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27.07.2008, 05:40
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Quaestor
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Registriert seit: 23.01.2008
Beiträge: 189
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Zitat von Wulfnoth
Du willst doch nicht ernsthaft den Frieden von Brest-Litwowsk als Ausgleichsfrieden darstellen?
Es geht hier um die Frage des Diktats und der Frieden von Brest-Litwowsk war genau so diktiert. Was dann im Diktat drinsteht ist zweitrangig, Deutschland hatte in jedem Fall bewiesen, dass man bei Gelegenheit genau so diktieren würde, wie die Siegermächte später.
Russland verlor in dem Frieden im Übrigen ein Viertel seines europäischen Territoriums, wo Dreiviertel seiner Industrie und Bodenschätze lagen. Wenn du das moderate Friedensbedinungen nennen willst...
Dass der Frieden von Brest-Litowsk ursächlich für die harten Bedingungen von Versailles gewesen sei, wird schon dadurch widerlegt, dass Österreich und die Türkei noch härtere Friedensbedingungen diktiert bekamen, obwohl sie in Brest-Litowsk nicht beteiligt waren. Österreich verlor nicht 1/4 sondern 3/4 seines Territoriums und die Türkei sollte gleich ganz unter Entente-Verwaltung gestellt werden. Dagegen waren die Bedingungen von Brest-Litowsk in der Tat moderat.
Zitat von Wulfnoth
Wenn man Zitate aus dem Zusammenhang reißt, sollte man sich nicht wundern, wenn man nicht versteht worauf ich anspiele. Es steht genau dahinter und das hat auch immer noch Gültigkeit.
Das vollständige Zitat lautet so: Serbien ist auf fast alle Punkte des Ultimatums eingegangen, man wollte nur die staatliche Souveränität nicht aufgeben. Danach hätte man Verhandlungen treten können aber das wollte in Österreich-Ungarn ja schon niemand mehr. Es hatte wohl auch niemand mit einer solchen Antwort auf das Ultimatum gerechnet.
Im Übrigen darf man von einer Großmacht in Hinblick auf einen europäischen Krieg etwas mehr Verantwortungsgefühl erwarten als von einem isolierten Kleinststaat auf dem Balkan. Sollten in Wien aber auch solche Provinzpolitiker wie in Belgrad residiert haben wundert mich gar nichts mehr.
Gibt aber auch nicht mehr her, wodurch Serbien seine Souveränität aufgegeben hätte.
Zitat von Wulfnoth
Österreich-Ungarn war 1914 noch allgemein anerkannte Großmacht.
Warum ist das entscheidend, ob Ö-U. als Großmacht anerkannt wurde?
Zitat von Wulfnoth
Und den Terror der serbischen Nationalisten unterbindet man am ehesten indem man Serbien angreift. Die Politiker in Wien, die sich das ausgedacht haben müssen unter extremen Realitätsverlust gelitten haben.
Nun, die USA hielten es für ein probates Mittel den islamistischen Terror zu unterbinden, indem sie Afghanistan angreifen. Wobei ich nicht abstreiten will, dass die US-Führung mitunter unter "extremen Realitätsverlust" leidet. 
Eine Marionettenregierung einsetzen und die Hintermänner des Terrors an ihrem Ursprung militärisch bekämpfen. Das war die Idee der USA und dürfte bei Ö-U. so ähnlich gewesen sein.
Tatsache ist, der Chef des serbischen Geheimdienst Dragutin Dimitrijevic hat einen Mordanschlag auf den Ö. Thronfolger geleitet. Der serbische Regierungschef, der laut Fromkin von dem Plan wusste, hat weder Ö. gewarnt noch die Machenschaften des Geheimdienstchefs unterbunden. Auch nach dem Anschlag wurde Dragutin weder verhaftet noch entlassen.
