29.08.2008 - 00:54
Historik Forum
Die Weltkriege Der Bereich für die Zeit der Weltkriege und die Zeit dazwischen.
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  #1  
Alt 20.07.2008, 20:05
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
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Freisler

Roland Freisler ? Wikipedia

Die böseste Fratze des Regimes offenbart sich m. E. in den Präsidenten des Volksgerichtshofs.
Die Schauprozesse die mal wieder im Fernsehen gezeigt werden, anlässlich des heutigen Datums (20. Juli) zeigen einen bösartigen, jähzornigen Richter des NS-Regimes.

Die Offiziere wurden unwürdig beleidigt und angebrüllt, das Urteil stand bereits fest, sie wurden bestialisch hingerichtet.
Wie konnte das deutsche Volk und die Wehrmacht eine solche "Justiz" akzeptieren?
War so ein Spektakel nicht dazu geeignet eine Revolte durch allgemeine Empörung zu verursachen?
Immerhin gab es doch -trotz allem- eine preußische Militärtradition die mit Füßen getreten wurde.
Ich verstehe die Offiziere nicht, warum hier nicht ganze Einheiten revoltierten.

In Russland kam es auch zu einer - in ähnlicher Situation - Gehorsamsverweigerung und dann Revolution.
__________________
"So lange nicht alle Menschen werden wie er, müßen wir unsere Schwerter scharf halten"

Ben Hur: "Und unseren Zielen treu bleiben."
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  #2  
Alt 20.07.2008, 21:49
Benutzerbild von König Leonidas I.
Tribun
 
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Das Volk wollte die häßliche fratze der Warheit nicht akzeptieren, da "Hitler es ja richten werde" und da "Deutschland ja sowieso gewinnen würde" standen diese offiziere "ja nur im weg" und hatten es "verdient" zu sterben, da sie ja den Aufstieg des Deutschen Reichs ja gefährdeten, indem sie sich dem allmächtigen führer wiederstzten...
__________________
Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest Uns hier liegen sehn, wie das Gesetz es befahl.
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  #3  
Alt 20.07.2008, 22:31
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
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Meines Wissens nach war das Offizierskorps bereits im vor dem Attentat informiert gewesen, die meisten entschieden sich jedoch für Karriere und Geld und dagegen zu Handeln. Viele Offiziere waren von Hitler sprichwörtlich gekauft worden, entweder mit schnellem Aufstieg auf der Karriereleiter oder tatsächlich mit Geld und Besitz.
Warum sollte das Offizierskorps, das während des Attentats passiv geblieben war, aufstehen nachdem es gescheitert war?
Das Umfeld war zudem wesentlich ungünstiger geworden, da die NS-Führung der Wehrmacht nun mehr denn je mißtraute. Sichtbar wird das z.B. durch den ab dem 20. Juli vorgeschriebenen Hitlergruß, auch in der Armee.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #4  
Alt 20.07.2008, 22:39
Konsul
 
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Beiträge: 827
Zitat von Jason Beitrag anzeigen
[url=http://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Freisler]Die Offiziere wurden unwürdig beleidigt und angebrüllt, das Urteil stand bereits fest, sie wurden bestialisch hingerichtet.
Also unter "bestalisch hinrichten" verstehe ich anderes als erschießen. lebendig Häuten, Vierteilen, Pfählen usw. tun da wesentlich mehr weh und sind grausamer im Tod.

zu Freisler: seine Ausarbeitung zum Reichsstrafgesetzbuch, insbesondere die Tatbestände der Tötungsdelikte, sind heute noch Bestandteil des Strafgesetzbuches.
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  #5  
Alt 21.07.2008, 14:00
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 667
Es gab noch andere Monster neben Freisler. Da war Hermann Cuhorst, Vorsitzender des Sondergerichts in Stuttgart, er verhängte rund 120 Todesuteile. Beim internationalen Juristenprozess in Nünberg nach dem Krieg wurde er dennoch frei gesprochen. Aus Protest dagegen trat die Spruchkammer der Deutschen in Heidenheim in den Streik - nach dem Prinzip: Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen. Ich kenne kein anderes Beispiel, bei em in Deutschland ein Gericht in den Streik gegangen wäre.
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  #6  
Alt 21.07.2008, 14:45
Plebejer
 
