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06.02.2007, 16:34
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Patriot
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1917: Militärdiktatur der OHL ??
Moin moin !
Ich soll mich für den Geschichts-LK mal mit der Frage auseinandersetzen, ob man 1917 von einer Art Militärdiktatur der Obersten Heeresleitung sprechen kann und vielleicht sogar muss.
Dies war dann ja die 3. OHL unter Hindenburg und Ludendorf, in deren Zeitramen ja auch die Absetzung von Bethmann Hollweg fällt, welche meinem Wissenstand nach ohne Unterredung mit Wilhelm 2. stattfand, was doch schon Züge einer Militärdiktatur aufweist.
Mich würde in diesem Zusammenhang mal die Meinung der Foristen interessieren, also legt los !
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06.02.2007, 16:45
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The Censor
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Ich soll mich für den Geschichts-LK mal mit der Frage auseinandersetzen, ob man 1917 von einer Art Militärdiktatur der Obersten Heeresleitung sprechen kann und vielleicht sogar muss.
Ja kann man definitiv. Hierbei muss man Hindenburg und Ludendorff noch nicht einmal bösartige Absicht unterstellen (kann man aber  ) sondern hier hatte eins zum anderen geführt.
Wilhelm II. war schon seit Kriegsausbruch politisch nicht mehr sonderlich aktiv und ließ sich gerade noch zum Orden verleihen überreden. In einer absoluten Monarchie entsteht dadurch natürlich ein Machtvakuum das gefüllt werden muss. Die totale Mobilisierung und der natürlich Militärismus der Preußen tat dann sein übriges um den Militärs, d.h. der OHL, eine große Machtstellung einzuräumen.
Spätestens nachdem auf drängen der OHL der totale U-Boot-Krieg wiederaufgenommen wurde muss man von einer Militärdiktatur sprechen, da sich die OHL hier über alle anderen (zivilen) Instanzen hinweggesetzt hat.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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06.02.2007, 18:20
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Patriot
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Registriert seit: 16.06.2005
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Wie war das denn mit der Machtausübung im Inneren?
Ich meine also in den Bereichen der Judikative und der Legislative, wurde das Reich als Staat also vom Militär kontrolliert?
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06.02.2007, 18:53
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The Censor
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Zitat von Jan
Wie war das denn mit der Machtausübung im Inneren?
Ich meine also in den Bereichen der Judikative und der Legislative, wurde das Reich als Staat also vom Militär kontrolliert?
Im Kaiserreich gab es ja keine richtige Gewaltenteilung. Was die Legislative und Judikative dazu sagte war also nur sekundär wichtig.
Der Nachfolger von Bethmann-Hollweg wurde direkt von der OHL ohne Rücksprache mit dem Kaiser installiert. Folglich kann man davon ausgehen, dass die OHL die Exekutive kontrollierte. Das Verhalten der OHL bei den Waffenstillstandsverhandlungen zeigt auch sehr gut ihren Einfluss. Frei nach dem Motto: "Wir (die OHL) sagen der Krieg ist verloren, also macht ihr (Reichstag) mal einen Frieden". Der Kaiser wurde noch nicht einmal gefragt.
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06.02.2007, 19:06
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Patriot
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Ja richtig, das mit dem Willen zum Waffenstillstand ist mir auch auf diversen Seiten zum Thema aufgefallen, neben der Tatsache, dass die OHL schon ab 1917 die Dolchstoßlegende verbreitete.
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06.02.2007, 19:12
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The Censor
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Zitat von Jan
Ja richtig, das mit dem Willen zum Waffenstillstand ist mir auch auf diversen Seiten zum Thema aufgefallen, neben der Tatsache, dass die OHL schon ab 1917 die Dolchstoßlegende verbreitete. 
Die natürlich eine blanke Lüge ist um das Ansehen der OHL und vor allem Hindenburgs zu retten.
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06.02.2007, 19:20
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Patriot
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Zitat von Wulfnoth
Die natürlich eine blanke Lüge ist um das Ansehen der OHL und vor allem Hindenburgs zu retten.
Natürlich.
Ich danke Dir für die Ausführungen, sehr aufschlussreich, danke.
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06.02.2007, 20:34
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Basiléos
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Nun...vielfach hatte Willhelm oder jede andere zivile Instanz (Reichskanzler, Aristokratie...etc.) keine andere Möglichkeit als die Diktatur Luddendorfs zu akzeptieren.
Warum?
Der Sieg von Tannenberg wurde unwiederruflich auf Paul von Hindenburg zurückgeführt. Dadurch bekam er eine unglaubliche Popularität im Volk - der Retter Deutschlands vor der "russischen Dampfwalze". Gleichzeitig wurde Hindenburg ein enger Vertrauter Luddendorfs und umgekehrt. Jedesmal wenn nun jemand die Machtstellung und den Einfluss Luddendorfs beschränken wollte, drohte dieser mit Rücktritt. Sein Rücktritt hätte Hindenburg nich akzeptiert - "keine andere Führung sei akzeptabel" und "er könne die Verantwortung nich tragen". Faktisch übte also Ludendorff die wahre Macht aus und wird daher auch als tragende Figur in der OHL angesehen, obwohl er eigentlich hierarchisch als Erster Generaladjutant Hindenburg untergeordnet war!