Ich will versuchen ein analoges Szenario zu entwerfen: Angenommen der Geheimdienstchef Mexicos hätte anno 1960 ein Attentat auf den US-Präsidenten geleitet. Einige US-Amerikaner hispanischer Abstammung sind nach Mexico gereist, wurden dort mit Schußwaffen ausgerüstet, ausgebildet und wieder in die USA geschickt, wo sie die US-Präsi auf einer Wahlkampfreise nach Texas ins Jenseits befördern. Der mexikanische Präsident, Vorsitzender der sozialistischen Partei Mexicos und enger Verbündeter der UDSSR, der seit längerem eifrig für die Rückgabe der "geraubten Provinz" Texas agitiert, erhält daraufhin die ultimative Aufforderung der USA, die Schuldigen zu verhaften und FBI-Beamte einreisen zu lassen, die an der Untersuchung beteiligt werden sollen.
Der mexikanische Präsident lehnt jedoch ab. Zwar wäre er bereit, Presse und Bevölkerung, die den Tod des "amerikanischen Imperialistenschweins" lauthals feiern, zu Besonnenheit zu mahnen, aber mehr sei nur wirklich nicht drin. Gleichzeitig lässt sich Sergejewitsch Chruschtschow aus Moskau vernehmen, seinem treuen mexikanischen Verbündeten jedewede Unterstützung zukommen zu lassen.
Wie hätte die "Großmacht" USA - im Grunde jede Großmacht - wohl in diesem Fall reagiert?
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Zitat von Titus_Livius
Es stellt sich die Frage, was der Hintergrund des Attentats von Sarajewo war. Genau. Das war die, auch damals schon, völkerrechtswidrige Annexion von Bosnien und Herzegowina durch Österreich- Ungarn.
Was zu beweisen wäre. Ob Ö-U. Bosnien-Herzegowina nun verwaltet oder annektiert, in beiden Fällen ist es für Großserbien verloren. Es macht also für einen serbischen Nationalisten keinen Unterschied. Nebenbei, wie würde denn eine völkerrechtlich korrekte Annektion aussehen?
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"Eine Kuh kann nicht wiehern und ein Pferd hat kein Euter" - Kord der Suchende
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27.07.2008, 09:54
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Proconsul
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Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 1.232
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Was zu beweisen wäre. Ob Ö-U. Bosnien-Herzegowina nun verwaltet oder annektiert, in beiden Fällen ist es für Großserbien verloren. Es macht also für einen serbischen Nationalisten keinen Unterschied. Nebenbei, wie würde denn eine völkerrechtlich korrekte Annektion aussehen?
Es macht doch einen Utnerschied, ob Teile eines Staatsgebietes von einem anderem Staat verwaltet werden, oder aber dieses zu verwaltende Gebiet zum selben Staat dazugehört.
Da gibt es nämlich unterschiedliche Rechte und Pflichten.
Oder auch am Beispiel:
Es macht einen Unterschied, wenn der Nachbar dir sagt: Verwalte für die Zeit des Urlaubs bitte meinen Garten oder aber es wird eine Eigentumsübertragung des Gartens vorgenommen.
Mal im Ernst gefragt: Ist das wirklich so schwer zu verstehen?
PS: Nach dem klassischem Völkerrecht wurde dem Sieger einer militärischen Auseinandersetzung erlaubt Gebiete zu okkupieren oder eben zu annektieren.
Heute hat sich das Völkerrecht weiterentwickelt und nach der Charta der Vereinten Nationen ist eine Annexion fremden Staatsgebietes verboten.
Geändert von Titus_Livius (27.07.2008 um 09:56 Uhr)
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27.07.2008, 11:14
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.450
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Zitat von Titus_Livius
Es macht doch einen Utnerschied, ob Teile eines Staatsgebietes von einem anderem Staat verwaltet werden, oder aber dieses zu verwaltende Gebiet zum selben Staat dazugehört.
Da gibt es nämlich unterschiedliche Rechte und Pflichten.
