08.10.2008 - 02:31
Historik Forum
Römisches Reich In diesem Forum dreht sich alles um das antike Rom, von der Köngszeit bis zur Spätantike.
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  #16  
Alt 10.03.2005, 17:56
Benutzerbild von Runaway
Tribun
 
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Der Proviant
"Legt man die oben angegebene Truppenstärke zugrunde, ergibt sich die immense Zahl von 65 000 Menschen und 20 000 Tieren, deren Verpflegung zu organisieren war. So mußten pro Tag für die legionarii 50 Tonnen Weizen, für die übrigen Mannschaften 25 Tonnen Weizen, für alle Tiere 20 Tonnen Gerste beschafft werden. Das erklärt die Sorge, die bei entsprechenden Passagen über Proviantfragen anklingt (z. B. Gall. I 16). Auf diesem Sektor sahen Kriegsgegner eine durchaus wirkungsvolle Kampftaktik, die beispielsweise bei der ersten Britannienexpedition Caesar zum Abbruch der Unternehmung zwang (Gall. IV 30ff.). Auch die Gallier forcierten mit fortschreitender Kriegsdauer ihre Angriffe auf die römische Versorgung und bezogen sie in ihre Abwehrstrategie mit ein; in den Jahren 53-51 v. Chr. entstanden Caesar hier massive Schwierigkeiten. Probleme gab es auch bei der Wasserversorgung, bei einer täglichen Verbrauchsmenge von etwa 500 000 l. Hier lag bei der Bemessung der Märsche und Errichtung der Lager ein nicht unwesentlicher Kalkulationsfaktor."

Zum Getreidebedarf: "Im allgemeinen mußte der Soldat mit 1 kg Mehl am Tag auskommen; es reichte für die zwei Mahlzeiten, das prandium (Frühstück) und die cena (Hauptmahlzeit) und bildete die Grundnahrung. Es wurde zu einer Art Brot verbacken oder zu einem mit Öl, Salz, Wasser (gelegentlich Milch) gekochten, warmen Brei (puls), verwendet. Wichtige Zusatznahrung erbrachten die in großen Mengen erbeuteten Schlachttiere (pecus). Legumina (Hülsenfrüchte, Gemüse) waren nicht beliebt und dienten nur als Ersatz in Notsituationen; als lebenswichtig galt Salz."


Disziplin
"Der Grundsatz der militärischen Disziplin hatte unter den Nobiles den ersten Rang, und, obwohl er durch die Familienstruktur im Prinzip niemals gefährdet war, wurde er doch mit unerhörtem Nachdruck immer wieder bewußt gemacht. Als im Jahre 280 v. Chr. eine ganze römische Legion, die als Besatzung in die griechische Stadt Rhegion gelegt worden war, meuterte, sich der Stadt und des Eigentums der Bürger von Rhegion bemächtigte und einen Räuberstaat gründete, konnte sich der Senat wegen des Pyrrhuskrieges zunächst nicht um die Insubordination kümmern; aber man vergaß die Angelegenheit nicht. Nach dem Ende des Krieges wurde die Stadt Rhegion erstürmt, alle Meuterer, die dabei nicht umgekommen waren, nach Rom gebracht und auf dem Forum hingerichtet (270 v. Chr.). Mit ähnlicher Härte reagierte man auf die Aufweichung der Disziplin infolge von Niederlagen. Die völlig demoralisierten Truppenreste, die der furchtbaren Niederlage von Cannae (216 v. Chr.) entkommen waren, ließ der Senat trotz des Verlustes der gesamten Feldarmee während des ganzen Krieges nicht mehr an den militärischen Operationen teilnehmen; sie wurden zu Schanzarbeiten nach Sizilien geschickt und blieben dort trotz flehentlicher Bitten um Einsatz bis an das Ende des Krieges. Die entehrende Strafe begründete der Senat damit, daß diese Soldaten ihre Kameraden bei Cannae im Stich gelassen hätten (sie hätten also sterben sollen)."