Registriert seit: 06.07.2008
Ort: Bochum
Beiträge: 5
Hierzu gibt es eine gedruckte, einigermaßen gute Zusammenstellung zum Thema

Im Namen des Deutschen Volkes
Justiz und Nationalsozialismus
(Katalog zur Ausstellung des Bundesministers der Justiz)
Verlag Wissenschaft und Politik , 1989
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  #7  
Alt 21.07.2008, 15:44
Tribun
 
Registriert seit: 06.07.2008
Beiträge: 99
Der Artikel in englischer Version ist besser als der dt:


Roland Freisler - Wikipedia, the free encyclopedia


beschreibt nämlich seine Rolle in russischer bzw. bolschewikischer Gefangenschaft etwas besser und erwähnt auch Fabian von Schlabrendorff, dessen Akten er bei seinem Tod noch in den Händen hielt, und der wohl die bekannteste Beschreibung Freislers im VGH geliefert hat ("Freislers Tod" in Hofers Werk über den NS)...


Zitat von Titus_Livius Beitrag anzeigen
Also unter "bestalisch hinrichten" verstehe ich anderes als erschießen. lebendig Häuten, Vierteilen, Pfählen usw. tun da wesentlich mehr weh und sind grausamer im Tod.
...
Weiss nicht, wie das ist; bin, wie die meisten von uns vor dem Bildschirm, noch niemals erschossen worden (aber gab's nicht auch Erhängen an Klaviersaiten und Schafott?).


Zitat von Titus_Livius Beitrag anzeigen
...
zu Freisler: seine Ausarbeitung zum Reichsstrafgesetzbuch, insbesondere die Tatbestände der Tötungsdelikte, sind heute noch Bestandteil des Strafgesetzbuches.
Wenn die Ausarbeitung zum Reichsstrafgesetzbuch stimmt, dann ist das sicherlich kein Einzelfall;

auch in Italien war der Faschismus in seiner schlimmsten Phase erstaunlicherweise auch in der Lage, Rechtsgrundlagen auf rechtsstaatlicher Tradition zu schaffen (s. Codice Civile 1942, noch heute gültig). Was die Untaten umso schlimmer macht, denn offensichtlich konnte man auch anders, d.h. sehr wohl zwischen gut und böse unterscheiden.



LG
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  #8  
Alt 21.07.2008, 16:18
Plebejer
 
Registriert seit: 08.07.2008
Beiträge: 5
Freislers Art der Verhandlungsführung soll sogar in den höchsten Nationalsozialistischen Kreisen heftig umstritten gewesen sein, da man ja den schönen Schein der Rechtsstaatlichkeit wahren wollte und da war ein brüllender, pöbelnder Freisler nicht besonders hilfreich.
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  #9  
Alt 21.07.2008, 16:23
Ädil
 
Registriert seit: 19.02.2008
Beiträge: 253
Zitat von Sarto Beitrag anzeigen

Wenn die Ausarbeitung zum Reichsstrafgesetzbuch stimmt, dann ist das sicherlich kein Einzelfall;

auch in Italien war der Faschismus in seiner schlimmsten Phase erstaunlicherweise auch in der Lage, Rechtsgrundlagen auf rechtsstaatlicher Tradition zu schaffen (s. Codice Civile 1942, noch heute gültig). Was die Untaten umso schlimmer macht, denn offensichtlich konnte man auch anders, d.h. sehr wohl zwischen gut und böse unterscheiden.

LG
Nunja, die Geschichte unseres Strafgesetzbuches geht ja bis ins Jahr 1871 zurück und seit dieser Zeit unterlag das Recht einem stetigen Wandel der sich in entsprechenden Reformen ausgedrückt hat. Im Kern aber basiert unser heutiges Recht noch immer auf dem, was schon 1871 festgelegt wurde.
Gewisse Grundsätze sind also unverändert und lassen sich wahrscheinlich noch weiter zurückverfolgen. Wahrscheinlich , was das Gesamtrecht anbelangt, noch über Napoleon hinaus.