Nicht nur das, es geht auch um Symbolik. Ein anderes Beispiel hierfür wären die ehemaligen deutschen Ostgebiete und der Aufstand, den die CDU veranstaltet hat als die Regierung Brandt mit der neuen Ostpolitik faktisch auf sie verzichtete. Und das obwohl sie bereits über 20 Jahre deutscher Kontrolle entzogen waren.
Zitat von EL_Mercenario
Dass der Frieden von Brest-Litowsk ursächlich für die harten Bedingungen von Versailles gewesen sei.
Hab ich auch nirgendwo geschrieben, ich sagte lediglich Deutschland habe kein moralisches Recht sich zu beschweren, da man in einer vergleichbaren Situation nicht ehrenhafter gehandelt hat.
Zitat von EL_Mercenario
Warum ist das entscheidend, ob Ö-U. als Großmacht anerkannt wurde?
Weil es die Reaktionen der anderen Staaten erklärt. Wäre Österreich eine unbedeutende Mittelmacht gewesen hätten sich andere Staaten nicht bedroht fühlen müssen.
Zu deinem Beispiel nehm ich kein Stellung, mich interessiert die Politik der USA in diesem Fall gar nicht und über Konsequenzen hat in dem Fall die UN und internationale Gerichte zu entscheiden.
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Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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27.07.2008, 11:54
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Ädil
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Registriert seit: 06.07.2008
Beiträge: 224
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Zitat von EL_Mercenario
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Dass der Frieden von Brest-Litowsk ursächlich für die harten Bedingungen von Versailles gewesen sei, wird schon dadurch widerlegt, dass Österreich und die Türkei noch härtere Friedensbedingungen diktiert bekamen, obwohl sie in Brest-Litowsk nicht beteiligt waren. Österreich verlor nicht 1/4 sondern 3/4 seines Territoriums und die Türkei sollte gleich ganz unter Entente-Verwaltung gestellt werden. Dagegen waren die Bedingungen von Brest-Litowsk in der Tat moderat.
...
Was wohl daran liegt, dass Deutschland im Vergleich der damals "modernere", d.h. am ehesten der Nationenidee entsprende, Staat war, und Zerstückelungen daher nur schwer durchzusetzen gewesen wären.
Zitat von EL_Mercenario
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Das vollständige Zitat lautet so: Serbien ist auf fast alle Punkte des Ultimatums eingegangen, man wollte nur die staatliche Souveränität nicht aufgeben. Danach hätte man Verhandlungen treten können aber das wollte in Österreich-Ungarn ja schon niemand mehr. Es hatte wohl auch niemand mit einer solchen Antwort auf das Ultimatum gerechnet.
Im Übrigen darf man von einer Großmacht in Hinblick auf einen europäischen Krieg etwas mehr Verantwortungsgefühl erwarten als von einem isolierten Kleinststaat auf dem Balkan. Sollten in Wien aber auch solche Provinzpolitiker wie in Belgrad residiert haben wundert mich gar nichts mehr.
Gibt aber auch nicht mehr her, wodurch Serbien seine Souveränität aufgegeben hätte.
Warum ist das entscheidend, ob Ö-U. als Großmacht anerkannt wurde?
...
Weil man als Grossmacht, besonders als damals politisch überholtes Staatsgebilde (zumindest in Cisleithanien), dem Mainstream (Nationenbildung) zuwiderlaufend,
besonders viel zu verlieren hätte. Weil es eben keine allgemein akzeptierten Prinzipien mehr gibt, auf die man seinen völlig maroden, verfaulten Staat hätte aufbauen können.
Das sag' ich nicht so, weil es mir Spass macht, Deutschösterreich herabzusetzen, sondern weil es wehtut zu sehen, dass eine Region, die unendlich viel zur deutschen und europäischen Kultur beigetragen hat, und deren Einwohnern eine Genialität, die man in Deutschland oder der Schweiz so oft vermisst, nicht abzusprechen ist,
sich selbst, und das bis in die 1880er Jahre ohne Not, selbst entleibt,
so dass sie dann letzendlich keine andere Überlebenschance mehr hatte als den Krieg.
