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28.12.2007, 01:28
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Praetor
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Registriert seit: 08.10.2007
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Holocaust durch allgemeinen Antisemitismus?
In seinem 1996 erschienen Buch Hitlers willige Vollstrecker stellte der US-amerikanische Soziologe und Politikwissenschaftler Daniel Goldhagen die These auf, dass erst der allgemeine Antisemitismus in Deutschland den Holocaust möglich machte.
Kann man dem zustimmen? Denn auch in anderen Ländern Europas hat es Antisemitismus gegeben, z.B. in Russland, wo zahlreiche Pogrome an der jüdischen Bevölkerung verübt wurden.
Hätte es in diesen Ländern auch zu so einem Verbrechen kommen können, was nur dadurch ausgeblieben ist, weil Deutschland ihnen zuvor gekommen ist (überspitzt formuliert)?
Oder war in Deutschland die Hauptursache für die Shoa in erster Linie doch nur der totale Wunsch der Nationalsozialisten nach der Vernichtung der Juden?
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Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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28.12.2007, 10:40
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Zu allgemein. 1. gab es auch in anderen Ländern faschistische Bewegungen (GB hatte z.b. eine recht große).
2. Das selbstverständnis dieser Länder war allerdings nicht durch einen 1. WW angekratzt. Ich behaupte, dass allein durch die wirtschaftskrise und arbeitslosigkeit Hitler nicht mglich gewesen wäre.
3. War die Vernichtung der Juden nicht Ziel der Nazis. Die Vernichtung kam erst nach und nach. Im Spiegel gab es mal einen interessanten Bericht darüber, dass man durch die großen Eroberungen immer mehr Juden im Einflußgebiet hatte und nach "Endlösungen" suchte. Der HC war das Ergebniss. Der allgemeine Antisemtismus half aber dabei die Skruppel zu überwinden.
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28.12.2007, 12:14
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 685
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Der Soziologe Franz Janka schrieb in seinem Buch "Die braune Gesellschaft" (1997): "Die Einteilung dere Menschen in Gute und Böse, Eigen- und Fremdvölkische, Volksgenossen und Gemeinschaftsschädlinge wurde zum immer radikaleren Grundprinzip dieser Gesellschaft. Damit erhielt die so sich herausbildende Gemeinschaft im Inneren ein zunehmend klares Profil". Anders ausgedrückt: Man schaffe ein Feindbild, und lenke damit von anderen Problemen ab. Daraus entsprang dann ein allgemeiner Antisemitismus, der den Holocaust im Rahmen eines aggressiven Nationalsozialismus möglich machte.
Judenverfolgungen kleinerer Ausmaße gab es quer durch die Geschichte. Ein (zugegeben: älteres) Buch zeigt das gut auf: Werner Keller, Und wurden zerstreut unter alle Völker, 1966. Da waren die Gemetzel in den rheinischen Gemeinden um 1100, da war 1306 die Ausweisung aller Juden aus Frankreich; 1543 schrieb Luther: "Was wollen wir Christen nun tun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden? ... Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke ..."
Die Geschichte der Judenverfolgungen ist eine endlose, in Deutschland ebenso wie anderswo. Das kann den Holocaust im Dritten Reich nicht beschönigen und nicht relativieren. Aber man sollte es wissen. Denn es zeigt: Da steckt eine Tradition dahinter. Die "braune Gesellschaft" griff auf ein bewährtes Feindbild zurück.
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28.12.2007, 14:22
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Ich glaube dem kann man zustimmen: Ohne allgemeinen Antisemitismus keinen Holocaust. Er war also in gewisser Hinsicht eine Voraussetzung. Man hätte das Unternehmen wohl nicht so gewissenhaft verfolgen können, wenn nicht diese Grundstimmung da gewesen wäre.
Aber genauso muss man sagen: ohne diese mächtige Naziführung und ihrem politischen Radikalismus hätte es den Holocaust zumindest in diesem Ausmaß und dieser Gründlichkeit nicht gegeben.
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28.12.2007, 14:54
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 685
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Zitat von MacX
Aber genauso muss man sagen: ohne diese mächtige Naziführung und ihrem politischen Radikalismus hätte es den Holocaust zumindest in diesem Ausmaß und dieser Gründlichkeit nicht gegeben.
Die "Gleichschaltung" der Medien = Unterdrückung kritischer Presse war wohl ein weiterer Faktor, der das Tun des Nazi-Regimes und den Holocaust begünstigte. Eine rein hypothetische Frage: Was wäre gewesen, wenn damals in "Tagestemen" oder "Report" berichtet worden wäre, was in Dachau oder Auschwitz vor sich geht?
