20.07.2008 - 04:03
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  #1  
Alt 03.02.2008, 00:17
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
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Entnazifizierung in der BRD

In der Bundesrepublik ist die Entnazifizierung einiger Kritik ausgesetzt, da sie vielen nicht gründlich genug war und in der Verwaltung der jungen Republik Mitläufer wieder Karriere machten, etwa im Außenministerium, wo viele Diplomaten des Dritten Reiches wieder ihrer alten Arbeit nachgingen oder in Schulen, wo Mitläufer wieder als Lehrer eingesetzt wurden.

Ist dies negativ zu bewerten, zeugt dies sogar von mangelnder Bereitschaft zur geschichtlichen Aufarbeitung?
Oder ist dies eine eher positive Entwicklung, da in der Verwaltung der Bundesrepublik weniger qualifizierte Beamte gearbeitet hätten und man dadurch die Möglichkeit hatte, diejenigen, die zuvor wenig von der Demokratie hielten für dieses System zu gewinnen?
__________________
Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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  #2  
Alt 03.02.2008, 01:58
Benutzerbild von toblu
Homo Novus
 
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es ist auf jeden fall ein thema, das schwieriger ist als es auf den ersten blick scheint
in der DDR hat man über 90% der richter entlassen und absolute laien nach ein paar wochenendkursen in die gerichte gesetzt

ob das unterm strich besser war als z.b. das sog. "huckepackverfahren" in der britischen besatzungszone (für jeden ex-NSDAP-richter ein nicht-ex-NSDAP-richter) ist schwer zu beurteilen, wobei ich eher zu einem ja tendiere
denn insbesondere die juristen waren zwar weiß gott keine verfechter der demokratie, aber sie waren (zumindest zum größten teil) auch keine NSDAP-vordenker, sondern eher einfache mitläufer und opportunisten (was freilich schlimm genug ist)
__________________
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  #3  
Alt 03.02.2008, 02:05
mozart
Gast
 
Beiträge: n/a
Die Entnazifizierung hat vielleicht das richtige gewollt. Die Umsetzung jedoch hat mit Demokratie nichts zu tun. Quasi der "Ariernachweis" der Nachkriegszeit.
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  #4  
Alt 03.02.2008, 09:49
Benutzerbild von dieter 4711
Mensch
 
Registriert seit: 09.01.2008
Ort: Frankfurt/M.
Beiträge: 287
Die Entnazifizierung war eine Farce. Mein Großvater wurde 1945 beim Entschärfen von Brandbomben, weil er Nazi war, nicht bei Eintreffen der Amerikaner geflohen ist, weil er sich nichts vorzuwerfen hatte, von einem amerikanischen Captain durch einen Spengkörper, den der in das Feuer, an dem sich die Arbeiter wärmten, geworfen hat und getötet.
Nach seinem Tode wurde er noch als Mitläufer entnazifiziert.
Sollte er jemals etwas Böses gemacht haben, so war das durch seinen Tod doch längst beglichen. Eine höhere Strafe als die Todesstrafe gibt es doch wohl nicht?
__________________
Nichts ist unmöglich
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  #5  
Alt 03.02.2008, 10:26
Quaestor
 
Registriert seit: 14.12.2007
Beiträge: 130
Aufgrund er großen Anzahl der Verfahren hatte man sich zuerst die "kleinen" Fälle vorgenommen und die großen zurückgestellt. Schon nach 1948 wurden die Entnazifizierung praktisch abgeschossen und in den Ländern der Bundesrepubik sogenannte Entnazfizierungs-Schlußgesetz beschlossen, mit dem Resultat, das häufig die schwer Belasteten davon gekommen sind. ICh will mir erst gar nicht versuchen vorzustellen, wie sich die menschen fühlten mussten, die beispielsweise von übelsten Nazistaatsanwälten angeklagt und von Nazirichtern verurteilt worden waren und dann in der jungen Bundesrepublik diese Herren wieder in Amt und Würden ertragen musssten, so alsob überhaupt gar nichts gewesen war. Ich erinnere nur an Herrn Filbinger.

Hingegen hat der Deutsche Bundestag hat bis 1998 gebraucht, um Anghörige der Wehrmacht zu rehabilitieren, die keine neigung verspürt haben, sich sinnlos abschlachten zu lassen.
__________________
"Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern mit den Augen die Tür zu finden." [Walter von Siemens]
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  #6  
Alt 03.02.2008, 10:30
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
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Beiträge: 6.035
Ich denke das ist eine Zwangsläufigkeit. Nach 12 Jahren Diktatur und 6 Jahren Krieg jemanden zu finden, der absolut unbelastet war, war schon schwierig genug aber damit alle Posten zu füllen absolut unmöglich.
In der SBZ hatte man den Vorteil, dass man sich bei kommunistischen Exilanten bedienen konnte.
Aber gut, nicht jeder Posten bleibt ewig besetzt und mit der Zeit verschwanden die Alt-Nazis aus den Behörden.
Viel schlimmer finde ich, dass Nazis in hohe Regierungsposten aufrücken konnten. Ich nenne hier mal Kanzler Kiesinger, immerhin ehemaliges NSDAP-Mitglied.
__________________
Demokratie heißt die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt werden.

