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11.06.2007, 16:32
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Praetor
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Registriert seit: 11.01.2007
Ort: München
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@ wulfnoth: habe nochmal nachgelesen da sind schon verblüffende paralellen zwischen den beiden. wusste gar nicht dass odoaker auch arianer war, aber nur am rande. muss dir recht geben.
Mirko: "welcher kaiser war schon legitim???????"
wie meinst du das ???
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12.06.2007, 09:39
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Propraetor
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Registriert seit: 31.01.2007
Beiträge: 630
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worauf beruht die legitimität eines kaisers? warum war der sprößling eines kaisers ein "legaler" kanditat während ein feldherr ein usurpator war? wir dürfen unser wertesystem nicht auf die römer ausdehnen. denen war die abstammung bei weitem nicht so wichtig wie "unserem" ach so geliebtem adel "heute". wenn sich ein usurpator als fähiger kaiser herausstellt, warum nicht?
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Wahrlich glücklich ist, wer am Abend sagen kann, heute habe ich gelebt - Horaz
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12.06.2007, 14:42
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Praetor
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Registriert seit: 11.01.2007
Ort: München
Beiträge: 418
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du darfst da nicht unterschätzen wie sehr die römer speziell die legionäre an die genealogie geglaubt haben, abstammung war ihnen sehr wichtig. so wäre Caligula nie kaiser geworden wenn Germanicus nicht so ungemein beliebt gewesen wäre. aber von dieser einstellung ist glaube ich viel in späteren jahren verloren gegangen, obwohl es bei contstantin ja wieder passiert, doch im allgemeinen hast du recht. Bei den vielen usurpationen wird es schwer einen legitimen herrscher zu finden. doch wie hätte ein kaiser den überhaupt legitimation finden können ? durch den Senat, durch die Bevölkerung des Reiches oder Roms, durch seinen Vorgänger, durch die Generäle?
aber im 5 jhd. wird einem diese entscheidung erleichtert denn die legitimation kann man in meinen augen nur bekommen wenn man vom oströmischen kaiser anerkannt wird, schließlich war das reich immer noch ein rechtskörper und die obersten repräsentanten und administratoren die kaiser, wenn also einer von beiden verstirbt sollte nur der jeweils andere seinem nachfolger echte legitimation verschaffen können.
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12.06.2007, 17:32
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.454
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Das ist meines Wissens nach in der Geschichtswissenschaft faktisch weitgehend geklärt. Ein Kaiser der frühen/hohen Kaiserzeit legitimiert sich durch die Treue der Prätorianer, des Senats und der Legionen. Abstammung war wichtig aber nicht entscheidend.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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12.06.2007, 19:20
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Censor
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Registriert seit: 25.12.2005
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 1.191
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Das Kaisertum war ohnehin nicht erblich, darauf wollte ich auch gar nicht heraus. Trotzdem versuchten Kaiser/Kaiseranwärter ihrer Herrschaft einen legitimen Anstrich zu geben.
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Die Leute streiten im allgemeinen nur deshalb, weil sie nicht diskutieren können - G.K. Chesterton
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Kennt ihr schon unsere Benutzerkarte?
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17.10.2007, 22:42
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Quaestor
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Registriert seit: 17.10.2007
Beiträge: 116
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Zitat von Wulfnoth
So langsam kann ich mir ein Bild von der Situation machen.
- Nordafrika gehörte den Vandalen
- Spanien und Südfrankreich den Westgoten
- Sueben mischten auch noch im Norden Spaniens mit.
- Dalmatien wurde fast unabhängig vom Reichskörper regiert.
- In Frankreich hat sich ein römischer Statthalter zum König gekrönt. (Weiß jemand mehr darüber?)
Das Vandalenreich des Geiserich war Rom direkt abgetrotzt worden. Es war der einzige Reichsverlust, der auch als solcher irgendwie anerkannt war.
In Spanien waren foederierte Sueben und Alanen ansässig, die Verhältnisse waren undurchsichtig und die Römer beorderten die als besonders treu geltenden Westgoten zum „Aufräumen“ nach Spanien. In der Folge erhielten diese dort sehr viel Einfluss und Macht. Durch den Bruch König Eurichs mit Rom – auch z.t. von Römern provoziert – setzten sich die Westgoten dort dauerhaft fest. Zu einer größeren Ansiedlung von Westgoten kam es aber erst nachdem die Franken sie aus Südfrankreich vertrieben hatten.