Allein schon der Aspekt, dass man vom Ultimatum bis zur Kriegserklärung ganze 5 Tage gebraucht hatte,
bedeutet für mich, dass man, total unabhängig vom Verhalten Serbiens (wie sollen die in 5 Tagen alle Hintermänner ausheben, aburteilen, auf Österreichs weitere Ansinnen reagieren und Diplomaten hin und herschicken usw., wohlgemerkt bei damaliger Infrastruktur, auf dem Balkan?), den Krieg wollte, weil man ihn brauchte.
LG
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27.07.2008, 12:04
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Ädil
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Registriert seit: 06.07.2008
Beiträge: 224
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Zitat von EL_Mercenario
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Ich will versuchen ein analoges Szenario zu entwerfen: Angenommen der Geheimdienstchef Mexicos hätte anno 1960 ein Attentat auf den US-Präsidenten geleitet. Einige US-Amerikaner hispanischer Abstammung sind nach Mexico gereist, wurden dort mit Schußwaffen ausgerüstet, ausgebildet und wieder in die USA geschickt, wo sie die US-Präsi auf einer Wahlkampfreise nach Texas ins Jenseits befördern. Der mexikanische Präsident, Vorsitzender der sozialistischen Partei Mexicos und enger Verbündeter der UDSSR, der seit längerem eifrig für die Rückgabe der "geraubten Provinz" Texas agitiert, erhält daraufhin die ultimative Aufforderung der USA, die Schuldigen zu verhaften und FBI-Beamte einreisen zu lassen, die an der Untersuchung beteiligt werden sollen.
Der mexikanische Präsident lehnt jedoch ab. Zwar wäre er bereit, Presse und Bevölkerung, die den Tod des "amerikanischen Imperialistenschweins" lauthals feiern, zu Besonnenheit zu mahnen, aber mehr sei nur wirklich nicht drin. Gleichzeitig lässt sich Sergejewitsch Chruschtschow aus Moskau vernehmen, seinem treuen mexikanischen Verbündeten jedewede Unterstützung zukommen zu lassen.
Wie hätte die "Großmacht" USA - im Grunde jede Großmacht - wohl in diesem Fall reagiert?
...
Ähnelt gewissen Theorien bez. der Ermordung Kennedys.
Letztlich, auch wenn es bez. der Hintermänner nur ein Verdacht ist, dass Kuba oder gar die UdSSR hinter seiner Ermordung stehen,
hat die polit. Führung, wie auch zuvor während der Kubakrise, die Nerven behalten, obwohl die Bedrohung von aussen für die USA unendlich viel stärker war als jene für Ö-U 1914.
Ausserdem hat man wohl nicht Millionen Tote riskieren wollen, um einen Anspruch auf Deubel komm 'raus durchzusetzen,
während das Leben und Überleben der Untertanen der Wiener Regierung völlig egal waren.
LG
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27.07.2008, 12:22
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Proconsul
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Registriert seit: 04.08.2007
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Dass der Frieden von Brest-Litowsk ursächlich für die harten Bedingungen von Versailles gewesen sei, wird schon dadurch widerlegt, dass Österreich und die Türkei noch härtere Friedensbedingungen diktiert bekamen, obwohl sie in Brest-Litowsk nicht beteiligt waren. Österreich verlor nicht 1/4 sondern 3/4 seines Territoriums und die Türkei sollte gleich ganz unter Entente-Verwaltung gestellt werden. Dagegen waren die Bedingungen von Brest-Litowsk in der Tat moderat.
Die Gebietsabtretungen Rußlands im Frieden von Brest Litowsk begründeten Österreicher und Deutsche doch mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker. So wurden Finnland, die Ukraine, Polen und die baltischen Staaten der russischen Kontrolle entzogen und sollten "Nationalstaaten als Puffer gegen Rußland" werden.
