20.11.2008 - 16:35
Historik Forum
Die Weltkriege Der Bereich für die Zeit der Weltkriege und die Zeit dazwischen.
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  #1  
Alt 14.11.2007, 16:39
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
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Beiträge: 6.449
Mitwisserschaft der Wehrmacht

Im aktuellen SPIEGEL (Nr. 46) ist auf S. 22 ein sehr interressantes Kurz-Interview mit dem Mainzer Historiker Neitzel. Thema ist eigentlich eine umfangreiche ZDF-Doku aber eine Information fand ich sehr interessant.
Es geht um die Abhörprotokolle, die die Briten von den gefangenen Deutschen angefertigt haben.

Ein ehemaliger Kommandeur einer Flakdivision in Nordafrika schätzt dabei Ende 1943 die Zahl der bereits ermordeten Juden auf 3 Millionen. Das ist laut Herrn Neitzel ziemlich exakt. Wenn also ein Flakkommandeur so gut im Bilde war, wie viel wussten dann Rommel & Co?

Es wird übrigens auch auf den Selbstschutz der Soldaten eingegangen. Bei Verweigerung von Erschießungen war wohl maximal ein Beförderungsstopp drin, ins Zuchthaus kam deshalb niemand.

Ich blicke weiterhin auf die unbegrenzte soldatische Mitwisserschaft der deutschen Nation...
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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  #2  
Alt 14.11.2007, 17:10
mozart
Gast
 
Beiträge: n/a
Interessant wäre die Zahl der Mittäter. Zwischen Mitwisser und Mittäter besteht ein riesengroßer Unterschied.

Und eines sollte auch nicht außer Acht gelassen werden. Wenn dir täglich die Kugeln um die Ohren fliegen, du Freunde sterben siehst und und und, wirst du anderes im Sinn haben wie Fragen nach der Moral zu stellen bevor du den Abzug drückst. Das war vor 1000 Jahren so, vor 500 jahren, vor 70 Jahren, heute (siehe Irak) und wird auch in Zukunft so sein.

Wiki sagt zu Befehlsverweigerung folgendes:
...Historisch: Im Zweiten Weltkrieg wurden Befehlsverweigerer mit Kerker oder Exekution bestraft. Unabhängig aus welchen Gründen sie ihre Tat setzten, wurden sie Opfer der NS-Militärjustiz."
http://de.wikipedia.org/wiki/Befehlsverweigerung

PS. Für Fahnenflucht können Bundeswehrsoldaten ins Gefängnis kommen. Warum sollte ein radikales Mörderregime genauso "Milde"?

Wenn der Historiker recht hat waren die Nazis zu Befehlsverweigerern ja gnädiger wie die BRD heute... Da kann was nicht stimmen, oder?

Geändert von mozart (14.11.2007 um 17:14 Uhr)
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  #3  
Alt 14.11.2007, 17:28
Benutzerbild von Kimon
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Beiträge: 1.191
PS. Für Fahnenflucht können Bundeswehrsoldaten ins Gefängnis kommen. Warum sollte ein radikales Mörderregime genauso "Milde"?

Wenn der Historiker recht hat waren die Nazis zu Befehlsverweigerern ja gnädiger wie die BRD heute... Da kann was nicht stimmen, oder?
Fahnenflucht ist auch nicht dasselbe wie Befehlsverweigerung. Deseurteure wurden natürlich gehangen.
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Die Leute streiten im allgemeinen nur deshalb, weil sie nicht diskutieren können - G.K. Chesterton

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  #4  
Alt 14.11.2007, 17:46
Thete
 
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ad Kimon: Halt mich für einen Besserwisser, aber Bilder werden (auf-) gehängt, Menschen dagegen gehenkt.

ZumThema Befehlsverweigerung:
Befehlsverweigerung konnte einen Soldaten im 3. Reich sicher den Kopf kosten; die Frage, ob das bei jedem Befehl so war, und da kenne ich auch die Aussage: Das Verweigern von Mordbefehlen (an Juden, oder bei der "Partisanenbekämpfung") führte nicht zu drastischen Maßnahmen wie Erschießen oder Versetzung in eine Strafkompanie.