In Dalmatien herrschte der letzte legitime weströmische Kaiser Nepos. Legitim, weil von Ostrom anerkannt. Was das bedeutet erkläre ich wenn’s wirklich verlangt wird.
Gallien ist fast ebenso schwer zu beschreiben wie Spanien: Im Süden herrschten die mächtigen Westgoten, durch Verträge als Foederaten sehr eng an das Reich gebunden. Um ein Gegengewicht zur Hand zu haben, hatte Aetius die Burgunder im Raum der Westschweiz und Savoyen angesiedelt, die ebenfalls Foederierte waren. Die Burgunder waren relativ schwach und daher besonders „Romtreu“. Beiderseits des Rheines etablierten sich damals die Kleinkönigreiche der Franken, ebenfalls mit Rom foederiert. Sie konnte man noch relativ gut lenken solange starke Heere in Gallien standen.
Im Bereich der Bretagne gab es an der Loire ein weiteres, foederierte Volk: Die Bretonen! Sie waren eigentlich schon lange römische Reichsbürger, um einen König hatte sich ein keltischer Kriegerbund gebildet. Exakt kann man das nicht beschreiben, vermutlich kamen Teile aus dem aufgegebenen Britannien.
Weiter in Gallien gab es die Bereiche einiger kleinerer foederierter, sarmatischer Gruppen. Das waren meist Alanen, von denen jene um Orleans bei Attilas Schlacht an den Katalaunischen Feldern einige Bekanntheit erworben hatten. Genau wie Bretonen und fränkische Kleinkönige waren sie durch starke gallische Heermeister in der Regel gut zu dominieren.
Im westlichen Raetien saßen schon lange die Alamannen, ein Stammesbund zu denen auch die Juthungen gerechnet werden. Sie galten als wild und schwer zu bändigen aber leicht zu Angriffen zu reizen. Auch sie lebten unter Kleinkönigen.
In Zentralfrankreich mit dem Zentrum Soissons befand sich die unmittelbarste und stärkste „nationalrömische“ Stellung in Gallien. Hier war das Zentrum römischer Macht und darauf stützten sich die immer noch beachtlichen Reste der römischen Heeres in Gallien. Nach dem Tode des Aetius (dem aus welchen Gründen auch immer der Erfolg gegen die Hunnen König Attilas 451 zugeschrieben wird), der die foederierten Völker gegeneinander ausgespielt hatte und damit deren Loyalität entscheidend untergraben hatte, folgte Aegidius als Heermeister Galliens – dem damit protokollarisch die gleichen Ehren wie einem foederierten König zustanden – nach. Er hatte viele Probleme die römische Macht zu stabilisieren, was er durch zahlreiche Kämpfe versuchte. Solange Kaiser Majorian (ein ehemaliger Kriegskamerad) auf dem Thron saß bekam er auch entsprechende Unterstützung. Er erwarb sich einiges Ansehen bei den foederierten Königen und konnte so die römische Oberhoheit auf fragiler Basis Aufrecht erhalten. Leider wurde Majorian durch den (fränkisch stämmigen) Heermeister Ricimer ermordet, da sie politische Gegensätze hatten. Ricimer war formeller Vorgesetzter des Aegidius, da er Heermeister der gesamten weströmischen Heeres war und er setzte einen Kaiser ein den sowohl Ostrom als auch Aegidius ablehnten. Nun folgte ein römischer Bürgerkrieg in dem beide Seiten die umliegenden Foederaten für sich einzuspannen versuchten. Aegidius wusste die Masse des gallischen Regionalheeres hinter sich und mobilisierte nicht zu letzt fränkische Kleinkönige (darunter den Vater des späteren Frankenkönigs Chlodwig!! Er war also ein Geburtshelfer der merowingischen Gesamtmonarchie). Auch mit den Vandalen versuchte er in Kontakt zu treten, wusste er sich doch der Unterstützung des legitimen oströmischen Kaisers Leo sicher und plante mit dessen Hilfe eine Bereinigung der Lage ohne Ricimer! Andere Foederaten, wie die mächtigen Westgoten sicherten sich zuerst einmal eine bessere Ausgangsstellung ehe sie offen Partei ergriffen…
Zu Aegidius Pech konnten sich Ricimer und Kaiser Leo jedoch einigen, nachdem Ricimer den von ihm zum Kaiser gekrönten Libius Severus ermordet hatte. Leo setzte einen neuen weströmischen Kaiser ein: Anthemius, einen erfolgreichen General seiner Truppen. Ricimer akzeptierte schließlich und heiratete eine Tochter des neuen Kaisers. Damit wurde der gallische Heermeister Aegidius für die „Legitimisten“ entbehrlich, da ein Ausgleich zwischen ihm und Ricimer unmöglich schien. In der Folge verlor der Hof in Ravenna den von Aegidius kontrollierte Teil Galliens mitsamt seinem Heer, woraus sich in der Folge das Sonderreich von Soissons entwickelte!