Was im Dritten Reich an Änderungen geschah hat an diesen Grundlagen nicht gerüttelt. Deswegen blieb auch die Unterscheidung zwischen gut und böse.
Die Änderungen betrafen im Wesentlichen Tätertypologien die nicht grundfalsch, aber eben auch nicht das Gelbe vom Ei sind.
Jedenfalls passten Kategorisierungen gleich welcher Art natürlich ins nationalsozialistische Weltbild.

Was die Feststellung anbetrifft, "man konnte auch anders", weise ich mal darauf hin, daß Diktaturen immer auf einen fiktiven "Rechtsstaat" angewiesen sind. Ansonsten herrschte ja Unordnung und Chaos. Der Unterschied zum echten Rechtsstaat liegt darin, daß der Staat sich nach Lust und Laune über die Regeln, die für alle Untertanen gelten müssen, hinwegsetzt.
__________________
Glory, glory to old Ireland,
glory, glory to this island,
glory to the memory of the men
who fought and died,
"No surrender" is the war cry of
the Belfast Brigade.

Geändert von Beckmann (21.07.2008 um 16:27 Uhr).
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  #10  
Alt 21.07.2008, 16:40
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Im Rechtssystem des Nationalsozialismus drückte sich zudem auch wieder das bereits mehrfach angesprochene Zwitterwesen des NS-Staates aus.
Wie auch in vielen anderen Bereichen wurde alte Einrichtungen übernommen, um diese dann nach und nach durch NS-Einrichtungen zu ersetzen.

Der Gerichtsapperat bestand fort, es gab auch weiterhin Gefängnisse etc. Ich hatte irgendwo mal eine Quelle (ein Brief) an hohe Juristen, in dem diese angemahnt werden im Sinne der NS-Führung zu entscheiden, um eine weitere Aushöhlung des Justizapperats zu umgehen. Leider habe ich keine Ahnung wo ich diese Quelle gelesen habe. Vielleicht weiß ja jemand was ich meine?

Denn neben den Zuchthäusern existierten dann ja auch die Konzentrationslager, in denen bei weitem nicht nur rasstisch Verfolgte einsaßen, sondern auch normale Kriminelle. Soweit ich weiß kam es auch durchaus vor, dass Kriminelle Haftstrafen absaßen, nur um danach direkt ins KZ überstellt zu werden.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #11  
Alt 21.07.2008, 17:22
Konsul
 
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Weiss nicht, wie das ist; bin, wie die meisten von uns vor dem Bildschirm, noch niemals erschossen worden (aber gab's nicht auch Erhängen an Klaviersaiten und Schafott?).
Ich hatte es anders gemeint. Warum stellt man (zumindest ist das in Foren sehr oft der Fall) negative Attribute vor ein schon negatives Ereignis, speziell im Rahmen des Dritten Reiches oder stellt Menschen mit besonders negativ assoziierten Fabelwesen und/oder Unwörtern gleich ?
Sokrota hat das auch gemacht, indem er Cuhorst als "Monster" bezeichnet.
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  #12  
Alt 21.07.2008, 18:00
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
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Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
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Die Offiziere durften nicht erschossen werden, sondern wurden langsam am Strang aufgehängt. Der Tod wurde ihnen nicht leicht gemacht.
Von Tresckow nahm sich das Leben um zu vermeiden, das weitere Namen aus ihm ausgequetscht werden.

Ein weiteres Detail des Juli `44:
In Paris verhaftete die Wehrmacht alle SS und Gestapo Leute auf Anweisung von Von Stülpnagel.
Das ganze wurde nach dem Auffliegen als "Übung" kaschiert, da die SS nicht veröffentlichen lassen wollte, dass einfache Soldaten sie im Handstreich verhaftet hatten...
Die Sache war ja prächtig gediehen! Ein wirkliches Jammer, was dann geschah...

