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23.03.2008, 17:28
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 685
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Zivilisation war gestern
"Wir leben schließlich unter zivilisierten Menschen", sagte kürzlich einer in einer Diskussion. Ich wollte es wissen, schlug das Stichwort "Ziviisation" im Großen Brockhaus von 1935 nach, las:
"Die für alle Menschen notwendige Lebensform, ihr Kulturbesitz im weitesten Sinne ... Im deutschen Sprachgebrauch (seit Spenglers „Untergang des Abendlandes“, 1918) Bezeichnung für die besondere Kulturstufe, die auf die Überreife der Kultur folgt und ihr Ende bedeutet. Sie soll in der abendländischen Kultur sich aus der fortschreitenden Naturbeherrschung, der Rationalisierung des Lebens, dem Verstandeskult und der modernen Technik ergeben haben."
Naja, das war nicht hilfreich, ist wohl doch etwas alt, dachte ich mal, schau ich mal in Mayer Lexikon nach:
"Bezeichnung für die durch Wissenschaft und Technik veränderten materiellen und sozialen Gegebenheiten einer Gesellschaft, in Abhebung von einem ungeformten Naturzustand menschlichen Zusammenlebens. Gelegentlich wird noch zwischen Zivilisation und Kultur unterschieden, wobei Zivilisation auf die Felder des wissenschaftlichen, technischen, ökonomischen und sozialen Fortschritts, Kultur mehr auf die Wertordnung bezogen ist. Die soziale Seite der Zivilisation besteht in der Regelung der zwischenmenschlichen Beziehungen mithilfe von Verträgen und Institutionen. Damit verbunden ist die Schaffung kollektiver Schutzeinrichtungen, die dem Einzelnen ein Gefühl erhöhter Sicherheit und Freiheit geben."
Au weia - mir fiel Hartz IV als soziale Regelung ein; wie wir technischen Fortschritt nutzen, indem wir unsere Umwelt kaputt machen, Genmanipulation einsetzen, für Biodiesel Nahrungsmittel durch den Auspuff jagen ....
Wenn der Brockhaus recht hat, und ein zeitliches Aufeinanderfolgen von Kultur und Zivilisation besteht - haben wir dann die Zivilisation hinter uns und sind wir in einer neuer Stufe? Aber wie sollen wir sie benennen?
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25.05.2008, 09:16
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 685
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Ich hake bei diesem Thema nochmal nach, mit einer klareren Frage - ausgehend vom Zerfall der Gesellschaft, und vom fehlenden Konsens. Ich präzisiere die These: Unsere Zivilisation war gestern. Viele Zivilisationen aus der Geschichte, von denen man spricht, sind zerfallen, und es gibt sie heute nicht mehr. Die Gründe mögen verschieden sein, einer war, dass Zivilisationen irgendwann keine weitere Entwicklung bzw. nachhaltige Lösungen für eine Zukunft mehr aufzeigen konnten. Ich behaupte das zum Beispiel auch mal für die Ollen Römer. Gibt es Parallelen?
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25.05.2008, 09:24
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.249
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Ich muss gestehen, dass ich deinen Ansatz weshalb unsere Zivlisisation bereits vergangen sein soll nicht greifen kann.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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25.05.2008, 09:41
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 685
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Ich knüpft noch mal an Mayers Lexikon an: Zivilisation als "Bezeichnung für die durch Wissenschaft und Technik veränderten materiellen und sozialen Gegebenheiten einer Gesellschaft, in Abhebung von einem ungeformten Naturzustand menschlichen Zusammenlebens. Gelegentlich wird noch zwischen Zivilisation und Kultur unterschieden, wobei Zivilisation auf die Felder des wissenschaftlichen, technischen, ökonomischen und sozialen Fortschritts, Kultur mehr auf die Wertordnung bezogen ist. Die soziale Seite der Zivilisation besteht in der Regelung der zwischenmenschlichen Beziehungen mithilfe von Verträgen und Institutionen. Damit verbunden ist die Schaffung kollektiver Schutzeinrichtungen, die dem Einzelnen ein Gefühl erhöhter Sicherheit und Freiheit geben."