Nun überschlugen sich die Ereignisse! Der neue Kaiser Anthemius war militärisch durchaus fähig, aber wohl etwas verblendet. Er war von der Überzeugung durchdrungen dass die Goten (er hatte gegen ostgotische Foederaten gekämpft) DIE Bedrohung für Roms fortleben schlechthin seien. Tatsächlich waren die Westgoten unter ihrem neuen König Eurich stärker als je zuvor und bei den Thronwirren der Römer relativ passiv gewesen. Anthemius überzeugte Ricimer und Kaiser Leo von seinem Wahn und organisierte einen unprovozierten, gleichzeitigen Krieg gegen die Goten in Ost und West um diese Gefahr ein für Allemal auszumerzen!
Gegen die Ostgoten führte er kein Kommando, auf seine Anregung versammelte der oströmische Kaiser ein Heer, hielt sich aber zurück und hetzte kleinere Foederaten auf die Goten, darunter die Skiren, (östlichen) Sueben oder die Heruler. In diesen verbündeten Völkerschaften war der spätere Heermeister Orestes (siehe Romulus Augustus!) ein führender General und Odoaker (siehe später!) Sohn eines Kleinkönigs… Näher gehe ich darauf nicht ein…
Gegen die Westgoten aktivierte er die Bretonen, alanische Foederierte und viele Franken. Auch die Burgunder schienen nicht abgeneigt, die spanischen Sueben sowieso… Die Einkreisungspolitik schien erfolgreich. Nun sollte gemeinsam mit Ricimers römischer Armee der Sieg errungen werden. Aber alles lief Schief! König Eurich schlug blitzschnell zu noch ehe sich die Zange um ihn schließen konnte: Er besiegte in schnellen Feldzügen die Bretonen, deren König zu den Burgundern floh. Diese, von den gotischen Erfolgen überrascht, beteiligten sich nun nicht am Krieg gegen die Goten. Der Römer Aegidius (und seine Nachfolger) nutzten die Chance wieder gegen Ricimer loszuschlagen und paralysierten mit ihrem fränkischem Anhang die Ricimer-treuen Franken und die übrige „nördliche Zange“. Der Gote Eurich schlug unterdessen im Vorbeigehen die spanischen Sueben und drängte den Geschlagenen sogar seine eigene, arianische Religion auf. Ricimers Heere in Südfrankreich konnten gegen die Goten ebenfalls nichts ausrichten… Eine ähnliche Katastrophe erlebte der Kriegsplan Kaiser Anthemius gegen die Ostgoten!
Ricimer verstand was die Stunde geschlagen hatte und suchte nach einem Ausweg. Der plötzliche Tod seines Rivalen und gallischen Heermeisters Aegidius half ihm nicht, da die gallischen Truppen lieber zu dessen Nachfolger standen. Er hielt sich zurück, kommandierte einen Vandalenzug und rebellierte schließlich gegen Kaiser Anthemius, der gegen Eurich viel Land verloren hatte. Schließlich rebellierte der Römer Ricimer gegen seinen Kaiser, tötete ihn, plünderte Rom (wo sich der Kaiser verschanzt hatte) mit seinen römischen Truppen und setzte einen weiteren Marionettenkaiser Olybrius ein der aus einer senatorischen Familie stammte. Damit geriet er wieder in Gegensatz zu Ostrom, der diesen Mann nicht anerkannte. Ricimer war unterdessen an Fieber gestorben und auch Kaiser Olybrius überlebte dieses Schicksalsjahr 472 nicht!
