Zitat von Argalon
....ich würde sagen, dass Konstantin auch zu einem großen Teil aus politischem Kalkühl gehandelt hat. Immerhin nahmen die Christen die Obrigkeit als gottgegeben hin und dies war für Konstantin, der ja eine Alleinherrschaft im römischen Reich anstrebte sehr praktisch.
Die "Konstantinsche Wende" umfasst mehr als nur sein (relativ spätes, aktives) Bekenntnis zum Christentum. Das Christentum wurde erst unter seinen Söhnen zu einer römischen Staatsreligion - Das Christentum wurde dann als Reichskirche organisiert und erheblichen Belastungen ausgesetzt. Später hat die Kirche tatsächlich - wie vermutlich bereits von Konstantin gewollt - eine zusätzliche Bindekraft für das Römische Reich entfaltet und sogar einen neuen Romanisierungsschub in wenig durchdrungenen Provinzen erst ermöglicht.
Was beinhaltete die "Konstantinsche Wende" noch? Es war eine Abkehr von der Tetrarchie und eine Rückkehr zur erblichen Dynastie wie vor Diokletian. Ansonsten gilt Konstantin als der Vollender der Reformen des Diokletian in vielerlei Hinsicht! Die Teilreiche der Tetrarchie traten auch bei seinem Tode wieder als Machtbereich seiner Söhne wieder in Erscheinung. Schon vorher setzte er seine Söhne als Erben und Unterkaiser (Cäsaren) ein. Erst seit ihm gliederte sich das Reich nach Unten in Präfekturen, Diozösen und Provinzen - ganz im Sinne Diokletians. Konstantin vollendete die bereits unter Galerius & Diokletian begonnene Militärreform, bei der die überkommene Gliederung in Legionen und Auxilien durch die flexiblere Unterteilung in Grenzheer und Feldheer ersetzt wurde. Die lineare Grenzverteidigung früherer Zeiten wurde endgültig auf eine Verteidigung in der Tiefe umgestellt, wo bewegliche Reserven zum Gegenschlag etabliert wurden. Konstantin stellte seinen Söhnen und Unterkaisern fähige Heermeister (ein neues Amt) zur Seite, vollendete die strikte Trennung (Diokletians) zwischen Militär- und Reichsverwaltung. Weiterhin etablierte sich die Reichsbürokratie unter ihm so weit, dass sie auch ohne einen starken Kaiser an der Spitze funktionieren konnte und auch nach den späteren Reichsteilungen immer eine Klammer des Gesamtreiches blieb. Diese Bürokratie war später so sehr gefestigt, dass sie selbst dann noch funktionierte als das Reich selbst unter gegangen war und germanische Könige sich ihrer bedienen konnten. Solange diese Könige Foederaten waren gab es in dieser Form der Verwaltung nur wenige Brüche, erst spätere Könige formten sie in ihre Hofverwaltungen um.
Weiterhin förderte er die römische Wirtschaft, das es insbesondere in den gallischen Grenzgebieten zu einer "konstantinschen Blüte" kam: Einem wirklichen Aufschwung nach den Verheerungen der Soldatenkaiserzeit bis hin zur Tetrarchie!
Eine sehr wichtige Maßnahme dazu war eine Münzreform. Anstelle des Aureus, der Goldmünze seit Kaiser Augustus, führte er den Solidus ein. Der Aureus hatte besonders seit dem 3. Jht. an Wert verloren, weil der Staat nur immer schlechtere Münzen prägte, deren Metallgehalt ständig geschmälert worden war und daher nicht mehr recht als Zahlungsmittel akzeptiert wurde. Alte, gute Münzen waren eingezogen worden und neue, unterwertige wieder unter das Volk gebracht worden. Der Staat hatte also eine künstliche Inflation ausgelöst, die Diokletian erfolglos mit seinem Höchstpreisedikt bekämpfen wollte. Leidtragende waren die Bürger des Reiches gewesen, die für ihre Leistungen keine adäquate Bezahlung mehr erhalten hatte. Es war sogar so weit gekommen, dass der Staat selbst die Annahme des eigenen, schlechten Geldes bei Steuerzahlungen verweigert hatte!!! Durch Einführung des Solidus wurde das Vertrauen der Bürger wieder hergestellt und die Wirtschaft begann wieder zu florieren.
Die alten paganen Religionen waren untereinander im Wesentlichen "kompatibel" und nicht Zerstritten oder von besonderem Missionseifer beseelt. Konstantin hat das Christentum sehr stark gefördert, obwohl er sein Kaisertum im wenig christianisierten Westteil des Reiches begann. Entsprechend können Aussagen wie die von mir oben zitierte so nicht Bestand haben. Seine Hinwendung zum Christentum förderte sicher nicht seinen Drang zur Alleinherrschaft im Reich. Langfristig gesehen legte er den Grundstein dafür, dass im Christentum eine weitere Klammer des Reiches (1 gemeinsamer Glaube) zur politischen Reichsidee hinzukam. Insofern ist seine Einbindung des Christentums in die Reichspolitik ganz sicher auch ein politischer Zug gewesen, erklärt aber nicht alles.
Seine eigene Hinwendung zum Christentum soll durch ein Wunder ausgelöst worden sein, das er zuerst als Wunder des heidnischen Sonnengottes Apoll gedeutet zu haben scheint. Immerhin hing auch sein Vater der Sonnenreligion an! Späer lies er sich aber überzeugen, dass in Wirklichkeit Jesus Christus sich ihm in diesem Wunder gezeigt habe. Eine moderne Erklärung für dieses Wunder ist ein sogenanntes "Ring-Halo", bei dem eine ringförmige Lichterscheinung am Himmel zu sehen sei....
...für weitere Punkte habe ich jetzt keine Lust mehr - um Mitternacht:
Ich empfehle dir den Austellungsband zur Konstantinausstellung von letztem Jahr, die leider vorüber ist:
"Konstantin der Große"
da findest du über diese Themen ausführliche Antworten. Ich hätte es bedauert diese Ausstellung in Trier nicht besucht zu haben.