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28.12.2007, 15:02
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Praetor
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Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 391
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Ich finde, die These Goldhagens wirft auch die Frage auf, ob es in Deutschland eventuell eine stärkere antisemitische Tradition gab, als in anderen Ländern Europas.
Zitat von MacX
Ich glaube dem kann man zustimmen: Ohne allgemeinen Antisemitismus keinen Holocaust. Er war also in gewisser Hinsicht eine Voraussetzung. Man hätte das Unternehmen wohl nicht so gewissenhaft verfolgen können, wenn nicht diese Grundstimmung da gewesen wäre.
Aber genauso muss man sagen: ohne diese mächtige Naziführung und ihrem politischen Radikalismus hätte es den Holocaust zumindest in diesem Ausmaß und dieser Gründlichkeit nicht gegeben.
Man sollte aber auch berücksichtigen, dass das jüdische Feindbild, das die Nazis propagierten, nicht der jüdische Nachbar war, der in die Gemeinschaft integriert war, sondern der orthodoxe Jude mit dem ungepflegten Bart, der anderen das Geld aus der Tasche zieht. Hätten die Nazis in erster Linie gegen die integrierten Juden gehetzt, hätte dies meiner Meinung nach keinen großen Zuspruch in der Bevölkerung gewonnen.
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Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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28.12.2007, 15:35
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Natürlich wurden Clichés bedient. Hätte man einen "normalen deutschen" Juden als Bösewicht auf die Plakate gedruckt, der nicht durch irgendwelche Sonderheiten auffällt, wäre wohl irgendwo die Botschaft verloren gegangen.
Nichtsdestotrotz, waren alle Juden gemeint. Wer Jude ist, und wer nicht, hatten die Nazis ja fein säuberlich herausgetrennt.
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28.12.2007, 15:57
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
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Zitat von K. Ropp
Man sollte aber auch berücksichtigen, dass das jüdische Feindbild, das die Nazis propagierten, nicht der jüdische Nachbar war, der in die Gemeinschaft integriert war, sondern der orthodoxe Jude mit dem ungepflegten Bart, der anderen das Geld aus der Tasche zieht. Hätten die Nazis in erster Linie gegen die integrierten Juden gehetzt, hätte dies meiner Meinung nach keinen großen Zuspruch in der Bevölkerung gewonnen.
Doch, die Propaganda zielte durchaus auf den "Nachbarn". Dabei wurde Angst geschürt, dass dieser Jude in der Nachbarschaft etwas wegnehme. Schon 1928 stand auf einem Plakat der NSDAP. "...Es kam der Jude und setzte dem deutschen Kaufmann die Warenhäuser vor die Nase, er vernichtete ihm mit der marktschreierischen Reklame die Existenz, er nahm dem Handwerker das Brot, er zog jedem Gewerbetreibenden den Hals zu".
Man muss auch die Bedeutung der Schule und der Literatur erwähnen. Kindern wurde der Hass eingetrichtert. In einem Jugendbuch mit dem Titel „Der Giftpilz“ wurde der folgende Dialog abgedruckt: „Unterwegs sagt die Mutter: ‚Schau, Franz, genauso, wie es bei den Pilzen im Wale ist, so ist es bei den Menschen auf der Erde. Es gibt gute Pilze und es gibt gute Menschen. Es gibt giftige, also schlechte Pilze, und es gibt schlechte Menschen. Und vor diesen schlechten Menschen muss man sich ebenso in acht nehmen wie vor Giftpilzen. Verstehst du das?’. – ‚Ja, Mutter, das verstehe ich’, sagt der Franz, ‚wenn man sich mit schlechten Menschen einlässt, so kann das ein Unglück geben, wie wenn man einen Giftpilz isst. Man kann daran zugrunde gehen!’. – ‚Und weißt du auch, wer nun diese schlechten Menschen, diese Giftpilze der Menschheit sind?’, fragt die Mutter weiter. Franz wirft sich stolz in die Brust. ‚Jawohl, Mutter! Das weiß ich. Es sind die – Juden. Unser Lehrer hat das schon oft in der Schule gesagt’.“
Das ist der Stoff, aus dem Gewalt wächst.