Neuer Heermeister Westroms wurde nun ein Burgunder, der nur zu bald König seines eigenen Volkes werden sollte und Gundobad hieß. Immerhin waren die Burgunder das einzige nahe genug wohnende foederierte Volk mit dem sich Westrom die letzten Jahre nicht überworfen hatte und von dem man sich einigen Schutz versprach. Gundobad versuchte in die Fußstapfen Ricimers zu treten, doch die waren ihm viel zu groß und die Strategie bis zur Untauglichkeit ausgereizt. Er ernannte Glycerius zum Kaiser des Westens, was der Kaiser des Ostens (der ja die Oberhoheit hatte) natürlich nicht anerkannte. Kaiser Leo (der Ostkaiser) ernannte nun seinerseits seinen Neffen Julius Nepos als neuen Kaiser des Westens ein. Glycerius wurde sich rasch klar darüber, dass er militärisch gegen die Mittel über welche Nepos dank Kaiser Leo verfügte nicht antreten konnte. Sein Heermeister Gundobad verstrickte sich selbst in innerburgundische Familienzwiste an deren Ende er deren König wurde, seiner Kreatur Glycerius aber nicht helfen konnte. Der zog die Konsequenz und unterwarf sich Kaiser Nepos, der den ehemaligen Kaiser zum Bischof von Salona machte.
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17.10.2007, 22:43
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Quaestor
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Teil 2:
Mit Julius Nepos betrat nun der letzte legitime Kaiser des Weströmischen Reiches die Bühne der Weltgeschichte. Sein Heermeister den er aus dem Osten mit brachte war Orestes. Die Schlagkraft seines Heeres beruhte nicht zuletzt auf den Truppen jener unglücklichen Foederaten, die Ostrom auf Anregung des so unglücklich agierenden Kaisers Anthemius gegen die Ostgoten aufgebracht hatten und geschlagen worden waren. Zu ihnen gesellten sich die Reste der weströmischen Truppen Italiens und des Alpenvorlandes. Nepos gebot nur über Dalmatien und das Alpenvorland südlich der Donau, wobei die Herrschaft zwischen dem Alpenkamm und Donau eher eine nominelle bleiben musste. Viele Inseln im Mittelmeer waren in der Hand der Vandalen, die auch ganz „weströmisch-Nordafrika“ im Bunde mit einheimischen Berberfürsten beherrschten. In Spanien mochten sich noch Teile idell dem Thron in Ravenna verbunden fühlen, allein es war keine Herrschaft. Den nunmehr größten Teil beherrschten die Westgoten König Eurichs. Dieser starke König, durch die Machenschaften Kaiser Anthemius gegen das Reich aufgebracht, kontrollierte nunmehr den größten Teil Spaniens, mochten die aufsässigen Sueben ihm nun folgen oder wieder einmal rebellieren! Eurich beherrschte nun auch unangefochten Südfrankreich westlich der Rhone, entlang der Loire und wohl die ganze Atlantikküste Galliens. Sein Verhältnis zum „König der Römer“ von Soissons blieb gut, erkannten die Nachfolger des Aegidius den Kaiser Nepos doch ebenfalls nicht recht an, Ganz Gallien blieb Nepos auch verwehrt, herrschten doch dort Burgunder, Franken, Alemannen und sogar Alanen. Man beachte auch das es Orestes war, der mit Nepos nach Italien zog und der ihn schließlich vertreiben würde und seinen eigenen Sohn zum Kaiser machen sollte dem er den hochtrabenden Namen „Romulus Augustus“ gab: Ein Usurpator reinsten Wassers!! Nepos musste sich schließlich auf seine dalmatischen Besitzungen zurückziehen.
Zusammenfassend kann man sagen dass bei der Absetzung des Kindkaisers Romulus Augustus im Jahre 476 – nicht einmal ein einziges Jahr nach seiner Inthronisierung! – das Weströmische Reich bereits in Trümmern lag:
• Es gab den legitimen Kaiser Nepos dessen Herrschaft nur Teile Dalmatiens umfasste.
• Das Reich des Romulus Augustus, bestehend etwa aus einem nach Norden erweiterten Italien ohne seine westlichen Inseln
• Das Reich des Syagrius um Soissons in Zentralfrankreich
…da bleibt nicht viel Platz für Fantasy im Stile von „The Last Legion“
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18.10.2007, 09:15
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The Censor
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Sehr interessanter Text, danke!
Mich würde aber mal interessieren woran du die Legitimität von Julius Nepos festmachst. Alleine weil der Ostkaiser ihn eingesetzt hatte?
