20.11.2008 - 13:15
Historik Forum
Die Weltkriege Der Bereich für die Zeit der Weltkriege und die Zeit dazwischen.
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  #1  
Alt 06.09.2008, 13:57
Lauren
Gast
 
Beiträge: n/a
Rede Hitlers

Hey. Kann mir jemand ein Ausschnitt aus der Reichstagsrede Adolf Hitlers vom 21.5.1935 erklären?
Hier ist der Ausschnitt:


Da es in Europa einen leeren Raum nicht mehr gibt, wird jeder Sieg - ohne an der grundsätzlichen europäischen Not etwas zu ändern - höchstens die ziffernmäßige Vermehrung der Einwohner eines Staates mit sich bringen können. Eine gesunde Sozialpolitik kann bei der Steigerung der Geburtenfreudigkeit einer Nation in wenigen Jahren mehr Kinder des eigenen Volkes schenken, als durch einen Krieg an fremden Menschen erobert und unterworfen werden können.


Kann mir jemand diesen Ausschitt aus der Rede erklären? Ich versteh das nicht so ganz, wie das mit dem Krieg, dem Sieg, der Sozialpolitik usw. gemeint ist. DAs ist doch ein Widerspruch. Und welche europäischen Not wird hier angesprochen?

2.
Das heutige Deutschland lebt in einer gewaltigen Arbeit der Wiedergutmachung seiner inneren Schäden


Geht es dabei um den Versailler Friedensvertrag?


Und wie ist das mir dem letzten satz gemeint?

Wenn nur die Führer und Regierenden den Frieden wollen, die Völker selbst haben sich noch nie den Krieg gewünscht!"



LETZTE FRAGE: Was war eigentlich das gesamtpolitische Konzept Hitlers und was hatten seine Reden, insbesondere diese, für eine Funktion?

Geändert von Lauren (06.09.2008 um 13:59 Uhr)
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  #2  
Alt 06.09.2008, 14:18
Proconsul
 
Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 1.232
Kann mir jemand diesen Ausschitt aus der Rede erklären? Ich versteh das nicht so ganz, wie das mit dem Krieg, dem Sieg, der Sozialpolitik usw. gemeint ist. DAs ist doch ein Widerspruch. Und welche europäischen Not wird hier angesprochen?
Sinngemäß: Deutschland erobert Land x,y oder z. Folge: Deutschland wird größer, Bevölkerung auch. Landzuwachs ist gut; das andere nicht, da keine Deutschen,sondern andere Nationalität. Also: Sozialpolitik muß dahingehend geändert werden, daß Deutsche -egal wie- möglichst viele Kinder bekommen, die dann das eroberte Land x,y oder z besiedeln.





Geht es dabei um den Versailler Friedensvertrag?
Hauptsächlich um die "Verjudung" der Gesellschaft. Wobei Jude nicht immer der Volksangehörige der Juden sind, sondern nach nationalsozialistischem Verständnis sind alle "Juden" die gegen den Nationalsozialismus sind und keine deutsche Staatsbürgerschaft haben.
Ansonsten sind allgemein die nichtdeutschen Mitbewohner gemeint.


LETZTE FRAGE: Was war eigentlich das gesamtpolitische Konzept Hitlers und was hatten seine Reden, insbesondere diese, für eine Funktion?
Dier Heraushebung des "Deutschen" über andere Nationalitäten und Herabstufung derselben. Sprich: Propaganda zum Zwecke des Säens von Haß und Motivierung des eigenen Volkes.
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  #3  
Alt 06.09.2008, 14:33
Gesperrt
 
Registriert seit: 29.07.2008
Beiträge: 410
Zitat von Lauren Beitrag anzeigen
Kann mir jemand diesen Ausschitt aus der Rede erklären? Ich versteh das nicht so ganz, wie das mit dem Krieg, dem Sieg, der Sozialpolitik usw. gemeint ist. DAs ist doch ein Widerspruch. Und welche europäischen Not wird hier angesprochen?
Deutschland hatte nach dem WWI enorme Bevölkerungsverluste durch Gebietsabtrennungen. Diese Aufzufangen, bzw den Verlust der Bevölkerungszahlen wieder herzustellen sieht Hitler eher in einer gesunden Sozialpolitik als diese Gebiete wieder kriegerisch zu erobern.