Geändert von Wulfnoth (03.02.2008 um 11:00 Uhr).
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  #7  
Alt 03.02.2008, 10:57
Quaestor
 
Registriert seit: 14.12.2007
Beiträge: 130
Jooh, da gibt es noch ein paar "nette" Beispiele:

Herbert Blankenhorn, ehemaliger Leiter der politischen Abteilung des AA
Karl Carstens, ehemalig Staatsoberhaupt der Bundesrepublik
Hermann Höcherl, ehemaliger Innenminister
Theodor Oberländer, ehemaliger Vertriebenenminister
Gerhard Schröder, ehemaliger Außen- Verteidigungs- und Innenminister
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"Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern mit den Augen die Tür zu finden." [Walter von Siemens]
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  #8  
Alt 03.02.2008, 14:05
Benutzerbild von dieter 4711
Mensch
 
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Lieber Bruckner,
Du hast recht. Die Kleinen hängt man und die Großen ließ man laufen.
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Nichts ist unmöglich
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  #9  
Alt 03.02.2008, 15:01
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Ort: Bremen
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Zitat von dieter 4711 Beitrag anzeigen
Lieber Bruckner,
Du hast recht. Die Kleinen hängt man und die Großen ließ man laufen.
Na so kann man das auch nicht sagen. Die großen wurden in Nürnberg hingerichtet oder mit mehrjährigen Haftstrafen belegt.
Das was Bruckner aufführt waren ausnahmslos kleine Fische in der NSDAP und man konnte ja schlecht jedes NSDAP- oder SA-Mitglied ins Gefängnis stecken, das waren immerhin Millionen. Aber jenseits von der Mitläufer und Täter Diskussion waren NSDAP-Mitglied per Definition Nazis und sie in hohe Staatsämter der BRD aufrücken zu lassen war definitiv ein (moralischer) Fehler. Ich sage moralisch weil es der BRD ja nicht zu sehr geschadet hat.
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  #10  
Alt 03.02.2008, 15:07
Quaestor
 
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Beiträge: 130
Aufgrund er großen Anzahl der Verfahren hatte man sich zuerst die "kleinen" Fälle vorgenommen und die großen zurückgestellt. Schon nach 1948 wurden die Entnazifizierung praktisch abgeschossen und in den Ländern der Bundesrepubik sogenannte Entnazfizierungs-Schlußgesetz beschlossen, mit dem Resultat, das häufig die schwer Belasteten davon gekommen sind.
Ich glaube, das dieter4711 sich auf diesem Teil meines Beitrages bezog.
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  #11  
Alt 03.02.2008, 16:50
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
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Achso das hab ich nicht erkannt, würde aber auch mehr Sinn machen.
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  #12  
Alt 03.02.2008, 21:34
MacX
Gast
 
Beiträge: n/a
Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Aber jenseits von der Mitläufer und Täter Diskussion waren NSDAP-Mitglied per Definition Nazis
Das würde ich so nicht stehen lassen. Es gibt durchaus unterschiedliche Gründe einer Partei beizutreten. Nicht zuletzt die guten Aufstiegschancen. War in der DDR nicht anders.
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  #13  
Alt 03.02.2008, 22:42
Benutzerbild von Wulfnoth
The Censor
 
Registriert seit: 29.01.2005
Ort: Bremen
Beiträge: 6.035
Zitat von MacX Beitrag anzeigen
Das würde ich so nicht stehen lassen. Es gibt durchaus unterschiedliche Gründe einer Partei beizutreten. Nicht zuletzt die guten Aufstiegschancen. War in der DDR nicht anders.
Wer Mitglied der Nationalsozialisten Deutschen Arbeiterpartei war, der war ein Parteigänger Hitlers und damit Nazi. Da gibt es nichts zu beschönigen, denn niemand es war zu keiner Zeit Pflicht der Partei beizutreten.
Wer sich soweit mit dem Regime arrangierte, dass er Mitglied der Regimepartei wurde ist mehr als nur Mitläufer.
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  #14  
Alt 03.02.2008, 22:54
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
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Ort: Rheingau
Beiträge: 380
Zitat von Wulfnoth Beitrag anzeigen
Wer Mitglied der Nationalsozialisten Deutschen Arbeiterpartei war, der war ein Parteigänger Hitlers und damit Nazi. Da gibt es nichts zu beschönigen, denn niemand es war zu keiner Zeit Pflicht der Partei beizutreten.
Wer sich soweit mit dem Regime arrangierte, dass er Mitglied der Regimepartei wurde ist mehr als nur Mitläufer.
Ich habe letztes Jahr an einem Seminar für Managementpraxis teilgenommen. Einmal war Hans Eichel Gastredner. Er sagte, dass sein Vater in die NSDAP eingetreten ist, nicht etwa weil er ein Nazi war, sondern deswegen, weil er ansonsten seine Anstellung im Rathaus verloren hätte.
Ich denke schon, dass viele andere diesen Schritt auch in aus Karrieregründen getan haben.
__________________
Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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  #15  
Alt 03.02.2008, 22:59
Benutzerbild von Nichts
nobodys fault
 
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Ort: Braunschweig
Beiträge: 323
Es ist ja auch nicht jedes NPD Mitglied ein Nazi. Es gibt immer auch Mitläufer und anders motivierte.
Viele haben sich in den wirtschaftlich schlechten Zeiten auch nur den Weg der (vermeintlichen) Besserung der Dinge gesucht.
__________________
Auch Demokratie ist nur eine (Geld-)Aristokratie
alles Geschriebene zeigt meine "bescheidene und nicht gefragte" Meinung.

und Ordograffi feler kan der fiender bealten
_________________________________________
BIG SCHÄUBLE IS WATCHING YOU

Geändert von Nichts (03.02.2008 um 23:01 Uhr).
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entnazifizierung


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