Das mit der Legimitität war im Römischen Reich ja immer so eine Sache für sich, denn aufgrund der fehlenden Erbfolge o.ä. definierte sich die Legimitität häufig durch die militärische Stärke und da kann ich oberflächlich betrachtet einen Patt zwischen Julius Nepos und Orestes bzw. Romulus Augustus sehen. Der erstere war nicht in der Lage das "Reich" zu halten, der letztere schaffte es nicht sich Dalmatien anzueignen.
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18.10.2007, 10:39
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Demokrat
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@tejason
Interessante Übersicht! Dein Text zeigt nicht zuletzt eines klar auf: Roms Verhalten gegenüber seinen "barbarischen" Nachbarn war – etwas provokant formuliert – bis zuletzt geprägt von Geringschätzung gegenüber diesen Völkern und einer akuten Selbstüberschätzung bezüglich der eigenen Mittel und Fähigkeiten. Die Römer verhielten sich gegenüber den Germanen auch im 5. Jahrhundert noch so, wie sie es mehrere Jahrhunderte zuvor getan hatten – nur konnten sie sich ein derartigs Verhalten aufgrund der herrschenden Machtverhältnisse im Prinzip gar nicht mehr leisten.
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Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt. Mark Twain, 30.11.1835 bis 21.04.1910
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18.10.2007, 10:58
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The Censor
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Zitat von Kriegsknecht
Interessante Übersicht! Dein Text zeigt nicht zuletzt eines klar auf: Roms Verhalten gegenüber seinen "barbarischen" Nachbarn war – etwas provokant formuliert – bis zuletzt geprägt von Geringschätzung gegenüber diesen Völkern und einer akuten Selbstüberschätzung bezüglich der eigenen Mittel und Fähigkeiten. Die Römer verhielten sich gegenüber den Germanen auch im 5. Jahrhundert noch so, wie sie es mehrere Jahrhunderte zuvor getan hatten – nur konnten sie sich ein derartigs Verhalten aufgrund der herrschenden Machtverhältnisse im Prinzip gar nicht mehr leisten.
Woran machst du das fest?
Die Anerkennung als Foederaten mit teils eigenen Herrschern sagt doch eigentlich das Gegenteil aus.
Genauso wie das Überlassen von Gebieten.
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18.10.2007, 11:13
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Demokrat
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Unter anderem an der Tatsache, dass es die Römer fertigbrachten, sich früher oder später mit praktisch jedem germanischen Foederaten zu überwerfen – und zwar oftmals eigenverschuldet.
Die Anerkennung der Foederatenherrscher sowie das Überlassen von Gebieten würde ich auch nicht unbedingt als Zeichen für besondere römische Toleranz und Wertschätzung gegenüber den Germanen deuten. Vielmehr handelten die Römer speziell in jener Epoche, über welche wir hier diskutieren, aus purer Notwendigkeiten heraus. Sie konnten ihre Macht in den meisten Gebieten Galliens und nördlich der Alpen aus eigener Kraft gar nicht mehr aufrecht erhalten. So versuchten sie, die eindringenden Völker zumindest auf dem Papier in einen "prorömischen" Status zu zwängen.
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Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt. Mark Twain, 30.11.1835 bis 21.04.1910
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18.10.2007, 11:28
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The Censor
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Zitat von Kriegsknecht
Unter anderem an der Tatsache, dass es die Römer fertigbrachten, sich früher oder später mit praktisch jedem germanischen Foederaten zu überwerfen – und zwar oftmals eigenverschuldet.
Du sprichst von den Römern als ob es sich dabei um ein homogen handelndes System gehandelt hat. Dem ist aber nicht so, sondern es gab ja permanente Wechsel in der römischen Führungsetage, was auch immer wieder mit politischen Kurswechseln verbunden war. Die ständige Abfolge von Foederatenvertägen und Brüchen, sowie der Landvergabe und des Gegeneinanderauspielens zeigt doch wie elementar die Richtungswechsel waren.
Das einzige was man den Römern also vorwerfen konnte, war dass sie nicht in der Lage waren sich innepolitisch zu reformieren um eine stabilere Machtbasis zu errichten.
Kein Herrscher nach Diokletian änderte grundlegend etwas am System. Sowohl Konstantin als auch Theodosius (um mal zwei Beispiele zu nennen) setzten eher auf Restauration.
