20.07.2008 - 03:53
Historik Forum
Religion Von den heidnischen Religionen bis zu den modernen kann über alles diskutiert werden.
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  #1  
Alt 14.01.2008, 22:18
Benutzerbild von Draconarius
Historiddler
 
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Beiträge: 772
Lehren des frühen Christentums

Hier mal eine Thread zu den Glaubensrichtungen des frühen Christentums -besteht ja anscheinend Diskussionsbedarf.

Zunächst ist festzustellen, dass es bereits in der frühen Kirche Ansichten über die Richtigkeit von Lehren gab. Der gestern von mir erwähnte Ignatius von Antiochia sah den alleinigen Weg zur Erlösung in der Gemeinde unter Leitung eines Bischofs, der die Verantwortung für die Wahrung des Glaubens trage - Abfall von der Gemeinde entspreche dabei Abfall von der wahren Lehre.

Arianismus: Christus wird als Geschöpf Gottes bezeichnet, er ist somit mit letzterem wesensähnlich (homoios) jedoch nicht wesensgleich (homousisos), da er nicht aus dessen Substanz gezeugt sei.

Donatisten: Der Name stammt von nordafrikanischen Priester Donatus. Die Ursprünge der Bewegung lagen in der Zeit der Christenverfolgungen. Die Donatisten sahen diejenigen Christen, die ihren Glauben verleugneten um Strafen zu entgehen, als Verräter an ihrem Glauben, und sahen folglich Sakramente, die von solchen Priestern gespendet wurden als ungültig an und gingen zu Wiedertaufen über. Ein ähnlicher Streit entbrannte im 11. Jahrhundert darüber, ob die Sakramente simonistischer Priester (Simonie = Ämterkauf) ihre Gültigkeit behielten: Man kam zu der Antwort, dass sie ihre Gültigkeit besitzen, da der Mensch nur das Gefäß, das Sakrament aber direkte Gabe Gottes ist.

Dualistische Bewegungen: Ein weites Feld. Hierunter fallen häretische Bewegungen bis ins Mittelalter. Eine erste größere Gruppe bildeten die Manichäer (3./4. Jahrhundert), die von Christen, Gnostikern, Juden und östlichen Erlösungsreligionen beeinflusst wurden. Es folgten die Paulikianer an der Grenze zwischen Byzanz und den muslimischen Gebieten, darauf die Bogomilen in den Balkanstaaten und schließlich die Katharer, die vor allem in Norditalien und Südfrankreich ihre Hauptverbreitungsgebiete hatten.
Unter Dualismus versteht man eine Glaubensvorstellung, die die Welt als Produkt eines bösen Schöpfergottes sieht der im Gegensatz zu der jenseitigen Welt eines guten Gottes steht. Ziel der Anhänger ist es, der diesseitigen Welt durch asketisches Verhalten zu entkommen. Mehr will ich dazu nicht schreiben, weil es ein extrem weites Feld ist. Selbst die europäischen Erscheinungen dieser Bewegung hatten unterschiedliche Sichtweisen: Man kann schon bei diesen einfach gesagt zwischen einer gemäßigten, christlich geprägten Ausrichtung und einer radikaldualistischen Prägung, die eigentlich eine eigene Religion ist, unterscheiden. Geht man ins Detail, wird eine Vielzahl an Prägungen und Entwicklungsstufen deutlich.

Gnosis: Bestritten wurde u.a. die Gegenwart Jesu Christi in Fleisch und Blut beim Abendmahl. Dabei bildeten die Gnostiker keine einheitliche Bewegung, sondern waren in verschiedene philosophische Schulen aufgefächert, die ihre Denkrichtung als heilsbringende Erkenntnis verstanden. Die Wurzeln der Gnosis sind dabei jedoch vorchristlich, ein Hinweis dafür ist ein auf hellenistischen Vorbildern beruhender Dualismus.