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28.12.2007, 15:58
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Demokrat
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Registriert seit: 08.06.2005
Ort: Zürich, Schweiz
Beiträge: 315
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Ein Wort zur Geschichte des Antisemitismus: Das ist definitiv keine deutsche Erfindung. Als Beispiel sei das mittelalterliche Spanien genannt. Während der Reconquista (die christliche Rückeroberung Spaniens durch die Königreiche Kastilien, Aragon und Portugal von den muslimischen Mauren) wurde die zuvor sehr zahlreiche jüdische Bevölkerung verfolgt und schliesslich praktisch vollständig aus Spanien vertrieben. Die blühenden jüdischen Gemeinden in den grossen Städten wurden regelrecht "entleert". Die Triebfeder dieser Form des Antisemitismus war der fanatische Katholizismus der spanischen Eroberer.
Die Juden waren eine fremd-religiöse Minderheit innerhalb sich rasant verändernder Machtverhältnisse: Dieses Schicksal ereilte sie in der Geschichte wieder und wieder und wieder. So betrachtet kann man sagen, dass die Ursache für den Antisemitismus nicht unbedingt in der Tatsache zu finden war, dass die Juden nunmal Juden waren. Vielmehr waren sie stets und überall eine andersgläubige Minderheit. Und als solche liessen sie sich hervorragend zum Sündenbock für allerlei Probleme und negative Entwicklungen machen (siehe die Analogien zu den mittelalterlichen Progromen in Deutschland). Anders ausgedrückt: Der Ursprung des Leidenswegs der Juden in Europa liegt zu grossen Teilen in der Lebensform, also der Diaspora dieses Volkes.
Den Deutschen per se einen besonderen Hang zum Anisemitismus vorzuwerfen halte ich für unsinnig. Die Geschichte zeigt, dass das nicht stimmt. Die Deutschen müssen sich aber den Vorwurf gefallen lassen, den Antisemitismus während der Nazi-Herrschaft auf eine bis dato unerreichte Spitze getrieben zu haben.
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Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt. Mark Twain, 30.11.1835 bis 21.04.1910
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28.12.2007, 16:45
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Praetor
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Registriert seit: 08.10.2007
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Zitat von Sokotra
Doch, die Propaganda zielte durchaus auf den "Nachbarn". Dabei wurde Angst geschürt, dass dieser Jude in der Nachbarschaft etwas wegnehme. Schon 1928 stand auf einem Plakat der NSDAP. "...Es kam der Jude und setzte dem deutschen Kaufmann die Warenhäuser vor die Nase, er vernichtete ihm mit der marktschreierischen Reklame die Existenz, er nahm dem Handwerker das Brot, er zog jedem Gewerbetreibenden den Hals zu".
Ich meinte auch nur, dass die integrierten Juden nicht direkt angegriffen wurden, sondern man hat dies auf dem Umweg getan, indem man sich des unangepassten, orthodoxen Juden als Feindbild bediente. Also hatten die christlichen Deutschen wohl keine allzu große Abneigung gegen ihre jüdischen Mitbürger.
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Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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28.12.2007, 17:22
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Historiddler
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Registriert seit: 04.06.2005
Beiträge: 781
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Zitat von Kriegsknecht
Ein Wort zur Geschichte des Antisemitismus: Das ist definitiv keine deutsche Erfindung. Als Beispiel sei das mittelalterliche Spanien genannt. Während der Reconquista (die christliche Rückeroberung Spaniens durch die Königreiche Kastilien, Aragon und Portugal von den muslimischen Mauren) wurde die zuvor sehr zahlreiche jüdische Bevölkerung verfolgt und schliesslich praktisch vollständig aus Spanien vertrieben. Die blühenden jüdischen Gemeinden in den grossen Städten wurden regelrecht "entleert". Die Triebfeder dieser Form des Antisemitismus war der fanatische Katholizismus der spanischen Eroberer.
Naja, das ist aber Antijudaismus, der verstärkt und auch im restlichen Europa im 10./11. Jahrhundert - wahrscheinlich infolge der Zunahme der Volksfrömmigkeit - aufkam und auf religiöser Ablehnung basierte (auch wenn das nicht unter jeden (spanischen) Herrscher der Fall war). Wobei man da auch wiederum anmerken sagen muss, dass sehr viele Judenverfolgungen einen wirtschaftlichen Hintergrund hatten und die Religion nur vorgeschoben oder verstärkender Faktor war.
Bei der Judenfeindlichkeit im dritten Reich und auch schon in der Zeit davor handelte es sich aber primär um Ablehnung aufgrund rassistischer und sozialdarwinistischer Überlegungen, sprich Antisemitismus. Außerdem konnten sich die Juden dieser Verfolgung auch nicht durch Konvertierung entziehen, weil sie ja immer noch Juden im Sinne einer gedachten Rasse waren.
