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21.10.2007, 14:33
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The Censor
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Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Freiburg
Beiträge: 6.447
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Zitat von MacX
Nun, das hast du in der BRD aber auch. Oder dürfen Ausländer wählen gehen oder einfach so bleiben ohne entsprechende Aufenthaltsgenehmigung?
Irgendwie habe ich das Gefühl du versperrst dich der Tragweite.
Erstens gab es keine nenneswerten Ausländergruppen im Deutschen Reich, sowas gibt es erst seit dem Wirtschaftswunder und den Gastarbeitern. Aber das nur am Rande.
Hier wurde eine religiöse Minderheit einfach ausgebürgert und dann noch unter "Fremdengesetzgebung" gestellt, d.h. entrechtet. So eine Gesetzgebung wirst du in der BRD niemals finden, mit Ausnahme der Tatsache, dass Ausländer abgeschoben werden können.
Das geht offensichtlich aus dem Programm hervor und wurde somit von den Wählern befürwortet.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.
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21.10.2007, 14:49
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Irgendwie habe ich das Gefühl du versperrst dich der Tragweite.
Nein, das tue ich nicht. Ich hab einfach nur wertungsfrei auf mozarts Aussage reagiert, die selbst nicht die Tragweite der Punkte erkennen lässt. :P
Den "Antihumanismus" der Punkte möchte ich nur gern erläutert haben, dann kann ich auch besser auf Theresites Fragen antworten.
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21.10.2007, 18:44
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Thete
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Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 770
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Zitat von MacX
Die Punkte, die du aufgezählt hast, sprechen nicht konkret Juden an, (...)
In Punkt eins speziell die jüdischen Mitbürger aus der "Volksgemeinschaft" zu kegeln und ihnen das Staatsbürgerrecht abzusprechen, und dann in den folgenden Punkten zu erläutern, welche Rechte den Staatsbürgern und "Volksgenossen" vorbehalten bleiben...
Meinst Du nicht, die Nazis haben sich dabei was gedacht? Ich würde mal auf "ja" tippen, und ich bin auch nicht der Meinung, man muss Politikwissenschaften studiert haben, um das als potentieller NSdAP-Wähler mitzuschneiden...
Zitat von MacX
Die Punkte haben einen nationalistischen Klang, da bestimmte Rechte nur für „Deutsche“ gelten. Den Nationalismus in der Zeit gestehe ich gerne ein, wenn du darauf hinaus willst. Das mit dem „Antihumanismus“ musst du noch etwas konkreter erklären...
http://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus
Ich hoffe inständig, ich muss nicht erklären, warum Rassismus und Antisemitismus das Gegenteil der dort beschriebenen ethischen Grundsätze sind
Was die BRD-Anmerkung anhgeht: Ich habe ein verdammtes Problem damit, dass in dem Land, in dem ich lebe, Millionen Menschen grundlegende Rechte vorenthalten werden, z.B. das Wahlrecht.
Die rassistische Politik der Nazis, die schon 1920 in diesem 25-Punkte-Programm angerissen wird, geht wesentlicher weiter, da sie die völlige Entrechtung der jüdischen Menschen anpeilt. Denen übrigens erst mal das Bürgerrecht weggenommen werden muss, wie wohl keinem entgangen ist.
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21.10.2007, 20:15
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Meinst Du nicht, die Nazis haben sich dabei was gedacht?
Das wette ich sogar. Die Frage ist nur, ob man die beschriebene Ausbürgerung und die später beabsichtigte Ausrottung in den logischen Zusammenhang setzen kann, den du sehen willst und den du den Wählern unterstellst.
Die rassistische Politik der Nazis, die schon 1920 in diesem 25-Punkte-Programm angerissen wird, geht wesentlicher weiter, da sie die völlige Entrechtung der jüdischen Menschen anpeilt. Denen übrigens erst mal das Bürgerrecht weggenommen werden muss, wie wohl keinem entgangen ist.
Wenn dieses Verständnis der angestrebten Ausbürgerung und deren Akzeptanz das ist, was du den potenziellen Wählern vorwirfst, bin ich mit dir.
Diese Forderung und die Forderung nach einer physischen Vernichtung spielen meiner Meinung nach in verschiedenen Ligen. Was es natürlich nicht besser macht.
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22.10.2007, 16:29
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Thete
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Registriert seit: 02.05.2007
Ort: Berlin
Beiträge: 770
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Mir reichen Entrechtung usw. aus, um die Nazis in meinen Augen zu einer Verbrecherbande zu machen; da brauchts den industriellen Massenmmord gar nicht mehr. Entsprechend urteile ich dann auch über deren Anhänger, Unterstützer usw.
Der Holocaust war so vor der Machtergreifung nicht wirklich vorherzusehen, das stimmt schon (bzw. bei der martialische Ausdrucksweise, die damals gang und gäbe war, hätten die Nazis wörtlich von "Ermordung" reden können und niemand hätts gecheckt... na gut,das ist zynisch...).
Und eben der offensichtliche, bekennende Antisemitismus, der sich halt nicht in "nicht mögen" erschöpft, sondern auf eine "Ausschaltung der Juden aus dem öffentlichen Leben" abzielte, hat jeder wahrnehmen können. Dies in Kauf zu nehmen oder gar aktiv zu unterstützen ist inhuman, antidemokratisch, das ganze Programm eben...
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22.10.2007, 21:41
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Plebejer
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Registriert seit: 18.10.2007
Beiträge: 32
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Um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen:
Ich denke, dass hierbei auch die Nürnberger Prozesse eine wichtige Rolle gespielt haben. Durch das Ausarbeiten der zahlreichen Prozessakten, begann man ja sehr schnell sich mit dem Thema der NS-Verbrechen zu beschäftigen. Ob dies wirklich intensiv geschah & welchen Wert diese Akten haben, dass möchte ich an dieser Stelle mal offen lassen.