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18.10.2007, 11:39
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Demokrat
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Da hast du völlig recht. Allerdings änderte sich eines trotz der ständigen personellen Führungswechsel nicht wesentlich: Das Selbstverständnis der Römer als überlegene Kultur der damaligen Zeit. Ich mache den Römern in dem Sinne auch keinerlei Vorwürfe. Sie hatten ein gigantisches Imperium errichtet und enorme Leistungen auf militärischer wie kultureller Ebene erbracht. Darauf durften sie sich durchaus etwas einbilden. Und das taten sie auch. Aus diesem Gefühl heraus entstand jedoch auch eine Überheblichkeit im Umgang mit anderen Völkern, welche sich wie ein roter Faden durch die römische Geschichte zieht. Bis etwa ins 2. Jahrhundert hinein konnten sich die Römer ein solches Verhalten auch durchaus leisten, weil sie militärisch dazu in der Lage waren, jeglichen Feind in seine Schranken zu verweisen. Bereits mit den Markomannenkriegen begannen sich diese Kräfteverhältnisse allerdings allmählich zu verändern – zwischen dem Anspruch der römischen Dominanz und den tatsächlich vorhandenen Mitteln, diesen Anspruch auch durchzusetzen, klaffte eine Lücke auf.
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18.10.2007, 21:12
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@Foederaten:
Sowohl das oströmische-, als auch das weströmische Reich setzten auf Foederaten und waren politsch/militärisch spätestens seit der Schlacht von Adrianopel auch darauf angewiesen. Das System der Foederatenverträge war sehr flexibel und kannte unendlich viele Abstufungen und Sonderregelungen. Auch mussten die Foederaten keineswegs auch auf römischem Boden angesiedelt sein, sondern konnten auch im "Barbaricum" wohnen. Die interessantesten und wichtigsten Foederaten aber waren jene auf römischem Boden.
Der Versuch hier eine Übersicht zu schaffen kann nur unvollständig sein. Foederaten außerhalb der römischen Reichsgrenzen waren aus Sicht der Römer im besten Fall relativ abhängige Verbündete, deren Oberschicht man zu romanisieren suchte, die gewisse (vor allem militärische) Leistungen im Gegenzug zu finanziellen Zuwendungen oder Handelsprivilegien zu erbringen hatten. Diese Foederaten hielt man so lange es passte, waren aber austauschbar falls diese selbst in Schwierigkeiten gerieten. Die römische Seite war in diesem Fall eindeutig im Vorteil und spielte nicht selten Foederaten oder Foederaten-Anwärter gegeneinander aus.
Im ungünstigsten Fall von Foederaten im "Barbaricum" waren die Verträge kaum verschleierte Regelungen in denen Rom Tribute zu entrichten hatte und man erhielt selbst gar keine echte Gegenleistung außer dem Frieden - und vielleicht das Recht bei Bedarf dort Truppen anwerben zu dürfen...
Foederaten auf römischem Reichsboden müssen gleich von laetii und dediticii abgegrenzt werden! Beide Begriffe werden ab und an mit Foederaten vermischt. Dediticii sind Unterworfene, also Angehörige fremder Völker die im Krieg durch Rom unterworfen worden waren oder in Kriegsgefangenschaft gerieten. Das konnten durchaus ganze Stämme oder Stammesgruppen mitsamt ihrer Fürsten und Könige sein. Mit ihrer Unterwerfung (unter römische Gnade) verloren sie ihr eigenes Recht und wurden eine Art "Schutzbürger" des Reiches. Es galt ein sehr strenges Heiratsverbot zwischen ihnen und Römern und ihre Führer verloren das Recht eigene Verträge abzuschließen. Die Kaiser konnten diese Menschen beliebig im ganzen Reich ansiedeln wo es ihnen passte und den Stammesverband auch auseinander reißen. Dort wurden sie wie Kolonen angewiesen das Land zu bestellen und erhielten als eine Art von Steuern die Verpflichtung dem römischen Militär Rekruten zu stellen. Gerne griff man dabei auf volksspezifische Besonderheiten zurück. So wurden etwa Perser, Sarmaten oder Taifalen als Reitervölker mit der Gestellung kompletter Reitereinheiten beauftragt. Die Nachfahren der dediticii galten als Laeten. Wenn man so will sind das alles fast schon "Militärsklaven". Kein Wunder das diese Leute gerne das ihnen zugewiesene Land verließen wenn die Region von richtigen Foederaten durchzogen wurden. Dagegen blieben ihre Truppenteile in der Regel Loyal. In früheren Zeiten, etwa während des Prinzipiats gelang es in der Regel solche Leute rasch zu romanisieren, was z.T. auch ihr Los besserte.
