22.11.2008 - 14:11
Historik Forum
Die Weltkriege Der Bereich für die Zeit der Weltkriege und die Zeit dazwischen.
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  #1  
Alt 19.03.2008, 19:20
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.455
Alles Adolf

Ich möchte hier mal auf den gute Artikel auf SPIEGEL ONLINE hinwiesen:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,542149,00.html

Auch Hitlers Beitrag zur Geschichte ist, sachlich betrachtet, eher bescheiden: ein Buch und zwölf Jahre Kanzlerschaft. Däniken hat mehr geschrieben, Adenauer hat länger regiert, und Stalin hat mehr Menschen umbringen lassen. Dennoch hat der Mann aus Braunau in einer wichtigen Kategorie die Nase vorn: Nachhaltigkeit. Tausende Bücher, Filme, Dokumentationen, Doktorarbeiten und Melodramen versuchen, das Phänomen Hitler zu beschreiben, aus dem Kontext der Geschichte zu erklären und analytisch zu durchdringen.
Es ist eigentlich abstrakt, wie sehr wir uns mit 12 Jahren deutscher Geschichte beschäftigen. Und weshalb gerade so mit Hitler und nicht mit Goebbels, der gerade in den Kriegsjahren in der deutschen Öffentlichkeit viel präsenter war oder mit Himmler, der ja der Mann hinter dem Massenmord war.
Weshalb mit diesem kleinen böhmischen Gefreiten, dessen Leistungen für das Regime ja immer noch nicht unumstritten sind.
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  #2  
Alt 19.03.2008, 19:31
Plebejer
 
Registriert seit: 08.02.2007
Beiträge: 18
Wahrscheinlich, weil diese 12 Jahre uns Deutsche über so lange Zeit so traumatisiert haben, wie sonst zu keiner anderen Zeit. Bis zur Einigung war doch die Vergangenheitsbewältigung eher durch Verschweigen als durch Diskussion oder Aufarbeitung geprägt. So lange haben sich jüngere Generationen gefragt wie das passieren konnte und Zeitzeugen kamen viel zu selten zu Wort. In meiner Jugend gab es nicht viel dazu im Fernsehen zu sehen, die Öffentlichkeit sprach eigentlich kaum davon.

Und der Vergleich mit Stalin: Währe Russland nicht ein Land, ind em statt Aufklärung so etwas lieber totgeschwiegen wird, hätte Russland sicherlich das gleiche "Phänomen".
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  #3  
Alt 19.03.2008, 21:02
Benutzerbild von mimir
homo novus
 
Registriert seit: 09.08.2007
Beiträge: 161
die faszination am bösen.
zweitens hat sich in D eine art erinnyen kult entwickelt, wenn man an "die fliegen" von camus denkt. nicht nur eine lust an der selbstgeißelung oder vl. ein ehrgeiz sein schärfster kritiker zu sein, manchmal scheint mir, bemerk ich sogar einen total gestörten "stolz". mit stolz mein ich, den anspruch selbst das größte verbrechen begangen zu haben, der teiweise schon sehr aggressi gg. zb stalin(weil oben genannt) geführt wird. (übr. wie heißt da wort, das immer izm mit holocaust verwendet wiud? im sinn von einzigartigkeit ...)

versteht mich nicht falsch. ich stehe 100pz. hinter der aufarbeitung und finde auch, dass man ein stück weit darauf stolz sein kann aber ...
hmmm... wie soll ich sagen? manchmal kommt mir das ganze mehr wie eine endlose fürbitte vor -siehe zweiter satz.
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  #4  
Alt 19.03.2008, 21:07
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 850
Der Spiegel schreibt von einem "Faszinosum Hitler". Ich denke, es ist nicht "Faszination", sondern dahinter steckt, unterbewußt, eine Frage, die trotz aller Literatur offen bleibt: Wieso konnte ein faschistisches Terrorregime, das sich nun einmal mit dem Namen Hitler verbindet, und das einen Weltkrieg begann und Millionen Juden und andere in Gaskammern steckte, nicht gestoppt werden?

Für mich, Jahrgang 1950, ist das jedenfalls trotz aller Literatur immer noch nicht verständlich. Denn diese Literatur ist Theorie und Beschreibung eines nicht nacherlebbaren, und deshalb nicht wirklich nachvollziehbaren Massenphänomens.

Aus dieser unterbewußten, offenen Frage schlagen nun Autoren einen kommerziellen Profit. Weiter helfen tut das nicht.
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  #5  
Alt 19.03.2008, 23:15
Proconsul
 
Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 1.234
Zitat von Brethard Beitrag anzeigen
Und der Vergleich mit Stalin: Währe Russland nicht ein Land, ind em statt Aufklärung so etwas lieber totgeschwiegen wird, hätte Russland sicherlich das gleiche "Phänomen".
Typisch deutsche Sichtweise, da Stalin kein Russe war, sondern Georgier und außerdem das russische Volk mit seiner Vergangenheit wesentlich gelassener umgeht, als es Deutsche (aber auch Franzosen und Polen) hierzulande tun. Um einmal 2 Beispiele zu nennen:

1.man weiß, daß Stalin auf der einen Seite ein Verbrecher war und darf das auch ganz offen sagen, versucht aber andererseits, auch gleichzeitig die 2. Seite der Medaillie zu beleuchten,was in Deutschland undenkbar ist
2.wenn man einmal in Rußland war und dort sich mit den Menschen unterhält,wird man feststellen, daß die Menschen dort trotz allen Leids, was dort durch die Deutschen angerichtet wurde, dies als "historischer Ausrutscher" gesehen wird- ebenfalls hierzulande völlig undenkbar, da Schwarz-Weiß Malerei wahrscheinlich hierzulande erfunden worden ist.
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  #6  
Alt 20.03.2008, 06:26
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.455
Ja da muss ich Titus Livius mal zustimmen, mit Stalin wurde bereits kurz nach dessen Tod abgerechnet. Man erinnere sich nur an die berühmte Rede von Chruschtow oder daran, dass der Leichnahm aus dem Mausoleum "entfernt" und einfach an der Mauer des Kreml verscharrt wurde.
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  #7  
Alt 13.09.2008, 11:52
möchtegern Historiker
 
Registriert seit: 28.06.2008
Beiträge: 22
Alles Adolf O.o hmm. nun ja ich werfe hier einfach mal ein Zitat von Hilter in den Raum : "Wenn der Krieg verloren geht.
ist es vollkommen Egal.
Wenn das Volk Mit Untergeht.
Ich könnte darüber noch keine Träne weinen,
Denn es hätte nichts Anderes Verdient."(Zitat Adolf Hitler )
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  #8  
Alt 13.09.2008, 11:58
Proconsul
 
Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
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Was willst du mit dem Zitat sagen?
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  #9  
Alt 13.09.2008, 12:50
Benutzerbild von TigerMC
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Registriert seit: 04.03.2005
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Beiträge: 2.599
interessant ist doch dass wir hier in einem geschichtsinteressierten forum über Adolf viele themen haben, direkte wie indirekte
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  #10  
Alt 13.09.2008, 12:59
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Beiträge: 410
Zitat von TigerMC Beitrag anzeigen
interessant ist doch dass wir hier in einem geschichtsinteressierten forum über Adolf viele themen haben, direkte wie indirekte
Und das zeigt wie absurd unsere Art der Vergangenheitsbewältigung ist. Je mehr Adolf desto mehr scheinen wir zu glauben das Vergangen gut zu machen.

Auf der anderen Seite haben aber auch viele Menschen erkannt, dass man mit Hitler Geld machen kann. Das liegt zum einen daran, dass Hitler eine Art faszination, im positiven wie im negativen, auslöst. Das widerum liegt daran dass Hitler lange Zeit eine Art Tabu war, sprich man sprach vom Monster Hitler.

Eichingers Film der Untergang war dann der erste Versuch das "Monster" einer breiten Öffentlichkeit als Menschen zu zeigen.
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  #11  
Alt 13.09.2008, 13:16
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.455
Sorry Willi aber du scheinst den Kern des Themas absolut verfehlt zu haben.
In letzter Zeit scheint hier im Forum aber allerdings ein Adolf/NS-Fetisch ausgebrochen zu sein.
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  #12  
Alt 13.09.2008, 13:44
LCF LCF ist offline
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Klar, die deutsche geschichte beschränkt sich nicht auf 12 jahre. Andrerseits- bei welcher figur der deutschen geschichte zeigte sich das land so grundlegend anders, vergleicht man zeitpunkt der "machtergreifung" und den zeitpunkt des abtritts? welche einzelfigur hat (unfreiwillig) für derart grundlegende veränderungen gesorgt?

edit: über "die russen" mag man denken wie man will- zumindest haben sie die verbrechen stalins schon kurz nach dessen tod selbst angeprangert. Hitler dagegen wurde gestürzt von außen- so wie auch die auseinandersetzung mit Hitlers verbrechen zuerst von außen angestoßen werden musste.

Geändert von LCF (13.09.2008 um 13:58 Uhr)
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  #13  
Alt 13.09.2008, 13:49
Benutzerbild von Wulfnoth
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Ort: Freiburg
Beiträge: 6.455
Hitler war der Führer, aber nicht alleine. Die Nationalsozialisten verstanden sich auch immer als Bewegung. Alleine hätte der die NSDAP nie über München hinaus bewegt. Goebbels sagte nicht umsonst immer, er hätte das rote Berlin erobert.
Dass heute 12 Jahre auf Adolf beschränkt werden hat einerseits mit Führerkult, aber andererseits auch mit deutscher Verdrängung zu tun. Schon in Nürnberg war eben nur Hitler schuld, das zieht sich dann durch die bundesdeutsche Geschichte. Man siehe sich Gerichtsurteile an, in denen überführte Mörder nur Mittäter waren und Hitler zum alleinigen Haupttäter stilisiert wurde. War vor einigen Monaten ein sehr langer SPIEGEL Online Artikel dazu zu lesen.
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  #14  
Alt 13.09.2008, 13:59
Proconsul
 
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Erinnert mich alles immer an den Übermenschen Adolf.

Hitlers Generäle, Hitlers Bankiers, Hitlers Manager, Hitlers Krieg, Hitlers Frauen, Hitlers Unterhosen

Ich kann es kaum noch hören.
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  #15  
Alt 13.09.2008, 14:03
LCF LCF ist offline
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Beiträge: 214
ja, genau diese entlastungsfunktion hitlers sehe ich auch. statt sich damit zu beschäftigen, wie solch ein mensch überhaupt soweit kommen konnte und warum er sowenig widerstand fand, lässt man lieber zeitzeugen über seine "hypnothischen augen" refereieren..

dämonisierung ist hier genauso eine gefahr für wirkliches verstehen wie relativierung.
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