Zitat von Jason
Der Pantheon der Griechen und Römer hat zwar an sich eine integrative Kraft in der antiken Welt gehabt. Aber das Jenseitsgebilde war trostlos.
Das mag auf Römer und Griechen zutreffen, aber was ist mit den nordischen Völkern? Wallhalla klingt nicht unbedingt trostlos. Dagegen ist das christliche Himmelreich eher ziemlich langweilig...
So einfach kann's also nicht sein.
Römer waren eher pragmatische Menschen die das auch so - in aller Regel - akzeptiert haben.
Beweisen tun das Epigraphe wie:
"Jetzt bin ich sicher, dass es kein Morgen mehr gibt"
"Ich bin draußen. Hoffnung, Glück - ich verabschiede mich von Euch. Ich habe nichts mehr mit euch gemein. Veräppelt jemand anderes."
"Egal wer Du bist, es ist Gut. Ich war nicht. Ich bin nicht. Ich weiß nichts. Es geht mich nichts an."
undsow.
Diesen Zitaten kann ich mich eigentlich nur anschließen. Bin ich deshalb jetzt "anfällig" für das Christentum?
Maö davon abgesehen, dass diese Zitate von der gebildeten Oberschicht stammen. Wie es in den Köpfen der einfachen Leute aussah, ist nahezu unbekannt.
Inzest, Mord, Rache, Erniedrigung, Hass, Trunksucht und Unstetigkeit prägten das Verhalten der "Götter".
Wenn man jetzt mal Inzest streichst (weil einfach praktisch nicht möglich) und vielleicht noch Trunksucht, mir ist jedenfalls keine Erwähnung von übermäßigem Alkoholkonsum diese Gottes bekannt, dann bleibt da immer noch genug, was auch auf den christlich/jüdisch/islamischen Gott zutrifft. (Siehe Antwort Titus Livius' als ein Beispiel von vielen im Alten Testament)
Ach ja, dafür kannst du aber dann noch extremen (um nicht zu sagen extremistischen) Egoismuns und Intoleranz hinzufügen.
In der Ilias verhalten sie sich wie kalte Schachspieler. Die Menschen sind ihre Figuren.
Wohl eher wie Puppenspieler. Andererseits beteiligen sie sich aktiv, greifen persönlich ein, sind teil des Ganzen. So kalt waren sie wohl dann doch nicht.
Und Menschen sind nicht gleich Menschen.
Wie meinst du das? Wenn du damit auf die Sklaverei anspielst, die hat auch das Christentum nicht gestört. Ganz im Gegenteil, lehrte es doch, sich nicht gegen seinen Herrn aufzulehnen und schön brav zu buckeln, damit man auch ja in den Himmel kommt.
Diese Religion war Menschenverachtend und lieblos.
Nö, sie war lebensbejahender als das Christentum.
Viel entscheidender für die Verbreitung des Christentums waren der Erlösungsgedanke und das Versprechen der Belohnung für ein "gutes" Leben. Daher die anfängliche Verbreitung gerade und insbesondere in den untersten Schichten der Gesellschaft.
Und dann kam etwas bis dahin unbekanntes hinzu: Der Missionierungsgedanke. Keine andere Religion hatte bis dahin irgendetwas unternommen aktiv neue Anhänger zu suchen, jedem der es hören wollte und auch jedem der es nicht hören wollte, das Wort dieses einen Gottes zu predigen und jedem einzureden, dass nur dieser Gott der einzig Wahre ist.
Der unerschütterliche Glaube der Missionare bis hin zum Tod hat mit Sicherheit gerade die kriegerischen Völker beeindruckt und zu deren Überzeugung einen großen Teil beigetragen.