Monophysiten: Streit um das Verhältnis Gott - Mensch in der Person Christi. Der Monophysitismus hatte als Inhalt - so hatte es damals Abt Eutyches festgelegt - dass in Christus durch dessen Inkarnation die menschliche und göttliche Natur eine einzige werden. Dies wurde auf einer Synode in Ephesus 448 bestätigt, jedoch drei Jahre später durch das vierte allgemeine Konzil von Chalkedon als Ketzerei verurteil. Leo I. hatte nämlich die Formel von zwei Naturen Christi und ihrer Einheit in der Person desselben entwickelt. In Jesus christus existieren beide Naturen vollständig und sind wirksam, dabei jedoch weder getrennt noch vermischt.

Zusammengeschrieben unter Mithilfenahme von:
Oberste, Jörg: Ketzerei und Inquisition im Mittelalter.
Borst, Arno: Die Katharer.
Meines eigenen Gedächtnisses.
__________________
μηδὲν ἄγαν
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  #2  
Alt 14.01.2008, 22:32
Benutzerbild von Nichts
nobodys fault
 
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Beiträge: 323
Vielen Dank erstmal, ist interressant zu lesen und beantwortet mir einige Fragen, aber zwei hab ich immer noch zum Thema Arianismus:
Wie kommt es eigenlich das der Arianismus sich unter den Germanenvölkern (Ausnahme Franken)als erstes verbreitete und sich teil lange hielt?
Wieso war die genaue Definierung des Verhältnisses Jesu-Gott(+ später dann Heiliger Geist)ein so wichtiger Punkt damals, dass solche Spaltungen innerhalb der noch relativ jungen Kirchengemeinde auftraten?
__________________
Auch Demokratie ist nur eine (Geld-)Aristokratie
alles Geschriebene zeigt meine "bescheidene und nicht gefragte" Meinung.

und Ordograffi feler kan der fiender bealten
_________________________________________
BIG SCHÄUBLE IS WATCHING YOU

Geändert von Nichts (14.01.2008 um 22:39 Uhr).
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  #3  
Alt 14.01.2008, 22:51
Benutzerbild von Draconarius
Historiddler
 
Registriert seit: 04.06.2005
Beiträge: 772
Zitat von Nichts Beitrag anzeigen
Wie kommt es eigenlich das der Arianismus sich unter den Germanenvölkern (Ausnahme Franken)als erstes verbreitete und sich teil lange hielt?
Also eine sehr geläufige Erklärung ist, dass die Vater-Sohn-Theorie gut ins Götterbild der Germanen passte.
Allerdings kann man auch andere Gründe finden.
Bei den Goten kann man das z.B. an Wulfila und an der Übersiedlung der Goten in oströmisches Gebiet festmachen. Warum? Nun, Wulfila wurde auf einer von Arianern beherrschten Synode zum Bischof geweiht und mit der Gotenmission beautragt, er übersetzte dann noch die Bibel in die gotische Sprache und legte auch den Grundstein für deren Schriftsprache. Man sieht also, dass er auf die Goten einen stark prägenden Einfluss hatte. Der andere Punkt ist wie bereits gesagt die Übersiedlung. Der zu dieser Zeit regierende Kaiser Valenz hatte eine proarianische Haltung, was wiederum viele gotische Adelige und ihren König Fritigern dazu brachte, 376 zum arianischen Christentum überzutreten.
Von da aus wurden dann wieder die Ostgoten beeinflusst, darauf die Wandalen, Burgunder und anderen Germanenvölker. Bei den Franken setzte sich mit Chlodwig jedoch der Katholizusmus durch - die Folgen sind bekannt.

Zu zweitens: Gute Frage. Haben wir Theologen hier?
__________________
μηδὲν ἄγαν
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  #4  
Alt 21.05.2008, 14:08
Benutzerbild von Basileios
Plebejer
 
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Ort: Eberswalde
Beiträge: 26
Die Donatisten sind eigentlich keine Abspaltung aus Gründen der Theologie sondern aus Gründen der Kirchendisziplin, später kommt Nordafrkanischer und Berberischer Seperatismus dazu und verfestigt diese Gemeinschaft.

Die anderen sind (je nach Standpunkt Häresien, Ketzereien oder einfach andere Ansichten des Problems wie Jesus beschaffen war.)

