Login
|
|
|
Forenübersicht
|
|
|
|
 |

05.05.2008, 17:45
|
 |
nobodys fault
|
|
Registriert seit: 10.12.2007
Ort: Braunschweig
Beiträge: 322
|
|
|
Karthago oder Konstantinopel?
Kaiser Herakleios stand nach 610 vor einer schwierigen Entscheidung.
Das Oströmische Reich durch den Bürgerkrieg verwüstet, die Perser plünderten die asiatischen Provinzen des Reiches, selbt Ägypten, welches gerade erst der Hauptkampfort des Bürgerkrieges war wurde von ihnen bedroht (und dann von diesen 619 zwischenzeitlich erobert, zwar wieder zurückgewonnen aber nur um 642 mit Syrien an die Araber verloren zu gehen).
Awaren und Slawen bedrohten Konstantinopel von der anderen Seite und machten Anzeichen es zu erobern.
Nun soll Herakleios überlegt haben, sich in seine Heimatprovinz Karthago zurückzuziehen und wurde (angeblich erst in letzter Minute) vom Patriarchen Sergios umgestimmt, der ihm Gold aus den Kirchenschätzen verprach wenn er von Konstantinopel aus kämpfe. Letztendlich war er dann ja auch nach langen Kämpfen vorerst erfolgreich.
Nun stellen sich einige Fragen:
1.Hätte der Plan von Karthago aus den Gegenangriff zu starten klappen können?
Vorteile wären ja eine relativ ruhige sichere Basis und bessere Verfügbarkeit über die Resourcen des westlichen Teils des Reiches der vom Bürgerkrieg weitgehend verschont blieb.
2.Doch hätte Konstantinopel so lang es alleine aushalten können?
Vorrallendingen psychologisch gesehen, da es ja nun nicht mehr Residenz des Kaisers gewesen wäre.
3.Und wenn Konstantinopel verlorengegangen wäre, hätte man des westlichen Teil halten können, bzw ein neues Weströmisches Reich bilden können?
Vielleicht wäre Karthago so auch dem Reich nicht so schnell (698) verlorengegangen als Residenzstadt der Kaiser.
Insgesamt einige offene spekulative Fragen aber auf jeden Fall eine geschichtlich sehr wichtige Entscheidung,wie aber eigentlich die ganze Regierungszeit des Herakleios, die fast durchgehend eine Gradwanderung war und leider ein eher schlechtes Ende nahm.
__________________
Auch Demokratie ist nur eine (Geld-)Aristokratie 
alles Geschriebene zeigt meine "bescheidene und nicht gefragte" Meinung.
und Ordograffi feler kan der fiender bealten 
_________________________________________
BIG SCHÄUBLE IS WATCHING YOU
Geändert von Nichts (05.05.2008 um 17:52 Uhr).
|

05.05.2008, 19:02
|
 |
The Censor
|
|
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.068
|
|
Zitat von Nichts
1.Hätte der Plan von Karthago aus den Gegenangriff zu starten klappen können?
Woher hätte er sie rekrutieren sollen?
Zitat von Nichts
Vorteile wären ja eine relativ ruhige sichere Basis und bessere Verfügbarkeit über die Resourcen des westlichen Teils des Reiches der vom Bürgerkrieg weitgehend verschont blieb.
Welchen westlichen Teil meinst du?
2.Doch hätte Konstantinopel so lang es alleine aushalten können?
Vorrallendingen psychologisch gesehen, da es ja nun nicht mehr Residenz des Kaisers gewesen wäre.
Es konnte ja augenscheinlich, in die Psychologie der damaligen Menschen kann man sich nur schwer versetzen, die Frage wird dir niemand beantworten können.
3.Und wenn Konstantinopel verlorengegangen wäre, hätte man des westlichen Teil halten können, bzw ein neues Weströmisches Reich bilden können?
Siehe Frage oben, welchen westlichen Teil? Die versprengten Gebiete in Nordafrika und Süditalien etwa.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
|