Du siehst selbst, daß du mit zweierlei Maß misst: Hier im Frieden von Brest Litowsk die "moderate Entscheidung" der Siegermächte. Dasselbe Argument, nur mit einem anderen Vielvölkerstaat, soll dagegen "harten Bedingungen" ausgesetzt gewesen sein.
In diesem Falle eindeutig nur die Fortsetzung der österreichisch-deutschen Politik wenige Monate zuvor und mit derselben Argumentation, nämlich dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, vorgetragen und konsequenterweise umgesetzt.
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27.07.2008, 12:46
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Ädil
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Registriert seit: 14.07.2008
Beiträge: 215
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Zitat von Titus_Livius
Die Gebietsabtretungen Rußlands im Frieden von Brest Litowsk begründeten Österreicher und Deutsche doch mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker. So wurden Finnland, die Ukraine, Polen und die baltischen Staaten der russischen Kontrolle entzogen und sollten "Nationalstaaten als Puffer gegen Rußland" werden.
Du siehst selbst, daß du mit zweierlei Maß misst: Hier im Frieden von Brest Litowsk die "moderate Entscheidung" der Siegermächte. Dasselbe Argument, nur mit einem anderen Vielvölkerstaat, soll dagegen "harten Bedingungen" ausgesetzt gewesen sein.
In diesem Falle eindeutig nur die Fortsetzung der österreichisch-deutschen Politik wenige Monate zuvor und mit derselben Argumentation, nämlich dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, vorgetragen und konsequenterweise umgesetzt.
Sehe ich genauso, die Auflösung Österreich Ungarns entspricht dem Selbstbestimmungsrecht der Völker. Genau das was in Brest-Litowsk auch gemacht wurde.
Nur wurde dieses Argument nur hier fadenscheinlich umgesetzt, es entstanden 3 nachfolge Ö-Us, nämlich Tschechoslowakei, Jugoslawien und Polen(nach annexion weiterer Gebiete). Drei Staaten in denen das Selbstbestimmungsrecht der Völker auf massivster Weise unterdrückt wurde. Nicht der Leitgedanke des Selbstbestimmungsrechtes bewog die Entente dazu, sondern das Kalkühl durch diese Problemschaffung kommenden politischen Einfluss zu behalten.
Das Motto:" Teile und herrsche" war Leitgedanke.
Zudem die Absicht grosse deutsche Bevölkerungsgruppen in diesen neuen Gebieten als Minderheit zu geben, damit eine Aussenpolitische Annäherung Deutschlands an die im Osten befindlichen Staaten auf Jahre verwehrt wird.
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27.07.2008, 12:58
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Ädil
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Registriert seit: 06.07.2008
Beiträge: 224
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Zitat von Didt
...
Zudem die Absicht grosse deutsche Bevölkerungsgruppen in diesen neuen Gebieten als Minderheit zu geben, damit eine Aussenpolitische Annäherung Deutschlands an die im Osten befindlichen Staaten auf Jahre verwehrt wird.
War das wirklich so?
Man könnte auch argumentieren, dass der Nationengedanke damals auch schon seit mehr als 100 Jahren überholt war,
und der Einfluss auch mittels eben jener Minderheiten, den Deutschland auf Osteuropa (Russland eingeschlossen) und den Balkan ausübte, und das nicht erst seit gestern,
alle Nachteile, die man als Minderheit vor 1933 aushalten musste, tausendmal wieder wettmachte.
Stand denn die Weimarer Republik mit den Staaten Osteuropas und dem Balkan auf Kriegsfuss? Eher doch nicht, oder?
LG
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27.07.2008, 13:43
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Ädil
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Registriert seit: 14.07.2008
Beiträge: 215
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Zitat von Sarto
War das wirklich so?
Man könnte auch argumentieren, dass der Nationengedanke damals auch schon seit mehr als 100 Jahren überholt war,
Hmm? Verstehe nicht was du meinst. Worauf bezogen?
Zitat von Sarto
und der Einfluss auch mittels eben jener Minderheiten, den Deutschland auf Osteuropa (Russland eingeschlossen) und den Balkan ausübte, und das nicht erst seit gestern,
alle Nachteile, die man als Minderheit vor 1933 aushalten musste, tausendmal wieder wettmachte.