Wirkliche Foederaten auf Reichsboden namen eine zwitterhafte Sonderstellung ein. Das bekannteste Beispiel sind die Goten: Hier wurden komplette Völker mit ihrem Anhang (es blieben immer Teile im "Barbaricum" zurück, während sich andere ethnische Splittergruppen den Wanderern anschlossen) unter Vertrag genommen, ins Reich übergesiedelt und an vereinbarten Landstrichen mit fest umrissenen Aufgaben und römischen Zahlungen angesiedelt. Die Ansiedlung der Westgoten im Vertrag von 418 in Südfrankreich erfolgte nicht gewaltsam, sondern wurde von der Reichsregierung, den Goten und den regionalen Kurialen der Ansiedlungsgebiete gemeinsam ausgehandelt. In der Regel erhielten die Foederaten keineswegs zwischen 1/3 bis 2/3 des Landes - das hätte mit Sicherheit Aufstände provoziert - sondern sie erhielten entsprechende Steueranteile der Ländereien für ihren Unterhalt und das Recht Land zu erwerben. Die Gegenleistung war immer eine Bündnisverpflichtung und meist ein aktueller Einsatz. Die genannten Westgoten hatten für Rom die Bagaudenaufstände im unregierbar gewordenen Gallien niederzuwerfen und den gallischen Gegenkaiser Jovinus zu vernichten.
In der Folge galten solche Foederaten als römische Einwohner mit fast völliger Selbstverwaltung und eigenem Rechtssystem. Ihre Heere waren römische Heere, was erklärt warum des Öfteren geschlagene Foederaten nach einer Rebellion nicht vernichtet wurden - man brauchte die Soldaten einfach! Die Foederaten durften ihren König nach ihrem eigenen Recht bestimmen, er musste aber vom Kaiser anerkannt werden. So verjagten salische Franken ihren merowingischen König wegen Herrschsucht und Verschwendung und erbaten sich vom Kaiser einen neuen König und dieser setzte für einige Jahre einen Römer in dieses Amt der gleichzeitig gallischer Heermeister war! Ironie der Geschichte, das der verjagte König mit römischer Hilfe später in sein Amt zurückkehren durfte und dirkter Vorfahr von Chlodwig I. war!!!
Eine weitere Möglichkeit Einfluß auf die Foederaten zu nehmen war die römische Kurialverwaltung der Länderreien in denen sie lebten. Die Steuern welche die Könige der Foederaten unter ihren Kriegern verteilten wurden von römischen Steuereintreibern eingebracht und verwaltet. In ziviler Hinsicht waren die Foederaten auf den römischen Staatsapparat angewiesen. Ein gutes Beispiel dafür wie sehr dergleichen Staatsbildungen von Foederaten auf römischem Boden beeinflussen konnte zeigen die Rugier in Oberöstereich. Odoaker besiegte sie und drängte sie ab. Da er die alten Grenzen nicht recht halten konnte, befahl er der römischen Bevölkerung das Land zu räumen und die Rugier waren nicht mehr in der Lage dort ihre Herrschaft wieder zu etablieren. Warum? Diese "Wandervölker" waren nicht länger in der Lage sich selbst zu ernähren, ihre Männer waren Krieger, ihr Volk das Heer mit seinem Anhang geworden. Ohne Bevölkerung konnte dieses System nicht existieren. Die aus dem Barbaricum nachrückenden Langobarden dagegen fanden es dort sehr wohnlich...