Zur Aufrechterhaltung der Diszplin wurde sogar das Dezimieren eingesetzt: "Brach im Heer eine Meuterei aus, so bestimmte der Oberbefehlshaber durch Los jeden 10. Mann der meuternden Gruppe zur Hinrichtung. Für die übrigen Aufwiegler waren schlechtere Rationen die Strafe. Häufig wurden die dem Tode Verfallenen, um die Schande zu vergrößern, nicht mit dem Beil (s. decollatio), sondern mit Knüppeln getötet (Tac. ann. 3,21)."

Die Feldzeichen

"Feldzeichen der gesamten Legion war die silberne oder versilberte aquila, der Adler mit ausgebreiteten, zum Aufflug erhobenen Flügeln, befestigt auf einer silberbeschlagenen Stange mit spitzem Metallschuh.Ihn trug in der 1. Kohorte der aquilifer, dessen Tapferkeit von entscheidender Bedeutung sein konnte. Der Verlust des Adlers galt als Schande für die Legion und zog für den etwaigen Schuldigen schwerste Bestrafung nach sich. Im Lager wurde die aquila im Heiligtum des Praetoriums aufbewahrt.


Quelle
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  #17  
Alt 10.03.2005, 20:15
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Runaway guck mal in deine privaten Nachrichten!

Nochmal zu den Feldzeichen.
Wie Runaway bereits sehr richtig gesagt hatte galt der Verlust des Feldzeichens als Schande und um die Motivation der Soldaten zu erhöhen wurden die Feldzeichen manchmal an die Front geführt um die Soldaten zusätzlich anzuspornen.
Ein wesentlicher Grund für die späteren Feldzüge des Germanicus war die Zurückgewinnung der verlorenen Feldzeichen der untergegangenen Legionen.

Und noch ein Nachtrag. Es handelt sich hierbei um die Legionen von maximal 200 v. Chr. bis 300 n. Chr. (!) davor und danach haben andere Verhältnisse geherrscht.
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  #18  
Alt 10.03.2005, 20:22
Benutzerbild von Runaway
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achja sorry... ich habe diese texte von dieser seite (klicken)...

aktiv ist dort zwar auch schon lange keiner mehr, aber ich fand die texte über die römische armee sehr interessant und informativ...
jedoch war das, was ich gepostet habe, sogut wie alles, was sie dazu haben...
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  #19  
Alt 12.03.2005, 20:34
Konsul
 
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das ganze war, so viel ich weiß, ne strafaktion, weil ein kudorf keine steuern gezahlt hat.
Da drängt sich mir die frage auf: WARUM, ZUM TEUFEL, NIMMT DER VARUS WEGEN NEM KUHDORF NE GANZE LEGION MIT??
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  #20  
Alt 12.03.2005, 20:37
Benutzerbild von Wulfnoth
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In der Tat handelte es sich um ein kleinen lokalen Aufstand und er nahm gleich drei Legionen mit.
Die Erklärung dafür liegt vermutlich darin, dass er sich mit diesen drei Legionen auf dem Rückmarsch nach Xanten(?) befand und so einfach einen Umweg machen wollte.
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  #21  
Alt 14.03.2005, 15:11
Wien
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Danke, jetzt weis ich alles was ich über die Varusschlacht wissen wollte!

Ausser Ihr wisst noch mehr dann her damit!

Gruss aus Wien
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  #22  
Alt 14.03.2005, 15:32
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Man kann noch so unendlich viel mehr wissen.
Zum Beispiel über die ganzen anderen Theorien, aber das möchte ich hier nicht alles niederschreiben.
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  #23  
Alt 14.03.2005, 16:04
Wien
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Naja von der Theorie halte ich nicht sonderlich viel, ich halte lieber an dem Fest was tatsächlich passiert ist!

Gruss aus Wien
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  #24  
Alt 14.03.2005, 16:24
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Es gibt in der Geschichte aber nur selten Sachen von denen man weiß was genau passiert ist. Es sind immer Rekontruktionen, die wir als Wahrheit ansehen und genauso wird auch irgendwann Kalkriese wiederlegt werden. (vielleicht)
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  #25  
Alt 14.03.2005, 17:06
Wien
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Kalkriese?

Noch nie gehört!

