25.07.2008 - 05:19
Historik Forum
Römisches Reich In diesem Forum dreht sich alles um das antike Rom, von der Köngszeit bis zur Spätantike.
Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen
  #1  
Alt 25.04.2008, 13:49
Plebejer
 
Registriert seit: 24.04.2008
Beiträge: 12
Konstantinische Wende?

ich habe schon in einiger Literatur von der "Konstantinischen Wende" gelesen. Hier wird also das Mailänder Edikt von 313 als Wende in der römischen Christenpolitik gedeutet. Was ist aber mit dem Toleranzedikt des Galerius von 311, also zwei jahre zuvor? Ist hier nicht eher von einer "Galerischen Wende" zu sprechen? Immerhin wurden die Christen bis 311 noch verfolgt und seit dem Toleranzedikt waren sie, wie er Nema schon sagt, toleriert. Das Edikt von Konstantin und seinem Mitkaiser (dessen Namen ich vergessen habe....) stellt doch eigentlich nur eine Beschleunigung auf dem Weg des Christentums zur Staatsreligion dar, oder nicht?
was meint ihr dazu??
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 25.04.2008, 14:09
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.067
Es wäre mir neu, dass in zeitgemäßer Geschichtsschreibung präzise Daten für längere Abläufe genommen werden, allerchöchstens werden Ereignisse wie solche Edikte als Kennzeichnend für den Ablauf genommen.

Die Konstantinsche Wende in der Christenpolitik des Reiches umfasst wesentlich mehr als nur dieses eine Edikt, man könnte sagen dass sie prägend war für das Reich bis zum Ende.
Galerius hingegen starb bereits 311 n. Chr. und man kommt nicht umhin in seiner gewandelten Christenpolitik politisches Kalkül im Bürgerkrieg gegen Konstantin zu vermuten. Vor allem weil Galerius im wesentlich christianisierteren Osten herrschte.
Konstantin drückte dem Reich einen nachhaltigen Stempel auf, was man von Galerius nur bedingt sagen kann, er war ja auch gerade mal 6 Jahre Augustus.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 25.04.2008, 14:20
Plebejer
 
Registriert seit: 24.04.2008
Beiträge: 12
da hast du recht. ich hab' die frage auch hauptsächlich aus dem einfachen grund gestell, weil eben diese frage in meiner vorabi.klausur aufgetaucht ist...

[quote=Wulfnoth;60132]Galerius hingegen starb bereits 311 n. Chr. und man kommt nicht umhin in seiner gewandelten Christenpolitik politisches Kalkül im Bürgerkrieg gegen Konstantin zu vermuten.[quote]

ich würde sagen, dass Konstantin auch zu einem großen Teil aus politischem Kalkühl gehandelt hat. Immerhin nahmen die Christen die Obrigkeit als gottgegeben hin und dies war für Konstantin, der ja eine Alleinherrschaft im römischen Reich anstrebte sehr praktisch.
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 25.04.2008, 14:22
Plebejer
 
Registriert seit: 24.04.2008
Beiträge: 12
eben was anders...ich weiß, blöde frage, aber wie funtzt das mit dem zitieren richtig?hat ja scheinbar nich geklappt......
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 25.04.2008, 14:30
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.067
Zitat von Argalon Beitrag anzeigen
eben was anders...ich weiß, blöde frage, aber wie funtzt das mit dem zitieren richtig?hat ja scheinbar nich geklappt......
Einfach in dem du unter einem Beitrag auf Zitieren klickst.

Zitat von Argalon Beitrag anzeigen
ich würde sagen, dass Konstantin auch zu einem großen Teil aus politischem Kalkühl gehandelt hat. Immerhin nahmen die Christen die Obrigkeit als gottgegeben hin und dies war für Konstantin, der ja eine Alleinherrschaft im römischen Reich anstrebte sehr praktisch.
Ja, wobei das bei Konstantin auch Prägung gewesen sein könnte, da schon seit Vater als Tetrarch eine sehr lasche Christenpolitik durchsetzte.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 30.04.2008, 00:20
Benutzerbild von tejason
Quaestor
 