Sehe ich auch so. Die guten Beziehungen zu den Ländern Osteuropas die Deutschland heute hat, haben durchaus auch hier ihre Wurzeln.
Zitat von Sarto
Stand denn die Weimarer Republik mit den Staaten Osteuropas und dem Balkan auf Kriegsfuss? Eher doch nicht, oder?
Ein ganz klares JA.
Und zwar bezüglich den Gebieten die entgegen dem Selbstbestimmungsrecht mit mehrheitlich deutscher Bevölkerung im Osten abgetrennt wurden. Hier Hauptsächlich Westpreussen, Sudetenland und Teile Schlesiens.
Keine Weimarer Regierung hätte jemals diese Gebietsabtretungen anerkannt, selbst Streesemanns wirken zielte nur auf eine Revison ab.
Bezüglich Schlesiens befand sich das Deutsche Reich auch nicht nur wörtlich im Kriegszustand, hier wurde anfang der Zwanziger aktiv drum gekämpft.
Dieser Konflikt betraf sicher nicht ganz Osteuropa, gute Beziehungen wurden zu Jugoslawien geknüpft, auch Ungarn hatte durch die Entente schlechte Beziehungen zu seinen Nachbarn.
Dieses Kalkühl der Entente ist leicht zu durchschauen, man errichte Phantasiestaaten in denen die regierende Macht auf schwachen Füssen steht durch zwangsläufige Unterdrückung grosser Teile seiner Bevölkerung. Die Folge- diese Länder brauchen starke unterstützung auch auf militärischer Sichtweise was sie durch die Garantimacht Frankreich dann auch bekommen sollten (auch militärische Ausrüstung). Dabei war Frankreich der einzig mögliche Partner (mit Deutschland unmöglich da grosse deutsche Minderheiten unterdrückt, mit Sowjetunion noch nicht wirklich möglich da diese selbst noch nicht konsuldiert war.)
Frankreich hat folglich nur Satelietenstaaten etabliert die nur nach seinem Gutdünken überleben konnten.
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27.07.2008, 13:46
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.450
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Zitat von Didt
Hier Hauptsächlich Westpreussen, Sudetenland und Teile Schlesiens.
Keine Weimarer Regierung hätte jemals diese Gebietsabtretungen anerkannt, selbst Streesemanns wirken zielte nur auf eine Revison ab.
Das Sudetenland war nie Teil des Deutschen Reiches, das ist Nazipropaganda, die bis heute nachwirkt. Von Gebietsabtretungen kann in diesem Fall also keine Rede sein.
Die dort lebenden Deutschen unterstanden der böhmischen Krone und damit den Habsburgern.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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27.07.2008, 13:53
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Ädil
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Registriert seit: 14.07.2008
Beiträge: 215
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Zitat von Wulfnoth
Das Sudetenland war nie Teil des Deutschen Reiches, das ist Nazipropaganda, die bis heute nachwirkt. Von Gebietsabtretungen kann in diesem Fall also keine Rede sein.
Die dort lebenden Deutschen unterstanden der böhmischen Krone und damit den Habsburgern.
Na das aber leicht kleinlich, es war die Zeit des Slebstbestimmungsrechtes! Egal ob Habsburger oder Hohenzollern oder sonst was.
In Bezug auf revison hast du durchaus recht bezüglich Sudetenland.
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27.07.2008, 14:45
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Proconsul
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Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
Beiträge: 1.232
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Und zwar bezüglich den Gebieten die entgegen dem Selbstbestimmungsrecht mit mehrheitlich deutscher Bevölkerung im Osten abgetrennt wurden. Hier Hauptsächlich Westpreussen, Sudetenland und Teile Schlesiens.
