06.09.2008 - 08:49
Historik Forum
Römisches Reich In diesem Forum dreht sich alles um das antike Rom, von der Köngszeit bis zur Spätantike.
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  #16  
Alt 12.05.2008, 19:22
Benutzerbild von Ranilda
Plebejer
 
Registriert seit: 05.11.2007
Beiträge: 19
Um noch einmal gezielt auf Odoaker zurückzukommen:
Er erhob keinen weiteren Schattenkaiser, sondern war der Meinung, dass ein Kaiser –eben der in Byzanz- ausreichend sei und schrieb diesem das auch. Infolgedessen sandte er die kaiserlichen Insignien nach Byzanz.

Odoakers Ziel war „nur“ die Stellung des ersten Heermeisters als Magister peditum praesentalis und als Patricius. In dieser Stellung und mit besonderen Vollmachten ausgestattet wollte er über die Römer regieren. Zenon reagierte „schwammig“ und verwies die Gesandtschaft bezügl. der Verleihung des Patriziats an Nepos, titutlierte Odoaker aber gleichzeitig in einem Schreiben als Patricius. Zudem erkannte 480 n. Chr. nach der Ermordung des Nepos der Kaiser die von Odoaker ernannten Konsuln an. Zu der Zeit begann aber Byzanz auch, die Situation zunehmend als „ungemütlich“ zu empfinden, denn Odoaker trat als Rächer des Nepos auf und „kassierte“ in gleichem Atemzug das Restreich desselben, nämlich Dalmatien. 484 n. Chr. startete der von Zenon abgefallene Heermeister Illus den Versuch, Odoaker als Verbündeten zu gewinnen. Zwar lehnte dieser ab, aber bei Zenon vertiefte sich das Misstrauen. Beides sind Punkte, die wir als zusätzliche Gründe, Theoderich d. Gr. nach Italien zu schicken, mit berücksichtigen müssten.

Ironie des Schicksals: 498 n. Chr. erhielt Theoderich nach langem Warten die 476 n. Chr. von Odoaker nach Byzanz geschickten „omnia ornamenta palatii" (Abzeichen des Palastes) von Kaiser Anastasios, der ihm damit „Gewalt und Sorge der Königsherrschaft“ anvertraute (Anonymus Valesianus).
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  #17  
Alt 12.05.2008, 20:52
Benutzerbild von Nichts
nobodys fault
 
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Ort: Braunschweig
Beiträge: 322
Etwas Offtopic Frage zu Nepos:
War dieser eigentlich Christ?
Sein Onkel Marcellinus war jedenfalls doch noch zumindest Heide.
Andererseits wäre es doch hervorhebend erwähnt worden, wenn er als Kaiser Heide gewesen wäre...
__________________
Auch Demokratie ist nur eine (Geld-)Aristokratie
alles Geschriebene zeigt meine "bescheidene und nicht gefragte" Meinung.

und Ordograffi feler kan der fiender bealten
_________________________________________
BIG SCHÄUBLE IS WATCHING YOU

Geändert von Nichts (12.05.2008 um 21:05 Uhr).
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  #18  
Alt 12.05.2008, 21:19
Plebejer
 
Registriert seit: 07.05.2008
Ort: Musterländle
Beiträge: 40
Odoaker stand m. E. in der Tradition der römischen Heermeister, also Leuten wie Stilicho, Aetius, Aspar oder Ricimer, die ja meistens auch Halbgermanen waren. Hier ist zu erwähnen, dass bereits Ricimer 465-467 zwischen dem Tod von Libius Severus und dem Ost-Import Anthemius zwei volle Jahre ohne einen rechtmäßigen Kaiser regiert hat. Syargrius hatte das eine gang ähnliche Stellung. Dieser trug wohl den Titel "Patricius", evtl. auch "rex", Odoaker tatsächlich den letzteren Titel, allerdings nicht rex romanorum, sondern rex italiae. Ist auch durchaus sinnvoll, da in Italien längst nicht mehr nur Römer lebten. So war sein Anspruch im Grunde sogar ein größerer. Den Titel "Patricius" hat m. W. auch Karl der Große später wieder getragen.
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  #19  
Alt 17.05.2008, 17:40
Benutzerbild von tejason
Quaestor
 
Registriert seit: 17.10.2007
Beiträge: 116
Zitat von Tertullian Beitrag anzeigen
Odoaker stand m. E. in der Tradition der römischen Heermeister....
Exakt! Wie bereits gesagt waren die Heermeister jener Zeit auch meist versippt mit "barbarischen Herrscherfamilien". Ihre Armeen bestanden mit der Zeit mehr und mehr aus dem Pool der Barbarensöldner und die konnten sie über ihre persönliche Stellung als Herrscher über eine barbarische Gens und ihre verwandschaftlichen Kontake eben leichter mobilisieren. Gerade Aspar haben seine Kontake in diese Stellung gebracht.

Theoderich d.Gr. brach nach Italien auf in seiner Stellung als oströmischer Heermeister und Patricius. Protokollarisch standen Heermeister und Foederiertenkönige auf einer hierarchischen Stufe. Die spätrömische Teilung der Gewalten in zivile- und militärische Bereiche wurden aber zum Problem im Falle von foederierten Königen mit ihrem Volk. Denn diese brauchten zusätzlich "zivile" Herrschaftsmöglichkeiten um auch ihrem Volk in der jeweiligen "neuen Heimat" das Überleben zu sichern.

Ein Heermeister war also Protokollarisch ein reiner Militärmachthaber, während ein Foederiertenkönig (je nach Vertrag) zusätzlich zivile Administrationsrechte besaß und in seinem Gebiet der römischen Zivilverwaltung Anweisungen geben durfte.

Kein Wunder, warum Odoaker nicht nur Heermeister, sondern auch König (Rex Italie) war und sein musste. Eben darum trat der Römer Syagrius in Gallien nicht nur als Heermeister Galliens, sondern als "König der (gallischen) Römer" auf. Die Liste lässt sich beliebig verlängern. Dabei ist nicht außer Acht zu lassen, dass die Völker der Foederiertenkönige nur über ihre Oberschicht wirklich konstitutionell ins Reich integriert waren, denn sie lebten nach ihren eigenen Gesetzen. Für ein möglichst reibungsloses Nebeneinander zwischen Barbaren und Römern sorgten ihre Könige in ihrer Doppelfunktion gemeinsam mit römischen Richtern und jenen ihres eigenen Volkes.

@Nepos:
Er war Christ
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  #20  
Alt 20.05.2008, 20:53
Benutzerbild von Ranilda
Plebejer
 
Registriert seit: 05.11.2007
Beiträge: 19
Zitat von Tertullian Beitrag anzeigen
...Dieser trug wohl den Titel "Patricius", evtl. auch "rex", Odoaker tatsächlich den letzteren Titel, allerdings nicht rex romanorum, sondern rex italiae. Ist auch durchaus sinnvoll, da in Italien längst nicht mehr nur Römer lebten. So war sein Anspruch im Grunde sogar ein größerer. Den Titel "Patricius" hat m. W. auch Karl der Große später wieder getragen.
Dem Titel "Patricius" sollte man nicht allzuviel Bedeutung zumessen. Es war ein reiner Ehrentitel ohne jegliche Amtsgewalt, ohne verfassungsrechtliche Bedeutung und sollte lediglich die persönliche Bindung zum Kaiser ausdrücken. Römische Gesandte in wichtiger Mission erlangten ebenso den Titel wie nicht an das Kaiserreich gebundene Fürsten.
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