Gruss aus Wien
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  #26  
Alt 14.03.2005, 20:25
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das ist die varusschlacht wenn ich mich nicht irre...
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  #27  
Alt 14.03.2005, 20:26
Wien
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Original von Runaway
das ist die varusschlacht wenn ich mich nicht irre...
Aha! Ein anderer Ausdruck dafür, habe ich den überlesen oder ist der im Text gar nicht vorgekommen?

Gruss aus Wien
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  #28  
Alt 14.03.2005, 20:36
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Kalkriese ist der momentan wahrscheinlichste Ort der Varusschalcht. Liegt in der Nähe von Osnabrück.
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  #29  
Alt 14.03.2005, 21:07
Wien
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Original von Wulfnoth
Kalkriese ist der momentan wahrscheinlichste Ort der Varusschalcht. Liegt in der Nähe von Osnabrück.
Aha, ich dachte das sei ein anderer Ausdruck für Varusschlacht!

Jetzt ist alles Klar!

Gruss aus Wien
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  #30  
Alt 09.06.2005, 17:48
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Die Kavallerie der Römer bestand fast ausschließlich aus Bundesgenossen (von der Legionsreiterei mal abgesehen) und in diesem Fall handelte es sich bei den Bundesgenossen um Germanen. Man geht davon aus (einige Quellen deuten sowas an) das due Bundesgenossen während der Schlacht zu Arminius überliefen und die Römer dann keine Kavallerie mehr hatten.
Die römische Kavallerie bestand zu dem Zeitpunkt afaik schon aus Hilfstruppen, die nach römischen Vorbild organisiert waren, Augustus muss das vor Chr. irgendwann mal festgelegt haben.
Soweit mir bekannt ist, konnte ein Teil der Kavallerie entkommen.


zur Idealgröße der Legion zur Zeit Augustus:
Antike Autoren geben eine Sollstärke von 5000-6000 Mann pro Legion (d.h. 500-600 pro Kohorte) an. Pro Zenturie sind es 80 Mann, dazu kommen noch 20 weitere Dienstgrade (Optio, Zenturio, Musiker, andere mit Verwaltungsaufgaben betraute Ränge (z.B. Tessarius)) und Nichtkombatanten (Maultiertreiber), man kommt demnach auf 4800 Mann schwere Infanterie, dazu noch an die 500 Dienstgrade (werden anscheinend extra gezählt, dazu gehören Ärzte, Beneficarii usw), 120 Mann Legionskavallerie (und ca. 1200 andere wie etwa Maultiertreiber) also ca. 5500 Soldaten und davon 5300 kämpfende.
Im 1. Jhdt. nach Christus erhielt die erste Kohorte eine neue Gliederung, sie wurde in eine cohors miliaria, eine Doppelkohorte umgewandelt, d.h. 1000 Mann Stärke (aber nur aus 5 Centurien), damit also 6000 kämpfende Soldaten.

Zur Zeit des Varus trugen die Legionäre noch keine Lorcia Segmentata (Schienenpanzer) sondern die Lorica Hamata (Kettenpanzer).
Als Schwert wurde das Gladius verwendet. Auch genannt Kurzschwert. Es war primär eine Stoßwaffe welche sich perfekt für den engen Formationskampf eignete.
Vor dem Ansturm wurde in der regel das Pilum (mehrz. Pila) geworfen. Ein Wurfspeer welcher sich beim Aufprall verbog und so 1.) nicht zurück geworfen werden konnte 2.) im gegnerischen Schild stecken blieb und so das schild untauglich machten.
wegen Schienenpanzer: 1994 hat man bei Kalkriese ein Teil eines Schienenpanzers gefunden, dennoch vermutlich ein sehr frühes Exemplar:


nähere Darstellung der restlichen Bewaffnung (ich werde wenn nötig Bilder posten ):
Helm (ohne genau Typenbezeichnung):
Montefortino

Coolus/Hagenau

Kaiserlich-Italisch/Gallisch/ Weisenau (dürfte selten gewesen sein)

Schild:
Scutum in ovaler Form (nicht das rechteckige)
Gladius Typ Mainz (kein besseres Bild gefunden):


Was sagt ihr eigentlich zur Theorie, dass die Siegfriedsage auf die Varusschlacht zurückgeht?
__________________
μηδὲν ἄγαν
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