Übrigens ein sehr aktuelles Problem. Kinderbetreuung, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden auch heute mehr Paare die Entscheidung Kinder zu bekommen erleichtern.

2. Geht es dabei um den Versailler Friedensvertrag?
Ja und nein. In erster Linie sicher Versailles. Die Reperationen haben die Wirtschaft bestimmt zu einem Teil behindert. Aber in erster Linie geht es Hitler um andere "Schäden". Deutschland ist nicht Wehrfähig - muss daher aufrüsten, Deutschland müsse alle demokratischen und sonstigen Elemente beseitigen die Deutschland den Nazis nach schaden. In den Augen der Nazis wurde Deutschland 1933 erlöst und müsse mit großer Kraftanstrengung nun wieder den Platz an Europas spitze einnehmen (Militärisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich)

Und wie ist das mir dem letzten satz gemeint?
Nicht die Bevölkerungen führen Kriege, sondern Politikern.

LETZTE FRAGE: Was war eigentlich das gesamtpolitische Konzept Hitlers und was hatten seine Reden, insbesondere diese, für eine Funktion?[/quote]

Zum Teil Blendungen, verführungen. Aber wenn man Hitler auch als Politiker betrachtet waren sie natürlich auch Rechtfertigung und information der eigenen Bevölkerung gegenüber, die wie in jedem anderen Land auch Lebenszeichen ihrer Regierungen erhalten hat.

Geändert von mozart2 (06.09.2008 um 14:36 Uhr)
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  #4  
Alt 06.09.2008, 15:08
Benutzerbild von Fotospezi67
Plebejer
 
Registriert seit: 18.08.2008
Beiträge: 33
Zitat von Lauren Beitrag anzeigen
Das ist doch ein Widerspruch.
Sehr schön weiter so. Du bist auf dem richtigen Weg. Einen Widerspruch haben damals nur sehr wenige gesehen und wenn dann sind sie ganz schnell ins KZ gekommen. Zu dem Zeitpunkt war es auch völlig egal was der Depp da brabbelt. Schließlich hatten die Faschos die Macht. Etwas schlimmeres kann man sich nicht vorstellen. Insofern ist es auch völlig egal was dieser gottseidank schwerkranke totalunwissende Vollidiot da in seiner Rede verzapft hat. Wenn der sich aufgeregt hat und herumgebrüllt hat, dann hat sich jedenfalls nicht jeder was getraut zu sagen. Ich nehme den Film der Untergang mal, an den wird sich ja jeder erinnern. Das alles hat das zu millionenfachen Elend und Tod geführt, weil damals ziemlich viele Massenmörder an der Regierung waren und beim Militär und so reiht sich das ein in die endlose Schlange von menschenverachtenden Ideologen derer ich hier nicht alle aufzählen möchte.
Alles klaro jetzt ?
Achso gottseidank hatten die Amerikaner die Atombombe vorher und ganz allein für sich, sonst hätten die sich diese Eier massenhaft um die Ohren geworfen.
;o)
Heute ist man da ja etwas weiter hoffentlich.

Geändert von Fotospezi67 (06.09.2008 um 15:17 Uhr)
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  #5  
Alt 06.09.2008, 16:10
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@Fotospezi

Du bist dir sicher das du mit diesem Vokabular eine Disskussionsgrundlage schaffst bzw. in diesem Falle dem User hilfst?
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  #6  
Alt 06.09.2008, 16:26
LCF LCF ist offline
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Registriert seit: 26.12.2007
Beiträge: 211
ich würde mich auch fragen:

wer ist adressat dieser rede?

hat hitler kurz vorher oder kurz danach etwas bedeutendes gemacht, das damit im zusammenhang stehen könnte?