Das Unterteilt sich in die Frage wer Jesus geschaffen hat (ob überhaupt) und die Frage wie sehr Jesus Gott und wieviel er Mensch war.

Hintergrund, es gab immernoch Heiden (also Leute für die das Christentum ein reichlich intoleranter Kult um einen unbedingte Exklusivität fordernden völlig abstrakten Gott war). Zwischen Konstantin und Theodosius war es einfach "hipp" vom Heidentum zum Christentum überzutreten (die zwei Jahre Julian mal aussen vor). Viele waren also wegen besserer Aufstiegschancen, materiellen Vorteilen oder allgemeinem Gruppendruck Christen geworden. Das stiess natürlich den "Altchristen" der Diokletian Verfolgungen auf.
Es gab vor allem von diesen nun die Absicht das Christentum so genau wie möglich zu definieren um dabei "heimliche Heiden" sozusagen auszufiltern, die (angeblich) heidnische Elemente im Christentum erhalten wollten.

Wichtigster Knackpunkt war dabei der Monotheismus. Es gibt nur einen Gott. Ist Jesus auch Gott dann gibts zwei. Ist Jesus=Gott dann gibts das Problem das er zweifelt, blutet, Angst hat, zumindest kurze Zeit tot ist.


Radikalste Ansicht hat Seballius (ca.220) wonach Jesus selber Gott war, auf die Erde runtergestiegen ist und nach erfüllte Mission wieder zurück in den Himmel ist. Weil das Jesus aber gerade die "Menschlichkeit" nimmt, kommt diese Richtung nirgends gut an.

Daran stossen sich in Alexandria (318) sowohl Athanasios als auch Arius, in ihrem Disput entstehen zwei neue Richtungen. Arianismus sagt, Gott schafft Jesus. Schickt ihn auf die Erde und holt ihn nach der Mission in den Himmel, er wird zur Belohnung eine Art Co-Gott.

Athanasios kann das nicht gelten lassen, meint Jesus war schon immer da und wurde von Gott nur aktiviert um die Kinder Gottes (Juden d.Alten Testaments) zu erweitern, während der Mission bekommt er menschliche Eigenschaften verpasst, die dann praktisch am Kreuz hängen bleiben.

Erweiterte Spielart daraus bringt Nestorius auf, bei ihm ist Jesus eine Art Zwitterwesen und sich dessen sogar bewusst. Immer wenn er die menschlichen Eigenschaften zeigt, dann schaltet er mal eben auf Mensch um, ansonsten kommt der Gott zum Vorschein.

Das Jesus nun selbst entschieden hat, wann es Mensch und wann Gott angebracht war, stellen die Monophysiten in Frage. Jesus war durchweg -ein Teil von- Gott, hat sich aber zur besseren Erkenntnis bei den Menschen wie ein Mensch aufgeführt. Außerdem gabs ihn schon immer (anders als Arianer).

das sind die Hauptrichtungen, es zersplittert sich dann aber schnell immer weiter ...

Das Problem war nun das Konstantin ja gerade die Inflation der heidnischen Kulte durch ein homogenes Christentum ersetzen wollte. Als er sah das das sich mit staatlichem Rückenwind rasend schnell zersplitterte, rief er die Rettungsveranstaltungen, also die ersten Konzilien ein. Eigentlich ohne Erfolg. Von Konstantin II. bis Valens (ohne Julian) waren die Arianer die "kaiserliche" Form des Christentums, danach wurde es die Athanasios Richtung und die wurde dann die katholisch-orthodox-oikomenische Altkirche.

Die anderen verbanden sich mit sepertistischen Regionalbewegungen, Armenien, Syrien, Ägypten wurden Monophysitisch. Die Germanen durch Wulfila Arianer, Africa war schon vorher Donatistisch und in Kleinasien stand hinter jedem kleinen Austand eine andere religiöse Splittergruppe. Die Nestorianer erhielten sich in den (Minderheits)Christen die im Persien lebten und verbreiteten sich von da bis nach China und Indien.
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