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23.01.2008, 12:35
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Quaestor
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Registriert seit: 14.12.2007
Beiträge: 130
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Bismarck hat nicht nur Frankreich zum Feind gemacht, durch die Annektion von Elsaß-Lothringen, sondern auch das Verhältnis zu Russland durch den Berliner Kongreß und das zu England durch die Kolonisierung in Afrika verschlechtert
Das Verhältnis zu Russland war aber nur vorübergehend getrübt. Bereits 1881 hatten Russland, Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich sich zu dem "Dreikaiserabkommen" verständigt gehabt. Im Jahre 1887, ebefalls unter maßgeblicher Verantwortung Bismarcks, wurde zwischen Russland und dem Deutschen Reich der "Rückversicherungsvertrag" abgeschlossen. Erst Bismarcks Nachfolger Caprivi und das Auswärtige Amt unter Marschall mit der grauen Eminenz Holstein im Hintergrund sorgten 1890 dafür, das dieser wichtige Vertrag nicht verlängert worden war und Russland begann sich nach anderen Bündnispartnern, nämlich Frankreich, umzusehen. Bismarck hatte immer darauf geachtet, das die europäischen Flügelmächte sich nicht zu einem Bündnis gegen das Deutsche Reich verständigten.
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23.01.2008, 12:50
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Quaestor
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Registriert seit: 14.12.2007
Beiträge: 130
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Die Nichtverlängerung des Rücktrittsvertrages war nicht der entscheidende Punkt, sondern dass man Ö.-U. gegen Russland stets den Rücken gestärkt hat, in der Bosnien-Anektions-Krise oder später beim Blankoscheck vs Serbien.
Also ganz so ist das nun auch nicht. In den beiden Balkankriegen war es beispielsweisedas Deutsche Reich was Österreich-Ungarn zur Mäßigung veranlasst hatte, so wie Großbritannien unter anderem auf Russland einwirkte, so das eine Lösung erreicht wurde.
Zur Annexionskrise um Bosnien-Herzegowina im jahre 1908: De Außeminster Österreichs-Ungarns Aehrenthal hatte seine Pläne des russischen Außenminister Iswolski schon im Vorfeld vorgestellt gehabt, der nichts dagegen einzuwenden gehabt hatte. Iswolski wollte nämlich, wieder einmal, die Meerengefrage aufgreifen.
Als dann nach der Annexion Serbien massiv Druck machte, enstand eine europäische Krisensituation. Iswolski hatte seine Abmachung mit Aehrenthal "einfach vergessen." Als im März 1909 Aehrenthal den Russen signalisierte, das er die Dokumente jener Gespräche, die das Einverständnis Russlands dokumentieren, befand sich die Russische Außenpolitik in einer peinlichen Situation, so das man schließlich nachgab. Es war nicht so sehr der deutsche Druck, sondern diese entscheidende diplomatische Begebenheit, die zu der diplomatischen Niederlage Russlands geführt hat. Außerdem hat man in Russland schon überprüft, ob man die militärische Karte ausspielen sollte, kam aber zu dem Ergebnis, das man gegen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn nicht bestehen könnte.
Geändert von Bruckner (23.01.2008 um 13:03 Uhr)
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24.01.2008, 01:23
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Quaestor
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Registriert seit: 23.01.2008
Beiträge: 191
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Zitat von mozart
Und was kann man ihm nun wirklich vorwerfen das ihn zu einem schlechteren Politiker macht wie der Rest?
Naja, hab ich doch geschrieben. Elsaß-Lothringen, den Berliner Kongreß und die Kolonien in Afrika. Ob er damit schlechter war als "der Rest", hängt davon ab, wen du damit meinst.
Zitat von Bruckner
Im Jahre 1887, ebefalls unter maßgeblicher Verantwortung Bismarcks, wurde zwischen Russland und dem Deutschen Reich der "Rückversicherungsvertrag" abgeschlossen.
Allerdings hat Bismarck den Vertrag vor Ö.-U. geheim gehalten und umgekehrt. Er war auch selber der Ansicht, dass ihm der Vertrag gegebenenfalls die Russen nur ein paar Wochen länger vom Leibe hält.
In seiner Biografie jammert er jedenfalls viel herum, über das schlechte Verhältnis zu Russland und dem Zaren.
Immerhin hat er es geschickt verstanden die anderen Großmächte gegeneinander auszuspielen, da war er ein wahrer Meister darin.