Interessant wären hierzu allerdings die Quellen.
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  #5  
Alt 14.11.2007, 17:57
Benutzerbild von Kimon
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Registriert seit: 25.12.2005
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 1.191
ad Kimon: Halt mich für einen Besserwisser, aber Bilder werden (auf-) gehängt, Menschen dagegen gehenkt.
"Henken" ist laut Duden veraltet. Die Frage ist also eher "gehängt" oder "gehangen".
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  #6  
Alt 14.11.2007, 18:48
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
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Ich kann mir nicht vorstellen, daß Soldaten in der Masse von solch einer Vernichtungsaktion gewusst haben. Es gab da bestimmt welche die Bescheid wussten, die meisten waren jedoch nicht im Bilde. Was kriminelle Akte seitens von Soldaten betrifft, beispielsweise Tötung von Gefangenen oder Zivilisten, so ist das bedauerlicherweise- wie schon Mozart geschrieben hat, in allen Armeen der Welt in jedem Krieg passiert. Da hat sich seit der Urzeit nicht viel geändert, höchstens die Aufarbeitung "hinterher". Es wird mehr hinterfragt. Aber den Opfern bringt das nichts...
In Afrika waren die Achsenmächte und die deutschen insbesondere, unter Rommel, auf einen "sauberen" Krieg bedacht. Siehe auch die Knopp-Doku...
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  #7  
Alt 14.11.2007, 19:24
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Beiträge: 6.449
Zitat von Jason Beitrag anzeigen
Ich kann mir nicht vorstellen, daß Soldaten in der Masse von solch einer Vernichtungsaktion gewusst haben. Es gab da bestimmt welche die Bescheid wussten, die meisten waren jedoch nicht im Bilde.
Ich sage nur dass wenn ein Flakoffizier im Bilde war, konnten es alle sein, vor allem die höher rangigen Offiziere wie Rommel die ja angeblich nichts gewusst haben sollen. Ob sie einfach wegschauten ist eine andere Sache, machts aber nicht besser.
Bevor die Vernichtung in Vernichtungslagern anlief wurden im Hinterland der Front gemordet und die SS-Soldaten lebten nicht auf dem Mond.
Im Übrigen sollen die Abhördprotokolle auch hier eine andere Sprache sprechen. Sie zeugen (verständlicherweise) von einer Verrohung durch den Krieg. Über Erschießungen soll wie übers Essen gesprochen worden sein.
Natürlich war bei weitem nicht jeder Soldat ein Verbrecher aber das Bild der sauberen Wehrmacht lässt sich nicht halten, da kann man noch solche Verrenkungen durchmachen.

Zitat von Jason Beitrag anzeigen
Was kriminelle Akte seitens von Soldaten betrifft, beispielsweise Tötung von Gefangenen oder Zivilisten, so ist das bedauerlicherweise- wie schon Mozart geschrieben hat, in allen Armeen der Welt in jedem Krieg passiert. Da hat sich seit der Urzeit nicht viel geändert, höchstens die Aufarbeitung "hinterher". Es wird mehr hinterfragt. Aber den Opfern bringt das nichts...
Das ist natürlich immer ein schöner Vorwand alles zu rechtfertigen. Die angeordnete sofortige Erschießung von z.B. (Polit)Offizieren war ein beispielloser Akt.
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  #8  
Alt 14.11.2007, 19:31
Benutzerbild von Ar-Pharazon
Preuße
 
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Beiträge: 438
Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Natürlich war bei weitem nicht jeder Soldat ein Verbrecher aber das Bild der sauberen Wehrmacht lässt sich nicht halten, da kann man noch solche Verrenkungen durchmachen.
Das Bild von einer "sauberen Wehrmacht" ist doch schon längst zerstört, allerdings ist diese Erkenntnis noch nicht zu allen durchgedrungen.
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  #9  
Alt 14.11.2007, 19:35
mozart
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Welche Armee ist schon sauber?

Interessant wäre auch zu wissen, über welche Kontakte diese Soldaten verfügt haben. Wenn man einen Kontakt nach oben hat ist es natürlich einfacher über solche Dinge bescheid zu wissen.

Man stelle sich folgendes vor. Der Soldat bekommt den Befehl einen angeblichen Partisanen zu erschiessen. (Partisanenbehandlung war überall gleich). Woher soll nun dieser Soldat wissen das es sich in Wahrheit gar nicht um einen Partisanen handelt?

Das werfe ich Knopp vor. Er betrachtet die Dinge nicht im Gesamtzusammenhang. Knopp bringt einen Soldaten der davon wusste, lässt einen Zeitzeugen das sagen was, was er hören will und damit stellt Knopp dann eine Tatsache fest wie: "Die Soldaten wussten es doch!"