Was die Forschung insgesamt betrifft, denke ich ebenfalls, dass der Prozess der Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen ist.
Wenn man zurückschaut, kam die Forschung nur langsam in Gang. Im Ausland wurde zuweilen stärker über den Holocaust geforscht bzw. darüber geschrieben als in Deutschland, wo es auch in der Forschung bzw. im Umgang mit dem Thema wiederholte Phasen der Verdrängung gab. Was ja eigentlich auch nicht so überraschend ist.
Neuen Wind bekam das Ganze erst Ende den 70er/Anfang den 80er, als die berühmte Debatte zwischen "Strukturalisten" & "Funktionalisten" entflammte. Allerdings brachte das auch nicht allzuviele neue Erkenntnisse und es versteifte sich zu einem Kampf der Theorien, wenn man es mal so nennen mag.
Erst in den letzten Jahren sind viele Themen aufgegriffen worden, die weiterhin der Klärung bedürfen.
Jetzt beginnt man sich erst intensiv mit den Verbrechen in den jeweiliegn Besatzungsgebieten zu beschäftigen und auch stärker die Täter und ihre Motivation in den Mittelpunkt zu stellen. Hinzu kommt die kontroverse Diskussion, um die These der "Ökonomie der Endlösung".
Also ich denke auch, dass einiges noch offen ist. Nicht zu letzt auch die Frage wie es möglich war, dass sich NS-Verbrechen/der Holocaust überhaupt aus der damaligen Gesellschaft entwickeln konnte. Und wenn man diese Ursachen verstehen will sind solche Aussagen wie der Holocaust sei schwarzes Loch des Verstehens (sinngemäß Dan Diner) nicht wirklich hilfreich.
Geändert von dora (22.10.2007 um 22:12 Uhr)
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23.10.2007, 00:14
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Praetor
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Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 407
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Zitat von dora
Wenn man zurückschaut, kam die Forschung nur langsam in Gang. Im Ausland wurde zuweilen stärker über den Holocaust geforscht bzw. darüber geschrieben als in Deutschland, wo es auch in der Forschung bzw. im Umgang mit dem Thema wiederholte Phasen der Verdrängung gab. Was ja eigentlich auch nicht so überraschend ist.
Dafür hat sich z.B. Frankreich noch später mit seiner eigenen Beteiligung an den nationalsozialistischen Verbrechen während des Vichy-Regimes auseinandergesetzt. Vorher hieß es von französischer Seite, das Frankreich nach 1945 stehe in keinerlei Tradition zu Vichy und so hat Frankreich lange Zeit keine Verantwortung übernommen für die französischen Taten von 1940-1945. Und auch in anderen Ländern, die im Zweiten Weltkrieg von Deutschland besetzt wurden, ist eine Aufarbeitung der eigenen Verbrechen und Mitläuferschaften auch noch nicht so lange in Gang. Verständlicherweise sah man nur die eigene nationale Opferrolle.
Eine Ausnahme sind hierbei die polnischen Bischöfe, die im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils ihren deutschen Amtskollegen einen Brief geschrieben haben, in dem es hieß: "Wir vergeben euch und bitten um Vergebung", was in Polen damals selbstverständlich ein großer Skandal war.
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Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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23.10.2007, 12:01
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Plebejer
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Registriert seit: 18.10.2007
Beiträge: 32
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Da stimme ich dir vollkommen zu.
Wahrscheinlich ist in diesen Ländern ein Generationswechsel einfach unablässlich, um sich mit der eigenen Mittäterschaft auseinanderzusetzen.
Das Beispiel mit den polnischen Bischöfen war mir bislang nicht bekannt. Wirklich sehr interessant. Weißt du wann das geschah und wie die Reaktion auf deutscher Seite ausfiel?
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23.10.2007, 20:28
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Praetor
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Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 407
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Die deutsche Reaktion ist mir nicht bekannt.
Dieser Brief wurde im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils verfasst, also zwischen 1962 und 1965.
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Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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27.10.2007, 11:31
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Spender
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Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 848
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Ein trauriges Kapitel bei der Aufarbeitung des Nationalsozialismus war die "Entnazifizierung" in Deutschland. Dazu erlaube ich mir einen Buchtipp:
Bertold Kamm/Wolfgang Mayer, Der Befreiungsminister - Gottlob Kamm und die Entnazifizierung in Württemberg-Baden, erschienen 2005 im Silberburg-Verlag Tübingen. Gottlob Kamm (auch er war eine Zeitlang im KZ) hatte die Aufgabe von den Amerikanern übernommen, legte sich mit jenen sehr wohl auch an (er wollte Wiederaufbau, die Amerikaner nur Bestrafung) und stieß auf eine Mauer von Mitbürgern, die nicht mitspielen wollten und sich durch "Persilscheine" zu drücken versuchten. Es gab auch einen Attentats-Versuch gegen ihn. Mitautor Bertold Kamm ist als Sohn ein fundierter Zeitzeuge. Das Buch enthält zudem Ergebnisse von Quellenrecherchen in den OMGUS-Akten und gehört eigentlich in jeden Geschichtsunterricht.
Übrigens, ein Unikat in der deutschen Justizgeschichte: Eine der Spruchkammern trat sogar mal in einen Streik, um gegen die lasche Behandlung eines Nazi-Richters zu protestieren!
Geändert von Sokotra (27.10.2007 um 11:37 Uhr)
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