gibt es widersprüchliche aussagen hitlers gegenüber anderen adressaten?
__________________
"Wenn die Arbeit Spaß macht, ist das Leben die wahre Freude, ist die Arbeit Pflicht, ist das Leben Sklaverei“ Maxim Gorki
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  #7  
Alt 06.09.2008, 16:35
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Plebejer
 
Registriert seit: 18.08.2008
Beiträge: 33
Zitat von mozart2 Beitrag anzeigen
@Fotospezi

Du bist dir sicher das du mit diesem Vokabular eine Disskussionsgrundlage schaffst bzw. in diesem Falle dem User hilfst?
Kann ich nicht einschätzen da es sich um seinen/ihren ersten Beitrag hier überhaupt handelt. Wenn Du mal schaust : Anzahl der Beiträge Lauren 1. Insofern hätte ich mich mal etwas vorgestellt und auch die Absicht die hinter dieser Frage steht begründet. So beinhaltet die Frage für mich ein generelles Interesse an Hilter und seiner Ideologie und dann muss ich einschreiten
Ich finde es bedenklich wenn jemand sich Reichstagsreden von Hitler reinzieht ohne das näher zu begründen und dann so auf naiv macht. Vielleicht sollte man erstmal in die Richtung denken bevor man hier fleißig in die Tasten haut.

Geändert von Fotospezi67 (06.09.2008 um 16:38 Uhr)
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  #8  
Alt 06.09.2008, 16:50
Gesperrt
 
Registriert seit: 29.07.2008
Beiträge: 410
Zitat von Fotospezi67 Beitrag anzeigen
Kann ich nicht einschätzen da es sich um seinen/ihren ersten Beitrag hier überhaupt handelt. Wenn Du mal schaust : Anzahl der Beiträge Lauren 1. Insofern hätte ich mich mal etwas vorgestellt und auch die Absicht die hinter dieser Frage steht begründet. So beinhaltet die Frage für mich ein generelles Interesse an Hilter und seiner Ideologie und dann muss ich einschreiten
Ich finde es bedenklich wenn jemand sich Reichstagsreden von Hitler reinzieht ohne das näher zu begründen und dann so auf naiv macht. Vielleicht sollte man erstmal in die Richtung denken bevor man hier fleißig in die Tasten haut.
Richtig, eine Vorstellung wäre wünschenswert gewesen, aber kein muss

Andererseits hat er es gestern schonmal versucht und ganz plum seine hausaufgaben 1:1 hier reingestellt. Wolf scheint den Strang dann gelöscht zu haben. Deine Bedenken bezüglich einer Ideologie sind also unbegründet

Anderersits wüsste ich nicht was warum man sich keine Reichstagsreden Hitlers anhören sollte? Willst du dich mit dem Mann auseinandersetzen musst du ihn verstehen.
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  #9  
Alt 06.09.2008, 17:47
Benutzerbild von Fotospezi67
Plebejer
 
Registriert seit: 18.08.2008
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Zitat von mozart2 Beitrag anzeigen
Anderersits wüsste ich nicht was warum man sich keine Reichstagsreden Hitlers anhören sollte? Willst du dich mit dem Mann auseinandersetzen musst du ihn verstehen.
Ich habe auch diese Reichstagsreden auf you Tube oder so mal gehört.
Übrigens deine Signatur ( Lang lebe unser geheiligtes Deutschland!Blicken wir mit Stolz auf das soldatische Heldentum der deutschen Nation!) hätte ihm gefallen. Ich nehme an das es ironisch gemeint ist. Du solltest einen Simley da ranhängen damit das klar ist. Mein Vater hat noch in der Wehrmacht gedient 44/45. Mir stößt sowas sauer auf ! Ich sehe da nicht so den Witz. Ich habe übrigens auch in der Bundeswehr gedient 1987/88 im Stab beim Nachrichtendienst.