So lange Rom in der Lage blieb in diesem Geflecht der mächtigere Partner zu sein, so lange funktionierten die geschilderten Systeme auch. In den innerrömischen Kriegen versuchte jede Partei die Foederaten für sich zu gewinnen und schufen damit Verpflichtungen und Ansprüche welche die Kaiser nicht dauerhaft zu tragen bereit waren. Das beweisen immer wieder die Versuche die "Sonderreiche" der Foederaten im Reiche wieder zu eliminieren sobald man wieder Stark genug war. Ostrom wie Westrom versuchten dergleichen oft und mit unterschiedlichem Erfolg! Die von mir im letzten Beitrag geschilderte und gescheiterte von Ostrom wie Westrom gemeinsam begonnene Antigotische Politik des westlichen Kaisers Anthemius beweist dies Eindringlich! Der Ostkaiser Justinian I. dagegen vernichtete erfolgreich das ostgotische Foederatenreich in Italien und das Vandalenreich in Afrika! Es gelang Ostrom im Laufe der Jahrhunderte auf seinem Territorium alle Foederatenreiche zu vernichten oder vernichten zu lassen. Es blieb stärker als Westrom das bei diesem Versuchen scheiterte und Unterging!
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18.10.2007, 21:31
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Quaestor
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Beiträge: 116
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Zitat von Wulfnoth
Sehr interessanter Text, danke!
Mich würde aber mal interessieren woran du die Legitimität von Julius Nepos festmachst. Alleine weil der Ostkaiser ihn eingesetzt hatte?
Kurz gesagt: Ja! Die Teilung in Ostreich und Westreich sollte ja keine endgültige Trennung bedeuten, sondern eine regionale Gliederung zur Optimierung von Verwaltung und Kriegsführung.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig sich die Tetrarchie des Diokletians vor Augen zu halten, wo es ebenfalls mehr als einen Kaiser gab. Die Rangfolge war so:
Es gab jeweils einen "Oberkaiser" der als Augustus bezeichnet wurde für jede Reichshälfte. Jeder Augustus hatte einen Unterkaiser der den Titel Caesar führte und sein Stellvertreter und designierter Nachfolger war. Aber einer der beiden Augusti galt als "Senior-Augustus" (meine Bezeichnung) und nomineller Oberherr. Diokletian war der erste dieser Senior-Augusti gewesen und er ernannte den zweiten Augustus, der protokollarisch unter ihm stand. Jeder Autusti für sich ernannte seinen Caesar und die Augusti bestätigten sich gegenseitig diese Ernennungen. Das war das Tetrarchische System!
Das System überlebte freilich seinen Schöpfer kaum und Konstantin der Große schaltete alle Mit-Augusti und Mit-Caesaren aus um sich die Alleinherrschaft zu sichern. Das System wirkte trotzdem nach: Es gab auch später noch Senior-Kaiser und Untercaesaren. Theodosius der Große begann ebenfalls als Unter-Augustus, eingesetzt durch Graitan den Oberkaiser des Westens. Der bei Adrianopel gefallene Valens war vorher der Senior-Kaiser gewesen, selbst aber durch seinen Bruder den Westkaiser Valentinian eingesetzt worden und rückte nach dessen Tod in die Stellung des Senior-Kaisers nach. Man kann hier ein deutliches Legitimitätsprinzip erkennen, wie auch bei meiner vorherigen Schilderung als der Ostkaiser Leo I. nacheinander mehrere neue Westkaiser einsetzt und zumindest Zeitweise auch durchsetzt!
Natürlich gab es immer einmal Usurpationen die z.T. auch erfolgreich sein konnten, dabei standen sich in der Regel die beiden Kaiser in Ost und West gegenseitig bei. Valens verzichtete aus Eitelkeit auf die Beteiligung des herannahenden Westheeres bei Adrianopel. Die Söhne von Theodosius dem Großen die in Ost und West regierten waren von mächtigen Politikern abhängig die einander nicht grün waren, dennoch mussten sie immer wieder aufgrund des Legitimitätsdrucks miteinander kooperieren. Wenn dich genaueres interessiert, schau nur mal bei Wikipedia unter dem Stichwort Stilicho nach.
Auch das Verhalten Ricimers in meiner Erzählung oben zeigt dass er sich ab und an genötigt sah sich dem Legitimitätsprinzip zu beugen. Wenn es allzusehr gegen seine eigene Politik ging, verschleppe er die Durchführung geplanter Maßnahmen wie bei dem gemeinsamen Vandalenfeldzug mit dem Ostreich oder den Kämpfen mit den Problemen in Gallien...Er versuchte zumindest den Anschein zu erwecken sich weitgehend an diese Prinzipien zu halten und sich nicht allzu offensichtlich dagegen zu stellen!
...Frage ausreichend beantwortet?
Geändert von tejason (18.10.2007 um 22:01 Uhr)
Grund: Unterbrechung
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