"Ich verlange das umgehend Frieden geschlossen wird!" - auch eine fesche Sache, sich einfach aus der Verantwortung zu ziehen....der arme Mathias Erzberger an der Stelle...sein Leben musste er für diesen feigen Abtritt geben...
Euch einen schönen abend und aaaaaaalles Beset natürlich      !!!
mfg
Baldu
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Möge die Welt eine andere sein, wenn es an der Zeit ist für mich zu gehen...
Aber bis dahin wird gekämpft  !
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07.02.2007, 17:46
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Administrator
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
hmm, militärdiktatur hört sich so krass an, aber er enthällt schon wahrheit:
Man muss bedenken 1917 sahs schlecht aus, zwar nicht unmöglich schlecht, aber es war klar wenn man noch siegen wollte musste man den militärs freie hand lassen und auf geld, öffentliche stimmungen nicht mehr achten.
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07.02.2007, 18:05
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The Censor
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Man konnte 1917 nicht mehr Siegen, man konnte es eigentlich schon vorher nicht. Die Chance heile aus dem Krieg rauszukommen wurde mit dem abgelehnten Friedensangebot 1916 (?) begraben.
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07.02.2007, 18:23
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Administrator
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Registriert seit: 04.03.2005
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
ein ehrenvolle niederlage mit gnädigen bedingungen war ja nach dem sieg im osten möglich und ein dicker erfolg im esten hätte sicherlich nochmal ws bewirkt, vielleicht keinen sieg aber nen waffenstillstand ohne versailler bedingungen
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07.02.2007, 22:39
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Basiléos
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Registriert seit: 08.03.2006
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Zitat von TigerMC
ein ehrenvolle niederlage mit gnädigen bedingungen war ja nach dem sieg im osten möglich und ein dicker erfolg im esten hätte sicherlich nochmal ws bewirkt, vielleicht keinen sieg aber nen waffenstillstand ohne versailler bedingungen
Nun die Lage hat sich 1917 drastisch geändert. Ein Sieg wäre möglich gewesen - wäre der Eintritt der USA nicht im gleichen Jahr erfolgt. Der Sieg im Osten und er Friedenschlus von Brest-Litowsk machte zwar nich das ganze Ostheer frei (zur Sicherung mussten 1 Mio. deutsche Soldaten in diesen Weiten gebieten bleiben) aber dennoch eine große Truppenanzahl, der vor allem für die kriegsmüden Franzosen eine gewaltige Bedrohung darstellte. Denn die langwierigen und blutigen Schlachten hatten den Durchhaltewillen der Franzosen geschwächt - einzige Petain hielt die Franzosen noch von einer Meuterei ab.
Die Idee aber diese Truppenmaßen offensiv einzusetzen..war denke ich ein taktischer Fehler. Vor der Ankunft der Amerikaner wäre ein ernstgemeintes und nicht übersteigertes Friedensangebot durchsetzbar gewesen, denke ich
Allgemein war 1917 ein Jahr der Wende, anfangs für die MIttelmächte, dann für die Entente...die Offensive der deutschen war aber eine fatale fehlentscheidung, denn jene Truppen hätten wohl den "Schwarzen Tag des deutschen Heeres" im Oktober 1918 verhindert!
Im Süden stand die ganze Sache auch nicht schlecht. Die Österreicher hielten die Italiener im Zaum, die sich in den Isonzoschlachten wirklcih die Zähne an der Verteidigung ausbissen. Die Niederwerfung Rumäniens hatte auch Truppen freigemacht die in Bulgarien gegen eine Landungsaktion der Allierten bei Saloniki gut gebraucht wurden. Und die Türken hielten auch Stellung - verstärkt durch freiwerdenden Truppen an der "Russlandfront". Erst gegen Ende 1917 verschärfte und verschläterte sich die Lage im Süden. Wenn auch dann die Österreicher noch einen Prestigesieg 1918 an der Piave erreichen konnten  !
Euch das Beste  !!!!
mfg
Baldu  (sagte ja ich komme zurück - mit geschichtlichen Beiträgen  !)
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08.02.2007, 14:44
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The Censor
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Baldu ich weiß es fällt dir als Österreicher schwer aber um es verständlich zu machen. 1917/18 wackelte es in Österreich-Ungarn bereits gewaltig. Ein Ö-U Sonderfrieden war nur eine Frage der Zeit und in Deutschland stand es vor allem in de Nahrungsversorgung nicht zum besten. Der Krieg war auch ohne Eintritt Amerikas verloren.
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08.02.2007, 15:37
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
jo dem würde ich so zustimmen, österreichs zusammenbruch war net mehr fern.
Das glück des kuk heeres war das sie es nu mit den italienern zu tun hatten
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08.02.2007, 15:47
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AW: 1917: Militärdiktatur der OHL ??
Zitat von Wulfnoth
Die Chance heile aus dem Krieg rauszukommen wurde mit dem abgelehnten Friedensangebot 1916 (?) begraben.
Kannst du mir dazu mal ein bisschen mehr erzählen, von einem Friedensangebot seitens der Entente 1916 habe ich noch nie etwas gehört...
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