@Titus
Freisler wäre der perfekte Richter in der Hölle.
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Geändert von Jason (21.07.2008 um 18:05 Uhr).
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  #13  
Alt 21.07.2008, 19:29
Benutzerbild von tejason
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Volksgerichtshof & Faschistische "Regeltreue"

Zitat von Jason Beitrag anzeigen
Die Offiziere durften nicht erschossen werden, sondern wurden langsam am Strang aufgehängt. Der Tod wurde ihnen nicht leicht gemacht.
Das ist nur zu wahr. Erschießen war für einen Soldaten eine ehrenvolle Strafe, auch wenn man das heute erklären muss. Es ist das Schicksal eines Soldaten, dass ihn eine Kugel trifft, ein ehrloser Strick war für "Galgenvögel" - also Leute, die keine Ehre hatten. Bezeichnend dafür ist die Haltung von Hitlers "höchstem militärischen Bürovorsteher", dem "Chef des Oberkommandos der Wehrmacht", Feldmarschall Wilhelm Keitel, betreffs der Hinrichtungsmethode. Keitel, während des Krieges heimlich in hohen Offizierskreisen gerne auch "Lakeitel" (in Anspielung auf Lakai) genannt, war vielleicht der Offizier der sich am tiefsten im faschistischen Sumpf hineinbegeben hatte und wurde entsprechend nach dem Kriege im "Nürnberger Tribunal" zum Tode durch den Strang verurteilt. Wenn ich mich recht erinnere, war Keitel auch der Einzigste Angeklagte der in Nürnberg eine Teilschuld einräumte. Als er zum Tode verurteilt wurde, erbat er sich die Hinrichtung durch Erschießen - wobei er in diesem Ansinnen durch die Franzosen unterstützt wurde. Als Begründung gab er den alten militärischen Ehrenkodex wieder, wonach Offiziere erschossen würden und nicht erhängt. Hingerichtet wurde er trotzdem durch den Strang!

Erhängen? Nein! Viele Männer aus dem Widerstand wurden nicht erhängt, sondern zu Tode stranguliert! Bei einer korrekten Hinrichtung durch den Strang wird der Delinquent in die Tiefe gestoßen und durch den plötzlichen Ruck des Seiles in der Schlinge wird ihm das Genick gebrochen. Beim Strangulieren wurde dem Opfer eine Schlinge um den Hals gelegt und er langsam zu Tode erdrosselt. Etwa, wenn er mit der Schlinge um den Hals langsam hochgezogen wird und sein Körpergewicht ihm die Atemwege abschnüren... Eine grausige Methode!
Da im Stauffenberg selbst im Bendlerblock von dem in Teilen zumindest über den Widerstand informierten Generaloberst Friedrich Fromm (Oberkommandierender des Ersatzheeres) erschossen worden war, wurde Fromm dies ebenfalls zum Vorwurf gemacht. Viele zu Tode strangulierte wurden anschließend in der heutigen Gedenkstätte in Berlin an Fleischerhaken aufgehängt um sie zusätzlich nachträglich zu demütigen und Nachahmer abzuschrecken.

@Freisler:
Seine Verhandlungsführung im Kontext mit dem missglückten Attentat war bewusst gewählt. Es sollte keine Gerichtsverhandlung sein, sondern ein Strafgericht das Nachahmer abschrecken sollte. Dabei war eigentlich der Volksgerichtshof für die Aburteilung von Offizieren gar nicht zuständig, dass viel in den Bereich der eigenen Wehrgerichtsbarkeit der Wehrmacht, so das Richter im Offiziersrang darüber zu befinden hatten. Dieser Punkt ist eine lange und im alten Heer eifersüchtig verteidigtes Privileg der Truppen seit der Preußenzeit! Daran hatte Hitler kein Interesse, er fürchtete vielleicht eine innere Solidarisierung oder zumindest eine gewisse Vertuschung der Mitwisserschaft. Man musste die Männer also irgendwie in die Gewalt Freislers spielen…

Infamerweise wurden höchste Offizierskollegen dazu zu Mittätern auserwählt. Überzeugungstäter wie Mitläufer machten nun mit in den so genannten „Ehrengerichten der Wehrmacht“. Dabei „untersuchten“ so gestandene Frontgeneräle wie Heinz Guderian und Kollegen die Missetaten und stießen „angewidert“ die Widerständler aus der Wehrmacht aus. Damit war der Form genüge getan: Die Wehrmacht hatte erst selbst urteilen können und Freisler bekam die Bedauernswerten doch noch in die Finger.