Geändert von Fotospezi67 (06.09.2008 um 17:57 Uhr)
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  #10  
Alt 06.09.2008, 18:44
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Zitat von Fotospezi67 Beitrag anzeigen
Übrigens deine Signatur ... Ich nehme an das es ironisch gemeint ist.
darauf würde ich nicht wetten ...
__________________
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  #11  
Alt 22.09.2008, 18:45
Plebejer
 
Registriert seit: 15.09.2008
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Hallo Lauren,
der Hauptwiederspruch der ganzen Sache ist ja der, dass Hitler in den deutsche das "Volk ohne Raum" sah ( der dringend im Osten erboert werden müsste ) , gleichzeitig aber in vielen Ausserungen dafür eintrat, die Geburtenrate zu erhöhen, um den zu erobernden Raum dann zu füllen, dh, die raumlosen Deutschen mussten erst noch produziert werden. Aber das ist ja das schlimme an Hitler und das, was ihn von den anderen grossen Schlächtern des 20 . Jahrhunderts so abhebt: Die totale Arrationalität seiner Ansichten und Konzepte, die damals in Deutschland keinem auffiel, ihn für uns heutzutage aber umso peinlicher macht. Aber vielleicht haben wir Deutschen ja auch einen Hang zum Irrationalen
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  #12  
Alt 22.09.2008, 20:59
Ädil
 
Registriert seit: 06.07.2008
Beiträge: 224
Was Hitler und seine Parteigänger so erfolgreich machte,

hat vllt Götz Aly, abgesehen vom vielzitierten oder nicht gut zitierten Haffner, in seinem Werk "Hitlers Volksstaat" ganz gut herausgestellt, in dem er ihn als "Feel-Good-Führer" im gelebten Volkssozialismus beschreibt.

Das Irrationale fiel wahrscheinlich deswegen nicht so auf (Haffner erklärt das, wobei ich das ohne Anspruch auf Gewähr sage, durch die teilweise politischen und v.a. wirtschaftlichen Erfolge der Nazidiktatur bis 1937), weil es irgendwie in der völligen Umschichtung der Gesellschaftsstruktur, die schon in der Spätzeit der Kaiserzeit, und v.a. in der Weimarer Republik ihren Anfang nahm, von der grossbürgerlichen Demokratie zur kleinbürgerlichen Konsensdiktatur, unterging bzw. schon beinhaltet war.

Umschichtung/Umverteilung von Besitztum, Einfluss, herrschenden Strukturen, stand auf den Parteiprogrammen, und lief eigentlich sämtlichen Gesetzmässigkeiten zuwider (war also höchst irrational);

trotzdem funktionierte der Laden, wenigstens an der Oberfläche betrachtet, halbwegs, und den sozial unteren Schichten ging es immer besser.

Gibt natürlich auch gegenläufige Thesen zu dem Thema, z.B. Hitler als Marionette des Grosskapitals.


Zitat von mozart2 Beitrag anzeigen
Deutschland hatte nach dem WWI enorme Bevölkerungsverluste durch Gebietsabtrennungen.
...
Wo das denn? In Posen oder Nordschleswig?
Höchstens in Oberschlesien; allerdings im Verhältnis zu den Kriegsverlusten besonders der jungen, belastbaren Generation 1895-1900 wohl Peanuts.

LG
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  #13  
Alt 22.09.2008, 21:33
LCF LCF ist offline
Nur ein Mensch.
 
Registriert seit: 26.12.2007
Beiträge: 211
Zitat von Sarto Beitrag anzeigen
hat vllt Götz Aly, abgesehen vom vielzitierten oder nicht gut zitierten Haffner, in seinem Werk "Hitlers Volksstaat" ganz gut herausgestellt, in dem er ihn als "Feel-Good-Führer" im gelebten Volkssozialismus beschreibt ...

Umschichtung/Umverteilung von Besitztum, Einfluss, herrschenden Strukturen, stand auf den Parteiprogrammen, und lief eigentlich sämtlichen Gesetzmässigkeiten zuwider (war also höchst irrational) ...

... trotzdem funktionierte der Laden, wenigstens an der Oberfläche betrachtet, halbwegs, und den sozial unteren Schichten ging es immer besser.
Nein, das trifft so nicht zu. Von 1932 bis 1938 sank der anteil der arbeiter am nationaleinkommen von 56,9 auf 53,6%- und das, obwohl gleichzeitig ca. 5 Mio. arbeiter mehr in der produktion standen.

