30.08.2008 - 03:22
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  #1  
Alt 04.12.2007, 10:29
Plebejer
 
Registriert seit: 16.07.2005
Beiträge: 17
Entnazifizierung in der DDR

Hallo,
Mich interessiert, in wie weit in der Justiz der DDR entnazifiziert wurde. Was wurde vom Justizsystem verändert, wie sah es personell aus? In wie weit wurde die Entnazifizierung gleichzeitig zurStalinisierung bzw. Sowjetisierung der Justiz genutzt? Weiß jemand interessante, eventuell auch zusammenfassende Literatur über dieses Thema?
Lg,
Jonny
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  #2  
Alt 04.12.2007, 17:41
Plebejer
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Husum/Nordsee
Beiträge: 49
In der SBZ wurde sehr radikal und auch blind entnazifiziert! Die härteste Variante aller 4 Zonen! Jeder der Parteimitglied war, war für die Justiz auch Nazi. ( Gut, auch zurecht^^) Aus öffentlichen Ämtern wurden diese komplett entfernt und durch zuvor in sowjetischen KAderschmieden gezüchtete Sozialisten sowie Mitglieder des linken Widerstands ersetzt. Die Judikative wurde hierbei großteils von russischen Richtern übernommen, es gab einfach nicht genug unbelastete! Jedoch wurden neben Nazis auch viele Antikommunisten aller anderen Lager "mitgehangen". Insgesamt kamen 120.000 Menschen in russische Lager, hier aber vorallem Leute, die einem Sowjetstaat im Wege standen. Von ihnen kamen nur rund 30.000 zurück...
__________________
"Die Artillerie verleiht dem vulgären Gemetzel Würde!" (Friedrich d. Große)
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  #3  
Alt 04.12.2007, 18:17
Benutzerbild von K. Ropp
Praetor
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Rheingau
Beiträge: 389
In Frontal 21 gab es einmal einen Beitrag über die Entnazifizierung in der DDR, in dem es darum ging, dass diese wohl nicht immer so gründlich von statten ging. Ich glaube mich zu erinnern, dass als Beispiel ein KZ-Aufseher angeführt wurde, der in der DDR Karriere machen konnte.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Beitrag komplett richtig wiedergegeben habe, aber es wurde auf jeden Fall gesagt, dass die Entnazifizierung in der SBZ bzw. in der DDR nicht immer so gründlich war, wie man sich das allgemein vorstellt.
__________________
Zitat von Helmut Kohl
Ich weiß nicht, was der französische Staatspräsident Mitterrand denkt, aber ich denke dasselbe.
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  #4  
Alt 04.12.2007, 20:18
Plebejer
 
Registriert seit: 08.10.2007
Ort: Husum/Nordsee
Beiträge: 49
Man sagt, dass in gesamt Deutschland etwa 30% aller Nazi"größeren" durchgekommen sein sollen. Sicher wird es auch in der SBZ solche Fälle gegeben haben. Der Weg von Nationalsozialisten zum Kommi ist ja eig. auch nicht sooo weit.

Ich würde sagen: Typisch Frontal 21. Immer auf der suche nach einem Skandal und dafür wird dann auch gerne etwas weggelassen... MAn kann Geschichte ja immer so auslegen, wie man es gerade braucht! Gerade das ZDF ist da ja ziemlcih groß
__________________
"Die Artillerie verleiht dem vulgären Gemetzel Würde!" (Friedrich d. Große)
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  #5  
Alt 05.12.2007, 01:13
Spender
 
Registriert seit: 27.10.2007
Ort: Raum Nürnberg
Beiträge: 670
Ein paar nüchterne Fakten. Nach den Statistiken des OMGUS waren bis Ende Januar 1949 in der gesamten US-Zone genau 13 098 059 Personen nach dem Entnazifizierungsgesetz erfasst worden. Die Spruchkammern entschieden über 904 565 Bürger. Dabei wurden 1561 Personen als Hauptschuldige, 21 277 als Belastete, 106 131 als Minderbelastete und schließlich 477 860 als Mitläufer eingestuft.

Ein anderes (zunächst als geheim eingestuftes) Dossier der US-Verwaltung (heute einsehbar in Mikrofilm-Kopie im Bundesarchiv in Koblenz) besagt: Zwischen dem 1. April und dem 30. September 1948 stieg der Anteil der Nazis in Wahlämtern in Baden-Württemberg wieder von 17,8 auf 33,4 Prozent, die der Personen im gehobenen Dienst von 56,0 auf 83,2 Prozent.

In der SBZ war der Umgang mit der Vergangenheit anders. Es ging nicht wie im Westen um eine Restauration eines amerikanisch-kapitalistischen Systems, sondern um den Aufbau eines Arbeiter- und Bauernstaates unter strenger Kontrolle der SED. Die Quellen dazu habe ich dummerweise nur in einer englischen Übersetzung, aber sie sind klar: SED-Chef Wilhelm Pieck erklärte im Februar 1947: Arbeiter, die den Nazis folgten, seien einfach einem "Schwindel" aufgesessen. Die Mitarbeit am Aufbau des Arbeiter- und Bauernstaates bedeutete Rehabilitation. Nach den Worten von Walter Ulbricht war das die "Chance" für die Mißgeleiteten. Also ein ganz anderer Maßstab.

Während im Westen viele Menschen vor allem danach trachteten, "Persilscheine" für ihre Spruchkammer-Verfahren zu bekommen (ich habe mal ein paar der alten Akten durchgesehen, sie lesen sich wie ein Krimi), war es im Osten ganz einfach: Der SED folgen, und man war persönlich aus dem Schneider ...
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  #6  
Alt 11.12.2007, 12:43
Plebejer
 
Registriert seit: 16.07.2005
Beiträge: 17
Hi!
Gut, danke schonmal. Was wisst ihr denn so speziell zur Entnazifizierung in der Justiz? Also diese Sachen mit Volksrichtern und so? In wie fern wurde da die Entnazifizierung zur Sowjetisierung benutzt?
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  #7  
Alt 16.12.2007, 10:50
Benutzerbild von Loken
Plebejer
 
Registriert seit: 12.10.2007
Ort: Mainz
Beiträge: 7
Generell ist anzumerken dass die Entnazifizierung im Bereich der höheren Ämter von Militär, Medizin und ggf auch Justiz, nicht richtig ausgeführt wurde und auch nicht hunderprozentig ausgeführt werden konnte, schließlich gab es einfach keinen Ersatz für diese Leute und eine neue Ordnung wurde dringend benötigt.
Bei der Justiz bin ich mir jedoch nicht absolut sicher, aber bei Wissenschaftlern und Militärs liegt es auf der Hand dass viele trotz schwerer Verbrechen ihre weiße Weste behalten durften.
Es wurden meist dann eher die kleineren Fische bestraft und an ihnen exempel statuiert.
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entnazifizierung


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