Zitat von Ar-Pharazon Beitrag anzeigen
Das Bild von einer "sauberen Wehrmacht" ist doch schon längst zerstört, allerdings ist diese Erkenntnis noch nicht zu allen durchgedrungen.
Auch hier - welche Armee ist sauber?
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  #10  
Alt 14.11.2007, 19:42
Benutzerbild von Jason
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Keine Armee der Welt war oder ist "sauber". Diese Erkenntnis ist, denke ich, im allgemeinen doch bekannt. Die an vorderster Front gekämpft haben waren und sind damit beschäftigt zu "überleben", da sind politische und philosophische Erwägungen zweitrangig. Rommel hatte wahrscheinlich schon Kenntnis vom Holocaust, so wie viele andere Offiziere in allen Bereichen der Wehrmacht. Das was ich gemeint habe mit "sauberen Krieg" war in Teilbereichen schon Fakt. Z. Bsp. in der Behandlung von Gefangenen und im Respekt ggü dem Gegner (siehe auch den Bericht über die Tirpitz). Rommel ist ja auch deswegen heute noch von vielen Gegnern respektiert, weil er sich nicht in eine "dreckige" kriegsführung hineinziehen ließ. Erschreckend dagegen sind Berichte von wahrlich kriminellen Akten der Achsenmächte in Spanien. Oder an anderen Kriegsschauplätzen im Osten.
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  #11  
Alt 14.11.2007, 19:48
Benutzerbild von Ar-Pharazon
Preuße
 
Registriert seit: 28.04.2005
Beiträge: 438
Zitat von mozart Beitrag anzeigen
Auch hier - welche Armee ist sauber?
Eine einfach zu beantwortende Frage: Keine.
Von daher verstehe ich auch nicht die Aufregung darüber, dass Knopp zeigt, dass vielfach auch Soldaten der Wehrmacht an Kriegsverbrechen beteiligt waren.
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  #12  
Alt 14.11.2007, 20:04
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
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Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
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Es ist trotzdem moralisch verwerflich, wenn schwangere Frauen aufgeschlizt werden, Kinder getötet, Köpfe von Zivilisten zwischen Schraubstöcken zum explodieren gebracht werden, chemikalien auf Dörfer abgeworfen werden undsoweiter. Diese barbarischen Akte sind übrigens alle von modernen Armeen anderer europäischer Länder begangen worden. Egal ob hier ein Befehl gegeben wurde oder eigenmächtig gehandelt- es gibt auch internationale Konventionen die ein Soldat respektieren muß. Sonst ist er eben ein Krimineller und kein Soldat. Dieses Prinzip wird eben auf die Soldaten der Achsenmächte auch angewandt. Nichtwissen schützt auch nicht vor Mittäterschaft, Mozart!
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  #13  
Alt 14.11.2007, 20:14
mozart
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Beiträge: n/a
Zitat von Jason Beitrag anzeigen
Nichtwissen schützt auch nicht vor Mittäterschaft, Mozart!
Wo habe ich das geschrieben?

PS. Zwischen "Im Glauben einen Partisanen zu erschiesen" und "Einer Frau den Bauch aufschlitzen" sehe ich durchaus einen Unterschied...
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  #14  
Alt 14.11.2007, 20:27
Benutzerbild von Jason
Hoplit
 
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Ort: Durmersheim bei Karlsruhe
Beiträge: 714
Ich verstehe unter "dreckige Kriegführung" was anderes wie die Erschiessung von 1 Partisanen. Da wurde von der Legion Kondor in Spanien ein Anfang gemacht mit den Stukas, die Dörfer in den Pyräneen bombardierten. Die Italiener haben in Abessinien Dörfer mit Zivilisten angegriffen. Überhaupt war die Tötung von Zivilisten als Repressalie "en vogue" bei der dt. Wehrmacht. Das waren in der Regel ganze Massaker, nicht nur einzelne Personen oder Gruppen...
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  #15  
Alt 14.11.2007, 20:58
Benutzerbild von Ar-Pharazon
Preuße
 
Registriert seit: 28.04.2005
Beiträge: 438
Zitat von Jason Beitrag anzeigen
Ich verstehe unter "dreckige Kriegführung" was anderes wie die Erschiessung von 1 Partisanen. Da wurde von der Legion Kondor in Spanien ein Anfang gemacht mit den Stukas, die Dörfer in den Pyräneen bombardierten.
Wobei zu beachten ist, dass nicht abschließend geklärt wurde, ob die Intention der Luftwaffe ein Angriff auf die Zivilbevölkerung oder ein strategischer Angriff (auf eine im Ort befindliche Brücke) war.
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