Der "volkssozialismus" war reines propagandagedöns. De facto wurde durch "gesetz zur ordnung der nationalen arbeit" vom Jan. 1934 der betriebseigentümer zum "führer des betriebes". Seine stellung war also gegenüber der Weimarer Zeit klar aufgewertet.

Weiterhin: in der DAF, der "gewerkschaft" der nationalsozialisten, waren sowohl arbeiter als auch unternehmer mitglied. Die löhne wurden von "treuhändern der Arbeit" letztlich im Interesse der "führer des beteriebs" festgelegt. Die arbeiter hatten weder streikrecht noch die möglichkeit, selbst tarifverträge auszuhandeln.

Umverteilung kann ich nur erkennen bei den Arisierungen und bei der beschränkung der lohnquote der arbeiterschaft (also von lohnabhängigen zu unternehmern, nicht umgekehrt). Dass die damalige propaganda das anders dargestellt hat, ist klar. Aber der muss man ja nicht noch nachträglich auf den leim gehen ...

Der laden funktionierte halbwegs, gerade weil der anteil, den die arbeiter an der produktion hatten, weiter eingeschränkt wurde, und protestmöglichkeiten durch terror einerseits, durch die pseudogewerkschaft DAF andrerseits ausgeschlossen waren.

Geändert von LCF (22.09.2008 um 21:35 Uhr)
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  #14  
Alt 22.09.2008, 21:43
Benutzerbild von Didt
Ädil
 
Registriert seit: 14.07.2008
Beiträge: 214
Zitat von Lauren Beitrag anzeigen
Hey. Kann mir jemand ein Ausschnitt aus der Reichstagsrede Adolf Hitlers vom 21.5.1935 erklären?
Hier ist der Ausschnitt:

Da es in Europa einen leeren Raum nicht mehr gibt, wird jeder Sieg - ohne an der grundsätzlichen europäischen Not etwas zu ändern - höchstens die ziffernmäßige Vermehrung der Einwohner eines Staates mit sich bringen können. Eine gesunde Sozialpolitik kann bei der Steigerung der Geburtenfreudigkeit einer Nation in wenigen Jahren mehr Kinder des eigenen Volkes schenken, als durch einen Krieg an fremden Menschen erobert und unterworfen werden können.
Einwohner = Macht, je mehr desto mächtiger war damals die Devise.
Hitler sehe ich durchaus zwiespältig, eine aggressive Aussenpolitik sollte sich erst noch entwickeln.
Das Datum 1935, Hitler versucht ein letztes Mal die Abrüstungsverhandlungen wieder in Schwung zu bringen, Hintergrund sind die Vereinbarungen von Versailles in den auch die Siegermächte eine Abrüstung beschlossen- aber zum grössten Teil nicht durchführten.
Um einen Ansporn zur Abrüstung zu geben gibt er ganz richtig die moderne Sinnlosigkeit ein neues Krieges von sich, ohne die Gefahr auch kein Sinn für eine grosse Armee- Zeit zum abrüsten.
Wenn ein aufstebender Staat zu mehr Macht kommen will, solle er auf mehr Einwohner ,herbeigeführt durch besser Sozialpolitik setzen, als auf ein grosses Heer und Expansionsgelüste.
Natürlich war es dieser Zeit vorteilhaft für Deutschland eine Abrüstung anzuleiern, man selbst war bis zu diesem Zeitpunkt eine dem potentiellen Gegner kleinere Armee.
Das heutige Deutschland lebt in einer gewaltigen Arbeit der Wiedergutmachung seiner inneren Schäden