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μηδὲν ἄγαν
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28.12.2007, 17:42
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Demokrat
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Registriert seit: 08.06.2005
Ort: Zürich, Schweiz
Beiträge: 315
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@Draconarius
Wobei das Resultat für die Juden selber - ob Antijudaismus oder Antisemitismus - im Endeffekt ein ähnliches war: Diffamierung, Vertreibung, Ermordung. Darauf wollte ich eigentlich hinaus. Natürlich unterscheidet sich der mittlelalterliche, vor allem aus vordergründig religiösen und hintergründig wirtschaftlichen Motiven bestehende Antijudaismus vom stark ideologischen Antisemitismus der Nazis. Die Tatsache, dass aber in beiden Fällen die Juden zum Ziel der Verfolgung wurden zeigt jedoch, dass eine Minderheit innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft stets Gefahr läuft, zum Ziel von Anfeindungen zu werden.
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Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt. Mark Twain, 30.11.1835 bis 21.04.1910
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28.12.2007, 18:08
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Thete
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Zitat von Sokotra
"Die Einteilung dere Menschen in Gute und Böse, Eigen- und Fremdvölkische, Volksgenossen und Gemeinschaftsschädlinge wurde zum immer radikaleren Grundprinzip dieser Gesellschaft. Damit erhielt die so sich herausbildende Gemeinschaft im Inneren ein zunehmend klares Profil". Anders ausgedrückt: Man schaffe ein Feindbild, und lenke damit von anderen Problemen ab.
Hervorragendes Zitat; ich würde die Schlussfolgerung aber anders ziehen. Es ging nicht nur darum, von Problemen abzulenken. Das Konstrukt der "Volksgemeinschaft" definiert sich geradezu darüber, wer ihr nicht angehörte. Damit ist der Ausschluss von Teilen der Bevölkerung konstituierend für die nationalsozialitische Gesellschaft. Die "Gemeinschaft der Deutschen" konnte es nur geben, weil man mit dem Finger auf jemanden zeigen und sagen konnte: "Der gehört nicht zu uns!"
ad mozart: Auch wenn ich Dir recht gebe, dass es damals in vielen europäischen Ländern faschistische Parteien/Bewegungen gab, auch in GB, so waren im traditionell liberalen Königreich die Faschisten weit davon entfernt, an die Macht zu kommen; im Gegensatz zu Italien, Deutschland, Spanien, Rumänien etc.pp.
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28.12.2007, 18:11
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Thete
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Zitat von K. Ropp
Man sollte aber auch berücksichtigen, dass das jüdische Feindbild, das die Nazis propagierten, nicht der jüdische Nachbar war, der in die Gemeinschaft integriert war, sondern der orthodoxe Jude mit dem ungepflegten Bart, der anderen das Geld aus der Tasche zieht. Hätten die Nazis in erster Linie gegen die integrierten Juden gehetzt, hätte dies meiner Meinung nach keinen großen Zuspruch in der Bevölkerung gewonnen.
Äh, gerade die liberalen, wirtschaftlich erfolgreichen jüdischen Familien in Deutschland und derern imaginierter Einfluss auf die Wirtschaft wurde von den nazis immer wieder kritisiert. Wenn von der "Ausschaltung der Juden aus der Wirtschaft" geredet wurde meinte das nicht bitter arme, orthodoxe Stetl-Bewohner mit Schläfellocken, sondern auch und gerade die integrierten Juden.
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28.12.2007, 21:22
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Praetor
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Zitat von Thersites
Äh, gerade die liberalen, wirtschaftlich erfolgreichen jüdischen Familien in Deutschland und derern imaginierter Einfluss auf die Wirtschaft wurde von den nazis immer wieder kritisiert. Wenn von der "Ausschaltung der Juden aus der Wirtschaft" geredet wurde meinte das nicht bitter arme, orthodoxe Stetl-Bewohner mit Schläfellocken, sondern auch und gerade die integrierten Juden.
Ja, das stimmt, aber wenn man Anti-Juden-Plakate der Nazis ansieht, dann sind dort keine angepassten Juden abgebildet, sondern die Juden auf diesen Plakaten sind fett, haben ungepflegte Bärte und tragen Gewänder, die man sonst nur von orthodoxen Juden kennt. Außerdem hat man den Hass, wie du gesagt hast, auf die wirtschaftlich erfolgreichen Juden gelenkt und nicht auf den einfachen jüdischen Geschäftsbesitzer. Ich denke nicht, dass sich der Antisemitismus der Deutschen auch auf ihre jüdischen Nachbarn gerichtet hat.
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Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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