Dokumentationen
Das stimmt, aber meistens nicht zur Prime Time und wenn, dann nur auf Sendern wie ARTE, 3SAT oder Phoenix, die nun nicht gerade für ihre hohen Einschaltquoten bekannt sind. Der Sender, der mit Geschichte die höchsten Quoten erzielt ist das ZDF und welche Geschichtsdokus laufen dort dienstags um 20:15? Dokumentationen über das Dritte Reich! Dokus über das Römische Reich, das antike Griechenland, das Mittelalter usw. habe ich dort auf diesem Sendeplatz bis jetzt noch nicht gesehen.
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Zitat von Helmut Kohl
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  #15  
Alt 19.11.2007, 06:50
Praetor
 
Registriert seit: 03.11.2006
Ort: Belgien
Beiträge: 351
Zu sagen, es liefen gar keine Geschichtssendungen ausserhalb des Themenbereichs 2. WK wäre vielleicht etwas übertrieben, lief denn nicht die Doku-Reihe Rome immer um 20:15?
Aber zugegeben, die 3.Reich-Dokus nerven mich inzwischen schon aus Prinzip.
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