Registriert seit: 17.10.2007
Beiträge: 113
Konstantinsche Wende

Zitat von Argalon Beitrag anzeigen
....ich würde sagen, dass Konstantin auch zu einem großen Teil aus politischem Kalkühl gehandelt hat. Immerhin nahmen die Christen die Obrigkeit als gottgegeben hin und dies war für Konstantin, der ja eine Alleinherrschaft im römischen Reich anstrebte sehr praktisch.
Die "Konstantinsche Wende" umfasst mehr als nur sein (relativ spätes, aktives) Bekenntnis zum Christentum. Das Christentum wurde erst unter seinen Söhnen zu einer römischen Staatsreligion - Das Christentum wurde dann als Reichskirche organisiert und erheblichen Belastungen ausgesetzt. Später hat die Kirche tatsächlich - wie vermutlich bereits von Konstantin gewollt - eine zusätzliche Bindekraft für das Römische Reich entfaltet und sogar einen neuen Romanisierungsschub in wenig durchdrungenen Provinzen erst ermöglicht.

Was beinhaltete die "Konstantinsche Wende" noch? Es war eine Abkehr von der Tetrarchie und eine Rückkehr zur erblichen Dynastie wie vor Diokletian. Ansonsten gilt Konstantin als der Vollender der Reformen des Diokletian in vielerlei Hinsicht! Die Teilreiche der Tetrarchie traten auch bei seinem Tode wieder als Machtbereich seiner Söhne wieder in Erscheinung. Schon vorher setzte er seine Söhne als Erben und Unterkaiser (Cäsaren) ein. Erst seit ihm gliederte sich das Reich nach Unten in Präfekturen, Diozösen und Provinzen - ganz im Sinne Diokletians. Konstantin vollendete die bereits unter Galerius & Diokletian begonnene Militärreform, bei der die überkommene Gliederung in Legionen und Auxilien durch die flexiblere Unterteilung in Grenzheer und Feldheer ersetzt wurde. Die lineare Grenzverteidigung früherer Zeiten wurde endgültig auf eine Verteidigung in der Tiefe umgestellt, wo bewegliche Reserven zum Gegenschlag etabliert wurden. Konstantin stellte seinen Söhnen und Unterkaisern fähige Heermeister (ein neues Amt) zur Seite, vollendete die strikte Trennung (Diokletians) zwischen Militär- und Reichsverwaltung. Weiterhin etablierte sich die Reichsbürokratie unter ihm so weit, dass sie auch ohne einen starken Kaiser an der Spitze funktionieren konnte und auch nach den späteren Reichsteilungen immer eine Klammer des Gesamtreiches blieb. Diese Bürokratie war später so sehr gefestigt, dass sie selbst dann noch funktionierte als das Reich selbst unter gegangen war und germanische Könige sich ihrer bedienen konnten. Solange diese Könige Foederaten waren gab es in dieser Form der Verwaltung nur wenige Brüche, erst spätere Könige formten sie in ihre Hofverwaltungen um.
Weiterhin förderte er die römische Wirtschaft, das es insbesondere in den gallischen Grenzgebieten zu einer "konstantinschen Blüte" kam: Einem wirklichen Aufschwung nach den Verheerungen der Soldatenkaiserzeit bis hin zur Tetrarchie!
Eine sehr wichtige Maßnahme dazu war eine Münzreform. Anstelle des Aureus, der Goldmünze seit Kaiser Augustus, führte er den Solidus ein. Der Aureus hatte besonders seit dem 3. Jht. an Wert verloren, weil der Staat nur immer schlechtere Münzen prägte, deren Metallgehalt ständig geschmälert worden war und daher nicht mehr recht als Zahlungsmittel akzeptiert wurde. Alte, gute Münzen waren eingezogen worden und neue, unterwertige wieder unter das Volk gebracht worden. Der Staat hatte also eine künstliche Inflation ausgelöst, die Diokletian erfolglos mit seinem Höchstpreisedikt bekämpfen wollte. Leidtragende waren die Bürger des Reiches gewesen, die für ihre Leistungen keine adäquate Bezahlung mehr erhalten hatte. Es war sogar so weit gekommen, dass der Staat selbst die Annahme des eigenen, schlechten Geldes bei Steuerzahlungen verweigert hatte!!! Durch Einführung des Solidus wurde das Vertrauen der Bürger wieder hergestellt und die Wirtschaft begann wieder zu florieren.