05.05.2008, 19:49
|
 |
nobodys fault
|
|
Registriert seit: 10.12.2007
Ort: Braunschweig
Beiträge: 322
|
|
Zitat von Wulfnoth
Woher hätte er sie rekrutieren sollen?
Aus denselben Regionen wie die, die für den Krieg gegen Phokas rekrutiert wurden. Ausserdem, (weiss jetzt nicht woher die historischen Quellen meiner Buchquelle hierfür stammen) wurde anscheinend schon Ünterstützung für die Expedition des Niketas unter den Berg- und Wüstenstämmen gesammelt. Desweiteren halt Söldner. Sehr erfolgsversprechend sehen diese
Möglichkeiten vielleicht nicht aus doch schienen sie nicht so abwegig zu sein, das sie nicht erwogen wurden.
Zitat von Wulfnoth
Welchen westlichen Teil meinst du?
Siehe Frage oben, welchen westlichen Teil? Die versprengten Gebiete in Nordafrika und Süditalien etwa.
Die nordafrikakanischen Gebiete waren so ziemlich die einzigsten oströmischen Gebiete die noch relativ reich und ohne grosse Kriegschäden waren.
Auf das Exarchat Ravenna in Italien konnte er sich sicherlich nicht einfach so verlassen, da jenes in den letzten Jahren weitgehend sich selbst überlassen ziemlich seperatistisch veranlagt war und selbst genügend Probleme hatte.
Allerdings bleiben immer noch die Mittelmeerinseln, die von Karthago gut erreichbar waren.
__________________
Auch Demokratie ist nur eine (Geld-)Aristokratie 
alles Geschriebene zeigt meine "bescheidene und nicht gefragte" Meinung.
und Ordograffi feler kan der fiender bealten 
_________________________________________
BIG SCHÄUBLE IS WATCHING YOU
Geändert von Nichts (05.05.2008 um 19:53 Uhr).
|

20.05.2008, 19:24
|
 |
Plebejer
|
|
Registriert seit: 20.05.2008
Ort: Eberswalde
Beiträge: 26
|
|
|
Konstantinopel aufzugeben stand eher nicht zur Debatte, es ging eher um eine Evakuierung der Regierung. Für den Fall des Falls der Hauptstadt. Der Kaiser setzte sich unmittelbar nach der Entscheidung zugunsten von Konstantinopel ins heutige Georgien ab, wo er praktisch im Rücken der Perser neue Truppen aufstellte. Mit denen führte er ja später seine Art "Sichelschnitt" Operationen gegen das sassanidische Zentrum aus, die zum Kollaps des antiken Persien führten.
Als Alternative hätte sich vermutlich eine Sammlung von Kräften in Africa (Karthago) angeboten von wo aus man gegen die persischen Truppen über Ägypten hätte operieren können. Das Herakleios diese Strategie in Erwägung zog ist möglich, er war mit beiden Regionen vertraut. Er war in Karthago aufgewachsen war aber aus einer armenischen Familie.
Das das Perserreich zu Zeiten der großen "Doppelbelagerung" Konstantinopels eigentlich schon auf dem absteigenden Ast war zeigte die Passivität der Perser, die die Awaren und ihre Verbündteten auf der europäischen Seite anrennen liessen, während sich ihre besten Einheiten (Shararbaraz) in Agypten mit dem Plündern Nilaufwärts beschäftigten.
Eine dauerhafte Verlegung nach Karthago, wäre vor den Arabern kaum zu halten gewesen. Für diese stellte Nordafrika kein Hinderniss dar. Die Ägypter (Kopten) standen als Monophysiten in nicht gerade großer Loyalität zum Kaiserreich. (Nord)Afrika war durch Berber von Aussen und Donatisten von Innen keine wirklich stabile Provinz. Außerdem lies sich die "Megacity" Konstantinopel kaum aus der Ferne regieren. Ihr Verlust (an Awaren oder Perser) wäre fast sicher der Durchmarsch der Araber bis auf den Balkan gefolgt (wie es später die Türken gemacht haben).
|
 |
|
Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
|
|
|
Forumregeln
|
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.
HTML-Code ist aus.
|
|
|
|
Letzte Links
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|