Es gibt eine Reihe von Beispielen für Freislers Verhandlungsführung. Die stolzen Offiziere, gewohnt in Uniform aufzutreten wurden in schäbigen Kleidern vorgeführt, oft ohne Gürtel und Hosenträger. Bei Generalfeldmarschall von Witzleben, einem hoch dekorierten Offizier des Frankreichfeldzugs, von den Attentätern als zukünftigen Oberkommandierenden der Wehrmacht ausersehen führte das zu einer weiteren, typisch-infamen Entgleisung Freislers. Witzleben, der die im stehen ständig rutschende, viel zu weite Hose mit den Händen krampfhaft festhalten musste wurde von ihm angeschnauzt: „Was fassen sie sich dauernd an die Hose, sie schmutziger alter Mann!“

@Das System des Faschismus:
All diese Vorgänge sind typisch für den Nationalsozialismus: Offiziell blieben die Gesetze und Regelungen durchaus gültig, wenn auch ständig zugunsten der neuen Herren geändert wurde. Aber wenn es den Nazis in den Kram passte, wurde das Gesetz gedehnt wie bei den „Ehrengerichten“ und dem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof, der nur der Selbstdarstellung Freislers und der Entwürdigung des Gegners als Abschaum diente.
Das war nicht erst gegen Ende des Naziregimes so, sondern bereits 1933 bei der Abstimmung zum Ermächtigungsgesetz, bei dem das Parlament sich selbst entmachtete. Um die absolute Mehrheit der Stimmen zu bekommen, war vorher die KPD als angebliche Mittäter zum Reichstagsbrand verboten worden. Ihre Reichtagsmitglieder konnten gar nicht erscheinen, sondern wurden trotz parlamentarischer Immunität verfolgt und nur die anwesenden Reichtagsabgeordneten galten als „100%“. Während der Sitzung drängten sich Hunderte uniformierte SA-Angehörige um die Mandatsträger und pöbelten: „Wir wollen das Ermächtigungsgesetz, sonst gibt’s Zunder!“ Einzig die Abgeordneten der SPD weigerten sich trotzdem dem Gesetz zuzustimmen, das Hitler die erwünschte Macht über Deutschland geben sollte – alle Anderen ließen sich Einschüchtern, oder durch lahme Versprechungen wie die „Religionsfreiheit wird gewahrt“ einlullen.
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  #14  
Alt 21.07.2008, 21:37
Konsul
 
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Zitat von Jason Beitrag anzeigen
@Titus
Freisler wäre der perfekte Richter in der Hölle.

Ist das Sachlichkeit? Ich meine, daß man gerade in einem Geschichtsforum wesentlich objektiver an Geschichtsthemen herangehen sollte.
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  #15  
Alt 22.07.2008, 23:03
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
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Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
Beiträge: 711
Vielleicht ist das auch eine menschliche Art die Dinge zu verarbeiten. Genau so wie der Zynismus der Ärzte. Und wenn wir schon bei Ärzten sind: so einer war doch ein Psychopath - genau wie viele aus der Riege - also sollte man ihn fast schon als "krank" einstufen, um sachlich zu werden.
Demzufolge war er sogar schuld unfähig, da er als Psychopath kein Unrechtbewusstsein hatte.
Letztlich ist auch die Ironie des Schicksals unsachlich gewesen: der Typ stirbt bei einem Bombenangriff und entgeht so seiner - diesmal gerechten - Strafe...
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