Die alten paganen Religionen waren untereinander im Wesentlichen "kompatibel" und nicht Zerstritten oder von besonderem Missionseifer beseelt. Konstantin hat das Christentum sehr stark gefördert, obwohl er sein Kaisertum im wenig christianisierten Westteil des Reiches begann. Entsprechend können Aussagen wie die von mir oben zitierte so nicht Bestand haben. Seine Hinwendung zum Christentum förderte sicher nicht seinen Drang zur Alleinherrschaft im Reich. Langfristig gesehen legte er den Grundstein dafür, dass im Christentum eine weitere Klammer des Reiches (1 gemeinsamer Glaube) zur politischen Reichsidee hinzukam. Insofern ist seine Einbindung des Christentums in die Reichspolitik ganz sicher auch ein politischer Zug gewesen, erklärt aber nicht alles.
Seine eigene Hinwendung zum Christentum soll durch ein Wunder ausgelöst worden sein, das er zuerst als Wunder des heidnischen Sonnengottes Apoll gedeutet zu haben scheint. Immerhin hing auch sein Vater der Sonnenreligion an! Späer lies er sich aber überzeugen, dass in Wirklichkeit Jesus Christus sich ihm in diesem Wunder gezeigt habe. Eine moderne Erklärung für dieses Wunder ist ein sogenanntes "Ring-Halo", bei dem eine ringförmige Lichterscheinung am Himmel zu sehen sei....

...für weitere Punkte habe ich jetzt keine Lust mehr - um Mitternacht:

Ich empfehle dir den Austellungsband zur Konstantinausstellung von letztem Jahr, die leider vorüber ist:
"Konstantin der Große"
da findest du über diese Themen ausführliche Antworten. Ich hätte es bedauert diese Ausstellung in Trier nicht besucht zu haben.

Geändert von tejason (30.04.2008 um 00:25 Uhr).
Mit Zitat antworten
Antwort


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen

Forumregeln
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks sind aus
PingBacks sind aus
RefBacks sind an
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Die politische Wende in Karthago Parthamasiris Altertum 8 08.07.2006 17:58


Letzte Themen
Wie behaltet ihr euer Wissen?
Views: 89, Antworten: 5
Die Waffen SS
Views: 433, Antworten: 17
Wer war Schuld am 1....
Views: 5045, Antworten: 167
Vorteile der Monarchie?
Views: 78, Antworten: 7
Der Balkan in der...
Views: 1230, Antworten: 65
Historische Einordnung der...
Views: 155, Antworten: 9
Briand-Kellogg Pakt -...
Views: 488, Antworten: 28
Die Chroniken von Narnia
Views: 185, Antworten: 15
Freisler
Views: 184, Antworten: 14
Sollte Horst Köhler eine...
Views: 414, Antworten: 21
Technische Probleme
Views: 48, Antworten: 0
Themenbezogener...
Views: 128, Antworten: 10
Bodenbesitzverhältnisse in...
Views: 103, Antworten: 6
Wer hat's gewusst? "Juden in...
Views: 1198, Antworten: 29
Wie gotisch ist Spanien?
Views: 444, Antworten: 24
Zeige:

Letzte Links
Spätbyzantinisc... Link Spätbyzantinische Geschichte aufrufen
Views: 5, Kommentare: 0
Historische... Link Historische Rezepte aufrufen
Views: 27, Kommentare: 0
Lateinübersetzu... Link Lateinübersetzungenverzeichniss aufrufen
Views: 33, Kommentare: 0
Lakedaimon Link Lakedaimon aufrufen
Views: 37, Kommentare: 0
Generationes Link Generationes aufrufen
Views: 104, Kommentare: 0
[ Archiv | Hilfe ]
Design und Inhalt: Copyright© 2005 - 2008 by Historik Forum
Powered by vBCMS® 1.2.5 ©2002 - 2008 vbdesigns.de
vBulletin® Copyright ©2000 - 2008, Jelsoft Enterprises Ltd.
Content Relevant URLs by vBSEO 3.2.0