In Oberschlesien fand eine Volksabstimmung statt. In Westpreussen wollte man Polen einen Seezugang ermöglichen und bei den Sudeten sollten die Mittelgebirge einen gewissen natürlichen militärischen Schutz vor erneut zukünftige etwaigen deutsche-österreichische Angriffen geben.
Da im 13. Jahhrundert z.B. das später westpreußische Gebiet vom Deutschorden militärisch von Polen erobert worden ist und das Land auch historisch mehrmals zwischen Preußen und Polen wechselte, empfinde ich es als sehr seltsam nun ein willkürlich ausgewähltes Ereignis herauszupicken und darauf Besitzansprüche zu begründen bzw. beweisen zu wollen, wie ungerecht der deutsche Staat behandelt wurde.
Im Grunde beweist es nur eins: Der Nationalstaat als menschlich- künstliches Produkt ist historisch völlig überholt und ist einer der Gründe für kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Völkern.
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27.07.2008, 17:11
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Ädil
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Registriert seit: 14.07.2008
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Zitat von Titus_Livius
In Oberschlesien fand eine Volksabstimmung statt. In Westpreussen wollte man Polen einen Seezugang ermöglichen und bei den Sudeten sollten die Mittelgebirge einen gewissen natürlichen militärischen Schutz vor erneut zukünftige etwaigen deutsche-österreichische Angriffen geben.
.
Und wie ging diese Volksabstimmung aus?
Zit:"Auf Betreiben Frankreichs und Polens fand diese Aufteilung Oberschlesiens statt, obwohl 60 % in der Abstimmung gegen den Anschluss Oberschlesiens an Polen gestimmt hatten. Die Abtrennung empfanden viele Deutsche als ungerecht, weil die Teilung des Abstimmungsgebietes ursprünglich nicht vorgesehen war."
noch milde wiedergegeben in Wiki
Ist ja dolle das es anscheinend einen defensiven charakter hatte mit den Sudeten. Den Konflikt schaffen und diesen mit demselbigen Begründen.
Zitat von Titus_Livius
Da im 13. Jahhrundert z.B. das später westpreußische Gebiet vom Deutschorden militärisch von Polen erobert worden ist und das Land auch historisch mehrmals zwischen Preußen und Polen wechselte, empfinde ich es als sehr seltsam nun ein willkürlich ausgewähltes Ereignis herauszupicken und darauf Besitzansprüche zu begründen bzw. beweisen zu wollen, wie ungerecht der deutsche Staat behandelt wurde.
.
Also Ereignisse aus dem dunklen Mittelalter oder frühen 17Jh. herauspicken hat nichts mit den ethnischen Begebenheiten nach dem ersten WK zu tun. Erst recht keine Ansprüche von annodazumal.
Zitat von Titus_Livius
Im Grunde beweist es nur eins: Der Nationalstaat als menschlich- künstliches Produkt ist historisch völlig überholt und ist einer der Gründe für kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Völkern.
Sehe ich auch so, war aber damals nicht Bestandteil der gesellschaftlichen Anschauung. Ich betrachte Geschichte nach den damaligen Gesichtspunkten und Empfindungen.
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27.07.2008, 19:09
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Proconsul
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Registriert seit: 04.08.2007
Ort: da, wo Deutschland am Schönsten ist
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Ich betrachte Geschichte nach den damaligen Gesichtspunkten und Empfindungen.
Das wird doch immer abstruser. Z.B. dachten die Wehrmachtsangehörigen 1939 auch, daß sie Deutschland verteidigen mußten und lagen dabei völlig falsch.
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27.07.2008, 19:58
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Ädil
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Registriert seit: 14.07.2008
Beiträge: 215
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Zitat von Titus_Livius
Das wird doch immer abstruser. Z.B. dachten die Wehrmachtsangehörigen 1939 auch, daß sie Deutschland verteidigen mußten und lagen dabei völlig falsch.
Spätestens mit der Ausrufung des Protektorats über die Resttschechei sah man das Hitler den Bogen überspannte.
Aber das ist ein anderes Thema und hat nichts mehr mit dem V-Vertrag zu tun.
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