Technik hat die Gegebenheiten und das Zusammenleben verändert: Internet, Computerspiele und Infotainment in den Medien mögen viele begeistern, aber führen sie die Menschen weiter in ihrem Zusammenleben? Sie machen manches einfacher, aber auch flacher, der Umgang miteinander ist oberflächlicher geworden und Konsensfähigkeit (die zum Beispiel mal eine Arbeiterbewegung hervor gebracht hat) ist zugunsten einer Ellenbogengesellschaft zurück gedrängt.
Kollektive Schutzeinrichtungen, die dem Einzelnen ein Gefühl erhöhter Sicherheit und Freiheit geben? Armut nimmt auch in Deutschland zu, für medizinische Versorgung und Rente werden immer mehr Zusatzversicherungen verlangt.
Haben wir Lösungsperspektiven für die vorhandenen Probleme (Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Integration in einer sich von der Zusammensetzung wandelnden Gesellschaft) in unserer Zivilisation? Wo ist wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt am Horizont?
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25.05.2008, 10:05
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.249
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Es gibt ja fortschrittliche soziale Ideen, die auch von Parteien diskutiert werden, das bedingungslose Grundeinkommen ist so etwas.
Unser Staat und damit auch unsere Gesellschaft befinden sich momentan in einem gewaltigen Strukturwandel, der entgegen aller Behauptungen längst nicht beendet ist. Industrienationen sind inzwischen eher in Südostasien oder Osteuropa zu suchen, die klassischen Industrienationen wandeln sich immer mehr zu Post-Industrienationen. Dass dies alle Bereiche tangiert dürfte klar sein, inwieweit lässt sich vermutlich erst in der Zukunft sagen.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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25.05.2008, 10:09
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 685
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Alles d'accord. Aber sind Ideen auch schon Visionen? Zum Beispiel über die Rolle der Europäer in der Globalisierung? Was ist die Vision einer "Post-Industrienation"? Ich habe selber keine (realistisch erscheinende) Antwort. Bleibe aber von Natur aus Optimist ...
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25.05.2008, 12:31
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nobodys fault
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Registriert seit: 10.12.2007
Ort: Braunschweig
Beiträge: 322
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Das ganze hier finde ich ist ja mal ein sehr interessanter Denkansatz. Respekt.
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Auch Demokratie ist nur eine (Geld-)Aristokratie 
alles Geschriebene zeigt meine "bescheidene und nicht gefragte" Meinung.
und Ordograffi feler kan der fiender bealten 
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BIG SCHÄUBLE IS WATCHING YOU
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25.05.2008, 12:48
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.249
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Zitat von Sokotra
Alles d'accord. Aber sind Ideen auch schon Visionen? Zum Beispiel über die Rolle der Europäer in der Globalisierung? Was ist die Vision einer "Post-Industrienation"? Ich habe selber keine (realistisch erscheinende) Antwort. Bleibe aber von Natur aus Optimist ...
Ich glaube eine Vision der Postindustrienation ist, dass sich Arbeit vom simplen Gelderwerb hin zur gewünschten Berufung wandelt. Gedanken wie die eines Bürgergeldes unterstützen jedenfalls diese Richtung.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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25.05.2008, 13:09
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 685
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Zitat von Wulfnoth
Ich glaube eine Vision der Postindustrienation ist, dass sich Arbeit vom simplen Gelderwerb hin zur gewünschten Berufung wandelt. Gedanken wie die eines Bürgergeldes unterstützen jedenfalls diese Richtung.
Sympathischer Gedanke im Sinne einer Selbstverwirklichung, doch eher utopisch, denn "Berufungen" können nicht automatisch eine Existenz begründen - manchmal ist diese Selbstverwirklichung nur als Hobby möglich, auf dem Arbeitsmarkt funktioniert das nicht. So ist bei Hauptschulabgängern immer noch der Kfz-Mechaniker der "Traumberuf", und die Stellen sind überlaufen. Und wie lassen sich auf diese Weise "kollektive Schutzeinrichtungen, die dem Einzelnen ein Gefühl erhöhter Sicherheit und Freiheit geben", schaffen? In einer Gesellschaft, die im Durchschnitt immer älter wird und in der ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung auf Subventionierung angewiesen wird? Das Bürgergeld muss ja auch wo herkommen.
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