Zitat von Bruckner
Zur Annexionskrise um Bosnien-Herzegowina im jahre 1908: De Außeminster Österreichs-Ungarns Aehrenthal hatte seine Pläne des russischen Außenminister Iswolski schon im Vorfeld vorgestellt gehabt, der nichts dagegen einzuwenden gehabt hatte. Iswolski wollte nämlich, wieder einmal, die Meerengefrage aufgreifen.
Allerdings hat der Deutsche Außenminister einen rüden Brief an Iswolski geschickt in Form eines Ultimatums. Jedenfalls hat die russische Regierung Deutschland für die peinliche Pleite die Schuld gegeben.
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24.01.2008, 09:38
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Quaestor
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Registriert seit: 14.12.2007
Beiträge: 130
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Jedenfalls hat die russische Regierung Deutschland für die peinliche Pleite die Schuld gegeben.
Wem hätte sie denn auch sonst die Schuld geben sollen? Das nur sie selber schuld an der ganzen Misere waren, dazu reichte es wohl nicht aus.
Allerdings hat Bismarck den Vertrag vor Ö.-U. geheim gehalten und umgekehrt.
Geheimdiplomatie war zu der Zeit nichts unübliches.
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07.02.2008, 07:31
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Quaestor
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Registriert seit: 23.01.2008
Beiträge: 191
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Zitat von Bruckner
Wem hätte sie denn auch sonst die Schuld geben sollen? Das nur sie selber schuld an der ganzen Misere waren, dazu reichte es wohl nicht aus.
Die Russen hatten sich selber in eine unhaltbare Position manövriert, da war es natürlich angenehm, dass sie Bismarck als Sündenbock präsentieren konnten, nachdem er ihnen netterweise aus der Klemme geholfen hatte.
Die Frage ist nur, ob es nicht klüger gewesen wäre, wenn Bismarck sich rausgehalten hätte und die Russen hätte auflaufen lassen. Ein Krieg zwischen Russland und Türkei/England/Österreich - falls es überhaupt dazu gekommen wäre - konnte für Deutschland ja durchaus vorteilhaft sein.
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20.02.2008, 18:45
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Quaestor
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Beiträge: 130
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Die Frage ist nur, ob es nicht klüger gewesen wäre, wenn Bismarck sich rausgehalten hätte und die Russen hätte auflaufen lassen. Ein Krieg zwischen Russland und Türkei/England/Österreich - falls es überhaupt dazu gekommen wäre - konnte für Deutschland ja durchaus vorteilhaft sein.
 Hmmh. ist es möglich das du da etwas durcheinander bringst? Bismarck war bis 1890 Reichskanzler. Die Annexionskrise um Bosnien-Herzegowina datiert auf das Jahr 1908.
Meines Wissens nach war Bernhard von Bülow zu dieser Zeit Reichskanzler.
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"Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern mit den Augen die Tür zu finden." [Walter von Siemens]
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25.02.2008, 04:12
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Quaestor
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Registriert seit: 23.01.2008
Beiträge: 191
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Zitat von Bruckner
Hmmh. ist es möglich das du da etwas durcheinander bringst? Bismarck war bis 1890 Reichskanzler. Die Annexionskrise um Bosnien-Herzegowina datiert auf das Jahr 1908.
Meines Wissens nach war Bernhard von Bülow zu dieser Zeit Reichskanzler.
Es ging mir um den Berliner Kongreß, wo Bismarck als "ehrlicher Makler" auftrat und den Frieden vermittelte. In der Bosnienkrise hätten Türkei/England gar nicht eingegriffen.
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28.02.2008, 09:54
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Quaestor
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Beiträge: 130
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Ich würde den Berliner Kongress nicht überbewerten, denn bereits im Vorfeld des Kongresses, nämlich im Mai 1878, haben der russische Botschafter in London Peter Graf Schuwalow und der britische Außenminister Lord Salisbury den Grundstein in Form eines Geheimabkommens für den Berliner Kongress gelegt. Diese Vereinbarungen wurden dann mehr oder weniger auf dem Kongress bestätigt.
Russland war in San Stefano mit seinen harten Bedingungen gegenüber dem Osmanischen Reich zu weit gegangen, denn dort wurden auch Vereinbarungen getroffen, die die Interessen von Großbritannien und Österreich-Ungarn betrafen.
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