Geht es dabei um den Versailler Friedensvertrag?
Er spielt hier auf "patriotische" Gefühle an.
In Danzig hielt er kurz nach Kriegsausbruch eine Rede, hier mit Hinweis auf das britische Ultimatum kurz vor Kriegsausbruch " ...die briten haben sich getäuscht wenn sie glaubten sie hätten noch die von Versailles ausgehaltene demokratische Regierung Deutschlands vor sich mit dem Rumspringen kann wie man will, (brüllend) dem heutigen Deutschland stellt man keine Ultimaten mehr! "
1935 spielt er auf die Sehnsucht der Deutschen an wieder als gleichberechtigte Nation unter Nationen zu sein.
LETZTE FRAGE: Was war eigentlich das gesamtpolitische Konzept Hitlers und was hatten seine Reden, insbesondere diese, für eine Funktion?
Seine Reden waren rhetorisch überaus begabt, aber Reden sind Reden, Taten sind entscheidend ( auch das Parteiprogramm der NSDAP) und die konnte man im Krieg und davor in den vielen Taten ablesen. Seine Reden haben es unter anderem geschafft ihm hohe Sympathiewerte in der breiten Masse zu beschaffen, gepaart mit suggestivkraft usw.
Nach den Reden um 1935 zu urteilen wollte er die "gleichberechtigung" Deutschlands wieder herstellen und eine starke autarke Innenpolitik installieren, aber wie schon gesagt, die Taten haben dann auch anderes gezeigt wie oben schon beschrieben.
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  #15  
Alt 22.09.2008, 22:13
Ädil
 
Registriert seit: 06.07.2008
Beiträge: 224
Zitat von LCF Beitrag anzeigen
Nein, das trifft so nicht zu. Von 1932 bis 1938 sank der anteil der arbeiter am nationaleinkommen von 56,9 auf 53,6%- und das, obwohl gleichzeitig ca. 5 Mio. arbeiter mehr in der produktion standen.

Der "volkssozialismus" war reines propagandagedöns. De facto wurde durch "gesetz zur ordnung der nationalen arbeit" vom Jan. 1934 der betriebseigentümer zum "führer des betriebes". Seine stellung war also gegenüber der Weimarer Zeit klar aufgewertet.

Weiterhin: in der DAF, der "gewerkschaft" der nationalsozialisten, waren sowohl arbeiter als auch unternehmer mitglied. Die löhne wurden von "treuhändern der Arbeit" letztlich im Interesse der "führer des beteriebs" festgelegt. Die arbeiter hatten weder streikrecht noch die möglichkeit, selbst tarifverträge auszuhandeln.

Umverteilung kann ich nur erkennen bei den Arisierungen und bei der beschränkung der lohnquote der arbeiterschaft (also von lohnabhängigen zu unternehmern, nicht umgekehrt). Dass die damalige propaganda das anders dargestellt hat, ist klar. Aber der muss man ja nicht noch nachträglich auf den leim gehen ...

Der laden funktionierte halbwegs, gerade weil der anteil, den die arbeiter an der produktion hatten, weiter eingeschränkt wurde, und protestmöglichkeiten durch terror einerseits, durch die pseudogewerkschaft DAF andrerseits ausgeschlossen waren.

Aly bezieht sich in seiner Analyse vorwiegend auf die Zeit nach Kriegsbeginn, bzw. setzt den Eroberungskrieg in eine Linie mit der ständigen Sucht des NS nach frischem Kapital, um die Umschichtung zu finanzieren und die Zielgruppen bei Laune zu halten.
Dass die finanzielle Lage des Reichs 1938 und 39 katastrophal war, stellt er dabei auch klar heraus, und steht dabei zumindest auf den ersten Blick in Widerspruch zu Haffner, der seinerzeit herausstellt, dass die Jahre 1935-38 allgemein in der Bevölkerung als die "guten" Nazijahre angesehen wurden (aber auch er stellt klar, dass dem keineswegs so war).
Aly bezieht sich auch nicht expizit auf die Arbeiterschaft als Zielgruppe der Umverteilung, sondern eher auf die kleinbürgerliche Beamtenschaft, wenn ich das richtig verstanden habe.


Zitat von LCF Beitrag anzeigen
...
Umverteilung kann ich nur erkennen bei den Arisierungen
...
"nur" ist gut...


LG
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